Ned aufregen bitte

Die Wahrheit ist toll, sagt man, und man sagt es so oft, bis man selbst glaubt, dass es stimmen müsse, obwohl man genau weiß, dass gerade das, was man Wahrheit nennt, nichts anderes ist als eine besonders hartnäckige Form der Selbsttäuschung, eine Gewohnheit des Denkens, die man nicht mehr loswird, weil man sich an sie gewöhnt hat wie an eine Krankheit, die man irgendwann für Gesundheit hält.
Denn die Wahrheit, wenn es sie überhaupt gibt, ist nicht das Erhabene, nicht das Befreiende, nicht das Große, sondern das Unerträgliche, das Lächerliche, das, was man lieber nicht sehen will, weil man dann gezwungen wäre, alles, wirklich alles zu hinterfragen: die eigenen Überzeugungen, die eigenen Worte, die eigenen Erinnerungen, ja sogar die eigene Existenz, die man doch so sorgfältig eingerichtet hat wie eine Wohnung, in der nichts verrückt werden darf.
Und trotzdem ruft man nach der Wahrheit, man verlangt nach ihr wie nach einem Heilmittel, obwohl man genau weiß, dass sie kein Heilmittel ist, sondern ein Gift, das langsam wirkt, aber sicher, und das gerade deshalb so faszinierend ist, weil man ohne dieses Gift nicht mehr leben will, weil man ohne diese Wahrheit nicht mehr lügen könnte, und ohne die Lüge, so muss man einsehen, wäre das Leben schlicht nicht auszuhalten.
 
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Nicht Wahrheit entscheidet über Zugehörigkeit, sondern Zugehörigkeit über Wahrheit.

Die Wahrheit ist toll, sagt man, und man sagt es so oft, bis man selbst glaubt, dass es stimmen müsse, obwohl man genau weiß, dass gerade das, was man Wahrheit nennt, nichts anderes ist als eine besonders hartnäckige Form der Selbsttäuschung, eine Gewohnheit des Denkens, die man nicht mehr loswird, weil man sich an sie gewöhnt hat wie an eine Krankheit, die man irgendwann für Gesundheit hält.
 
bzgl. Wahrheit:

Es schneit.
Wärmepumpen wachsen nicht auf Bäumen.
Land A hat Aufständische in Land B finanziert.
Kriminelle Banden aus Land U räubern in Land D.
......... usw.

Über sowas gibt es nicht viel herumzuphilosophieren, denn
das sind Aussagen, die entweder wahr oder unwahr sind.
 
Die Wahrheit ist toll, sagt man, und man sagt es so oft, bis man selbst glaubt, dass es stimmen müsse, obwohl man genau weiß, dass gerade das, was man Wahrheit nennt, nichts anderes ist als eine besonders hartnäckige Form der Selbsttäuschung, eine Gewohnheit des Denkens, die man nicht mehr loswird, weil man sich an sie gewöhnt hat wie an eine Krankheit, die man irgendwann für Gesundheit hält.
Wenn du das mal selber realisieren würdest...
 
Schreiben
Es beginnt meist mit einem guten Impuls. Jemand möchte die Welt gerechter machen, sensibler, aufmerksamer für Ungleichheiten, die lange übersehen wurden. Niemand, der bei Verstand ist, würde bestreiten, dass Diskriminierung existiert. Dass Menschen wegen Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft schlechter behandelt werden. Doch gute Impulse haben eine gefährliche Eigenschaft: Sie können sich in Ideologien verwandeln.
Die gegenwärtige „woke“ Sprache trägt häufig den Ton wissenschaftlicher Gewissheit. Begriffe wie „Heteronormativität“, „Transphobie“ oder „positiver Rassismus“ erscheinen nicht als Hypothesen, sondern als diagnostische Kategorien, die scheinbar objektiv erklären, wie Gesellschaft funktioniert. Wer sie verwendet, steht auf der Seite der Aufklärung. Wer sie hinterfragt, gerät schnell unter Verdacht.
Hier beginnt das Problem.
Denn komplexe soziale Phänomene werden in moralische Kurzformeln übersetzt. Aus Fragen werden Urteile, aus Ambivalenz wird ein binäres Raster: privilegiert oder unterdrückt, Täter oder Opfer, sensibel oder diskriminierend. In dieser Logik verliert der Zweifel seine Würde. Skepsis gilt nicht mehr als notwendiger Bestandteil wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern als moralischer Makel.
Das Resultat ist ein paradoxes Klima. Eine Bewegung, die sich als emanzipatorisch versteht, entwickelt eine erstaunliche Intoleranz gegenüber Dissens. Wer bestimmte Begriffe nicht verwendet, wer ihre theoretischen Grundlagen prüfen möchte oder auf empirische Unklarheiten hinweist, wird nicht widerlegt, sondern moralisch eingeordnet.
Diskurse funktionieren jedoch nur unter einer Bedingung: dass keine Position sakrosankt ist.
Wenn Ideen unangreifbar werden, weil sie moralisch aufgeladen sind, verwandeln sie sich von Analyseinstrumenten in Dogmen. Und Dogmen haben eine autoritäre Eigenschaft: Sie dulden keinen Zweifel.
So entsteht eine neue Form der Konformität, die weniger durch Zensur als durch soziale Sanktion funktioniert. Niemand wird gezwungen zu schweigen – doch viele entscheiden sich dafür.
Vielleicht ist das die eigentliche Ironie dieser Entwicklung: Eine Ideologie, die Vielfalt predigt, erzeugt eine bemerkenswerte Gleichförmigkeit des Denkens.
 
Gut gebrüllt, Löwe! @Nuss
😁😊

Kollektive Empörungskultur und moralinsaure Fingerübungen sind möglicherweise ein Symptom des heutigen Zeitgeistes. Das gemeinschaftliche Wirken gibt überdies Halt, Konformität und Sicherheit, leistet also etwas ganz Elementares im täglichen Überlebenskampf. Ohne Zweifel lässt es sich auf diese Art nicht so einfach aus der Rolle fallen, bedingt durch die Einhaltung strikter Rahmenbedingungen, man kann einfach nicht aus dem Korsett, geschweige denn aus dem Meinungskorridor fallen.

😅😁☺️☕☕☕
 
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