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Noch viele Jahre lang kämpfte die Sonne gegen dieses Gefühl an, das sie so traurig machte, so einsam. Aber es kam die zeit, da sie die furchtbare Last der Gewißheit, ewig so einsam weiterzuleben, nicht mehr ertragen konnte.
Eines Nachts flog ein Komet dicht an der Sonne vorbei. Als er näher kam, grüßte er die Sonne. "Hallo, Sonne", sagte er. "Wer bist du?" "Ich bin ein Komet." "Ein Komet?" fragte die Sonne. "Ja. Ich reise nun schon lange durch das ganze All und bestaune voller Ehrfurcht all die wunderbaren Werke, die überall im Kosmos verstreut sind."
"Aber sicher hast du noch nie etwas gesehen, das so stark und mächtig ist wie ich!" sagte die Sonne. Der Komet lächelte. Er wollte die Sonne nicht verletzen, darum sagte er nicht, daß er andere Sonnen gesehen hatte, die tausendmal größer und stärker waren als sie. " Nein, so etws habe ich noch nie gesehen", bestätigte er.
"Natürlich nicht", sagte die Sonne. "Denn niemand ist so mächtig wie ich." "Und so einsam..."
Die Sonne sah den Kometen an. "Wie meinst du das ?"
"Du weißt genau, was ich meine", sagte er. "An der Farbe deiner Glut kann ich sehen, daß du nur aus stolz die Leere leugnest, die langsam, aber sicher dein herz auffrißt. Du solltest etwas dagegen tun."
"Ich brauche nichts! Nicht einmal dich!" sagte die Sonne. "Ich habe alles, was ich brauche." Die Farbe der sonne ging von blaßgelb in ein leuchtendes Rot über.
"Natürlich Sonne", antwortete der Komet. "Tja, dann werde ich dich nicht weiter stören und meine Reise fortsetzen. War nett, dich kennenzulernen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder, wenn ich in ein paar Millionen Jahren erneut vorbeikomme. Bis dann."
"Bis dann", sagte die Sonne. Aber plätzlich wurde ihr klar, was das bedeutete: wieder ein paar Millionen Jahre allein! Was würde sie in dieser Zeit tun? Sie wußte, sie war die mächtigste von allen, aber würde sie die Einsamkeit nochmals so lange ertragen?
"Halt, warte mal!" riefe sie dem Kometen nach. Der Komet hielt an. "Was ist den, Sonne?" fragte er.
"Ich weiß nicht, warum", sagte sie, "aber mir ist gerade klargeworden, daß es unerträglich wäre, so lange allein zu sein. Was kann ich dagegen tun?" "Du fühlst dich einsam?"
"Na ja, manchmal schon."
Der Komet starrte die Sonne an, und trotz der großen Hitze und all dem Licht spürte der Komet die Traurigkeit, die das Gestirn umgab. "Sonne?" "Ja?"
"Auf meinen Reisen durch das All habe ich schon andere Sonnen gesehen, so wie du, die von Planeten umgeben sind. Sie sind so etwas wie ihre Kinder."
"Planeten? Was ist ein Planet?" "Nun, es scheint, daß diese Sonnen an einem bestimmten Punkt in ihrem ewigen leben - manche waren jünger, manche schon älter als du - zu dem Schluß gekommen sind, daß die Einsamkeit und die Stille, in der sie bis dahin gelebt haben, unerträglich sind und sie lieber etwas von ihrer stärke und Macht abgeben, um Planeten zu erschaffen und nie mehr einsam zu sein. Aber das hat seinen Preis."
"Was für einen Preis?"
"Nun, um Planeten zu erschaffen, brauchst du so viel Kraft, daß du nicht mehr ewig leben kannst. Nur noch ein paar Milliarden Jahre. Mehr nicht."
Die Sonne schwieg. Sie dachte nach. "Was hat meine Kraft für einen sinn, wenn ich sie nicht mit anderen teilen kann?"
Der Komet lächelte. "Genau", sagte er. "Aber wie mache ich das?" fragte die Sonne. "Was?" "Planeten erschaffen."
"Das wirst du schon wissen, wenn es soweit ist"ß ich weite, sagte der Komet. "Jetzt mu "Jetzt muß ich weiter." Und er schoß davon. Dabei zog er einen silbernen Schweif hinter sich her, der Tausende von Kilometern lang war und so strahlend hell und schön, daß die Sonne nur voll Ehrfurcht staunen konnte, was der kleine Komet hinterließ......

(Fortsetzung)