Im Anfang war die Null. Allerdings nur, wenn man sie symbolisch versteht, denn als Zahl ist sie nicht sonderlich alt. Bis ins hohe Mittelalter war sie im Abendland unbekannt. In römischen Ziffern gibt es keine Null. Dieses merkwürdige Zeichen für ein Nichts stammt aus Indien, tauchte in Europa erst vor knapp 1000 Jahren auf und wurde hier zunächst recht argwöhnisch, kritisch und auch unwillig betrachtet. Man mochte nicht mit Nichts rechnen und in der Kirche gab es Bestrebungen, die Null lieber ganz zu verbieten. Doch auch wenn die Zahl selbst relativ jung ist, gehört ihr Zeichen, der Kreis, zu den ältesten Symbolen der Menschheit.
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Die Jungsche Tiefenpsychologie erkennt im Kreis das Symbol des Unbewussten, des kreativen "Chaos", in dem alle Möglichkeiten, all unsere Anlagen undifferenziert und "einfältig" bereit liegen, um in unser Bewusstsein geholt und dort entfaltet zu werden. In der Astrologie finden wir das Umfassende dieses Symbols im Tierkreis, sowie im weiten Rad des Horizonts und im Kreis, der das Horoskop umgibt und damit all unsere Anlagen und Möglichkeiten umfasst. In den Tarotkarten begegnet uns der Kreis und die Null beim Narren, der zeigt, dass wann immer wir bei Null anfangen, uns wieder alle Möglichkeiten offen stehen.