Willst du damit etwa aussagen, dass jemand die “falsche Religion“ haben kann?
Freie Religionsausübung ist ein wesentlicher Bestandteil von demokratischen Systemen.
“Zur Verantwortung gezogen“ - diese Worte werden im Prinzip nur im Zusammenhang mit kriminellen Vergehen verwendet!
Wie sollen sich “religiöse Überzeugungen denn beurteilen“ lassen?
Sollen Theologen die Glaubensgrundsätze einer gewissen Religion untersuchen, um dann zu beurteilen, dass eine gewisse Religion “schlechter“ ist als andere und es deshalb Menschen, die sich dazu bekennen, nicht erlaubt sein soll, auf dem Gebiet eines bestimmten Staates zu leben? Das wäre nur bei einem diktatorisch geführten Regime möglich.
Und wer will sich anmaßen, zu beurteilen, ob jemand nur auf dem Papier einer Religion angehört oder dieses Glaubensbekenntnis aktiver, fixer Bestandteil seines Lebens ist?
Sollen etwa Kontrollorgane überwachen, ob jemand in die Moschee geht oder den Ramadan einhält?
Ich kann dir nur sagen: Moslems sind bei weitem nicht alle gleich, sondern haben ein sehr differenziertes Verhältnis zu ihrer Religion. Keiner ist wie der andere, sondern es sind Individuen. Ebenso wie Christen.
Fast jeder denkt, dass alle anderen Religionen falsch sind (zumindest denkt wohl niemand, dass wirklich alle richtig sind). Oder alle Religionen sind generell falsch, da es keinen Gott gäbe. Darin unterscheiden sich Religionen übrigens auch von Hautfarben/Ethnien. Die sind weder richtig noch falsch, bzw. eine solche Bewertung ist nicht möglich.
Das widerspricht nicht der freien Religionsausübung (dass sie richtig oder falsch sein können), aber das selbe gilt ja auch für die politische Meinung.
Nicht alle politischen Ansichten sind richtig, selbst wenn es auch da schwierig sein kann einen klaren Wahrheitswert zuzuordnen. Trotzdem gibt es natürlich viele Parteien in einer Demokratie.
Ja, es ist auf jeden Fall so, dass man für religiös motiviertes Handeln zur Verantwortung gezogen werden kann, und eine Religion bzw. Strömung in einer Religion kann auch verboten werden. Wollte jetzt zum Beispiel ein Neo-Azteke Menschenopfer darbringen, würde das sicher nicht unter Religionsfreiheit fallen.
Wie man sie beurteilt? Ganz einfach... Da steht zum Beispiel in der Bibel, dass es für Homosexualität die Todesstrafe geben soll. Daraus würde dann eine Kritik in Bezug auf die religiöse Moral, wenn man das ablehnt.
Beurteilen lässt sich aber auch der Wahrheitsgehalt. Da waren einfach keine Juden in Amerika (vor Kolumbus), wie die Mormonen glauben. Und in dem Fall ist es wirklich absurd, dass das nur Glaube ist. Die Existenz eines Volkes ist jetzt wirklich ein historisches Problem.
Muss wie gesagt keine Diktatur sein, um eine Religion oder Sekte zu verbieten. Wenn diese Religion gegen die demokratische Ordnung agitiert, bzw. bei deren Ausübung gegen Gesetze verstoßen wird, ist das völlig normal.
Natürlich gibt es verschiedene Strömungen in größeren Religionen. Das kann durchaus auch eine Rolle spielen, was die Bewertung von Verfolgung betrifft.