Danke Saraswati, Du hast mich gerade auf einen Gedankenfluss gebracht, den ich bis heute intuitiv noch nicht klar wahrgenommen habe. Jetzt hab´ ich´s. Das mit dem Singen und Stimme. Wenn man singt, und zwar aus der Seele, so ändert sich sogar der Gesichtsausdruck des Sängers. Er taucht irgendwohin ein, wie es manchmal scheint. Eigentlich habe ich noch nie Singen mit Spiritualität verbunden. Das war für mich etwas eher Abstrakteres. Etwas, was mich angenehm von Sorgen erlöst, wenn ich z. B. meine russischen Lieder singe. Aber auch nicht mehr. Jetzt, wo Du darauf hinweist
Offensichtlich ist auch Singen wieder eine andere Ebene. Stimmt, nicht mehr eine materielle Ebene. Bei Gebrauch der Stimme vibriert die Luft. Wir hören das, aber wir können es nicht abtasten. Wir genießen es, aber wir können auf der Zunge keinen Geschmack testen. Es ist so, als genießt unser Geist das Akustische. Warum eigentlich?
Da gibt es einige Begründungen... In der harmonischen Musik genießt der Geist schon mal die Proportionen, die durch die Intervalle, durch die Aneinanderreihung der Tonfolgen, durch die Gliederung in Takte und sonstige Struktureinheiten und ganz besonders durch den Rhythmus zum Ausdruck kommen. In Volksliedern, zumal den russischen Volksliedern, lässt sich das ganz direkt nachvollziehen. Und dann ist da nochmal ein Unterschied, ob das Lied, als Melodie im Midi-Player des Computers abläuft, also rein digital-elektronisch errechnet und wiedergegeben, oder ob ein gefühlvoller Mensch das singt. Dann kommt nämlich noch die Ausdrucksqualität mit ins Spiel. Was direkt und ohne Umwege aus dem Herzen gesungen wird, berührt auch die offene Zuhörerseele...
Ich gehe weiter zurück. Auch gerade jetzt verstehe ich dieses ganze Summen bei den tibetanischen Mönchen. Vor ein Paar Jahren hörte sich das exotisch und fremd an und ich kapierte nicht, wie man darauf dermaßen abfahren kann, dass die Ooooomm-Singenden plötzlich geistig nicht mehr da sind.
Hast du mal selbst das Oooommmmmmmm gesungen? Erlebt, was da innerlich geschieht, die Vibration des Körpers, besonders des inneren Energiekanals, und was mit der Athmosphäre im Raum geschieht?Und dabei lag doch die Antwort auf dem Präsentierteller! Also es ist herrlich, eigene Blindheit zu gestehen, das sag´ ich Euch. Ich singe selbst, aber ich sah dabei keine Brücke zu meiner Seele. Und dabei ist sie die ganze Zeit vorhanden gewesen.
Stimmt...
Der Unterschied: wir singen komplizierte Lieder mit viel Melodie und Texten. Aber die Mönche singen eben nur sein Oooomm. Warum? Jeeetzt hab´ ich´s!

Ich meine ja auch, das man zuerst ERKENNEN muss. Das ist die erste Stufe. Nur wollen die Menschen immer die letzte Stufe haben, wo sie bereits im Lotto gewinnen und alles ist paradiesisch. Nun ist es nach kosmischen Gesetzen nicht möglich, zum Punkt Z zu kommen, wenn man A-Y nicht durch hat. Also ich bekomme seit ich Kind bin, Melodien und Texte übermittelt. Nur ist es eigentlich nicht die 1. Stufe der Erkenntnis, sondern eigentlich schon aus dem zusammenhang des Verständnisses rausgerissene. Ich erinnere mich sehr klar an die einzigen 2 Jahre meiner Klavier-Musikschule. Das war Horror. Man wurde dressiert wie ein Äffchen. In Rußland gab es schon immer Bestreben, die talentierten Kinder rauszusuchen und zu den Musik-Wundern zu machen. Und zwar in jeder Schule. Nur ging es immer nur um die Noten-noten-noten. Praxis-praxis-praxis. Aber nie, nie und nimmer bekommst Du als Kind Einblick in die Geistigkeit der Musik.Diejenigen, die diese Dressur überstehen und ihren Talent auch doch noch weiterausbauen, haben Glück und entdecken diese Geistigkeit später.
Das halte ich auch für reichlich unmusikalisch, auf diese Weise Musik zu erziehen. Lies mal die Biografie vom Gidon Kremer, der hat den ganzen Horror aufgearbeitet und für sich dann viel draus gemacht...Nur wird vielen durch dieses Wetteifern der Weg verbaut. So war es auch bei mir. Ich mag keine Dressur.

Erst später habe ich auf der Straße Gitarre spielen gelernt und selbst zu singen angefangen. Jetzt weiß ich, dass meine Seele das wollte und brauchte. Nur verstanden habe ich das damals noch nicht.
Ich denke, mein nächstes Singen, (wenn keiner da ist

), wird auch anders sein
Eigentlich sollte man heute bei allen Aspekten, die unklar sind, zum Ursprung (z. B. ursprüngiches Musikverständnis) kommen. Und von da anfangen, wieder zu lernen. Der einzige Nachteil: könnte länger dauern
Egal, wie lange es dauert, das Entscheidende ist, dass der Weg stimmig ist. Ich habe jetzt ein volles halbes Jahr mich völlig der Musik enthalten (zum ersten Mal im Leben, seit ich fünf bin...) und werde, falls ich wieder beginne, auch auf gewandelte Weise damit umgehen. Das fühlt sich gut an.
Liebe Grüße