Politik-Sexismus-Journalismus

Aber es geht, wie zu erwarten, jetzt richtig politisch los. :D

nzwischen hat die Debatte auch den Bundestag erreicht. Die Grünen forderten eine Erklärung von Brüderle, der bisher jeglichen Kommentar ablehnte. „Brüderle muss sich zu den Vorwürfen erklären. Es ist völlig egal, ob diese jetzt oder zu einem anderen Zeitpunkt veröffentlicht wurden“, sagte Fraktionsvize Kerstin Andreae Handelsblatt Online. Die Vorwürfe stünden im Raum und sollten schnell aufgeklärt oder ausgeräumt werden. „Und dann müssen auch die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen werden“, sagte die Grünen-Politikerin.

http://www.handelsblatt.com/politik...zu-sexismus-vorwuerfen-erklaeren/7683432.html

War irgendwie absehbar. Und trotzdem gut. :D
 
Werbung:
Ach so, die Linke mischt auch mit:

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hält die Vorwürfe gegen Brüderle für plausibel, auch wenn sie bei dem Vorfall, wie sie im „Kölner Stadt-Anzeiger“ betont, „nicht dabei“ gewesen sei und auch „keine Beweise gesichtet“ habe. Sie fügte aber hinzu: „Ich wusste, dass Brüderle ein Chauvi ist. Dass er auch ein Sexist ist, würde ins Bild passen. Und dass das thematisiert wird, würde ich nicht kritisieren.“

http://www.handelsblatt.com/politik...-dass-bruederle-ein-chauvi-ist/7683432-2.html

Hau den Lukas. Er hats verdient. :)
 
es gibt immer mehrere Seiten.

Vor ein paar Monaten hätte vermutlich kaum ein Hahn anschließend gekräht.
Das sehe ich anders. Denn es gibt ja Beispiele dafür, die zwar nicht so breit diskutiert wurden aber weit sachlicher und mit größerer Effektivität. Vor kurzem erst der Bericht einer Spiegel-Journalistin über die Piratenpartei. Das hat sofort zu Konsequenzen geführt. Plus: Wäre die Story früher rausgekommen wäre Brüderle vielleicht nicht mal "das Gesicht der FDP" geworden...


Und jetzt hat es ne Debatte angestoßen, die nicht nur Brüderle betrifft...ergo gutes Timing, auch was die *Größen* der FDP angeht.
Die Debatte betrifft aber zu 50% ob der stern den Artikel so rausbringen "durfte" oder nicht. Die Debatte wird extrem unsachlich geführt.

Mir geht es um einen sehr wesentlichen Punkt: Wie wird jemand verteidigt dessen Verhalten selbst nicht zu verteidigen ist? Mit Gegenangriff. Und dann muss sichergestellt werden, dass da nichts oder nur wenig ist, worauf Angriffe folgen können. Die Spiegel-Journalistin die über die Piraten schrieb konnte nicht angegriffen werden. Da folgten Entschuldigungen. Aber diese Story hier wird sehr breit und auf mehreren Ebenen angegriffen.

Die Journalistin selbst wurde da einfach nur benutzt und muss das jetzt aushalten. Und sie sagt selbst, das sie damit nicht gerechnet hat. Sie sagt selbst, das der Stern vor einem Jahr keinen Anlass sah die Story zu veröffentlichen. Dieses Feedback hat sie weder beabsichtig noch sah sie es kommen. Ihre Chefs haben es forciert. Sie (natürlich auch die Chefredaktion) muss mit massiver Kritik aus der journalistischen Ecke klarkommen, mit krassen Kommentaren auf Twitter und Facebook und natürlich mit Kritik von Politikern (Parteiübergreifend). Möglicherweise wird der Artikel sogar noch ein Thema für den Presserat.

Und all das ist nicht dem Thema Sexismus selbst zu Schulden. Der Artikel vor einem Jahr hätte kein Problem gemacht. Der Artikel jetzt aber anders, auch nicht. Und sollte das Thema wirklich breit diskutiert werden, etwa bei Günther Jauch... wird dieser Kontext (ihre Person, Timing und Art ...."darf man das?") immer auch Thema werden.

Und ich finde du übertreibst, so groß ist die Story nun auch wieder nicht, daß sie damit nu nicht wieder aus dem Haifischbecken rauskommt.

Gibt sicherlich noch nen paar, die wissen wollen, wie die Körbchengröße in Natura ist und nen Interviewtermin machen.
Den Rest interessiert es nicht.
Ihr Job besteht ja darin mit Politikern zu sprechen... und ihre Kollegen bestehen aus Journalisten. Dieser Artikel hat die Politiker gegen sie aufgebracht und einen Teil der Journalisten auch. Und noch mal: Nicht weil sie Sexismus outet, sondern wegen der vermuteten Strategie (die nicht mal ihre ist).

Sie wird sich noch lange verteidigen müssen und v.a. wird sie es schwerer in Hintergrundgesprächen haben. Denn viele argumentieren so: Brüderle nachts an einer Bar ansprechen ist nicht mehr offiziell sondern ein Hintergrundgespräch... und bei ihr kann man dann offenbar nicht sicher sein, ob solche Inhalte (die ja ganz andere sein können und meistens auch andere sind) nicht irgendwann in einem Artikel erscheinen könnten.

Nebenbei: Es gibt viel viel krassere Sachen die Journalisten wissen und nicht schreiben. Das sind Themen wie Kokain, Prostitution (wie bei Friedman), Affären usw. Vieles wird unterm Deckel gehalten obwohl es zumindest teilweise wirklich relevant wäre...
 
und nochwas: die, die jetzt lauthals jammern, was das doch für ne pöhse termingerechte Kampagne is, sind echt zum wiehern.

Das ist deren tägliches Geschäft...den möglichst besten Zeitpunkt suchen, um den politischen Gegner mitwasauchimmer an die Wand zu nageln.

:D

Mir gehts nicht so sehr darum ob Kampagne oder nicht, sondern ob klug oder nicht und ob hilfreich oder nicht. Angenommen, es wäre eine Kampagne gegen die FDP... dann wird das vermutlich nicht funktionieren. Es gibt da ja sogar viele die sich eher mit Brüderle solidarisieren und bis zur Wahl wird das keine Rolle mehr spielen.

Angenommen das Motiv ist sehr edel, und es soll zu einer Diskussion angeregt werden... über Sexismus im politischen Geschäft... dann ist vieles an dem Artikel unklug.

Sollte es um Auflagensteigerung gehen: Klug... alles richtig gemacht!

.....und das voll auf Kosten der betroffenen Journalistin (und des Themas).
 
Aber es geht, wie zu erwarten, jetzt richtig politisch los. :D



http://www.handelsblatt.com/politik...zu-sexismus-vorwuerfen-erklaeren/7683432.html

War irgendwie absehbar. Und trotzdem gut. :D

Brüderles Berater gehen mit ihm gerade die Optionen durch... und die lauten:

1. Schweigen... im Sande verlaufen lassen
2. Sich äußern und entschuldigen
3. Rechtfertigung und Gegenangriff


Nummer 3 fällt weg... damit würde er sein eigenes Grab schaufeln. Nummer eins wird nur funktionieren wenn das Thema ab jetzt täglich extrem an Fahrt verliert...

Ich denke, das wenn das Thema morgen noch groß ist, er sich öffentlich entschuldigen wird, ein bisschen erklären (hatte Alk im Blut und blabla) und dann wars das auch.
 
sowie sich jemand ins licht der öffentlich begiebt und am trog mit fressen will, sind auch schon andere 'schweine' da, die mit dreck schmeissen - und schmuddelsexkrams ist nun mal gut geeignet ... oder wird immer wieder gerne inszeniert, wie man an der langen reihe von opfern sieht (wo ist eigentlich assange?)

was diese zimmermädchen/journalistinnen wohl so verdienen, das frag ich mich
 
Deshalb neigen Menschen dazu Hierarchien zu ihren eigenen Gunsten herstellen zu wollen, vor allem aus Schwäche heraus. Respektlosigkeit ist dann das Mittel dazu eine andere Person sozusagen etwas kleiner zu machen. Das kann aber auf vieles zielen... Sexismus ist nur eine der Möglichkeiten.

dieses führt mich zu Frage; aus Schwäche oder aus Angst? Oder ist Angst nur Schwäche? Aus Verantwortung - zuerst für die, die um einen sind - wäre eine weitere Möglichkeit (bin schon mit Gedanken bei ersten Menschen angelangt :D). Schwäche übergeordnet jeder Handlung?
 
Wir kommen hier nicht weiter. Zu unterschiedlich sind die Positionen. Deshalb lasst uns doch einfach abwarten. Heute ist die Welke-Show. Lassen wir den doch entscheiden, ob das Brüderle-Bashing okay war. Ich denke, er wird zu einem ausgewogenen Urteil kommen. :)
 
Werbung:
Auch Österreich nimmt sich inzwischen des Themas an:

Mit öffentlicher Kritik hat Chefredakteur Osterkorn gerechnet. "Dass so eine Geschichte polarisiert, war mir klar. Dass sie so hohe Wellen schlägt, war mir nicht klar." Ihn freue, dass sich jetzt zunehmend Frauen beim Magazin meldeten, die berichteten, dass solche Dinge nicht nur unter Politikern, sondern auch in Unternehmen gang und gäbe sei. Junge Frauen akzeptierten einen solchen Stil nicht mehr.

So kommentiert Anja Maier in der taz: "Die Häme, die nun über die Journalistin Himmelreich hereinbricht, die Abwertung und die Pöbeleien - dies alles sind sichere Anzeichen dafür, dass sie genau das Richtige getan hat."

http://derstandard.at/1358304670936...ur-verteidigt-umstrittenes-Bruederle-Portraet

Exakt analysiert. Das ist auch meine Meinung.
 

Ähnliche Themen

Zurück
Oben