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Memoiren.Misch-Masch

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von Maryem, 11. April 2021.

  1. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Am nächsten Tag schickte Anita drei Wörter in die Umlaufbahn der Geschirr-Waschanlage: Ameise, Astralienhure und Restengemüse.
    Es war der Tag, an dem Daniel schon in Rechovot war, um einen Besuch im Weizmann Institut zu machen – vielleicht würde er sich aber auch nur mit einem Mitarbeiter dort zum Essen treffen, so genau wusste man das nicht. Von dort aus würde er wieder zurück nach Tel Aviv fahren, wo er am Tag zuvor schon seinen Rückflug in die USA gebucht hatte, und sich dann in der grossen Stadt ein paar schöne Tage machen.
    Als Iris sagte, dass sie in die Stadt gehe, um ihr Flugticket zu reservieren, schloss Anita sich ihr an. Das, was ihnen gemeinsam war, war, dass sie kein Geld mehr hatten. Ausserdem waren ja unterdessen alle weg, in alle Richtungen verstoben! Am Schluss sollte man zu zweit nach Hause gehen, alles andere wäre absurd gewesen!



    Pur oder ausgeschmückt - das ist eine Einladung an euch.

    :krokodil:
     
  2. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Auch wenn es nicht unter Spiele läuft: Es gibt noch eine Spielregel:

    Keine Likes.:barefoot::sneaky:;):X3::notworthy:
     
  3. MeinWolfsblut

    MeinWolfsblut Sehr aktives Mitglied

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    Beiträge:
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    Erklärst du die Spielregeln? Lädst du dazu ein, selbst kurze Texte zu verfassen? Wozu möchtest du denn einladen. Vielleicht ist die Frage doof, aber ich mag deine Texte und möchte vor dir nicht respektlos erscheinen. :)
     
  4. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Schon nach dem zweiten Einsatz im Dishwasher fand sie den Teller von Judas recht interessant. Da sie im Speisesaal die Geschichte von ihm vernommen hatte, dass er sich beim Ablecken des Messers in die Zunge geschnitten habe, schickte sie seinen Teller das erste Mal mit dem Wort „Messer“ auf die Rundreise. An einem anderen Tag hörte sie an einem anderen Tisch, an dem Judas selber dabei war, die Version mit dem Küssen. Er selbst verkündete feierlich, dass er nicht küssen könne, weil er sich mit dem Messer in die Zunge geschnitten habe. Das war sehr unterhaltsam. Anita kam es vor, als brauchten die Leute im Kibbutz solche kleinen Sensationen.
    Das nächste mal fiel ihr im Dishwasher zunächst kein geeignetes Wort für Judas' Teller ein. Sie wählte dann das Wort Nase und ein weiteres mal das Wort Katze. Mit beiden ist sie gut gefahren. Sie erkannte den Teller beide male wieder, beziehungsweise glaubte sie, ihn wieder zu erkennen. Leider konnten es die Teller ihr nicht bestätigen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2021
  5. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Die Frage ist nicht doof, ich dachte nur, es geht genügend aus dem Titel hervor. Ja, jeder darf hier selbst kurze autobiografische Texte reinstellen. Schon verfasste oder gerade eben entstanden.
    Die Spielregel ist, auf Likes zu verzichten. Kommunizieren lässt es sich ja trotzdem. :)
     
  6. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Die Kibbutz-Mutter war eine ältere Dame und hiess Ruth. Bestimmt hätte sie in keinen Besenschrank gepasst, so gross und füllig war sie. Ihre struppige Kurzhaarfrisur war blond eingefärbt, und sie trug mit Vorliebe ein gelbes T-Shirt zu einem langen, luftigen Rock. Sie war eine gütige Frau, und wer unter der Woche nicht besonders unangenehm auffiel, erhielt zu Beginn des Sabbat auch seine Ration Zigaretten. Dennoch konnte sie einen im Speisesaal von Weitem auf eine Art und Weise mit ihren Augen fixieren, als hätte nun das letzte Stündchen geschlagen. Man war entweder eingeteilt zum Hühnchenrupfen oder zur Nachtarbeit in der Fabrik.

    Manchmal wunderte sich Anita, dass sie ausgerechnet in Israel in einem Kibbuz war. Sie hätte ja auch in England sein können, oder in Frankreich. Gemüse rüsten und Duschen reinigen kann man doch schliesslich überall.
    Ebenso wie Rauchen, dachte sie weiter und setzte sich mit einer Packung Zigaretten auf den Stein neben der Laterne zwischen Dusch- und Toilettenhaus. Zwar hatte Ephraim Kishon im Kibbuz auch Toiletten geputzt, und so viel sie wusste, nur das, aber immerhin war er Jude - er musste also einfach gewusst haben, wohin er gehörte.

    Es roch wunderbar nach den vielen Kiefern. Fast andächtig schaute sie zu ihnen empor, liess dabei die Tauben sich in ihre Ohren gurren und genoss einen Moment lang die wunderbare Stille.
     
  7. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Bald stellte sie fest, dass es um Jimmy Page ging, den sie aber nicht kannte. Daniel musste wohl gemerkt haben, dass sie heimlich mithörte, jedenfalls begann er plötzlich die ersten zwei Liedzeilen von Stairway to Heaven zu singen, und schaute Anita dabei an, wie wenn nichts wäre. Vorsichtig schloss sie daraus, dass, bevor sie im Kaffeehaus ankam, Led Zeppelin im Radio zu hören waren. Gleichzeitig muss es in ihrem Gespräch um einen gewissen Aleister Crowley gegangen sein, und beunruhigt stellte sie fest, dass sie bei diesem Namen eine fette schwarze Spinne vor ihrem inneren Auge wahrnahm. Sie wollte sich von dem Bild schnell abwenden, beugte sich nach vorn, nahm ihre Tasse vom Clubtischchen und trank daraus einen Schluck, nicht ohne genau zu wissen, dass man ihr dabei zusah.
    Schon bald musste sie einsehen, dass die Zusammenhänge für sie nicht zu erschliessen waren. Sie versuchte innerlich das Gespräch als ein typisches Männergespräch einzuordnen, um sich beruhigt den Fotografien in "The family of Man" zuwenden zu können. Aber es wollte ihr nicht so recht gelingen, denn sie hatte das Gefühl, dass in dem Gespräch etwas Gewichtiges mitschwang.
    Etwas später, Doron war schon gegangen, setzte Daniel sich zu ihr. Die israelischen Frauen sind sehr stolz und selbstbewusst, sagte er, und irgendwie klang es so, als wäre er selber eine von ihnen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2021
  8. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Judas hatte sein Bett mit einer Tagesdecke zugedeckt. Er legt sich darauf und winkte Anita nüchtern zu. Er lag auf der Seite, den Kopf hatte er auf seine Hand gestützt. Leg dich hin, bedeutete er ihr und seine Stimme war ganz warm geworden. Von einer seltsamen Stille im Zimmer begleitet, ging Anita zu ihm hin und büschelte sich unsicher auf das Bett.
    Wie war dein Tag? fragte er freundlich. Sie begann, von ihrem Tag zu erzählen. Er hörte zu, und bald sagte er etwas dazu, bald erzählte er etwas von dem seinen. So plauderten sie fast vertraulich ein wenig über ihren Tag, ohne etwas über sich selbst zu sagen. Und als sie beide einander ihren Tag dargelegt hatten, waren sie ganz im Moment angekommen.
     
  9. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    Wäre das Schwimmbad nicht so voll gewesen wie der israelische Himmel, wenn er keine einzige Wolke mehr fassen kann, hätte er sein Pausenbrot unter dem schattigen Maulbeerstrauch noch gegessen. So aber langte er in die Tasche, befühlte nur dessen kühle Verpackung, musste unweigerlich an eine nigelnagel neue Maschine der Swiss-Air denken und räusperte sich dann in gewohnter Manier, heftig und völlig unnötig. Dann nahm der Fuchs des Oberkreistierverbandes seinen buschigen Schwanz zwischen die Pfoten und liebkoste ihn ein wenig, bevor er die Tasche nahm und von dannen zog. Der weisse Wassertank lag ganz in der Nähe. Er bestieg ihn schnell, schaute über Megiddo und legte sich dann hin, um sein Hirn für ein paar Minuten in der Sonne zu baden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2021
  10. Maryem

    Maryem Sehr aktives Mitglied

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    *** *** **** Koa:Hey),

    das Haus war übrigens anders als die anderen, ganz besonders der Garten. Einst war Tante Lila, die eigentlich gar keine richtige Verwandte war, stolze Besitzerin. Es gab einen grossen Nussbaum und deshalb lebten da auch Eichhörnchen. Auf dem Zettel, den Tante Lila zur Hausübergabe geschrieben hatte, stand: Die Eichhörnchen sind zu vertreiben, sie nehmen sonst dem Hauseigentümer alle Nüsse weg. Des Weiteren gehörten zum Haus drei Obstbäume, darunter auch ein Quittenbaum, zwei Feigenbäume, die in den Rosenbeeten wuchsen, und eine Lärche. Auf dem Rasen wuchsen die Gänseblümchen und das Wiesenschaumkraut, so dass man eigentlich schon fast von einer Wiese sprechen konnte, und im Herbst lag so viel Laub darauf, dass es zum Ärger der Nachbarn schon mal mehrere Stunden oder auch über Nacht liegen blieb, bis wieder jemand Zeit fand, es zusammen zu rechen. Der grosse Nussbaum überragte das Haus, und seine Blätter blieben auch auf dem Eternit-Dach liegen und vermoderten dort, wenn sie nicht einstweilen wieder von Novemberstürmen davon getragen wurden, vermutlich weiter als bis zu Nachbars Garten. Anita hat sich erst viel später darüber Gedanken gemacht, wieviel Zeit so ein Nussbaumblatt benötigt, um auf einem Hausdach vollständig zu vermodern.
     
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