Ja. Aber der offene Brief von Frau Schwarzer oder die Stellungnahme des Papstes sind keine neue Möglichkeiten. Das ist der Pazifismus der letzten 50 Jahre, und der hatte auch mal seinen absoluten Sinn, z.B. bei Willi Brandt. Da war es wohl, bei Brandts Kniefall, dass das Karma gerade passte und ausgeglichen war.
So dass eine völkerübergreifende Verständigung möglich wurde.
Hingegen:
Dieser 'Kremlin' Putin mit seinem absoluten Machtanspruch ist neu.
Die alten Gedanken, oder auch defensiven 'Waffen' der Vergangenheit, sie verfehlen ihr Ziel.
Diese Angebote erreichen den Kerl nicht.
Neu, heißt neu. Ich weiß deshalb nicht, was der Brief oder der Papst mit meinen Aussagen zu tun haben.
Und nein, dieser Putin, machthungrig, aggressiv, mit Wahnideen über das wieder erstandene expandierte Russland, ist nicht neu. Weder er als Person mit diesem Anliegen, noch das Anliegen selbst, sind neu. Das Anliegen selbst ist sogar so alt wie die Sesshaftigkeit des Menschen.
Also, was ich empfinde, ist tiefes Mitgefühl. Das wird Dir vermutlich ähnlich gehen.
Ich kann Dir nur sagen, dass ich ihr Wehren in meinem Bekanntenkreis verteidige.
Ist vielleicht nicht pazifistisch, aber es erscheint mir richtig.
Mehr kann ich nicht tun.
Ich habe auch nie gesagt, dass ich die Verteidigung nicht verstehe oder gar verurteile. Ist auch nicht das erste Mal, dass ich das sage. Aber ich trenne zwischen den Umständen und Handlungsmöglichkeiten der Ukrainer und dem Rest der Welt. Die Ukrainer stehen mit dem Rücken zur Wand und wurden in Umstände gezwungen, die ihren Handlungsspielraum enorm einschränken. Zugzwang.
Viele andere Länder sind zwar auch im Zugzwang. Aber nicht auf die Art und Weise wie die Ukraine. Das scheint oft vergessen zu werden. Vielleicht aus Angst, deshalb nicht als mitfühlend erkannt zu werden oder aus Angst dass uns sonst das gleiche blüht.
Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Weil man die Unterschiede erkennt, ist man nicht kalt. Sondern weiß deren Leid und Umstand als solches zu erkennen und respektiert es. Eben als deren, nicht als unseres, weil wir es uns nicht zu eigen machen und nicht so tun, als wüssten wir, wie es ist. Die Aneignung des Leids und auch der eingeschränkten Handlungsweisen, ist nicht nur despektierlich, sondern auch destruktiv. Wenn wir die Unterschiede erkennen, erkennen wir dann auch, dass uns noch mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, zu helfen, als gewaltsame Verteidigung oder absolut devoter Pazifismus (im übrigen muss Verteidigung auch nicht nur gewaltsam sein und Pazifismus nicht nur devot, auch hier gibt es mehrere Dimensionen der Handhabung, und mehr dazwischen. Nur mal am Rande). Und mehrdimensionale Hilfestellung kann eher eine Lösung finden, eben weil es mehrere Ansätze gleichzeitig verfolgt und damit die Chancen erhöht, dass da das "richtige" dabei ist.