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Die Katzenhändlerin

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von sikrit68, 14. August 2018.

  1. sikrit68

    sikrit68 Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    17. August 2016
    Beiträge:
    39.386
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    Eine rote Abessinierkatze saß lange Zeit auf Evas Schoß. Sie stammte aus englischer Zucht, glich jedoch einer in Äthiopien vorkommenden Wildkatze.
    Ihr Fell war tiefrot, nur an ihrem Bauch und an den Innenseiten ihrer Beine ging die Farbe ins Bräunliche, und ihre kleinen Füße hatten schwarze Ballen. Die Katze hatte einen langen, schmalen Kopf und riesengroße, spitze Ohren.
    Mehr und mehr hatte Eva das Gefühl, dass das Tier Besitz von ihr ergriff. Es war ein Teil von ihr - ein Teil, vor dem sie sich ängstigte.
    Immer wenn sie versuchte, eine Katze in den Griff zu bekommen, schwammen ihr alle Felle davon. Wenn sie aber eine Lederjacke anzog, sich durch chemische Prozesse haltbar gemachte Tierart überstreifte, hatte wiederum die Katze Angst vor ihr. Das Tier nahm Reißaus vor dem Dickhäuter, den die Frau zur Schau stellte, wenn sie sich in diese zähe, widerstandsfähige Material hüllte.
    Diese rote Abessinierkatze saß so lange auf Evas Schoß - obwohl die Frau sie nicht streichelte, sprang sie nicht herunter - dass sie beschloss, sie zum Kauf anzubieten. Doch die Scheue wagte nicht, sie mit ihren Händen anzufassen. Deshalb nahm sie ein Stück Salami und lockte damit die Katze in einen Sack. So mussten die Kunden die Katze im Sack kaufen. Während Eva die Katze im Sack über die Türschwelle zum Marktplatz trug, spürte sie, dass das Tier im nächsten Moment die Jute zerfetzen könnte, um sie für ihr rüdes Verhalten zu bestrafen. Weil sie für das Feilschen fit sein wollte, peitschte sie sich selbst mit einer neunschwänzige Katze auf. Alltäglich war Eva gut gezähmt, doch im Geschäftsleben begierig, sich brutal zu geben wie ein Steak saignant - innen noch blutig. In roher Art zerteilte sie vor den Augen der Kaufwilligen mit der neunschwänzigen Katze die Luft in Stücke.
    Ein Kunde wollte Eva eine reinweiße Perserkatze mit langem, seidig wehendem Fell abkaufen. Meist kamen weiße Perserkatzen mit ihren tiefblauen Augen schwerhörig oder gar taub zur Welt. Bei dieser Katze war der Sinnestrübung durch das Einkreuzen eines schwarzen Katers bei der Zeugung vorgebeugt waren, ohne die weiße Fellfarbe zu gefährden. Weiß war bei der Vererbung dominant. Allerdings war das Kätzchen mit zwei ungleichfarbigen Augen geboren worden - das eine Auge blau, das andere kupferfarben.
    Eva machte den Kunden auf die zeitraubende Fellpflege aufmerksam: “Wenn Sie die Gegend um den After nicht täglich mit Seifenlauge waschen, schmutzt das Fell bald gelblich ein.“
    Der Kunde war nicht fähig, zu zahlen.
    Zu Besuch bei einem Katzenhändlerkollegen namens Adam kam eine von Adams Katzen auf sie zu, eine Maus im Maul. Adam war zur Mäusejagd unfähig und delegierte daher diese Aufgaben an seine Katzen. Die Katze legte die Maus direkt vor seine Füße und sah ihn auffordernd an, wie eine Lehrerin einen Schüler.
    “Ab jetzt musst du dir die Technik der Mäusejagd selber aneignen“, schien sie zu sagen und rollte sich dabei entspannt zusammen.
    Adam nahm ein grausam aussehendes Foltergerät, ein Holzplättchen mit einem hässlichen Drahtbügel. Er legte ein Stück Speck darauf, um damit Mäuse zu verführen, durch Unwissenheit und Illusion einen grausamen Tod zu sterben.
    Eine Türkische Katze kam herein. Sie hatte ein kalkweißes Fell, einen kastanienroten Schwanz, ebenso kastanienrote Flecken im Gesicht und Pupillen in heller Bernsteinfarbe. Ihre Lider waren korallrosa umrandet, ihre Pfoten trugen Zehenbüschel.
    Eine andere von Adams Katzen schlich unruhig um die Händler herum. Speichel floss unaufhörlich aus ihrem Maul. Ihr Gang war schwankend, dann legte sie sich auf den Boden, wand sich in einem Krampf und würgte, um schließlich ihren Mageninhalt blutig und direkt vor Evas Füßen zu entleeren. Adam und Eva waren verstört .
    Da entdeckte sie, dass die Blätter eines Usambaraveilchens - in einem Steinguttopf angepflanzt - angebissen waren.
    “Ein beruflicher Fortbildungskurs wäre dir anzuraten“, schalt Eva Adam. “Obwohl gerade Katzen bei der Futterauswahl sehr heikel sind, fressen sie immer wieder bittere Pflanzenteile. Veilchen, Maiglöckchen oder Weihnachtsstern sind sehr gefährlich“.
    Auf Evas Anraten hin setzten die beiden die vergiftete Katze auf einen Tisch, hielten ihren Kopf waagrecht, sperrten ihr das Maul auf und flößten ihr ein rohes Eiweiß ein.
    Eva murmelte: “In letzter Zeit ist mir immer öfter aufgefallen, dass Kunden versuchen, Katzen zu stornieren. Die Fälle von Allergien gegen Katzenhaare häufen sich. Ich denke, dass der Katzenmarkt in nächster Zeit mehr und mehr aus den Fugen geraten wird. Um sich als Katzenhändler zu behaupten, reicht es nicht mehr, einfach nur Katzen zu verkaufen. Man muss flexibler sein, braucht ein breiteres Angebot, Spezialzüchtungen oder eine besonders originelle Art und Weise, die Ware zu präsentieren.
    Plötzlich hatte sie eine Idee: “Katzenleasing entspräche den Anforderungen unserer Zeit. Die Kunden können ausprobieren, ob Katzenhaare zu ihren persönlichen Allergenen gehören. Sie müssen sich nicht fest an ein Tier binden, können verschiedene Züchtungen, Farben Felle, Altersklassen ausprobieren. Ich muss mich dann nicht mehr für immer von einer verkauften Katze trennen, sondern kann sie nach Ablauf der Frist zurück fordern.
    “Dann bist du so etwas wie eine Puffmutter“, merkte Adam an.
    Evas Blick fiel auf eine grinsende weiße Porzellankatze, die ihren Stammplatz auf Adams Fernseher hatte. Sie konnte dieses maskenhafte Lächeln nicht mehr ertragen, weil sie selbst nur allzu häufig domestiziert den Muskel zwischen Wangenknochen und Mundwinkel betätigte, aus purer Höflichkeit. Sie nahm die Porzellankatze und schlug ihr an einer Tischkante den Kopf ab.
    Und da geschah es.
    Alle Fesseln lösten sich von Evas Gesichtsmuskeln. Schamlos riss sie ihren Mund weit auf und entblößte ihren Rachen. Ungezählte Spasmen ihres Zwerchfells trieben ihr Tränen in die Augen. Ihr Herz schlug hart. Ihr Verstand kapitulierte, hatte keine Trümpfe mehr zum Ausspielen. Der Dämon, der sich tagelang dezent im Hintergrund gehalten hatte, ließ sie in unbeherrschtes, schallendes, zügelloses Lachen ausbrechen.Somit war sie selbst zur Katze geworden - zu einem Tier, mit dem sie versucht hatte, Handel zu treiben.
     
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  2. Mellnik

    Mellnik Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    22. August 2017
    Beiträge:
    9.307
    Unheimlich! :eek:
     
    Glitzerfee gefällt das.

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