Vielleicht ist das alles ein schönes Beispiel einer Scheindebatte. Hier in den USA, wo ich lebe, gibt es noch einen ganzen Haufen von versteckten Diskriminierungen gegenüber Schwarzen. (“Blacks” geht übrigens hier wieder relativ unkritisch, man muss nicht dauernd das Unwort “african-american” verwenden, grad so, als kämen die Leute immer noch direkt aus Afrika. Ausserdem gibt es einen Unterschied zwischen “negro” (geht nicht) und “nigger” (geht überhaupt nicht).) Mein Punkt ist, dass man sich relativ leicht über Worte echauffieren kann, aber dass es viel schwieriger ist, die echten Probleme anzupacken, z.B. die nach wie vor großen Unterschiede im Gehalt, den Bildungschancen, oder der Kriminalität.
Wie Du schreibst, sind Bücher Zeitzeugen der Epoche aus der sie kommen. Astrid Lindgren war sicherlich keine Rassistin, aber sie verwendete ein Wort, dass heute als unangemessen empfunden wird. Was für eine phantastische Gelegenheit, mit den Kindern darüber zu reden, warum das so ist: Was genau ist eigentlich verletzend am Wort “Neger”? Was hat das mit der Geschichte der Schwarzen zu tun, und wie sie jahrhundertelang übelst diskriminiert und ausgebeutet wurden? Was davon passiert immer noch? Gibt es immer noch Vorurteile gegenüber Menschen anderer Hautfarbe? Falls ja, ist es dann nett, Worte zu verwenden, die einstmals Teil der Diskriminierung waren und von Betroffenen oft noch als diskriminierend empfunden werden? Was sagen wir denn stattdessen, wenn wir sagen wollen, dass Steve eine dunkle Hautfarbe hat? Vielleicht fragen wir Steve? Und gibt es solche diskriminierenden Worte auch in anderen Bereichen unseres Lebens? Wie ist das, wenn man jemanden als “fett” bezeichnet? Oder als “dumm”? Ist das Wort “schwul” diskriminierend oder nicht? Und wie ist es mit “Schwuchtel”?
Die Hosenmaler — fantastischer Vergleich! — haben beschlossen, dass man sämtliche Gelegenheiten zu solch lehrreichen Diskussionen verbannen muss, indem man die Bücher politisch korrekt redigiert. Grad so als würde das alle Probleme automatisch lösen. Als gäbe es nicht immer noch ein großes Bedürfnis an Aufklärung und Umdenken. Historische Bücher wie Pippi Langstrumpf sind eine hervorragende Möglichkeit, solche Debatten anzustoßen, denn sie verwenden (gelegentlich!) verletzende Worte ohne verletzen zu wollen. Ist dies nicht eine wunderbare Gelegenheit darüber zu reden, wie Sprache funktioniert, und wie wir im Umgang mit Menschen aufpassen müssen, nicht ungewollt jemandem weh zu tun?
Es ist bitterschade, dass talibanöse Reflexe im Tarnmantel der politische Korrektheit darauf abzielen, uns einiger wichtiger Lektionen zu berauben.