Atomstrom (2. Teil) und die Katastrophe in Japan

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Die Schweiz hat ihre Pläne, neue AKWs zu bauen, auf Eis gelegt. Das ist schon mal sehr beruhigend. Technikhistoriker Kupper sieht keine Zukunft für Schweizer Nuklearenergie:


ZEIT: Warum hielten Wirtschaft und Politik fast drei Jahrzehnte lang an Kaiseraugst fest?

Kupper: Es gibt viele Gründe. Man hatte über die Jahre rund eine Milliarde Franken investiert. Aber vor allem hatte die Atomwirtschaft eine Angst, die man aus dem Vietnamkrieg kennt: die Angst vor dem Dominoeffekt. Wenn Kaiseraugst fällt, dachte man, fallen auch die anderen AKWs. Gösgen und Leibstadt konnten im Windschatten von Kaiseraugst gebaut werden. Und man konnte viel lernen, auch wie man mit Widerstand umgehen muss.

ZEIT: Wie denn?

Kupper: In Gösgen etwa unterbanden interkantonale Polizeikräfte eine Bauplatzbesetzung wie in Kaiseraugst frühzeitig. Außerdem lernte man, dass Aufklärungskampagnen zur Sicherheit von AKWs deren Akzeptanz nicht steigerten. Die PR wurde entsprechend angepasst, mit den erwähnten Konsequenzen.


ZEIT: Hat die Atomenergie eine Zukunft?

Kupper: Die Ereignisse in Japan stellen die laufenden Planungen für neue AKWs in der Schweiz grundlegend infrage. Diese Pläne waren bereits zuvor politisch stark umstritten, ihre Realisierungschancen dürften nun weiter sinken. Die Stromwirtschaft sollte sich daher ernsthaft überlegen, ob sie es sich erlauben kann, weiterhin auf die Karte Atomenergie zu setzen, oder ob sie nicht besser daran täte, in Alternativen zu investieren.

http://www.zeit.de/2011/12/CH-Atom-Interview2
 
:lachen: also entweder mit Teilchen beschossen (=radioaktive Strahlung) oder bestrahlt

Ja ist doch ein perfektes Beispiel, viele Menschen von Dingen reden und eine Meinung dazu haben, ohne eine Ahnung von der Materie zu haben.
Und wie man sich daraus ohne jeden Grund selbst Angst ein jagd ;) Wenn Lebensmittel mit Teilchen beschossen werden würde, würden sie stärker strahlen als Tschernobylpilze ;)

:D

Kein anderes Verfahren der Be- und Verarbeitung von Lebensmitteln wurde jemals derart gründlich untersucht, in mehr als 50 Jahren Forschung wurde in zahlreichen Versuchen an Testsystemen, an Tieren und an menschlichen Freiwilligen keine nachteilige Wirkung festgestellt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelbestrahlung#Gesundheitliche
 
Zitat:Wie schon erläutert, sorgen auch in diesem Fall Massnahmen dafür, dass auch nicht reale Gefahren verhindert werden, sollten sie eines Tages beschliessen, doch real zu werden

Darum hatte Fukushima ja auch eine Mauer, die vor Tsunamis schützen sollte:autsch:

Da kam der nichtreal hohe Tsunami, verursacht durch ein zu starkes nichtreales Erdbeben zu einem ganz realen AKW und schaltete alle Notstromgeneratoren ab.:rolleyes:

Soso :lachen: Worin unterscheiden sich die Folgen eines hypothetischen Ereignisses wie einem Tsunami deiner Meinung nach von denen eines realem Ereignis?
Und wie kommst du von einer nicht realen Gefahr auf ein nicht reales Ereignis, welches, obwohl nie stattgefunden, plötzlich reale Auswirkung haben soll? :tomate:

Fukushima setzte sich nicht mit dem Tsunamirisiko auseinander, das einzige Gegenindiz ist eine Witzmassnahme, die nie irgendwelche hypotetischen Folgen hätte verhindern können - wie denn reale? :rolleyes:
 
Wenn man solche Reportagen über die Macht der Atom-Lobby sieht, kann man nur den Kopf schütteln. Man will es eigentlich nicht glauben, aber es ist so.

Dies hier ist zwar nicht ganz topic, aber vermittelt einen augenöffnenden Eindruck in Bezug auf die Macht der Pharma-Lobby, und analog geht es wohl auch in der Atom-Lobby zu. Es ist selten und eine einzigartige Perle, daß ein hochrangiger Politiker zugibt, was sonst alle nur ahnen. Hut ab vor Seehofer, hier hat er einen der für Politiker extrem seltenen 'Wahrheitsanfälle*.

Eineinhalb Minuten, in denen die wahren Kräfteverhältnisse zwischen Politik und Lobby-Arbeit zugegeben wird:


Ja, ich kenne diese Aussagen von Seehofer. Interessant ist eigentlich, dass Politiker immer mal wieder rauslassen, dass gegen gewisse Interessengruppen keine Politik zu machen ist... Merkel sagte das auch schon mal über Banken. Und man kann auch an der Politik erkennen, in welchen Bereichen starke Lobbys vertreten sind. Pharma ist eine der stärksten... allerdings muss man sich mit dem Bereich sehr beschäftigen, damit man den Betrug erkennt. Auch da werden Alternativen extremst unterdrückt... was möglicherweise viel weitreichender ist, als das Energiethema.

Autos haben natürlich auch eine große Lobby, und das geht zusammen mit den Öl-Giganten... Es wird dafür gesorgt, dass der Verbrauch hoch (zumindest viel höher als es machbar wäre) bleibt und wir etwa kein Tempolimit bekommen.

Nahrungsmittelkonzerne... auch riesige Lobby.

Die Medien sind übrigens eine eigene Lobby, die mit allen anderen verstrickt ist. Die Medien steuern nicht nur die Bevölkerung, sie haben auch unglaubliche Macht auf die Politik und werden viel gezielter eingesetzt als dem meisten klar ist.

Rüstung... auch große Lobby.

Wer glaubt, die Politiker seien korrupt.. das ist zwar nicht falsch, das Problem ist aber dass niemand an die Macht kommt, der nicht die Hilfe gewisser Interessengruppen hat. Idealisten kommen gar nicht erst so weit das die Bevölkerung wirklich von ihnen erfährt.

Und die Bosse der Bosse sind die Banken.
 
Der Sicherheitsbeauftragte von Merkel für die Sicherheit der AKWs ist ebenfalls ein Atomlobbyist:



Ein Atomlobbyist als oberster Atomaufseher der Bundesregierung? Das ist kein Witz! Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat den Juristen Gerald Hennenhöfer zum Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit berufen. Dort kennt man den neuen Chef bereits: Von 1994 bis 1998, unter Umweltministerin Merkel, saß Hennenhöfer schon einmal auf diesem Posten. Schon damals vertrat er verlässlich die Interessen der Stromkonzerne:

(...)


http://www.ausgestrahlt.de/aktionen/atomaufsicht/hintergrund-info.html
 
Zitat:Soso Worin unterscheiden sich die Folgen eines hypothetischen Ereignisses wie einem Tsunami deiner Meinung nach von denen eines realem Ereignis?
Und wie kommst du von einer nicht realen Gefahr auf ein nicht reales Ereignis, welches, obwohl nie stattgefunden, plötzlich reale Auswirkung haben soll?

Fukushima setzte sich nicht mit dem Tsunamirisiko auseinander, das einzige Gegenindiz ist eine Witzmassnahme, die nie irgendwelche hypotetischen Folgen hätte verhindern können - wie denn reale?


Habe nur gesagt, dass ein Erdbeben dieser Stärke und ein Tsunami dieser Höhe als eine nichtreale Gefahr angesehen wurden. Sonst hätte man in Japan ja nicht vorgeschrieben, dass AKWs bloss Erdbeben einer Stärke 8,2 standhalten müssen. Das dann auftretende Erdbeben war aber wesentlich stärker (9,0) Nun kann man sich vorstellen, dass hier auch von derartigen nichtrealen Gefahren gesprochen wird (z.B: Anschläge). Bis sie eben doch passieren. Große Katastrophen zeichnen sich ja oft gerade dadurch aus, dass
man nicht mit ihnen gerechnet hatte. Aber solche Katastrophen passieren eben auch. Je länger die Zeit, je mehr Orte es gibt, wo es passieren kann, umso wahrscheinlicher ist es. Je weniger AKWs und je kürzer sie am Netz sind, umso unwahrscheinlicher kommt es zu einer weiteren Katastrophe.
 
Aus dem Link:

Unter der rot-grünen Regierung flog Hennenhöfer 1998 aus dem Amt. Seinem Engagement für die Interessen der Atomindustrie tat das keinen Abbruch. Als „Generalbevollmächtigter für Wirtschaftspolitik“ bekam er prompt eine Anstellung beim Atomkonzern VIAG (heute: E.on)

Und der ist jetzt unter Merkel der "Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit". Da kann man sich ja vorstellen, wie das Ergebnis der Sicherheitsüberprüfung der Atomreaktoren in diesem "ergebnisoffenen und tabulosen" Moratorium aussehen wird.

Das ist so, als wenn man der Tabakindustrie einen Forschungsauftrag über die gesundheitlichen Risiken des Rauchens gibt. Und heraus kommt dann, daß es keine nennenswerten Risiken gibt und daß die Hauptursachen für Lungenkrebs zu häufiges Zähneputzen, Schweißfüße und Halma sind.

:D
 
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Aus dem Link:



Und der ist jetzt unter Merkel der "Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit". Da kann man sich ja vorstellen, wie das Ergebnis der Sicherheitsüberprüfung der Atomreaktoren in diesem "ergebnisoffenen und tabulosen" Moratorium aussehen wird.

Das ist so, als wenn man der Tabakindustrie einen Forschungsauftrag über die gesundheitlichen Risiken des Rauchens gibt. Und heraus kommt dann, daß die Hauptursachen für Lungenkrebs zu häufiges Zähneputzen, Schweißfüße und Halma sind.

:D

Der Witz ist: Das läuft an so vielen Stellen auf diese Art, dass es für die Medien so normal zu sein scheint, dass sie daraus gar kein Thema machen. Oder sie halten aus anderen Gründen still. Wäre alles glatt, aber diese eine Sache nicht... wäre das ein großer Skandal. Aber das geht voll unter.
 
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