Neuanfang


Verlassen

Nix geht mehr. Land unter. Der Orkan macht einen ja ganz wuschig. Halten
die Fensterscheiben? Wird der Balkon wieder verwüstet sein? Gekappte Telefonleitungen
sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Erst das Gejammere, es ist alles zuviel. Und dann? Vermisst
man das Zuviel. Warum braucht es immer erst solche Störfälle. Etwas wertschätzen. Ja,
jetzt weiß sie es zu schätzen. Bis zum nächsten Störfall? Menno, menno, menno.
Klappe die Wievielte?


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Heilen

Es braucht seine Zeit. Die offene Wunde muss erstmal zuheilen. Und es ist
ein Erlauben. Die Selbstheilungskräfte auch zulassen. Wenn wir ihnen nichts zutrauen,
dann können sie sich nicht trauen. Wir selber verhindern das dann. Der ungläubige Thomas.
Da hilft kein gutes Zureden. Jeder bestimmt sein Geschick selber, sprach Freundin B. einst.
Und von Helmut Schmidt erfuhren wir, die Deutschen wären psychisch nicht so stabil,
wie die Engländer. Ja, die Engländer schaffen es, ihre Klamotten gepunktet und
kariert gleichzeitig zu tragen.

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Namenlos

Grabsteine für die unbekannten Soldaten? Holzkreuze gab`s. Anonym
beerdigen lassen. Sie will gar nichts haben. Bei ihr soll nichts gemacht werden.
Keine Trauerfeier und sowas alles. Seebestattung ist in Mode. Oder, verstreut meine
Asche übers Land. Auch schon gehört. Trübes Wetter, trübe Zeiten, trübe Gedanken.
Was da alles zum Vorschein kommt. Das Drehbuch ändern. Nachträglich.
Soll möglich sein.


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Drehungen

Schwurbel. Durch den Wolf gedreht? Karussell gefahren? Schlafen ist Schwerstarbeit.
Tagelang aufgewacht, als hätte sie nächtelang geheult. Was soll das denn? Je älter wir
werden, desto näher kommen wir unseren Ahnen? Ja und die Erinnerungen aus diesem Leben
werden auch immer lebendiger. Was hat der Mensch bloß alles schon hinter sich gebracht.
Und noch kein Ende abzusehen. Es darf weiterhin alles abgearbeitet werden. Die Pflicht
ist der erste Einweiher? Anstand und Harmlosigkeit? Erschöpft. Bedient.

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Kantilene

Fremdwörter wohin man blickt. Akriomatik? Inhärenz und Immanenz
unterscheiden? Kribbel. Im Westen nichts neues. Ahnungen. Da schwant
mir was. Schwarze Schafe und schwarze Schwäne. Das Kuckucksei im fremden
Nest. Die Ahnungslosen und die Harmlosen. Ratlos sein? Keinen Sinn für Humor
haben? Vielleicht im nächsten Leben. Dafür können andere jetzt
umso mehr lachen.

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Erstklässler

Wie kommt sie jetzt auf Erstklässler? Die Einschulungen waren doch
im Herbst. Sich vorkommen wie ein Erstklässler? Auf manchen Gebieten schon.
Buchstabe für Buchstabe und das 1 x 1 verblasst schon wieder. Den Zeitungsberichten
keinen Glauben schenken. Sich fragen, was bedeutet das wirklich. Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis, sprach der Herr von Goethe einst. Die Welt der Umkehrungen.
Die Umkehrung der Umkehrung? Dann biste auf der anderen Seite.




 

Verzeihen

Die alten Anstandsregeln. Küß die Hand. Habe die Ehre. Wohl dem, der
was hat? Sein statt haben. Kommunikatives Handeln, statt Geltungsanspruch.
Wohl dem, wer was kann? Sich beherrschen können. Die Unbeherrschtheit und ihre
Folgen. Das Heer der unsichtbaren Helfer. Helfen wo man kann ist Pflicht. Was hilft
bei Vitaminmangel? Grünzeug futtern? Oder die Vorstellung, mir fehlt nichts. Der
Glaube kann Berge versetzen. Die einen sagen, Kaffee ist aber schädlich. Die
anderen können nicht leben ohne ihn. Pluspunkte sammeln.




 

Freiraum

Lass mich in Ruhe. Ich will nichts mehr hören und sehen.
Halt, mein Freund! Wir gehen jetzt mal nach draußen. Ein Spaziergang
wirkt Wunder. Wie friedlich sieht die Welt doch aus, wenn man dann zurück ist.
Voller Tatendrang? Das verschieben wir auf Morgen. Und das Essen kochen fällt mal aus.
Sparen wir den Abwasch. Praktisch muss es sein. Gleich aus der Verpackung futtern.
Sieht ja keiner. Da kommt Freude auf. Und die ewigen Nörgler? Die werden
heut mal angespornt. Weiter so. Gut gemacht. Das nächste Haar
in der Suppe findet sich bestimmt. Genau.


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Balsam

Wohltuende Wirkung. Balsam für die Seele. Kochen wir gemeinsam? Sind wir
heut so frei? Leben, als gäb`s kein Morgen? Miesepeter aufgepasst. Wir verderben
euch den Brei. Wir schicken euch die Sonne ins Haus. Und ganz viele frische Blumen.
Und bunte Glückspillen dürft ihr nehmen. Morgens, mittags, abends. Das wird ein
Fest. Vorsicht, Ansteckungsgefahr. Die gute Laune verbreitet sich rasend
schnell. Und zuletzt strahlt Mutter Erde ganz dolle.






 
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Heimgeschichten

Wie soll man bloß umgehen mit dem Verhalten, z.B. der älteren Dame, die wir letzte Woche erstmalig auf dem Flur trafen. Sie wollte unbedingt mit uns in den Fahrstuhl steigen, als wir nach Hause strebten. War sie wirklich nur zu Besuch da gewesen? Hatte sie wirklich nur ihre Tochter besucht? Nein, leider nicht. Man wollte sie nicht in ihr Haus lassen, die haben ihr die Schlüssel weggenommen, erzählte sie uns. Aber sie wird zur Polizei gehen. Sowas kann man mit ihr nicht machen. - Und dann trafen wir sie wieder. Eine Schwester war gerade dabei, sie und eine weitere Bewohnerin ins Zimmer zu begleiten. Das wollte die besagte Dame aber auf keinen Fall: fassen Sie mich nicht an! Lassen Sie mich los! Sie denken wohl, ich bin blöd. Ich werde die Polizei holen. Und lassen Sie mal die beiden durch (sie hatte uns erblickt). Nein, die beiden wollen hier gar nicht durch, die werden jetzt mit dem Fahrstuhl fahren, erklärte die Schwester. Genau, wir fuhren mit dem Fahrstuhl und fragten uns, ob die Schwester die Nerven behalten würde.

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