Dostojewski

  • Ersteller Ersteller esperanto
  • Erstellt am Erstellt am
esperanto schrieb:
zu sehr rechts und links.

wenn ich A sage, dann muss ich nicht unbedingt auch B sagen. aber ich kann eingestehen, dass ich mich geirrt habe.

humanistisch gesehen steht das leben des individuums im mittelpunkt. der mensch schöpft aus sich heraus. trotzdem gibt es keinen gott. gott steht höchstens als symbol für die eigene stärke des individuums.

lg, esperanto

Was gibt denn dem Individuum seine Stärke?
Ist es allein seine Stärke oder auch sein soziales Gewissen?

Das Individuum steht im Mittelpunkt, aber nur solange es Andere nicht in ihrer Lebensentfaltung behindert. Das ist das Wesen des Humanismus.

Die Stärke allein ist es wohl kaum, denn:
Die Anarchie stellt das Einzelindividuum auch in den Mittelpubkt, aber es gilt das Recht des Stärkeren. Das war auch die Philosophie des Nationalsozialismus. Dort galt, allein die stärkste Rasse, die sog. Herrenrasse hat das Recht zu leben. Man dehnte hier die individuelle Stärke aus auf die Rasse.

Es zeugt immer vom Entwicklungsgrad einer Anschauung, wie weit das Recht des Einzelindividuums gilt und in wie weit man auch andere Individuen mit einschließt.
Wenn man im Humanismus vom Individuum spricht, dann meint ja nicht ein bestimmtes Individuum (der König oder Adelige), sondern jedes beliebige, also Alle. Das ist der zentrale Punkt.

Der erste Grad ist das Recht des Individuums (Recht des Stärkeren)
Dann das Recht der Familie
Das Recht des Volkes
Das Recht der Menschen im Allgemeinen.

Das sind unterschiedliche Grade der Entwicklung.
Das Recht des Individuums schließt im Laufe der Entwicklung nach und nach alle Individuen mit ein.

Nun wo ist der Unterschied zwischen dem Humanismus, wo das Einzelindividuum als abstrakter Begriff definiert wird und damit alle Menschen gleicherweise gemeint sind und den zentralen Aussagen der Evangelien?
Was ist die Essenz dessen was alle Menschen im humanistischen Sinne gleichermaßen zum Menschen macht.
Es sind wiedermal Worthülsen, die uns an der Erkenntnis des Wesentlichen hindern. Ob ich es nun Christus nenne oder das Wesen des menschlichen Individuums.
Es ist m.E. das Selbe.
Die konfessionellen Kirchen haben aus den Evangelien ein Machtinstrument geschaffen und die Texte missbraucht und das brachte man im Laufe der Geschichte mir neuen Begriffen wieder ins Lot. Das ist Alles.
Führt man sie auf das Wesentliche zurück und wirft unnötigen Ballast ab, dann wird man das Selbe finden.

Gruß Willibald
 
Werbung:
wenn ich mir anschaue, welches Elend im Namen Gottes (egal jetzt welches Gottes) in der Welt angerichtet wird, dann beschleicht mich das Gefühl, daß Gott als Moralinstanz bei vielen versagt hat. Und das geht ja schon seit Zeiten, wo es das Christentum noch nicht einmal gab. Man nehme nur das alte Ägypten und die Religionskriege die es dort gab.

Alles Liebe
Romy
 
Astroharry schrieb:
Die Anarchie stellt das Einzelindividuum auch in den Mittelpubkt, aber es gilt das Recht des Stärkeren.
Ich sehe das auch so. :D
Damit meine ich jetzt nicht, dass man durch die Welt gehen und auf jeden einprügeln soll, der schwächer ist.
Ich meine nur, dass das Recht des Stärkeren einfach Naturgesetz ist und weder seine Gültigkeit verloren hat noch jemals wird.
Dass die Menschen es sich heute nicht einzugestehen wollen und sie es anders verpacken, manchmal noch nicht mal im Klaren sind, nach genau dem Gesetz zu leben, tut nichts zur Sache.
 
Astroharry schrieb:
Was gibt denn dem Individuum seine Stärke?
der glaube an den guten menschen.
liberte, fraternite, egalite :)

ein streben nach menschlichkeit und freiheit. die individuelle entfaltung einer eigenen persönlichkeit. das erkennen der wahrheit, sowohl hinsichtlich seiner eigenen grenezen, als auch seiner persönlichen möglichkeiten.

---> ein leben und handeln aus sich selbst heraus und nicht durch eine gottgegebene autorität.


Astroharry schrieb:
Das Individuum steht im Mittelpunkt, aber nur solange es Andere nicht in ihrer Lebensentfaltung behindert. Das ist das Wesen des Humanismus.
freiheit. toleranz. respekt.

der unterschied liegt in der autoritären macht gottes.

Astroharry schrieb:
Die Stärke allein ist es wohl kaum, denn:
Die Anarchie stellt das Einzelindividuum auch in den Mittelpubkt, aber es gilt das Recht des Stärkeren. Das war auch die Philosophie des Nationalsozialismus.
nationalsozialismus?
freiheit? toleranz? respekt? ...wohl kaum!

Astroharry schrieb:
Wenn man im Humanismus vom Individuum spricht, dann meint ja nicht ein bestimmtes Individuum (der König oder Adelige), sondern jedes beliebige, also Alle. Das ist der zentrale Punkt.
wahrheit und liebe darf nicht in tausend dimensionen definiert werden! es steht, wie es ist! ansonsten... LIBERTE! :)

Astroharry schrieb:
Was ist die Essenz dessen was alle Menschen im humanistischen Sinne gleichermaßen zum Menschen macht.
die bejahung des lebens. wahrheit und liebe. rechte. pflichten. freiheit.

Astroharry schrieb:
Es sind wiedermal Worthülsen, die uns an der Erkenntnis des Wesentlichen hindern. Ob ich es nun Christus nenne oder das Wesen des menschlichen Individuums.
Es ist m.E. das Selbe.
da magst du recht haben. ich denke, ich weiss worauf du hinaus willst.
ein unterschied aber gibt es:

den nächsten zu lieben um gotteswillen
oder
den nächsten zu lieben um meineswillen.


siehst du nun die wahre kraft?





Astroharry schrieb:
...und die Texte missbraucht...
die texte gleichen meinen nächtlichen träumen. sie symbolisieren...

lg, esperanto
 
HerrHundi schrieb:
Ich sehe das auch so. :D
Damit meine ich jetzt nicht, dass man durch die Welt gehen und auf jeden einprügeln soll, der schwächer ist.
Ich meine nur, dass das Recht des Stärkeren einfach Naturgesetz ist und weder seine Gültigkeit verloren hat noch jemals wird.
Dass die Menschen es sich heute nicht einzugestehen wollen und sie es anders verpacken, manchmal noch nicht mal im Klaren sind, nach genau dem Gesetz zu leben, tut nichts zur Sache.
Dieses Recht gilt nicht in einem Staat. ein Staat ist ein Gebilde, in dem sich mehrere Menschen zusammenfinden, um sich gemeinsam an bestimmte Regeln zu halten. diese Regeln werden in der Verfassung niedergelegt und dort steht z.B. eindeutig.
Z.B.
Die Unverletzlichkeit der Person
Freiheit der Religionsausübung
Alle sind vor den Gesetz gleich

Diese Prinzipien setzen das Recht des Stärkeren außer Kraft.
Das heißt, wenn Dein Nachbar um einen Kopf größer ist als Du, dann darf er Dir deshalb weder dein Haus noch deine Frau weg nehmen.
Dafür sorgt der Staat und der wiederum gründet auf die Verfassung.

In der Natur gelten diese Gesetzt sicher. Aber wir sind keine Tiere.

Gruß Willibald
 
es gibt keine göttliche Autorität, die den Menschen in irgendeiner Weise behindert.
Das kannst Du daran sehen, dass Gott alles zuläßt, was Menschen tun.
Oder hast Du schon mal gesehen dass er jemand an der Gurgel packt?
Diesen Gott gibt es nicht. Er ist eine Erfindung der Menschen.

Du bist vollkommen Frei. Du kannst tun und lassen was immer Dir beliebt.
Es steht Dir frei, Dein Glück dort zu suchen, wo Du es zu finden glaubst.

Mephistopheles.

Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
Und fragst wie alles sich bei uns befinde,
Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt;
Mein Pathos brächte dich gewiß zum Lachen,
Hätt'st du dir nicht das Lachen abgewöhnt.
Von Sonn- und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich sehe nur wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd' er leben,
Hätt'st du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt's Vernunft und braucht's allein,
Nur thierischer als jedes Thier zu sein.
Er scheint mir, mit Verlaub von Ew. Gnaden,
Wie eine der langbeinigen Cicaden,
Die immer fliegt und fliegend springt
Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
Und läg' er nur noch immer in dem Grase!
In jeden Quark begräbt er seine Nase.

Der Herr.

Hast du mir weiter nichts zu sagen?
Kommst du nur immer anzuklagen?
Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?

Mephistopheles.

Nein Herr! ich find' es dort, wie immer, herzlich schlecht.
Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen,
Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.

Der Herr.

Kennst du den Faust?

Mephistopheles.

Den Doctor?

Der Herr.

Meinen Knecht!

Mephistopheles.

Fürwahr! er dient euch auf besondre Weise.
Nicht irdisch ist des Thoren Trank noch Speise.
Ihn treibt die Gährung in die Ferne,
Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne,
Und von der Erde jede höchste Lust,
Und alle Näh und alle Ferne
Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.


Der Herr.

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,
So werd' ich ihn bald in die Klarheit führen.
Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,
Daß Blüth' und Frucht die künft'gen Jahre zieren.


Mephistopheles.

Was wettet ihr? den sollt ihr noch verlieren,
Wenn ihr mir die Erlaubniß gebt
Ihn meine Straße sacht zu führen!


Der Herr.

So lang er auf der Erde lebt,
So lange sei dir's nicht verboten.
Es irrt der Mensch so lang er strebt.


Mephistopheles.

Da dank' ich euch; denn mit den Todten
Hab' ich mich niemals gern befangen.
Am meisten lieb' ich mir die vollen frischen Wangen.
Für einen Leichnam bin ich nicht zu Haus;
Mir geht es wie der Katze mit der Maus.


Der Herr.

Nun gut, es sei dir überlassen!
Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab,
Und führ' ihn, kannst du ihn erfassen,
Auf deinem Wege mit herab,
Und steh beschämt, wenn du bekennen mußt:
Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.


Mephistopheles.

Schon gut! nur dauert es nicht lange.
Mir ist für meine Wette gar nicht bange.
Wenn ich zu meinem Zweck gelange,
Erlaubt ihr mir Triumph aus voller Brust.
Staub soll er fressen, und mit Lust,
Wie meine Muhme, die berühmte Schlange.


Der Herr.

Du darfst auch da nur frei erscheinen;
Ich habe Deinesgleichen nie gehaßt.
Von allen Geistern die verneinen
Ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
Des Menschen Thätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,
Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb' ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.
Doch ihr, die echten Göttersöhne,
Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfass' euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken.

Der Himmel schließt, die Erzengel vertheilen sich.
J.W. v Goethe
 
ESPERANTO:

...da steh' ich nun, ich armer tor!
und bin so schlau - als wie zuvor...




bei gott habe ich noch nie gesehen, wie er persönlich jemandem an die gurgel geht.

ich verstehe dich nicht ganz, willibald. ich weiss nicht, was oder wer... gott ist...
 
sei getrost mein Freund ich auch nicht, aber ich liebe Goethe.
Zeigt er uns doch dass wir in allem frei sind.
Vermutlich ist Gott weder "wer" noch "was", also weder eine Person noch eine Sache. Vielleicht das Gleichgewicht, das die Natur überall anstrebt?
Ich kann es Dir nicht sagen und vermutlich muss das jeder selbst herausfinden.
Ich habe vor Langer Zeit einmal folgendes gehört.
Gott ist das ewige Subjekt, das in allen Wesen wohnt. Also das Ich. Solange wir uns mit Dingen die uns umgeben identifizieren, die nicht dieses Ich sind, solange können wir ihn nicht sehen.
Es gibt einige praktische Bücher dazu.
Meditation, Praktische Wege zum Überselbst von Paul Brunton
"Raja Yoga" von Selevarajan Yesudian (Drei Eichen Verlag)
Die Gespräche mit Ramana Maharishi

Gruß Willibald
 
geh ins Forum und frag doch Mary
http://www.lotus-spirit.de/LotusHomepage.htm

Vielleicht sollte ich mal ein par Worte zu Goethes Faust sagen.
Dieser Faust hatte die Religion ebenso abgeschüttelt wie Du. Er glaubte an nichts und verschrieb sich aus Frust an dieser schalen Welt dem Teufel.
Wenn es einen Gott gibt, dann ist er der Gott der Freiheit. Goethe personifizierte ihn als "Herr" und legte ihm in den Mund, dass er Faust dem Teufel übergab ohne fürchten zu müssen, dass er Faust dadurch verlieren würde.
Soll heissen, die menschliche Natur hat das göttliche in sich und kann am Ende nur immer in allem und am Ende Gott finden.

Gruß Willibald
 
Werbung:
Hallo Harry,

Astroharry schrieb:
Er glaubte an nichts und verschrieb sich aus Frust an dieser schalen Welt dem Teufel.

Das Bild des Teufels ist ein Teil der christlichen Mythologie. Glaubst Du an den Teufel, folgst Du somit christlicher Mythologie. Ein Teufelsanbeter ist somit in Bezug auf die Lehre nichts anderes als ein Mensch, welcher der christlichen Lehre folgt.

Astroharry schrieb:
Soll heissen, die menschliche Natur hat das göttliche in sich und kann am Ende nur immer in allem und am Ende Gott finden.

Das ist ein Dogma.

Gruß,
lazpel
 
Zurück
Oben