Schluss/Auszeit

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liebe schama.... du kannst nur lernen mit solchen situationen umzugehen, dich immer wieder selbst zu motivieren, dass du dort endlich weg kommst...
 
mich hat er gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ein kind mit ihm zu haben. ich sagte, mit ihm könne ich mir alles vorstellen. es war aber nichts, wir haben nur geredet.
eine woche danach meinte er, er sei zuweit gegangen.
kann so ein energethiker reagieren?
er ist in einer beziehung und sagt, sie würde es nicht aushalten, wenn er sie verlässt.

alles liebe
gagro
 
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Letzte Nacht hatte ich einen Einbruch. Ein Druck hatte sich aufgebaut, der immer wieder um ihn herumkreiste. Also zuckten mir die Finger. Ich wollte einen Brief schreiben. Mit möglichst guten Worten. Aber auch meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Ich finde es sehr schwierig, Gefühle zu formulieren. Besonders wenn Groll dahintersteht. Doch wie immer mache ich gerne Gebrauch von meinem Grundrecht auf freie Gefühlsäusserung.

Meine Schreibübung zog sich über drei Stunden. Ständig löschte ich Passagen, die zum Teil auch sehr schön waren. Ich werde diesen "Brief" natürlich nicht abschicken. Eher hacke ich mir die Hände ab, als dass ich ihm schreibe. Dieser Text hat mich aber einiges erkennen lassen. Ich weiss, wer ich bin. Und ich weiss, dass ich damals zwar eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe wünschte und glaubte, ich hätte sie endlich. Doch er hat alles gegeben, um mich kleinzumachen. Sein Beruf war auch ein grosses Hindernis. Denn er ist extrem "intelligent" auf eine Art, die letztendlich destruktiv ist. Er biegt sich alles zurecht und ist im Grunde sehr schwach. Er hat ständig Unfälle oder Rückfälle (Drogen). Es ist schade um ihn. Aber ich glaube nach wie vor, dass er es schaffen kann.
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Lieber S.

Wenn du jetzt vor mir stehen würdest, würde ich dich fragen, wer du bist. Ich würde nach deinem vollen Namen fragen. Da muss mehr sein als S. und ein Nachname mit nur X Buchstaben. Und ich würde dich fragen, wer du bist. Und wenn du ein Meister wärst, würde ich dich fragen, ob ich auch eines Tages so blühen werde wie die Tulpen in meinem Garten. Deine Antwort müsste lauten: Wenn du eine Tulpe betrachtest, BIST du eine Tulpe.
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Warum schreibe ich dir, mein Liebster? Dir, der du mich für tot erklärt hast? Deine letzten Worte im Lift waren: „Steh auf, sonst landest du in der Klinik!“ Ich höre es immer noch. Ich hatte gesagt, dass du einer von denen bist, die Angst vor mir haben. Und du drehtest den Spiess um. Es wäre umgekehrt. Du sagtest, du könntest nicht in einem Raum mit mir sein. Kannst du mit dir selbst in einem Raum sein?

Ich kann es.

Oft, zu oft muss ich an dich denken. Ich habe nur die guten Erinnerungen gespeichert und glaube an dich. Und das Gefühl, das ich mit dir hatte. Das Gefühl, angekommen zu sein. Allerdings war unsere Beziehungskonstellation nicht gut für mich. Die Tatsache, dass du nie über die Realität sprechen konntest, machte mich sehr wütend. Ich bin ein ruhiger Büffel. Wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind es Menschen, die partout nicht die Karten auf den Tisch legen. Ich hatte einiges hinter mir und erkannte, dass wir zwei uns in eine Lüge manövriert hatten. Ich bitte dich um Verzeihung, dass ich mich von deinem perfiden Spiel habe treiben lassen.

Das Wichtigste in einer Partnerschaft ist für mich das Sprechen. Mit dir zu sprechen oder auch zu schweigen war das grösste Vergnügen. Ich kann das beurteilen, denn ich habe in meinem kurzen Leben schon mit vielen Menschen gesprochen. Man glaubt, ich sei klug. Das stimmt nicht. Ich bin eine gute Zuhörerin.

Ich fühle mich von dir, mein Liebster, wie ein Kind behandelt. „Total distance“ lässt ein ungutes Gefühl zurück. Ich wünsche mir einen Mann, der mutig, achtsam und hingebungsvoll ist. Ich fühle dich. Ich fühle auch, dass du mich nicht ernst genommen hast. Du hast mich totgeschlagen wie eine lästige Fliege. Und ich bin dir dafür dankbar. Du bist ein Täter. Und ein Opfer.

Der Grund deines Rückzugs ist offenbar ein geringes Selbstwertgefühl und das passende Bedürfnis nach Sicherheit. Besitz und Macht scheint dir sehr wichtig zu sein. Du hast dein Leben danach ausgerichtet. Das tat Napoleon Bonaparte auch. Und C. G. Jung auch. Diese Männer taten das immer auf dem Rücken von Frauen. Frauen wie Spielrein oder Desiree, die später einen Volltrottel heiratete und Königin von Schweden wurde. Sie war sehr unglücklich. Nicht wegen Napoleon, sondern weil sie erkannte, dass sie nur eine Frau war. Die Frau an der Seite eines Gefühlsanalphabeten. Eines Machtmenschen. Frauen wurden in den letzten Jahrhunderten als Ware behandelt. Wir waren Müll, mussten uns verstecken oder wurden verbrannt. Ich wurde dreimal mit dem Pfahl durchbohrt. Ich war Hexe, eine mongolische Schamanin, eine Indianerin und eine Musikerin. In meinen früheren Leben. Ich fühle, was ein Mann ist. Einen Mann habe ich sehr geliebt, als ich in der Mongolei war. Ich hatte lange auf ihn gewartet. Er kam zurück. Wir gingen in mein Zelt. Er vergewaltigte mich. Ich jagte ihn fort. Daher ist es für mich sehr schwer, an das Gute im Mann zu glauben. Erst wenn ein Mann die Frau in sich erkennt, wird er zum Mann. Wenn ein Mann beim Sex vergisst, dass er ein Mann ist, ist er ein Mann.

Ich bin ein Mann, ein Kind, eine Frau und eine Wilde. Ach, und Vegetarierin.

Und du, wer bist du, mein Liebster?
 
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