es gibt immer mehrere Seiten.
Vor ein paar Monaten hätte vermutlich kaum ein Hahn anschließend gekräht.
Das sehe ich anders. Denn es gibt ja Beispiele dafür, die zwar nicht so breit diskutiert wurden aber weit sachlicher und mit größerer Effektivität. Vor kurzem erst der Bericht einer Spiegel-Journalistin über die Piratenpartei. Das hat sofort zu Konsequenzen geführt. Plus: Wäre die Story früher rausgekommen wäre Brüderle vielleicht nicht mal "das Gesicht der FDP" geworden...
Und jetzt hat es ne Debatte angestoßen, die nicht nur Brüderle betrifft...ergo gutes Timing, auch was die *Größen* der FDP angeht.
Die Debatte betrifft aber zu 50% ob der stern den Artikel so rausbringen "durfte" oder nicht. Die Debatte wird extrem unsachlich geführt.
Mir geht es um einen sehr wesentlichen Punkt: Wie wird jemand verteidigt dessen Verhalten selbst nicht zu verteidigen ist? Mit Gegenangriff. Und dann muss sichergestellt werden, dass da nichts oder nur wenig ist, worauf Angriffe folgen können. Die Spiegel-Journalistin die über die Piraten schrieb konnte nicht angegriffen werden. Da folgten Entschuldigungen. Aber diese Story hier wird sehr breit und auf mehreren Ebenen angegriffen.
Die Journalistin selbst wurde da einfach nur benutzt und muss das jetzt aushalten. Und sie sagt selbst, das sie damit nicht gerechnet hat. Sie sagt selbst, das der Stern vor einem Jahr keinen Anlass sah die Story zu veröffentlichen. Dieses Feedback hat sie weder beabsichtig noch sah sie es kommen. Ihre Chefs haben es forciert. Sie (natürlich auch die Chefredaktion) muss mit massiver Kritik aus der journalistischen Ecke klarkommen, mit krassen Kommentaren auf Twitter und Facebook und natürlich mit Kritik von Politikern (Parteiübergreifend). Möglicherweise wird der Artikel sogar noch ein Thema für den Presserat.
Und all das ist nicht dem Thema Sexismus selbst zu Schulden. Der Artikel vor einem Jahr hätte kein Problem gemacht. Der Artikel jetzt aber anders, auch nicht. Und sollte das Thema wirklich breit diskutiert werden, etwa bei Günther Jauch... wird dieser Kontext (ihre Person, Timing und Art ...."darf man das?") immer auch Thema werden.
Und ich finde du übertreibst, so groß ist die Story nun auch wieder nicht, daß sie damit nu nicht wieder aus dem Haifischbecken rauskommt.
Gibt sicherlich noch nen paar, die wissen wollen, wie die Körbchengröße in Natura ist und nen Interviewtermin machen.
Den Rest interessiert es nicht.
Ihr Job besteht ja darin mit Politikern zu sprechen... und ihre Kollegen bestehen aus Journalisten. Dieser Artikel hat die Politiker gegen sie aufgebracht und einen Teil der Journalisten auch. Und noch mal: Nicht weil sie Sexismus outet, sondern wegen der vermuteten Strategie (die nicht mal ihre ist).
Sie wird sich noch lange verteidigen müssen und v.a. wird sie es schwerer in Hintergrundgesprächen haben. Denn viele argumentieren so: Brüderle nachts an einer Bar ansprechen ist nicht mehr offiziell sondern ein Hintergrundgespräch... und bei ihr kann man dann offenbar nicht sicher sein, ob solche Inhalte (die ja ganz andere sein können und meistens auch andere sind) nicht irgendwann in einem Artikel erscheinen könnten.
Nebenbei: Es gibt viel viel krassere Sachen die Journalisten wissen und nicht schreiben. Das sind Themen wie Kokain, Prostitution (wie bei Friedman), Affären usw. Vieles wird unterm Deckel gehalten obwohl es zumindest teilweise wirklich relevant wäre...