Umfrage zu heutiger Propaganda über 1933-45

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Was meint ihr zur heutigen Propaganda über 1933-45 in den Medien

  • Das sollte täglich oder wöchentlich wiederholt werden.

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Ich halte dieses "wir haben nix gewusst" sowohl für das Gro der damaligen deutschen, als auch der österreichischen Bevölkerung für eine Schutzbehauptung. Ob sie über Details wie die medizinischen Versuche bescheid wussten, kann ich nicht beurteilen, aber dass mit den verschwundenen jüdischen Mitbürgern, all diesen Häftlingen, den Behinderten, den Romas und Sintis und all den anderen Betroffen etwas wirklich Grausames und Schlimmes passierte, ja, da bin ich überzeugt, dass das bekannt war.
So ist es.
Und ich kenne kein Land, in dem lebende Hühner und Schweine systematisch unter KZ-Bedingungen hygienisch korrekt auf engstem Raum als Sache behandelt und effizient gemästet und geschlachtet werden, wie das im preußischen (Nord)Deutschland der Fall ist - ohne jede Rücksicht auf Qualität, sowohl für das Leben als auch für das "Produkt".
DAS ist ein Indikator eines (überlebenden) Systems.
 
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Charaktere über einen Kamm hinweg massakrieren?? Wasn das????

Und was bedeutet „in einer Weise pulverisieren, wie es auch heute noch „nachträglich“ Sinn ergibt“?

Ich lese gerne und ausgiebig (eine Angewohnheit, die sich schon früh in meinem Leben abgezeichnet hat und die ich bis heute nicht ablegen konnte). Glücklicherweise traf ich immer wieder auf Menschen, die mein Interesse unterstützten und mir nicht nur wertvolle Gespräche, sondern auch ebensolche Buchtipps bescherten.
Daneben hatte ich das große Privileg an Gesprächen mit Zeitzeugen teilzunehmen – sowohl von NS-Opfern, als auch von Tätern (z.B. im Rahmen der „Wehrmachts-Ausstellung“).
Ich erlebte und erlebe nach wie vor den latenten Antisemitismus und evidenten Rassismus in meiner Heimat, die starke Neigung zur Verharmlosung in weiten Teilen der Bevölkerung (wir haben nicht ohne Grund einen erschreckend hohen Anteil an FPÖ Wählern) und diese leicht wehleidige „jetzt muss es aber mal reichen“ Haltung – und dass, obwohl Österreich bis in die 1980er Jahre konsequent an der Opferrolle festhielt, namhafte Alt-Nazis jahrzehntelang unbehelligt hohe Posten bekleideten und Ehrenbürgerschaften erhielten und unter Aufarbeitung der Geschichte maximal das Vernichten belastender Akten verstanden wurde.
Alles das hat mein Wissen vertieft und mein Bild geprägt und hat mit „wie ich es mir wünsche“ rein gar nix zu tun.

Als Österreicherin gehört dieses Geschehen eben auch zu meiner Geschichte und ich sehe es als Teil meiner Bürgerpflicht, mich mit dem Entstehen und den Auswirkungen zu beschäftigen - nicht aus irgendwelchen Schuldgefühlen heraus, sondern aus Respekt für die unzähligen Opfer und aus Verantwortung für mein Tun im Hier und Jetzt.

An einem Ausschnitt meiner Literaturliste lasse ich Dich gerne teilhaben:

Ein packender (und nebenbei literarisch exzellenter) Bericht über die Zeit vom WK1 bis zur Machtübernahme Hitlers 1933 stammt von Sebastian Haffner – „Geschichte eines Deutschen“. Obwohl er das Buch schon 1939 im englischen Exil geschrieben hatte, erschien es erst im Jahr 2000.
Am Beispiel seiner eigenen Person analysiert er die Kriegsbegeisterung in den Anfangsjahren des 1.Weltkriegs, das Trauma der Rezension in den 20er Jahren und die Folgen. Die Anfänge der NSDAP und deren „faszinierenden“ Einfluss auf die Bevölkerung – die Überläuferei, das willige Andienen an dieses perfide System, das nahezu widerstandslose Erliegen gegenüber der nationalsozialistischen Versuchung, der freiwillige Verzicht auf individuelle Freiheit - skizziert er anhand seiner Erlebnisse am Berliner Kammergericht.
Er beschreibt auch ganz klar die evidenten, offen liegenden Intentionen der Nationalsozialisten gegenüber der jüdischen Bevölkerung, den, wie er es nennt „Blut- u. Ludergeruch“ der NSDAP und das Bestreben, die Mordlust in der breiten Bevölkerung zu wecken.
Für Interessierte eine kurze Leseprobe:
http://www.randomhouse.de/leseprobe...glaender-maskiert/leseprobe_9783421042347.pdf

Ebenso scharfsinnig, noch wortgewaltiger und in der Analyse schärfer ist Haffners 1978 erschienenes Essay „Anmerkungen zu Hitler“!

Aleksander Tisma, „Der Gebrauch des Menschen
http://www.zeit.de/2012/33/Aleksandar-Tisma-Der-Gebrauch-des-Menschen
Der Autor beschreibt in einer z.T. sehr beklemmenden, brutalen Sprache das Scheitern von Individuen im und nach dem zweiten Weltkrieg. So erzählt er zum Beispiel von Vera, die ins KZ verschleppt, zwangssterilisiert und als KZ-Hure missbraucht wurde, überlebte und an diesem Überleben beinahe strauchelt.

Herzfleischentartung“ , über das Lager in St. Pantaleon im oberösterreichischen Innviertel von Ludwig Laher.
Laher stützt sich in seinem Bericht faktentreu und gut recherchiert auf Akten des Linzer Landesgerichts. Dabei setzt er auch die absolut zynischen Nazi-Diktion der Akten in seinem Text ein. Das Buch ist keine leichte Kost, aber EXTREM empfehlenswert!
Hier eine Rezension von faz.net (http://www.faz.net/aktuell/feuillet...belletristik-pruegeln-bis-zum-tod-133157.html)
„Gestützt auf Tausende Seiten von Akten, erzählt Ludwig Laher die Geschichte und Nachgeschichte eines 1940 eingerichteten "Arbeits-Erziehungslagers" und dann "Zigeuneranhaltelagers" im Ort St. Pantaleon in Oberösterreich. Obwohl die Häftlinge wichtige Arbeiten bei der Entwässerung einer Moorlandschaft leisteten, wird das Lager in der Jahrzehnte später erschienenen Chronik des Ortes mit keiner Silbe erwähnt. Schandflecke stellte man nicht aus. Der Autor des Buches lebt heute in St. Pantaleon. Man wird ihm wohl, obgleich es mittlerweile im Ort eine Mahnstätte gibt, kein Denkmal setzen.“ …..

Abschied von Sidonie“, von Erich Hackl

„Das Mädchenorchester in Auschwitz“, von Fania Fenelon
http://www.dtv.de/buecher/das_maedchenorchester_in_auschwitz_13291.html

Mit der Frage nach dem WARUM bzw. damit WIE solche brutalen Systeme entstehen beschäftigte sich Hannah Arendt in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.
Ihre Analyse der historischen Entstehung, vor allem im Sinne der vorangegangenen Ideengeschichte, die politischen Merkmale und Charakteristika (auch die Abgrenzung zu anderen diktatorischen Regimen), die „Handwerkszeuge“ uvm. kann ich aus tiefstem Herzen als Lektüre empfehlen.
Sie zeigt dabei auch auf, dass tendenzielle keine Ideologie vor der Übernahme durch totalitäre Bewegungen gefeit ist.

Masse und Macht“, Elias Canetti
Er findet zwar, im Gegensatz zu Arendt, keinen Erklärungsansatz was Menschen zu „Führerhörigkeit", zu Antisemitisumus oder Massenvernichtung motiviert bzw. wie diese Ideen sich entwickeln und fortpflanzen, aber die Vorgänge, die zur Aufgabe der Indivualität bzw. der individuellen Freiheit zugunsten der Masse führen und deren Auswirkungen, schildert er eindrucksvoll.

Es gäbe noch so viel lohnenswerten Lesestoff und so wenig Zeit… seufz

Arno Gruen kann ich auch nur empfehlen. (y)
 
3 - Daher ist es ein Wunder ("gerade von dir"), dass du in einem Thema abwehrend mit Methode schreibst, dass dich 1 nicht interessiert und 2 innerlich zum Kotzen bringt
4 - Wer tut, was du hier tust, will zum Schweigen bringen (was kehrwertverheucheltes Interesse zeitigt)
Verständnisprobem...
Was ist hier das Thema? Die Dauerpräsenz in den Medien, nicht 33...45 an sich! Das ist es, was mich ärgert, das was hinter dieser Methode steckt, der Inhalt der Dauerpräsenz interessiert mich eher nicht. Zwei verschiedene Dinge!
Ich will überhaupt niemanden zum Schweigen bringen, von mir aus können die Leute da forschen und Monographien schreiben, bis der PC qualmt, und in irgend welchen Fachblättchen veröffentlichen (da ich so was nicht kaufe, ist's mir wurscht). Nur sollte man in den Medien die Präsenz dieser Zeit auf die Bedeutung runterschrauben, die sie im Alltag hat: Marginal bis null. Wer sich dafür interessiert, kann zu einschlägigen, historischen Werken greifen. Es dürfte genug davon geben.

Ja, ich sagte ja bereits, dass da bei dir wohl keine Gefahr besteht, dass du da in irgendeiner Weise in Berührung mit dir selbst kommst.
Da ich keinerlei Bezug dazu habe, gibt's diesbezüglich auch nichts zu berühren. Das geschieht nur hinsichtlich anderer, mir wichtiger Aspekte, die hier nichts zur Sache tun.

Ich hab das ähnlich wie Ping empfunden - auch in den Baracken oder auf den Versuchs-OP-Tischen, die Stacheldrahtzäune - das Leid war spürbar. Aber ich würde nicht sagen, dass mir damit was angetan wurde - vielmehr wurde mir dadurch das ganze Ausmaß der Unmenschlichkeit bewusst. Und das war sehr lehrreich.
Möglich(nicht sicher!), daß es mich in dem Alter beeindruckt hätte (unsere Klassenfahrt ging allerdings nach GB zum Sprache lernen, die Gehirnwäsche blieb mir erspart), heute nicht mehr. Ich wäre auch nicht empfänglich für irgend welche "Schwingungen" dort...
Wie gesagt, ich würde das Kindern(!) nicht antun, und schon gar nicht im Alter von 12 Jahren. Das ist perfide!

LG
Grauer Wolf
 
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