Überarbeitung von Kinderbüchern - notwendig oder Zensur?

wenn du das Grundschule nennst, was eine Volksschule ist, dann ist eine Volksschule eine Grundschule!

Alter 6-10 würd ich sagen

die ersten 4 Klassen? Ok, damit habe ich das Wort am wenigstens assoziiert - eher mit der Hauptschule. Und Hauptschüler lesen eher selten Astrid Lindgren.
Hauptschüler sind in Deutschland die Schüler, die für die Realschule nicht klug/fleissig genug sind oder auf andere Weise zu viele schulische Probleme haben, dass sie die Realschule nicht schaffen können (damit auch Du Deinen Babelfisch füttern kannst, falls Du das noch nicht wusstest).

In den ersten vier Klassen kümmern sich die Eltern - zumindest die, die ich kenne - noch sehr um die Lektüre ihrer Kinder. In diesem Alter fragen die Kinder auch noch, wenn sie etwas nicht verstehen.
 
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Natürlich hast du nicht danach gefragt Kommentare zu lesen, weil sie dem Author des Artikels nicht zustimmen. Der Artikel ist eine Meinung und jeder kann eine andere Meinung haben, was solls?

Du bist die Königin der Pauschalisierungen. Beispiel dafür das Du falsch liegst:

Vielleicht ist das alles ein schönes Beispiel einer Scheindebatte. Hier in den USA, wo ich lebe, gibt es noch einen ganzen Haufen von versteckten Diskriminierungen gegenüber Schwarzen. (“Blacks” geht übrigens hier wieder relativ unkritisch, man muss nicht dauernd das Unwort “african-american” verwenden, grad so, als kämen die Leute immer noch direkt aus Afrika. Ausserdem gibt es einen Unterschied zwischen “negro” (geht nicht) und “nigger” (geht überhaupt nicht).) Mein Punkt ist, dass man sich relativ leicht über Worte echauffieren kann, aber dass es viel schwieriger ist, die echten Probleme anzupacken, z.B. die nach wie vor großen Unterschiede im Gehalt, den Bildungschancen, oder der Kriminalität.
Wie Du schreibst, sind Bücher Zeitzeugen der Epoche aus der sie kommen. Astrid Lindgren war sicherlich keine Rassistin, aber sie verwendete ein Wort, dass heute als unangemessen empfunden wird. Was für eine phantastische Gelegenheit, mit den Kindern darüber zu reden, warum das so ist: Was genau ist eigentlich verletzend am Wort “Neger”? Was hat das mit der Geschichte der Schwarzen zu tun, und wie sie jahrhundertelang übelst diskriminiert und ausgebeutet wurden? Was davon passiert immer noch? Gibt es immer noch Vorurteile gegenüber Menschen anderer Hautfarbe? Falls ja, ist es dann nett, Worte zu verwenden, die einstmals Teil der Diskriminierung waren und von Betroffenen oft noch als diskriminierend empfunden werden? Was sagen wir denn stattdessen, wenn wir sagen wollen, dass Steve eine dunkle Hautfarbe hat? Vielleicht fragen wir Steve? Und gibt es solche diskriminierenden Worte auch in anderen Bereichen unseres Lebens? Wie ist das, wenn man jemanden als “fett” bezeichnet? Oder als “dumm”? Ist das Wort “schwul” diskriminierend oder nicht? Und wie ist es mit “Schwuchtel”?
Die Hosenmaler — fantastischer Vergleich! — haben beschlossen, dass man sämtliche Gelegenheiten zu solch lehrreichen Diskussionen verbannen muss, indem man die Bücher politisch korrekt redigiert. Grad so als würde das alle Probleme automatisch lösen. Als gäbe es nicht immer noch ein großes Bedürfnis an Aufklärung und Umdenken. Historische Bücher wie Pippi Langstrumpf sind eine hervorragende Möglichkeit, solche Debatten anzustoßen, denn sie verwenden (gelegentlich!) verletzende Worte ohne verletzen zu wollen. Ist dies nicht eine wunderbare Gelegenheit darüber zu reden, wie Sprache funktioniert, und wie wir im Umgang mit Menschen aufpassen müssen, nicht ungewollt jemandem weh zu tun?
Es ist bitterschade, dass talibanöse Reflexe im Tarnmantel der politische Korrektheit darauf abzielen, uns einiger wichtiger Lektionen zu berauben.


Oder:

Ok, und deswegen soll der Staat nun ein weiteres Mal die Eltern aus der Verantwortung entlassen, ihre Kinder zu erziehen? Weil sie “immer weniger Zeit haben”? Also mit Verlaub, wenn man sich keine Zeit für seine Kinder nimmt, auch um ihnen schwierige Dinge zu erklären, dann haben die armen Kleinen weitaus größere Probleme als die Wortwahl in Kinderbüchern.
Zumal das jetzt auch nicht so der riesen Akt ist, einem Kind zu erklären, warum man Neger nicht mehr sagen soll.

Oder:

Gilt die Zensur dann nur für Kinderbücher oder für alle? Ich stelle mir gerade vor, wie man denn nun Onkel Toms Hütte oder Roots lesen soll, wenn alle diskriminierenden Wörter ersetzt werden. Das wäre als wollte man die Geschichte der Sklaverei gleich mit verleugnen.
Wenn man anfängt, alte Texte zu redigieren, dann kann man die Bücher wirklich gleich verbrennen.
Sollte ein Verlag sich mit einem alten Text nicht mehr identifizieren können, dann kann er ja darauf verzichten, das Buch nachzudrucken. ;-) 6.000 Neuerscheinungen im Jahr und es kommt darauf an, Pippi Langstrumpf umzuschreiben?! Die neuen Bücher sind sicherlich im Zeitgeist verfasst und nach heutigen Maßstäben politisch korrekt.


Oder:

Was müsste ich denn eigentlich machen, wenn ich heute einen historischen Roman schriebe, der im Amerika zur Zeit des Bürgerkrieges spielte? Wie beschriebe ich denn die Sklaven? Was ruft denn der cholerische Sklavenbesitzer, wenn sein Leibeigener nicht spurt? “Du dreckiger Mensch mit erblich bedingtem erhöhten Melaninanteil in der Haut!”?
Dieses Umschreiben von Büchern, die auf ihre Art ja Zeitdokumente sind und somit eben auch Geisteshaltungen der Zeit, in der sie geschrieben wurden, widerspiegeln, erinnert irgendwie an Orwells “1984″.
Die Absichten der Bücherverbesserer sind sicher gut, aber das Ergebnis finde ich erschreckend und ich fühle mich bevormundet. Und so lange es rassistisches / homophones / bittebeliebigediskriminierungeinsetzen Gedankengut gibt, wird es Worte dafür geben. Wenn die einen verboten werden, dann werden neue ihren Platz einnehmen. Ich habe als Kind noch gelernt, dass Neger nicht Neger genannt werden sollen, sondern Farbige. Sagt man heute auch nicht mehr… Die PC-Bezeichnung du jour ist People of Color (PoC)…
Wo soll die Grenze gezogen werden? Werden auch historische Bücher, in denen Frauen diskriminiert werden, demnächst korrigiert? Bücher, in denen Frauen keine eigene politische Meinung zugebilligt wird? In denen ihnen Berufsausübungen verboten werden? Sie geschlagen und zum ehelichen Sex gezwungen werden dürfen? Komisch, dass sich hier noch niemand dran versucht hat!


Dabei belasse ich es mal.
 
die ersten 4 Klassen? Ok, damit habe ich das Wort am wenigstens assoziiert - eher mit der Hauptschule. Und Hauptschüler lesen eher selten Astrid Lindgren.
Hauptschüler sind in Deutschland die Schüler, die für die Realschule nicht klug/fleissig genug sind oder auf andere Weise zu viele schulische Probleme haben, dass sie die Realschule nicht schaffen können (damit auch Du Deinen Babelfisch füttern kannst, falls Du das noch nicht wusstest).

In den ersten vier Klassen kümmern sich die Eltern - zumindest die, die ich kenne - noch sehr um die Lektüre ihrer Kinder. In diesem Alter fragen die Kinder auch noch, wenn sie etwas nicht verstehen.

mag sein, aber um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern! ich hab in der 4.Volksschule Hannibal gelesen, von Mirko Jelusich, ein österreichischer Schriftsteller und Propagandist für das NS-Regime, wie ich heute weiß...und auch wenn ich heute nicht sagen würde, dass ich viel von dieser Propaganda mitbekommen hab, 2 Dinge habe ich noch im Kopf: 1.) hatte ich eine Abneigung gegen Römer! 2.) wollte ich so sein wie Hannibal xD und ich muss sagen, sehr wohlbehütet aufgewachsen zu sein, also wer mir erklärt Eltern sind da voll dahinter....ka...mag sein, nicht immer und viel zu selten!
 
es ist eben nicht nur "unsere" Geschichte. Es geht um den historischen Kontext, wie früher mit Menschen, die anders waren, umgegangen wurde.
Wenn man das versteht, versteht man auch manche Zusammenhänge besser - und weiss, wie wichtig es ist, es anders zu machen als unsere Vorfahren.
Oder muss jede Generation dieselben Fehler machen wie ihre Vorfahren - nur mit anderen Vokabeln - weil sie über das Geschehene nicht aufgeklärt wurden?[/QUOTE

Über Geschichte kann man mit Kindern zu jeder Zeit reden, was hält dich davon ab, da braucht man doch wohl nicht zu warten bis man in einem alten Kinderbuch über ein dummes Wort stolpert dass andere Menschen beleidigt.
Ich versteh die Logik dahinter nicht.
In den US gibt es seit 1926 den ''Black History '' Monat, im Februar, und jedes Schulkind, vom Kindergarten an, wird die Geschichte Schwarzer erzählt. Aufklärung und Wissen ist doch viel besser als darauf zu bestehen ein Wort in Büchern stehen zu lassen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Black_History_Month
 
mag sein, aber um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern! ich hab in der 4.Volksschule Hannibal gelesen, von Mirko Jelusich, ein österreichischer Schriftsteller und Propagandist für das NS-Regime, wie ich heute weiß...und auch wenn ich heute nicht sagen würde, dass ich viel von dieser Propaganda mitbekommen hab, 2 Dinge habe ich heute noch im Kopf: 1.) hatte ich eine Abneigung gegen Römer! 2.) wollte ich so sein wie Hannibal xD und ich muss sagen, sehr wohlbehütet aufgewachsen zu sein, also wer mir erklärt Eltern sind da voll dahinter....ka...mag sein, nicht immer und viel zu selten!

Wie kamst Du zu diesem Buch?
Wenn es sich um Progaganda handelt, bin ich auch der Meinung, dass sie nicht unbedingt in Kinderhände gehört, weil diese sehr subtil Gedankengut verbreitet - völlig unabhängig von den gewählten Wörtern. Aber Pippi Langstrumpf ist keine Propaganda und der besagte König kein schlechter Mensch. Er wird auch nicht negativ dargestellt. Es ist also in meinen Augen ein Vergleich Äpfel mit Birnen, was Du gerade für ein Beispiel gebracht hast.
 
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Wie kamst Du zu diesem Buch?
Wenn es sich um Progaganda handelt, bin ich auch der Meinung, dass sie nicht unbedingt in Kinderhände gehört, weil diese sehr subtil Gedankengut verbreitet - völlig unabhängig von den gewählten Wörtern. Aber Pippi Langstrumpf ist keine Propaganda und der besagte König kein schlechter Mensch. Er wird auch nicht negativ dargestellt. Es ist also in meinen Augen ein Vergleich Äpfel mit Birnen, was Du gerade für ein Beispiel gebracht hast.

ich hatte das Buch aus unserer Pfarrbibliothek!!!!!

mir gings grad auch nicht darum Astrid Lindgren mit Mirko Jelusich zu vergleichen, sondern anzumerken, dass Eltern nicht "da" sind, wenn Kindern über Wörter wie "Negerkönig" stolpern........übrigens ist der "Negerkönig" Pippis Vater, oder?

jedenfalls nix Äpfel-Birnen Vergleich...übrigens habe ich das erste mal bewusst über das Wort "Neger" gelesen, als ich Wilhelm busch las...das war ziemlich bald nachdem ich lesen gelernt hatte, würd ich sagen...das Buch hat mir mein Vater in die Hand gedrückt! - und das sind dann schon weniger Äpfel-Birnen-Vergleiche!
 
ich hatte das Buch aus unserer Pfarrbibliothek!!!!!

mir gings grad auch nicht darum Astrid Lindgren mit Mirko Jelusich zu vergleichen, sondern anzumerken, dass Eltern nicht "da" sind, wenn Kindern über Wörter wie "Negerkönig" stolpern........übrigens ist der "Negerkönig" Pippis Vater, oder?

jedenfalls nix Äpfel-Birnen Vergleich...übrigens habe ich das erste mal bewusst über das Wort "Neger" gelesen, als ich Wilhelm busch las...das war ziemlich bald nachdem ich lesen gelernt hatte, würd ich sagen...das Buch hat mir mein Vater in die Hand gedrückt! - und das sind dann schon weniger Äpfel-Birnen-Vergleiche!

Hast Du Deinen Vater gefragt, was es mit diesem Wort auf sich hat? Oder wie bist Du damals mit dem neuen Wort umgegangen?
Ja, beim "Negerkönig" handelt es sich um Pippis völlig bleichen Vater, der wahrscheinlich schwedischer Herkunft ist.
 
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