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Als mein Vater im Sterben lag.....

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von merlina40, 10. November 2019 um 21:04 Uhr.

  1. merlina40

    merlina40 Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    23. April 2010
    Beiträge:
    460
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    Als mein Vater im sterben lag, habe ich hier folgenden Text geschrieben....

    Wenn du weißt, fühlst und erkennst das die Tage deiner Eltern begrenzt sind und du zu begreifen beginnst wie begrenzt das Leben ist, fängst du an eine Art Umkehrschub eines U-Bootes zu vollziehen. Es fühlt sich an, als würde plötzlich alles in die andere Richtung drängen, und extreme Wassermassen würden um dich herum umgewälzt werden. Aufgewühlt und überwältigt. Als wären die Ohren betäubt von der Krafteinwirkung, die Augen verblendet, die Sinne völlig blockiert wie am tiefsten Grund eines Meeres. Du kannst dem nichts entgegensetzen, völlig wehrlos musst du begreifen wie die Wassermassen dich mitreißen in die Tiefe. Du hoffst das du genug Luft hast, und wenn du auftauchst die See wieder still und friedlich weiterplätschert. Das wird sie auch. Aber ich spüre, dass ich wo anders „auftauchen“ werde. Ich werde anders sein, die Welt wird anders sein. Sie wird ohne dich sein.
    Aber war ich nicht ohnehin schon viele Jahre ohne dich? Warst du da? Oder war es bloß ein Gefühl von Selbstverständlichkeit das du eben doch „da“ warst? Viel mehr frage ich mich, ob du es selbst warst, der da war oder nur das was du mir sein wolltest? Ein Vater? Ja, vielleicht ein Ernährer. Aber niemals ein Vater.
    Niemals dein echtes wahres Wesen. Wer bist du? Die Frage kommt spät. Und ich verwette alles das du dir diese Frage gerade selber stellst, in den Stunden vor deinem Sterben.
    Ich glaube, du warst nie du selbst, in keiner Faser deines Seins. Niemals. Kein Mensch kann so sein, wenn er, er selbst ist. Du warst eine Marionette deines Lebens, ein Schausteller, der eine Rolle spielte. Eine sehr schlechte Rolle. Hast du dich je gefragt wer du bist und was du aus uns machst? Hast du dich je gefragt was du da tust? Hast du dich je überhaupt irgendwas gefragt? Oder warst du jahrzehntelang in diesem Umkehrschub? Unbegreiflich niemals aufzuwachen, unbegreiflich immer tiefer im Meer zu versinken. Unbegreiflich immer sinnentleert zu sein. Sinnlos und sinnbetäubt. Ich wünschte ich könnte sagen, du hattest keine andere Chance, du musstest so sein. Aber du hättest anders sein können. Ganz anders. Du hättest kämpfen müssen, und vom Grund des Meeres auftauchen, in Richtung Sonne. Dort wo man seine Sinne wieder fühlt, spürt und begreift. Wo man hört, sieht, riecht, schmeckt und vor allem fühlt. Tief fühlt. Mitfühlt und begreift.
    Jetzt wo du gehst, inmitten meines Umkehrschubes, hab ich Angst selbst nicht mehr aufzutauchen, so wie du. Für immer in den Tiefen des Meeres zu versumpfen. Viel zu viel Angst die Wahrheit zu erkennen, wenn man oben aus der Tiefe auftaucht. Wie ein Delphin aus dem Meeresspiegel herauszuzischen und hoch zu springen der Sonne entgegen.
    Wieso die Angst mein kleines Mädchen? Wozu das seltsame Gefühl da unten könnte es besser sein? Die Meerjungfrau wählte für die Liebe das Leben über dem Meer. Ist es die Angst vor Liebe? Der Liebe niemals Genüge tun zu können. Der Liebe aus dem Weg gehen, nicht auftauchen, nicht fühlen wollen, von der Sonne verbrannt zu werden. Die Kiemen abzuschütteln und das Leben tief einzuatmen. Das Leben. Der Atem des Lebens. Des Lebens, das du mir schenktest. Ohne dich gäbe es mich nicht, und ohne mich gäbe es sie nicht und ohne dich gäbe es alle nicht. Ist das an Liebe genug? Gewesen zu sein. Sinnerfüllung.
    Jedoch ihnen, habe ich die Sonne versprochen, nichts wird mich daran hindern sie ihnen zu zeigen.
    Nein, aus den dunkelsten Tiefen deines Seins, hättest du auftauchen müssen, um der zu sein, der du hättest sein können, um aus mir die zu machen, die ich sein sollte.
    Nun sind wir beide nichts, und du bald nichts mehr. Ein nichts. Ein Gewesenes. Eins, das da war, und wieder ging. Und wenn ich nicht anfange zu kämpfen, werde auch ich zu etwas Gewesenem. Das ist das einzige was du mich lehrtest durch dein Sein. Vom Umkehrschub zum Umkehrschub die Wassermassen zu verdrängen und aufzutauchen, um nicht in den Tiefen des Ozeans zu verharren, so wie du, gefangen in der ohrenbetäubenden, sinnvernebelden, atemraubenden Schubumkehr des Lebens die du dir betäubt hast um sie nicht zu spüren. Um nicht auftauchen zu müssen um den ersten wahren Atemzug echten Lebens, echten Fühlens, und echten Seins zu tun. Der schmerzt, dieser erste Atemzug leben, ein tiefer wahrheitsbegreifender Schmerz, der aus dir den gemacht hätte, der du sein solltest.


    Zitat:

    Jedoch ihnen, habe ich die Sonne versprochen, nichts wird mich daran hindern sie ihnen zu zeigen.

    Damit habe ich damals meine Kinder gemeint. Ihnen die Sonne zu zeigen.......aber hatte ich sie je selbst gefunden? 7 Jahre ist es bereits her. 7 Jahre Zeit um selbst die Sonne zu finden, um sie meinen Kindern auf dem Silbertablett zu reichen.
    Was für ein Schwachsinn......was für ein tiefer Schwachsinn.....Ich bin selbst nie aufgetaucht. Habe meinen Vater nicht verstanden, in der Folge mich selbst nicht, und noch weniger meine Kinder........
    Ich betäubte mich mit anderem.....noch sinnloserem......
    Ich bin traurig.........einfach nur traurig....
     
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  2. Terrageist

    Terrageist Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    22. Juli 2019
    Beiträge:
    869
    Hallo @merlina40 ,

    ich kann dein Gefühl ein wenig nachvollziehen, andere Geschichte, anderer Sinn.

    Meine Mutter starb schon immer fast an Atemnot mein ganzes Leben lang, von kleinster Kindheit lernte ich daher , ihren evtl. Tod , ja ich weiß nicht, ob zu akzeptieren, vielleicht auch zu verdrängen, zumindest weniger entsprechend zu fühlen. Daher kenne ich zumindest in dieser Hinsicht keine Wellen-Wasserschub-Gefühle, eher eine Art Dumpfheit, und verabschiedet habe ich mich nie (offiziell) von ihr, so habe ich immer das Gefühl, sie ist noch da. So wie sie immer "da" war, in der Ferne und nicht sichtbar, denn ich wohnte sowieso seit ich erwachsen war, weit weg. So denk ich immer, ich könnte sie gleich anrufen, wenn sie auch schon viele Jahre nicht mehr lebt.

    Mein Gefühl sagt mir, dass du nur "auftauchen" können wirst, wenn du von Herzen deinem Vater verzeihst.


    Alles alles Liebe
     
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  3. Evatima

    Evatima Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    16. Februar 2019
    Beiträge:
    1.999
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    Liebe @merlina40
    Vielleicht hast Du zu viel auf Deinen Vater projiziert. Vielleicht war er in sich ganz glücklich, auch wenn Du nicht werden willst wie er. Er war er und Du bist Du. Und Dein Kind ist auch wieder ein eigener Mensch. Dein Vater konnte Dir nicht das Leid ersparen, so wie Du Deinem Kind trotz innigster Liebe auch nicht die Härte des Lebens ersparen kannst. Es gibt nur Eltern, die versagen, und Eltern, die noch mehr versagen
     
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