Kondor schrieb:
Hi Daniel, es kommt wohl darauf an, wie gut die Übersetzungen sind. Jedenfalls habe ich keine Erklärung dafür, wie etwas "grenzenlos Nichtmaterielles" als "Person" übersetzt werden könnte.
Liebe Grüße
Hi Kondor,
Da hast du vollkommen Recht, dass es auf die Übersetzung ankommt.
Ich habe vor kurzem gerade diesbezüglich eine Antwort geschrieben. Es geht um das Thema, ob Gott unpersönlich oder persönlich ist und gleichzeitig auch, wie man durch die vedischen Schriften Gott erkennen kann. Gleichzeitig geht es auch um die Frage, was sind die richtigen Übersetzungen und Kommentare.
Wenn es dich interessiert, dann kannst du es duchlesen. Ist etwas länger der Text. Wenn es Begriffe gibt, mit denen du nichts anfangen kannst und die nicht erläutert sind, dann kannst du gerne mal nachhaken.
Hier der Text:
Ja, das ist wohl eine der schwierigen Fragen, oder übrehaupt DIE Frage: Wie kann man das Brahman verstehen?
Das Vedanta Sutra (Veda=Wissen und anta=Schlussfolgerung) beginnt mit Aufforderung:
Athato brahma jijnasa Jetzt ist es an der Zeit Fragen nach der Abosulten Wahrheit (dem Brahman) zu stellen.
Gemeint ist die Zeit, in der man ein zivilisierter Mensch geworden ist. Also das Brahman, die Aboslute Wahrheit kann man du hinterfragen kennen lernen und dies wird im Vedanta Sutra erörtert.
Wie schon in einem der vorherigen Post gesagt, gibt es zwei herangehensweisen, wie man das Vedanta Sutra verstehen kann: empirisch (von unten), oder durch die Offenbarung von oben.
Im Sanskrit werden diese zwei Methoden mukhya-vrtti und gauna-vrtti genannt. Mukhya bedeutet so viel wie die direke Bedeutung und gauna ist die sekundäre Bedeutung oder Interpretation.
Nun ist es manchmal so, dass die gewöhnlichen Lebewesen nicht die direkte Bedeutung wahrnehmen können. Das Vedanta Sutra ist sehr schwer verständlich in der direkten Bedeutung. Aus diesem Grund gibt es bevollmächtige Weise und Lehre die ein Kommentar zur Abhandlung schreiben. Diese Kommentare werden bhasya genannt und die Erläterungen zum Kommentar werden tika genannt. Auf diese Weise kann man sich dem Verständis des Vedanta nähern.
Das direkte Kommentar des Vedanta Sutra ist das Srimad Bhagavatam. Es wurde vom Autor des Vedanta Sutra selbst, Srila Vyasadeva) verfasst. Dann gibt es noch weitere Kommentare von Sri Visnuswami (Sarvajna-bhasya ), Sri Nimbarka (Parijata-saurabha-bhasya ), Ramanujacarya (Sri-bhasya), Madhvacarya (Purnaprajna-bhasya ) und Sri Baladeva Vidyabhusana (den Govinda-bhasya).
All diese Kommentare werden von zahlreichen Autoritäten als direkte Kommentare (mukhya-vrtti) zum Vedanta Sutra anerkannt.
Das Sariraka-bhasya von Sri Sankaracya hingegen, wird als ein verzerrter Kommentar verstanden.
Warum das so ist, wird im Padma Purana erkärt:
Nach dem Siva seiner Gemahlin Parvati offenbart hat, dass er im Kali-yuga (dem gegenwärtigen Zeitalter) in der Form eines Brahmanen die Mayavada-Philosophie predigt, sagt er weiter zu ihr:
(apartham sruti vakyanam darsayal loka garhitam.....)
...Selbst ein großer Gelehrter wird zu fal kommen, wen er sie (die Philosophie des Monismus/Mayavada) nur hört. In dieser Philosophie, die für die meisten Menschen sehr unheilbringend ist, habe ich die wirkliche Bedeutung der Veden falsch dargelegt und empfohlen, alle Tätigkeiten aufzugeben, um Freiheit vom karma zu erlangen. In dieser Philosophie habe ich den jivatma (die Seele) und den Paramatma (die Überseele/Gott) als ein und den selben beschrieben.
An einer anderen Stelle sagt Siva, dass er diese Philosophie offenbart und die Atheisten, die Gott beneiden zu bedrügen).
Das ist ein Aspekt Sri Sankacaryas, den die Vertreter der anderen vier Schülernachfolgen, wohl bemerkt, als Reformator der vedischen Kultur anerkennen, ihn jedoch als Kommentarot des Vedanta-sutra ablehnen.
Als Reformator der vedischen Kultur, hat Sankaracarya die Aufmerksamkeit der Menschen wieder auf die vedischen Schriften gelenkt. Nach dem die Lehre Buddhas sich über den vedischen Kulturraum ausbreitete, und weil Buddha die vedischen Schriften verneinte, entfernten sich auch viele Menschen von den hl. Vedischen Schriften. Sri Sankacarya gelange es die Veden wieder als Autorität zu etablieren. Später kamen dann die weiteren Reformatoren der Kultur. Sie kamen aus der Schule des Vaisnavismus und offenbarten die oben genannten Kommentare zum Vedanta sutra, in denen das Verständis vom Advaita weiter vertieft wird in: Suddhadvaita, bhedabheda, Visistadvaita, Dvaitadvaita, acintya bhedabheda.
Das Acintya bhedabheda tattva wurde von Srila Jiva Goswami anhand der Lehren Sri Caitanya Mahaprabhus erläutert. (Was jeweils die Beutung dieser Philosophie ist, müßte man in einem extra Beitrag erläutern)
Das natürliche Kommentar zum Vedanta, das Srimad Bhagavatam sagt (1.2.11):
Gelehrte Transzendentalisten, die die Absolute Wahrheit kennen, bezeichnen diese nichtdualistische Substanz als brahman, paramatma und bhagavan .
Das bedeutet, das die Absolute Wahrheit ausser als Brahman, auch als Paramatma (Parabrahman) und als Bhagavan, die persönliche Form Gottes erkannt werden kann.
Ungleich den monistischen Philosophen, die Bhagaven verneinen, akzeptieren die Theisten den Aspekt Gottes als Brahman, und bezeichnen ihn als die Strahlen des Körpers Bhagavans.
Es wird der Vergleich gegeben: So wie die Strahlen der Sonne, der Sonnenplanet und der Sonnengott eins sind und gleichzeitig auch verschieden, so ist die Form Bhagavans eins mit den anderen Manifestation und doch gleichzeitig ist sie auch Eigenständig. Diese Aspekte gehören ewiglich zusammen und je nachdem, ob eine Seele die liebende Haltung zu Gott entwickelt oder nicht, kann sie nur die verschiedenen Aspekte erkennen.
In der Sri Isopanisad (12) finden wir das Gebet:
O mein Herr, o urerster Philosoph, Erhaltet des Universums, o regulierendes Prinzip, Ziel
aller geläutertene Gottgeweihten, wohlmeinender Freund aller Vorfahren der Menschheit, bitte entferne den Glanz Deiner transzendentalen Strahlen, damit ich Deine Wonnegestalt sehen kann. Du bist der ewige allerhöchste gestalthafte Gott, gleich der Sonne wie auch ich.
Das heisst, dass dieser Glanz, das unpersönliche Brahman, nur durch den Willen Gottes entfernt wird, sodass wir die persönliche Gestalt Gottes sehen können.
Die Ebene der Brahman-Verwirklichung ist an und für sich schon eine sehr hohe Ebene, auf der man von allen materiellen Bedingtheiten frei ist.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen der monistischen und theistischen Spiritualität ist der, dass sich die Monisten gesondert um Läuterung bemühen, indem sie alles Materielle verneinen, während die bhakta alles in den Dienst zu Gott stellen und dadurch all ihre Aktivitäten und ihre Existenz läutern und dadurch auch zur Erkenntnis Gottes kommen. In anderen Worten, die Erkenntnis Gottes ist nur durch liebende Hingabe möglich und nicht durch Verneinung der materiellen Existenz.
Zu deiner Feststellung (Irgendwie ist doch jede Person nur eine Manifestation. Das ganze kann nicht selbst eine Manifestation sein) kann man noch folgendes bemerken:
Das ganze ist keine Manifestatio, sondern der Ursprung aller Manifestation. Da dieser Ursprung Manifestation hervorbringen kann, deutet das auf einen Willen hin und ein Wille deutet wiederum auf ein Individuum. Woher soll sonst der Impuls kommen etwas zu manifestieren, wenn alles nur eins und inaktiv ist?
Zu deiner zweiten Bemerkung noch folgendes. Ich versuche mich kurz zu halten.
Das genannte Prinizp (ich gebe, damit du gibst) finden wir im sogenannten karma-kanda Teil des Veda. Dieser karma-kanda wir im karma-mimamsa erläutert. Weitere Sparten sind jnana-kanda (Philosophie), upasana-kanda (Verehrung) und der bhakti-marga (liebende Hingabe). Die ganze vedischer Religion wird unter diesen Begriffen zusammengefasst.
Wenn man den autoritativen Schöpfungsbericht und die Geschichte des Universum, so wie sie im Srimad Bhagavatam dargestelt sind, liest, dann wird man klar erkennen, das Bhakti das zentrale Anliegen des Veda ist. Der transzendentale Herr Visnu offenbarte Brahma, dem erstgeborenen Lebewesen des Universums, den Veda. Er vernahm den Veda durch den Klang des Gayatri-Mantra. Dieses Mantra ist die Mutter aller anderen vedischen Mantras. Als dann die Brahmas Nachkommen das ganze Universum bevölkerten, wurden ihnen der Veda (der zu dem Zeitpunkt einer war) mündlich überliefert. Entsprechend den verschiedenen Neigungen der Lebewesen, die auf ihr vorheriges Karma gründen, sind bestimmte Lebewesen in der Lage nur eine sparte des vedischen Wissen zu verstehen. Bhakti ist die höchste Wahrheit und ist somit für die meisten nicht Verständlich. Sie fühlen sie mehr zu anderen Sparten hingezogen. Aus diesem Grund, weil sich verschiedenen Lebewesen zu verschiedenen Sparten hingezogen fühlen und aufgrund des nahenden Kali-Yuga, indem die Lebewesen nicht mehr inder Lage sind durch Hören den Veda zu studieren, wurde der Veda in vier Teile gegliedert (Rg, Sama, Atharva und Yajur). Darin sind die verschiedenen religösen Pflichten und Praktiken beschrieben. Das Bhakti die Essenz hinter all den Veden ist, wird von Brahma selbst in der Brahma-Samhita, dem besten aller Brahmanen, dem Vater der Opfer und der Religion, bestätigt.
In der Bhagavad Gita (2.46) wird gesagt: Alle Zwecke, die ein kleiner Teich nach und nach erfüllt,
können große Gewässer sofort erfüllen. In ähnlicher Weise kann alle Früchte der Veden erreichen, wer das Ziel der Veden kennt.
Und wer ist das Ziel: Bhagavad Gita 15.15; Sri Krishna sagt dort:
Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Durch alle Veden bin Ich zu erkennen; ja, Ich bin der Verfasser des Vedanta, und Ich bin der Kenner der Veden.
Brahma kommt genau zu der Schlussfolgerung (Brahma-Samhita 5.1):
Krsna, den man als Govinda kennt, ist der höchste Lenker. Er besitzt einen ewigen, glückseligen, spirituellen Körper. Er ist die Ursache aller Ursachen. Er selbst hat keine Ursache.