Hallo alle!
allmächd schrieb:
[...] Und ich finde niemand auf der Welt sollte eingesperrt werden- egal was er gemacht hat. Freilich muss man auf der einen Seite verhindern dass etwas ""schlimmes" passiert. Aber die Menschen schieben ihre "kollektiv" Verantwortung beiseite- indem sie sobald jemand etwas "schlimmes tut", diesen "Wegsperren". [...]
Naja, wenn man sie nicht wegsperrt, wie willst Du dann mit ihnen verfahren? Einfach eine Standpauke "Das war aber nicht gut, geh jetzt und denk darüber nach, künftig wirst Du niemanden mehr ermorden" ? ... hm. Faustrecht. Dem kann ich nicht zustimmen.
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Ich tue mir zugegeben etwas schwer mit dieser Thematik - und habe "kommt drauf an" angekreuzt.
Es kommt wohl immer darauf an, in wen ich mich hinein versetze:
1. Das Opfer. Ich nehme, weil hier im Thread schon oft angesprochen, ein Mädchen, welches zB über Monate hinweg ständig von ihrem Peiniger vergewaltigt wurde - der mit in ihrem Haushalt lebte, der ihr mit Druckmitteln wie "Deine Mutter würde sich umbringen, wenn Du was sagst, das wäre dann Deine Schuld" - zum Schweigen gebracht hat. Das Mädchen wird physisch weiterleben - psychisch aber tot sein. Vielleicht ist es irgendwann rausgekommen, das Mädchen ist ins Kinderheim gekommen und von seiner Mutter fortgerissen worden, hat Schuldgefühle, weil die Mutter tatsächlich versucht hat, sich das Leben zu nehmen... Einen Psychologen, der dem Mädchen hilft, damit klar zu kommen, wieder zu leben usw, kann sich die Mutter nicht leisten. Das Opfer ist tot. Und wenn es Glück hat, kann es irgendwann eine Therapie machen... aber der Schmerz und die Risse der Seele werden wohl bis an ihr Ende nicht heilen.
Ergo: Vielleicht läge es am Opfer, die Strafe zu bestimmen. (Sofern es noch physisch lebt)
2. Leute, die das Opfer lieben: Mütter, Schwestern, Väter und Brüder - die das Opfer lieben und beschützen möchten - die sich Vorwürfe machen, vielleicht nicht gut genug aufgepasst zu haben (obwohl ich für meinen Teil nicht glaube, das man ein Kind davor so schützen kann, das sichergestellt ist, dass das niemals passieren kann) - Brennen im Herzen für lange Zeit, Wut, Trauer und Zorn, gegen sich und die Welt und besonders gegen den Täter - der Wunsch, das alles abzuschalten und die Hoffnung, dass das mit dem Tod des Täters möglich wäre. Sicher zu stellen, das dieser Mensch das niemanden mehr antun wird.
Ergo: Foltert ihn zuerst, vergewaltigt ihn auch, kastriert ihn, schneidet ihm die Augenlider ab und streut Salz rein, näht seinen Mund zu und stopft Chilli in seine Nasenlöcher, peitscht ihn ein halbes Jahr aus und dann zerstückelt ihn langsam.
3. Der Täter: Vielleicht ist er der Welt "entrückt", hat keine Vorstellung davon, was er anrichtet... Ein pädophil Veranlagter sagte einmal zu mir: "Nicht die Tat selbst macht die Kinder kaputt, sondern die Verhandlung dann... wenn sie nicht vor Gericht aussagen müssten, wär das alles halb so wild" - also einfach nicht die geringste Möglichkeit, sich auch nur einen Hauch in jemanden hineinversetzen zu können... wenn es so ein Mensch ist (ich sage hier nicht (!), das alle Leute, die das tun/tun könnten/getan haben/tun möchten/usw so sind - aber ich nehme hier einmal einen solchen) - und Kinder in seiner Nähe sind, im Fernsehen bei Babylotion-werbung werden ihm nackte Kinderpopos gezeigt; das Nachbarsmädl da spielt am Boden und macht Purzelbäume, sodass man die Unterhose sieht... in der kindlichen Unschuld setzt es sich auf seinen Schoss und lächelt ihn an - wenn er der Realität so entrückt ist, wie ich meine, hat er das Spielen und das Lächeln, das auf den Schoss setzen usw vielleicht als Einverständniserklärung betrachtet - und weil das Kind so geschockt, beschämt und verwirrt ist, kann es nicht reagieren - wie soll der Mann begreifen, was er tut? Er hat ja gar nicht die (geistige) Möglichkeit dazu. Selbst wenn es ihm eine mißbrauchte Person erklärt (wie ich versucht habe), er kapiert es nicht und sieht es nicht ein, das ein Kind davon Schaden nehmen könnte. Das ist so, als würde mir jemand erklären wollen, die Straße sei schwer verletzt, wenn ich mit roten Schuhen auf ihr gehe - würd ich auch nicht begreifen. Jemand der nicht imstande ist, diese sozialen Verhältnise zu erkennen und aufgrund dessen solche Dinge tut, den kann ich persönlich verabscheuen und auch hassen - ich kann ihn aber nicht restlos verurteilen.
Ergo: Wie kann man jemanden für etwas verantwortlich machen, der zwar vielleicht im rechtlichen Sinne zwischen gut und böse unterscheiden kann und nicht geistig behindert ist, aber dennoch rein menschlich betrachtet so eingeschränkt ist, das er keinen Millimeter weit denken kann.
Auf die Eltern und die Familie des Täters einzugehen, würde den Beitrag jetzt doch noch unnötig in die ohnehin schon ausufernde Länge ziehen - und das Spektrum der Möglichkeiten, wie die Familie dazu stehen könnte, ist schier unendlich.
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Was ich jedoch absolut nicht unterschreiben kann ist, das in erster Linie der Täter eine Therapie braucht. NEIN - das Opfer braucht die Therapie! Und der Täter sollte verpflichtet sein, dafür aufzukommen. Für derartige Leute bin ich allerdings absolut für eine Zwangskastration. Eine "Strafe" bringt auch nur bedingt was (Zeitweiliger Schutz der Menschheit), denn meiner Meinung nach ist das eine Veranlagung und keine Krankheit, oder ein "Ausrutscher" oder ein einfaches Verbrechen - (Ich spreche hier von Kindesmissbrauch und/oder Vergewaltigern)
es ist in meinem Verständnis eine Veranlagung und die verschwindet auch nach jahrzehnten hinter Gitter nicht.
Ich bin also hin und her gerissen und kann eigentlich alle Standpunkte verstehen. Ich könnte niemandem hier recht oder unrecht geben - auch nicht aus der Sicht des Opfers, denn ich mußte als Kind ebenfalls derartige Dinge erleben, wie bestimmt einige andere hier auch.
Was mir besonders Kopfzerbrechen macht ist: Wer würde entscheiden? Klar, wenn *ich* entscheiden könnte, wäre es leicht zu sagen: "Dafür!" - wenn nicht, wird es knifflig
Liebe Grüße!
Oktarin