Hallo,
das Wort "Erwachsen" sagt viel über die Einstellung zur Jugend aus: Es bedeutet "aus der Jugend herausgewachsen zu sein" und weist auf eine Geringschätzung der Jugend hin.
Wenn man in seinem sozialen Umfeld eine gewisse Kompetenz und Handlungsreife erreicht hat.
Diese Meinung wundert mich überhaupt nicht. War mein Richter wohl doch richtig.
Also, ich beobachtete einmal eine Gruppe Kinder. Die jüngste war 4 und die älteste 9. Es bahnte sich ein Streit über das Fernsehprogramm an. Doch dann wurde mit hoher sozialer Kompetenz beratschlagt, das man auf die 4-jährige Rücksicht nehmen müsse, weil sie in diesem Alter eben noch Angst vor dem Film habe. Und so wurde beschlossen, das Programm zu wechseln und es kam kein Streit auf.
Da saß ich daneben und dachte mir, was für eine soziale Kompetenz und bemerkte, daß das unter "Erwachsenen" recht selten ist.
Also wenn das Erwachsen ist, dann waren diese Kinder mit 6 schon erwachsen (so alt war diejenige, die das entscheidende Argument brachte).
Wenn Kinder vor der Einschule schon "in seinem sozialen Umfeld eine gewisse Kompetenz und Handlungsreife erreicht haben". Erlich gesagt, wenn ich die Argumentation-Methodik mancher Leute hier beobachte, die glauben sie seie erwachsen, zweifle ich, das sie von dieser Gruppe Kinder ernst genommen werden würden. Die würden sehr schnell erkennen, daß das nur heiße Luft ist. Sie würden jedoch nicht intellektuelle Mängel Kritisieren oder diskutieren anfangen. sie würden es als herzlos empfinden und schlicht doof finden - genauso doof, wie gewisse leute "Teenies" empfinden, weil sie sich "erwachsen" überlegen fühlen - na ja, Einbildung ist ja bekanntlich auch Bildung, nö!!!
Ich finde das, was sich hier gerade abspielt, wiedermal lustig. Es ist ein schwarzer Humor, aber trotz allem sollte man sich die Kunst bewahren, darüber lachen zu können.
Erwachsen ist eine Wertung des Egos - weiter nichts. Ich hab früher auch Wege benutzt, mich auszudrücken, die ich mir heute verkneife. Z.B. hört man von mir kein "Wie im Kindergarten hier!" mehr, weil ich diese Wertung, Kinder wären "kindisch" nicht mehr stütze.
Eine bekannte hat einmal in ihrer Kindergartengruppe mal alles Spielzeug wegräumen lassen und dann sollten die Kinder jeden Tag entscheiden, welches Spielzeug wieder hervorgeholt würde. Dazu hielt sie eine Redestabrunde ab. Sie war erstaunt, was für Argumentationen da kamen. Wie bewußt kinder Entscheidungen treffen und wie sicher sie das ausdrücken können - wenn man sie mal ernst nimmt und reden läßt. die Kinder waren nicht plötzlich super schlau geworden - ihre Kompetenz und Eigenständigkeit wurde nur nicht mehr gebremst und sabotiert. Sie konnte das jedoch erst erkannen, als sie mal ausprbierte die Kinder ernst zu nehmen.
Deshalb wird man von mir auch nie eine Spruch hören, von wegen "Ich bin erwachsen!". Solche Denkmuster finde ich etwas boniert und unreflektiert. so sehe ich das zumindest.
Es gibt eine Form des Selbsthasses, der so tief sitzt, das man ganze Gruppen abwerten muß. Das ist schlichter Rassismus. Und dabei ist es vollkommen wurscht, ob man eine Rasse, eine Religion oder eine Altersgruppe abwertet. Praktischerweise stellt man vorher sicher, das man nicht zu dieser Gruppe gehört *ggg* Super einfach - nehmen wir einfach die Gruppe der deutlich jüngeren und diskriminieren die. Und da sowieso kaum jemand an seine innere Weisheit glaubt, wird es bei diesem Muster auch wenig Widerspruch geben. Witzigerweise kann man noch mit 40 als Jugend gelten. Denn der 80-jährige Opa nennt den 40-jährigen auch "jung" und bildet sich ein, er sei erwachsener. Alter schützt vor Dummheit nicht!
Reife ist kein Maß an Erfahrungen, sondern ein Maß an Wahrhaftigkeit. Und deshalb wird man auch durch langes sammeln vieler Erfahrungen nicht reif, wie es das Denkmuster des "erwachsenwerdens" einen vorgaukelt. Im Gegenteil - wenn man seine Erfahrungen mit irrigen Denkmustern sammelt, nimmt diese innere Reife sogar ab und man verrennt sich in einer negativen Selbstbestätigung. So entsteht auch der oben erwähnte unbewußte Selbsthaß.
Ist ein komplexes Thema, das recht tief in unserer heutigen Gesellschaft drinnen steckt.
Alles Liebe
Jan