Atem - oft unterschätzt!

EmmaRa

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Guten Morgen!

Aus meiner Sicht gibt es zwei Zugangswege mit dem Atem zu arbeiten. Der erste und wohl auch älteste (aus den östlichen Traditionen wie Yoga, Pranayma, tibetischer Buddhismus u.a.m.) Weg ist ein rein spiritueller, mit verschiedenen Markern, was, wie, auf welche Art, durch welche Atemtechnik auf dem spirituellen Weg anvisiert und ggf. auch erlebt werden kann.

Dann hat sich natürlich die "Superkraft Atem" den Weg auch in die westliche Entdeckung und gleichzeitig (kapitalistische) Vermarktung geebnet. Hier geht es vorrangig um Stressreduktion, gesundheitsfördernde Aspekte, wie Blutdruckregulation, höhere Sauerstoffsättigung, psychisches Regulans bei Panikattacken, Linderung von Kopfschmerzen, Migräne, Resilienzförderung, die Liste lässt sich beliebig und fast meilenweit fortsetzen. Was völlig in Ordnung und absolut begrüßenswert ist, immer vorausgesetzt die fachliche Kompetenz ist gesichert. Die klassische Atemtherapie ist davon noch einmal ausgenommen.

Hier der Trailer einer sehr spannenden Doku dazu (WDR):


Schwierig wird es meiner Ansicht nach, wenn diese beiden Blöcke miteinander vermischt werden. Also wenn der (in eher westlichen Regionen aufkommende) Drang zur Verkürzung eines meist aber langen Weges, wollte man ihn ernsthaft gehen, also wenn diese Tendenz wieder die Oberhand bekommt und man mal

- ein bißchen Mantren singt
- Bandhas geschlossen werden
- Kundalini erschüttelt wird (wobei die Medi von Osho schon knackig ist 😊)
- Chakren aktiviert oder geöffnet werden usw. halt.
- Krafttierwanderungen gemacht werden, wo dann Teilnehmer mit 3, 4 oder 7 Krafttieren nach Hause kommen 🥹

Das Eine ist das Eine z.B. Gesundheitsförderung, Stressreduktion etc. und dabei sollte es mE auch bleiben, wenn man es selber praktiziert oder meint es anbieten zu wollen.

Das Andere ist das Andere, sprich das Begehen eines spirituellen Weges, vielleicht verbunden in einer der o.g. Traditionen oder einer anderen, mit dem Atem als Werkzeug arbeitenden, spirituellen Praxis.

Wie seht ihr das? Was sagen eure eigenen Erfahrungen diesbezüglich?

☕☕
 
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Wie seht ihr das? Was sagen eure eigenen Erfahrungen diesbezüglich?
ich hab mal bei einer Veranstaltung was über die Middendorf-Methode kennengelernt, war relativ interessant, das ist eine "westliche" Lehre (Dreiecksatmung, Quadratatmung und so weiter).
 
Atem - oft unterschätzt!
Ich glaube nicht, dass irgendjemand den Atmen, atmen zu können, von der Bedeutung her wirklich unterschätzt. Auch wenn es auf körperlicher Ebene im Alltag als selbstverständlich und ohne grosse Wertschätzung angesehen wird.

Aber spätestens, wenn man eine Bronchitis bekommt, man nicht mehr frei durchatmen kann, dies einem dann auch die Kraft nehmen kann für eine bestimmte Zeit, weiss man das danach wieder frei atmen können, wieder neu zu schätzen.

Das Andere ist das Andere, sprich das Begehen eines spirituellen Weges, vielleicht verbunden in einer der o.g. Traditionen oder einer anderen, mit dem Atem als Werkzeug arbeitenden, spirituellen Praxis.
Früher, wo ich auch die Nase in allerlei gesteckt habe, was eine Bewusstseinerweiterung anging, hat es mich bei Rückführungssitzungen zur Beleuchtung einer bestimmten Situation immer aufgeregt, wenn erst die Anweisung von zig Atemzügen kam - während ich bereits schon da war, angekommen war, an diesem anzuvisierenden Ort.

In einer für mich sehr belastenden, lange zurückliegenden Erfahrung, mit der ich damals nicht umgehen konnte - der plötzliche Tod meiner Mutter- habe ich dann Atem und Atmung noch Mal anders erfahren. Eine ganze Zeit später, war ich damals bei einer mir empfohlenen, sehr guten Atemtherapeutin zu einem Termin. Die während der Sitzung neben mir sass - ich still liegend auf einer Liege mit geschlossenen Augen - sie mir Anweisungen gab, wie ich atmen sollte.

Ich war völlig überrascht, wie schnell nach diesen vorgegebenen Atemschleifen -nach sehr kurzer Zeit, mir stressgeladene Bilder und Gefühle hochkamen, "meinen Körper schüttelten" und aus mir "rausgelassen und entladen wurden", während sie weiter ruhig und mit mir zusammen atmend, dies begleitete mit weiteren Atmen-Anweisungen.

Ich habe das als eine sehr intensive Befreiung und Erleichterung erlebt und mich die ganze Zeit mit ihr neben mir - gut aufgehoben und geborgen gefühlt. Es war wie ein Gross-Hausputz auf der Gefühlsebene - ganz ohne Worte.

Von daher habe ich auch noch mitgenommen/erinnert, dass immer, wenn uns etwas Überraschendes und als schrecklich Empfundenes passiert, man meist für kurz den Atem anhält und das Geschehen dann auch so im Körper "anstauen"/speichern kann.
 
Von daher habe ich auch noch mitgenommen/erinnert, dass immer, wenn uns etwas Überraschendes und als schrecklich Empfundenes passiert, man meist für kurz den Atem anhält und das Geschehen dann auch so im Körper "anstauen"/speichern kann.
Das Spannende ist, dass Atemanhhalten, vor Allem nach dem Ausatmen (aber auch nach Einatmen), den Vagusnerv aktiviert (Entspannung).
Von daher könnte das reflexhafte Atemanhhalten eine angeborene, gesunde Reaktion auf Ereignisse sein.
 
Das Spannende ist, dass Atemanhhalten, vor Allem nach dem Ausatmen (aber auch nach Einatmen), den Vagusnerv aktiviert (Entspannung).

In einer Stresssituation, bleibt man dann ja aber -erschrocken/entsetzt- in der Luft-hol-Einatmen Phase stecken - man "hält für kurz die Einatmen-Luft an" - (zieht auch oft unbewusst die Schultern etwas hoch und zusammen) und atmet erstmal nicht sofort wieder aus, sondern zeitversetzt erst später.

Aber da die Psyche als Selbstregulation und erste Nothilfe-Massnahme auch ein Verdrängen für kurz oder länger benutzen kann, um in einer Situation erstmal handlungsfähig zu bleiben, ein "ich verschiebe ein damit umgehen auf später, für einen besseren Zeitpunkt, es mir genauer anzusehen und zu heilen" kennt - könnte man es auch unter diesem, von dir genannten Aspekt
Von daher könnte das reflexhafte Atemanhhalten eine angeborene, gesunde Reaktion auf Ereignisse sein.
sehen.
 
Ich finde eine gute Atemtechnik sehr bereichernd und mach beim Spazierengehen oder im Wald immer meine Pause und praktiziere "bewusstes Atmen".

Ich bringe es allerdings nicht mit mit Krafttieren, Kundalini oder irgendeinem Guru in Verbindung. Ich mach das, weil es angenehm ist und ich dabei den Kopf frei bekomme. Meine Chakren sind mir wurscht - ich weiß nicht mal, ob ich welche habe :D
 
Das Spannende ist, dass Atemanhhalten, vor Allem nach dem Ausatmen (aber auch nach Einatmen), den Vagusnerv aktiviert (Entspannung).
Von daher könnte das reflexhafte Atemanhhalten eine angeborene, gesunde Reaktion auf Ereignisse sein.

Ich bemerke das immer in der Nacht, wenn ich meinem Atem und dem vom Bärenkönig lausche. Während ich einmal atme, atmet der rund dreimal.
Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir nach dem Ausatmen auch sehr lange Zeit lasse mit dem wieder Einatmen. Ich verharre da wirklich lange nach dem Ausatmen - es hat mich fast ein wenig erschreckt, wie lange.
 
Ich bemerke das immer in der Nacht, wenn ich meinem Atem und dem vom Bärenkönig lausche. Während ich einmal atme, atmet der rund dreimal.
Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir nach dem Ausatmen auch sehr lange Zeit lasse mit dem wieder Einatmen. Ich verharre da wirklich lange nach dem Ausatmen - es hat mich fast ein wenig erschreckt, wie lange.
Das mache ich auch, vor Allem beim Meditieren, aber oft auch so. . 😊
 
ich hab mal bei einer Veranstaltung was über die Middendorf-Methode kennengelernt, war relativ interessant, das ist eine "westliche" Lehre (Dreiecksatmung, Quadratatmung und so weiter).
Es gibt ganz viele mittlerweile, bin da grad auf diesem zweiten Weg mal wieder dran. Enorm, was sich da getan hat, aber eben auch viel - wie soll ich sagen - Verkaufsgedöns dabei. Jeder, der was auf sich hält, kann eine Atemtechnik entwickeln, sie sogar als TM eintragen lassen und verkaufen, ähm sorry anbieten. 🤭 Meine erste Atemfortbildung, ich nenne es mal so, liegt sooo lange zurück, die war rein auf eine spirituelle Ebene ausgerichtet. Der weitere Verlauf mit weiteren Techniken ohnehin auch ausschließlich spirituell s.o.

Aber nun gucke ich mir das Thema vom gesundheitlichen Aspekt an. Und ich staune ziemlich, was da alles vermischt wird. Trotzdem, Atem ist Leben und man kann durch Bewusstheit und bewusste Steuerung des Atems wirklich viel verändern und ich liebe es einfach in allen Variationen zu schnaufen. 😁🌊❄️🌪️🌙

Mit unterschätzt, @Green~ meine ich einfach, dass die Möglichkeiten, die dadurch eröffnet werden, nur wenigen bewusst ist und sie damit arbeiten.

Na ja, und die Atemtechniken in spirituellen Traditionen, dazu sage ich sicher später nochmal etwas.
 
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Breathwalk™ ist so ein Beispiel. Habe letztes Jahr da mal rein geschnuppert. Du gehst durch den Wald, atmest dabei in bestimmten Zählzeiten, dann kommen ggf. noch ein paar Mudras dazu, während man so unterwegs ist und das kostet dann ordentlich Mücken. 😁🤭 Und die sind im Wald nicht kostenlos.
 
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