Ist das so extrem bei dir?
Puuh! Ich habe sowas ähnliches wie du da am Anfang beschrieben hast, zumindest einmal ganz intensiv erlebt, allerdings gleich über ein paar Jahre hin. Ich hielt das damals für die ganz große Liebe, und kam irgendwie nicht raus, war wie ferngesteuert.
In der Zeit pendelten meine Gefühle andauernd zwischen völliger Euphorie, totalem Höhenrausch, und absoluten, alptraumhaften Schmerzen. In der Zeit war ich sogar, was eben auch für mich eigentlich ganz untypisch ist, einige Male kurz vor einem Selbstmord, nur damit die Schmerzen aufhörten. Das ging dann hin bis zu etwas, das man schon beinahe als Art Amoklauf bezeichnen könnte, zum Glück mit nicht allzu schlimmen Folgen, zumindest nicht für andere. Eine Art völliger Kontrollverlust, die totale, aber eben nach beiden Richtungen zugleich, emotionale Übersteuerung.
Ich sah was passiert, mir selber irgendwie zu, wusste auch, dass das nur noch weiter in diese Katatstrophe reinlaufen kann, aber, und das war das Seltsamste daran, ich hatte keine Wahl! War wie ferngesteuert, fremdbesetzt, ich kam nicht raus, das war wie eine Art Zwang.
Das Ganze begann mit einer Art spiritueller Erfahrung, die eigentlich wieder ein anderes Thema ist, jedenfalls fiel ich aus der Welt irgendwie raus. Und als ich wieder da war, zurückkam, war alles auf ganz eigenartige Weise etwas anders als davor. Oder ich war anders. Und dann ging der Schmarrn los.
Ich habe dann irgendwann nach langer Zeit wieder zu Malen und zu Schreiben begonnen, aus heutiger Sicht großteils ziemlichen Müll, aber immerhin half mir das, diese übersteuerten, viel zu vielen Emotionen wieder etwas besser loszuwerden.
Und leider war damals weit und breit niemand da der mir hätte helfen können oder wollen. Ich glaube, das Unverständnis der Anderen, das dann dazu führte, dass ich darüber dann noch weniger mit anderen darüber sprach, war das Schlimmste daran. Voll mit 100.000 Fragen und weit und breit niemand, der sie dir beantworten kann, und man selbst schon gar nicht.
Aus heutiger Sicht würde ich das als Art zumindest psychotischen Zustand beschreiben, Ausnahmezustand. Um dann doch sozsuagen den Menschen wieder etwas näher zu kommen, begann ich dann auch noch, auch quasi von Null auf 100, ziemlich exzessiv zu trinken, was dann dazu führte, dass meine berufliche Realität auch mehr und mehr den Bach runterging, klarerweise. Und ich konnte trotzdem nicht raus.
Irgendwann war ich dann doch wieder so weit klar, dass ich wenigstens von dieser Art Beziehungsillusion, die mich da quasi in ihren Klauen festgehalten hatte, rauskam, sah zumindest die Sinnlosigkeit ein. In der Realität lief aber inzwischen bereits so viel schief dass da einige Folgen erst danach so richtig auf mich zukamen, bis eigentlich so gut wie alles großteils kollabierte.
Was dann das Ganze in eine weitere Phase kippen ließ, nämlich die einer ziemlich hartnäckigen Depression. Wo ich dann eigentlich auch zu nichts mehr den Antrieb hatte, und als dann ein paar Versuche, daran was zu verändern, auch noch scheiterten, landete ich dann, auch wieder nach einer Weile, beinahe ganz auf der Straße. Rien ne va plus.
Die ganze ähm, hust, "Entwicklung" lief so ca. über einen Zeitraum von etwas mehr als 10 Jahren hin. Die letzten 2-3 Jahre kam ich da immerhin doch wieder, zumindest erstmal psychisch, mehr und mehr raus. Nicht zuletzt durch ein paar Menschen, die, denn auch da lief ich wohl zunächst ein paarmal völlig in verkehrte Richtungen, was einiges erst recht verschlimmerte, nach auch jeder Menge eigenen Widerständen gerade gegen diese Hilfe, mir doch dann etwas bei meinen Problemen helfen könnten.
Die Verwirrungen nahmen ab, und dann wurde ich doch, nachdem ich mich von diversen Konzepten, wenn auch eher widerwillig, verabschiedet hatte, zunehmend wieder klarer, allerdings war ich auch in vielem nicht mehr so wie vorher.