Deshalb will ja auch niemand das Autofahren verbieten, oder dem armen Pendler den Weg zur Arbeit unbezahlbar machen. Aber angesichts von Klimawandel, unsicherer Rohstoffversorgung, Bodenversiegelung durch immer mehr Asphalt, Parkplatzmangel und Verkehrskollaps in den Innenstädten sollte man doch annehmen, dass zumindest irgendwie ein Trend zu weniger Autos mit geringeren Emissionen zu erkennen wäre und wir höchstens noch darüber streiten müssten, ob dieser Rückgang zu langsam geschieht.
Die Realität sieht aber anders aus. Nicht nur die Zahl der PKW in Deutschland steigt unaufhörlich weiter an, die Fahrzeuge sind dabei auch noch immer größer, schwerer und stärker motorisiert, die entsprechenden Werte erreichen Jahr für Jahr neue Rekordwerte. Die duchschnittliche Motorleistung der neu zugelassenenen PKW liegt inzwischen bei über 160PS. Und die braucht man nun wirklich nicht zwingend, um zur Arbeit zu fahren.
Richtig, die 160 PS etc. braucht man nicht wirklich. Die Probleme, die Du ansprichst, wären aber nicht gelöst, wenn die Mehrheit auf die Größen- und leistungsklasse Fiat 500 umsteigen würde. Auch, wenn die Merhrheit auf Elektroautos umsteigen würden, hätten wir immernoch massive Probleme. Es ist nicht die Schuld der Menschen, die ein 160 PS SUV einem Fiat 500 vorziehen, dass immer mehr Fläche mit asphalt versiegelt wird, sondern es ist die Schuld der Stadtplaner, die die Städte lieber weiter für den individualverkehr freundlich gestalten statt für einen besseren öffentlichen Nahverkehr und gute Radwege zu sorgen.
Das Problem im Verkehrssektor können wir nur dadurch an der Wurkzel packen, wenn wir die tägliche Mobilität mit dem auto weniger dringend machen. Ein Ansatz dazu ist die 15-Minuten-Stadt, die derart dezentral aufgebaut ist, dass für jeden Einwohner die meisten Punte des täglichen Lebens zu Fuß oder mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten erreichbar sind.
Das ist so ein Punkt, der mich verzweifeln lässt, und an dem ich die Fassungs- und Hilflosigkeit so mancher Klimaaktivisten durchaus verstehen kann. Es wird nicht nur nicht gebremst, sondern weiter Gas gegeben, als gäbe es kein Morgen. Beim Thema Auto im wörtlichen Sinne, aber in vielen anderen Bereichen läuft es ganz ähnlich. Ich sage nur Fast Fashion, geplante Obsoleszenz usw.
Da rennst Du bei mir offene Türen ein; ich stimme voll zu. Die Hauptursache bzw. Schuld sehe ich dabei aber nicht bei den Endverbrauchern, die sich noch immer für einen großen SUV entscheiden, auch, wenn sie ihn nicht wirklich brauchen, sondern bei den Politikern (und Stadtplanern etc.), die weiter mehr anreize schaffen, sich so zu verhalten, anstelle es einfacher und günstiger zu machen, umzusteigen.
Geplante Obsoleszenz ist auch ein wudnerbares Beispiel. Ich finde es z.B. auch ein Unding, dass bei aktuellen Smartphones die Batterie nicht so einfach austauschbar ist (zumindest ist das bei meinem aktuellen noch so; das ist aber jetzt auch schon 4 Jahre alt). Da wären Gesetze prima, die die Hersteller dazu zwingen, dass die Batterie austauschbar sein muss. Solche Gesetze wurden zumindest schonmal angedacht... ich weiß aber nicht, wie weit sie gekommen sind. Besser wäre mMn sogar noch ein modularer Aufbau, so dass man das eigene Smartphone nur durch den Austausch einzelner Komponenten auf der Höhe der Zeit halten kann, wenn man es will. Auch hier: Schuld sind nicht die Verbraucher, die sich ein neues Phone kaufen wollen, sobald das Betriebssystem nicht mehr automatisch geupdated wird oder sobald die Batterikapazität deutlich nachlässt, sondern die hersteller (und Gesetzgeber), die dieses Verhalten unterstützen.
Ich habe mich selbst da nicht ausgenommen und auch nicht auf andere gezeigt. Aber wir dürfen uns nicht auf unseren schlechten Eigenschaften ausruhen.
Ausruhen dürfen wir uns keines Falls. aber wir müssen uns unserer schlechten Eigenschaften - auch der eigenen - bewusst sein, so dass wir die Lösung kompatibel dazu designen können... die schlechten Eigenschaften bestenfalls vielleicht sogar einbauen können.
Menschen neigen dazu, sich zu überschätzen und zu schnell zu fahren, deshalb gibt es Tempolimits. Offenbar neigen auch viele Menschen dazu, mit völlig überdimensionierten Autos herumzufahren. Warum kann man diesem Drang nicht auch einfach Einhalt gebieten, indem man z.B. die Kilogramm Auto und die PS pro Sitzplatz limitiert? Warum darf man sein Laub im Garten nicht verbrennen, aber sich völlig legal ein 400PS-Auto kaufen, und damit die Luft verpesten?
Gute und wichtige Fragen, und davon gibt es noch viel mehr. Vielen Menschen macht es großen Spaß, schnell Auto zu fahren, und ich gebe zu: Mir auch. Ist es Egoismus, dem nachgeben zu wollen? Ja, ist es, und in diesem Beispiel kann ich für mich sagen, dass ich auch gut drauf verzichten kann, so dass ich ein Tempolimits aus diversen Gründen mehr begrüßen würde und darin keinen drastischen Einschnitt in meine Freiheit sehen würde (abgesehen davon, dass ich hier in Schweden ohnehin ein Tempolimit habe und nicht schneller als 110 fahren darf).
Bei anderen ähnlichen Fragestellungen muss ich zugeben, dass mein Egoismus durchaus stärker sein kann. Ich ernähre mich nicht komplett vegetarisch/vegan, und ich schließe auch Flugreisen für mich nicht kategorisch komplett aus. Damit habe ich schon einen größeren individuellen CO2-Fußabdruck, als ich haben könnte. Dafür kann man mich kritisieren, mir Heuchelei vorwerfen und vieles mehr... dem Problem würde man damit nicht beikommen. Denn die Mehrheit der Menschen ist in dem einen oder anderen Punkt egoistischer zu Ungunsten des Klimaschutz. Anstelle das zu bemängeln und die Nase über die größeren oder kleineren Egoisten zu rümpfen müssen wir versuchen das irgendwie in die Lösung einzubauen.