Condemn und Musikuss,
es geht nicht (nur) darum, wie individuell auslegbar die Nutzung solcher Bezeichnungen sind. DAS mag wohl auch eine gewisse Tragweite in der Betrachtung haben, ist aber m.E. indiskutabel sondern eben nur konkret und vor Ort individuell lösbar oder handhabbar.
Ich finde das, worauf ihr hier pocht in dieser Diskussion in einem Nebensatz abhandelbar. Ja gibts, ja, ist gültig. Der eine benutzt so einen Begriff abwertend, der andere denkt sich nichts dabei und bezeichnet nur. Und wie wer wann was nun konkret tut ist auch noch immer nicht objektivierbar. Rassistisch ist und bleibt es in allen Fällen, denn der hergestellte Bezugsrahmen ist einfach ein rassistischer.
Wenn ich euch statt mit euren Namen (selbstverständlich soweit bekannt), euren Eigenschaften, eurem individullen "Markenzeichen" usw. eurer Herkunft und Hautfarbe entsprechend bezeichne, dann ist das eine mehr oder weniger massive Form von Rassismus, wenn auch in gewissen Situationen einfach der Bequemlichkeit halber. Auch ganz ohne gezielte Auf-und Abwertung ist es aber markant rassistisch.
Ja, eben Bildungslücke, oder eben auch politischer Akzent bishin zu real rassistischer und gewollter Verunglimpfung. Ist sehr viel individueller als inzwischen Gottseidank ein gesellschaftspolitisches Phänomen.
Am Stammtisch dürfte es noch heissen: Ein Neger hat eine Bank überfallen. In den Nachrichten: Ein Mann hat eine Bank überfallen. Der gebürtige so und so ging am... usw...
Am Stammtisch würde sich ggf. ganz schnell eine Stimmung von der Sorte: Immer diese Ausländer, Schwarzen usw... breitmachen, die Nachrichten würden einfach nur gezielt und wertfrei aber doch signifikant informieren, inzwischen, war schliesslich nicht immer so.
Wie wäre es, wenn es in den Nachrichten nun wie am Stammtisch hiesse: Ein arbeitsloser Neger hat dann und dann die Bank überfallen???
Harmlos, da Neger ja nichts weiter meint als dunkelhäutig und gebürtiger Afrikaner zb. ?
Doch, es bezeichnet sehr wohl eine andere Kultur, eine andere Zeit, eine in der der Nigger und Schwatte zum Neger befördert wurde und werden musste, ein anderes Verständnis von Gleichwertigkeit, ist prägnant Ausdruck dafür, dass dieser (unbewusst) hergestellte ethnische Bezugsrahmen erwähnenswert ist, dass Fremdbewusstsein und Fremdbild nachwievor in kulitvierter Apartheid ganz nebenbei und unbemerkt serviert werden.
Und wenn eine Gesellschaft derartige Auswüchse nicht mehr bedienen möchte, nicht mehr kann, schlicht weil die Eigenidentität im kollektiven Reifeprozess das nicht mehr so ohne weiteres hergibt, ja... mei... wie ewiggestrig muss man sein, um hier ein Veto einzulegen.

(ziehe sich diesen Schuh an, wem er passt... *g)
Wie gesagt, ich denke, dass der Zeitgeist über derartiges Menschverständnis wie Rassen/Religionsmerkmale hinausgewachsen ist bzw. hinauswachsen will und sich nun konkret umorientiert. Klar kann und wird das zur kurzweiligen Verunsicherung führen, aber das gehört wohl zur allgemeinen Revolution des Geistes. Übrigens ist dieser Schwarz/Weissrassismus oder Rassismus allgemein ja keine Täter-Opfer Einbahnstrasse. Ganz im Gegenteil, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.
Umschreiben der Bücher m.u.s.s. nicht unbedingt sein, aber... ich sehe auch keine Orwell´schen Auswüchse, oder gar das erneuerte Manifest von Rassismustendenzen, wenns denn angedacht oder gar umgesetzt wird.