gerade per mail gekriegt von der kritischen jüdischen stimme österreichs.
Werter Herr Günter Grass!
Vor allem möchten wir Ihnen unseren Dank und unsere Anerkennung für Ihr Gedicht Was gesagt werden muss... aussprechen. Wie Sie aus dem beiliegenden Flugblatt entnehmen können, schlagen wir seit einigen Wochen in dieselbe Kerbe. Wir verteilten es in unserer Straßenarbeit und werden es weiterhin verteilen, da die österreichischen Medien uns kein Forum bieten. Auch sind wir natürlich bei weitem nicht so bekannt wie Sie, noch haben wir die schriftstellerische Gabe des Autors der Blechtrommel, des Butt, des Krebsgang. Unsere Aktivitäten sind dagegen eher nüchtern und rein politisch.
Auch wenn Sie, wie Sie in Ihrem letzten Interview sagten, Sie würden jetzt Ihr Gedicht anders fassen, wären Sie den gleichen Angriffen ausgesetzt. Die Pro-Israel-Lobby, die Israels Taten und Untaten blind unterstützt, findet jegliche Kritik an Israels Politik unerträglich, setzt sie mit Antisemitismus gleich und schwingt dazu gelegentlich die Holocaustkeule. Wir betrachten so manche der Kommentatoren, die Sie wegen Ihres Gedichts gelinde gesagt verunglimpfen, als so genannte Philosemiten, die ihre übertünchte Abneigung gegen Juden, oft tief verborgen und vielleicht aus irgendwelchen Schuldgefühlen verdrängt, durch Überidentifizierung mit dem Staat Israel zu kompensieren versuchen.
Mit Ihrem Gedicht haben Sie eine öffentliche Debatte in Deutschland, Österreich und Israel ausgelöst, die sonst kaum stattgefunden hätte. Es war höchste Zeit dafür! Daher sind Ihnen viele Menschen mit Sinn für Gerechtigkeit zutiefst verbunden.
Mit besten Grüssen,
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