Überarbeitung von Kinderbüchern - notwendig oder Zensur?

Ich erinner mich noch an die Spiele, die wir gerne spielten, so im Alter bis 10 Jahren. Da gab es "Der schwarze Peter" wo die Sünderkarte einen schwarzen Mohren zeigte oder das Spiel im Sport in der Schule "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann".

Von uns wusste niemand, dass es "rassistische" Spiele seien. Doch bin ich mir sicher, dass es die "Alten" wohl wussten, uns nur nix sagten, so wie es heute mit den Büchern gemacht wird und spätere Kinder es auch nicht mehr wissen werden und dann älter geworden und es herausfinden, plötzlich damit konfrontiert werden als Kind rassistisch gewesen zu sein, denn in der Rechtssprechung heißt es: Du hättest dich ja informieren können.

Echt lachhaft das ganze Manöver. Ich sag dir was: Rassistisch sind jene, die diese "Gesetze" aufstellen.

Das ist ja meine Rede! Anders kann ich mir diese Verkrampftheit nicht erklären.
 
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Condemn und Musikuss,

es geht nicht (nur) darum, wie individuell auslegbar die Nutzung solcher Bezeichnungen sind. DAS mag wohl auch eine gewisse Tragweite in der Betrachtung haben, ist aber m.E. indiskutabel sondern eben nur konkret und vor Ort individuell lösbar oder handhabbar.
Ich finde das, worauf ihr hier pocht in dieser Diskussion in einem Nebensatz abhandelbar. Ja gibts, ja, ist gültig. Der eine benutzt so einen Begriff abwertend, der andere denkt sich nichts dabei und bezeichnet nur. Und wie wer wann was nun konkret tut ist auch noch immer nicht objektivierbar. Rassistisch ist und bleibt es in allen Fällen, denn der hergestellte Bezugsrahmen ist einfach ein rassistischer.

Wenn ich euch statt mit euren Namen (selbstverständlich soweit bekannt), euren Eigenschaften, eurem individullen "Markenzeichen" usw. eurer Herkunft und Hautfarbe entsprechend bezeichne, dann ist das eine mehr oder weniger massive Form von Rassismus, wenn auch in gewissen Situationen einfach der Bequemlichkeit halber. Auch ganz ohne gezielte Auf-und Abwertung ist es aber markant rassistisch.

Es geht hier ja nicht wirklich darum, dass zu einem Schwarzen "Hey Neger" gesagt wird, oder "Hey Schwarzer" oder was auch immer. Denke mal, dass dürfte extremst selten sein. Der Begriff "Neger" wurde ja verwandt wie heute "Schwarze". Als Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen mit dunkler Hautfarbe bzw. (ursprünglicher) afrikanischer Herkunft. Früher hieß es z.B. "Neger demonstrieren für mehr Rechte" heute heißt es eben "Schwarze......".

Ich habe all diese Begriffe immer nur gehört oder gelesen wenn ÜBER jemanden oder mehrere gesprochen wurde. Noch nie das es zu jemandem gesamt wurde. Im Grunde vergleichbar mit "Die Berliner..."



Ja, eben Bildungslücke, oder eben auch politischer Akzent bishin zu real rassistischer und gewollter Verunglimpfung. Ist sehr viel individueller als inzwischen Gottseidank ein gesellschaftspolitisches Phänomen.
Ja... lässt sich nur aus dem Kontext erschließen und inwieweit man die Person eben kennt.

Am Stammtisch dürfte es noch heissen: Ein Neger hat eine Bank überfallen. In den Nachrichten: Ein Mann hat eine Bank überfallen. Der gebürtige so und so ging am... usw...

Am Stammtisch würde sich ggf. ganz schnell eine Stimmung von der Sorte: Immer diese Ausländer, Schwarzen usw... breitmachen, die Nachrichten würden einfach nur gezielt und wertfrei aber doch signifikant informieren, inzwischen, war schliesslich nicht immer so.

Wie wäre es, wenn es in den Nachrichten nun wie am Stammtisch hiesse: Ein arbeitsloser Neger hat dann und dann die Bank überfallen???
Heute wäre das rassistisch, würde zumindest so wahrgenommen. Aber früher wurde das möglicherweise neutral so gemacht.

Harmlos, da Neger ja nichts weiter meint als dunkelhäutig und gebürtiger Afrikaner zb. ?

Doch, es bezeichnet sehr wohl eine andere Kultur, eine andere Zeit, eine in der der Nigger und Schwatte zum Neger befördert wurde und werden musste, ein anderes Verständnis von Gleichwertigkeit, ist prägnant Ausdruck dafür, dass dieser (unbewusst) hergestellte ethnische Bezugsrahmen erwähnenswert ist, dass Fremdbewusstsein und Fremdbild nachwievor in kulitvierter Apartheid ganz nebenbei und unbemerkt serviert werden.

Und wenn eine Gesellschaft derartige Auswüchse nicht mehr bedienen möchte, nicht mehr kann, schlicht weil die Eigenidentität im kollektiven Reifeprozess das nicht mehr so ohne weiteres hergibt, ja... mei... wie ewiggestrig muss man sein, um hier ein Veto einzulegen. :D (ziehe sich diesen Schuh an, wem er passt... *g)
Der Begriff selbst wird ja gar nicht verteidigt. Ich habe niemanden in diesem Thread gelesen, der dieses Wort benutzt oder benutzen möchte. Es geht ja vom Titel-Thema her um die Frage, ob dieses Wort aus Büchern ersetzt werden soll. Und da kann man dann schon diskutieren, inwiefern das Sinn macht und was dahinter steht und man kann sich auch fragen, wie es zu Bedeutungsveränderungen von Begriffen kommt usw.


Wie gesagt, ich denke, dass der Zeitgeist über derartiges Menschverständnis wie Rassen/Religionsmerkmale hinausgewachsen ist bzw. hinauswachsen will und sich nun konkret umorientiert. Klar kann und wird das zur kurzweiligen Verunsicherung führen, aber das gehört wohl zur allgemeinen Revolution des Geistes. Übrigens ist dieser Schwarz/Weissrassismus oder Rassismus allgemein ja keine Täter-Opfer Einbahnstrasse. Ganz im Gegenteil, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.
Rassismus als Grundprinzip, dass Menschen versuchen sich auf irgendeine Art zu erhöhen versuchen und andere herabzusetzen, wird es m.A.n. so lange geben wie es Menschen geben wird. Rassismus könnte möglicherweise irgendwann der Vergangenheit angehören, weil ja auf sehr lange Sicht möglicherweise eine solche Durchmischung der Menschen aller Kontinente dazu führt, das es kaum noch sichtbare Unterschiede geben wird. Gleichzeitig gibts ja schon das Phänomen "Lokalpatriotismus"... der vollkommen ohne sichtbare Unterschiede auskommt und trotzdem oft eine Art Klassifizierung herstellt ("Köln-Düsseldorf-Feindschaft").

Das Grundproblem wird uns vermutlich erhalten bleiben.


Umschreiben der Bücher m.u.s.s. nicht unbedingt sein, aber... ich sehe auch keine Orwell´schen Auswüchse, oder gar das erneuerte Manifest von Rassismustendenzen, wenns denn angedacht oder gar umgesetzt wird. :)
Nein... sehe ich ja auch nicht so. Ich würde das kritischer sehen wenn es eine Art politischer Vorgabe wäre, z.B. von einem EU-Gremium beschlossen. Aber die Ersetzung dieser Begriffe geht ja offenbar auf die Verlage selbst zurück.

Hab mich gefragt, was ich tun würde falls ich Verlags-Chef wäre... und das ist nicht einfach zu beantworten. Ich würde vielleicht tatsächlich zu einer erklärenden Fußnote tendieren, auch wenn das für Kinderbücher sicherlich eher unüblich ist. Aber meiner Ansicht nach wäre das am Idealsten... weil auch noch lehrreich.
 
zum auflockern vielleicht noch, ein paar Zeilen aus einem Gedicht von Wilhelm Busch:


Kurz die Hose, lang der Rock
Krumm die Nase und der Stock
Augen schwarz und Seele grau,
Hut nach hinten, Miene schlau -
So ist Schmulchen Schiefelbeiner
(Schöner ist doch unsereiner!)
 
"Dürfen" beinhaltet ein Verbot und das gefällt mir nicht.

Und es kommt darauf an, in welchem Zusammenhang.

Aber grundsätzlich wäre es heute nicht angebracht und ich würde davon abraten.

also wenn morgen ein Kinderbuch erscheinen würde mit dem Titel vom "Neger Ukumbu Warumbu, der seine Banane" verloren hat"...würdest du das nicht gut finden?

du bist aber dagegen "Neger" aus bereits verlegter Literatur zu verbannen, oder? das heißt auch in Neuauflagen oder?
 
also wenn morgen ein Kinderbuch erscheinen würde mit dem Titel vom "Neger Ukumbu Warumbu, der seine Banane" verloren hat"...würdest du das nicht gut finden?

Das fände ich nicht gut!

du bist aber dagegen "Neger" aus bereits verlegter Literatur zu verbannen, oder? das heißt auch in Neuauflagen oder?

Dagegen es zu verbannen? Kommt darauf an von wem. Wenn es vom Staat "verboten" wird, bin ich dagegen, wenn es der Verlag macht oder besser noch der Autor, falls der noch lebt, fände ich es gut, so es machbar ist.

Man muss es allerdings auch immer im Kontext sehen. Pauschal wäre ich vorsichtig, denn ich habe genügend Phantasie, wo das Wort nicht verbannt werden kann, weil es die Geschichte zerreissen würde.

Falls Du Dich erinnerst, aber wahrscheinlich nicht gelesen, ich habe schon zu Beginn, (es ist der dritte Beitrag hier), gesagt, dass das Wort heute nicht zeitgemäß ist. Also, warum sollte man es in Kinderbüchern einstricken?

Obwohl das Lied "Zehn kleine Negerlein" wirklich heute nicht zeitgemäß ist und fragwürdig. Man kann doch einem Kind nicht dies Lied beibringen und es hernach schimpfen, dass es einen Dunkelhäutigen "Neger" nennt. Und die Reduzierung der Negerlein im Lied hat leider auch einen faden Beigeschmack im Hinblick auf die Geschichte. Hier könnte ich es "ausnahmsweise" nachvollziehen.[/QUOTE]


Aber ich finde es gut, dass Du mir die Chance gibst, aus einer Schublade wieder hervor zu heraus zu schauen.
 
Dagegen es zu verbannen? Kommt darauf an von wem. Wenn es vom Staat "verboten" wird, bin ich dagegen, wenn es der Verlag macht oder besser noch der Autor, falls der noch lebt, fände ich es gut, so es machbar ist.

Man muss es allerdings auch immer im Kontext sehen. Pauschal wäre ich vorsichtig, denn ich habe genügend Phantasie, wo das Wort nicht verbannt werden kann, weil es die Geschichte zerreissen würde.

na wenns dir nur um ein Verbot vom Staat geht...die Verläge werden da denk ich ohnehin stark unter Druck gesetzt! in ein Jahren ist die Kinderliteratur, dann vermutlich von diesen Wörtern befreit!

aber warum solange warten? man kann die Verläge ja auffordern, ihre Produkte (für Kinder) von Wörtern die ganz offensichtlich negativ besetzt sind und in einem entsprechenden Kontext verletzend sein können, abzuändern...
 
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