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Stimmen Computerhoroskope?

Dieses Thema im Forum "Astrologie" wurde erstellt von jake, 22. Dezember 2003.

  1. jake

    jake Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    16. Juli 2003
    Beiträge:
    5.379
    Ort:
    Graz
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    In einem anderen Thread wurde off topic die Frage angeschnitten, wie denn vom Computer generierte Horoskopdeutungen einzuschätzen wären. Ich habe dazu mehrmals schon – eher in Nebensätzen – Stellung genommen und denke, das ist ein Thema, das durchaus eine tiefergehende Betrachtung verdient. Namo hat dankenswerterweise dazu bereits einiges gesagt, und ich greife das gern auf, um das von vornherein lebhaft kontroversiell zu behandeln.
    Den Vergleich halt ich auch für so absurd wie das Vergleichen von Pferdeäpfeln und Birnen. Ein Roman ist die literarische Niederschrift einer völlig frei konstruierbaren Vision des Autors, da hat der Computer keine andere Funktion als die einer Schreibmaschine.
    Ein Programm, das astrologische Konstellationen in Deutungstexte übersetzt, ist ein Anwendungsfall für komplexe Kombinatorik. Ein Roman, egal wie er geschrieben worden ist, stellt jedermann die gleichen Sätze vor Augen (auch wenn er in durchaus unterschiedlicher Weise interpretiert werden wird). Eine vom Computer generierte Horoskopdeutung serviert jedem einzelnen „seine“ individuelle, be-deutete Konstellation.

    Zweifellos richtig ist, dass der Computer „nur“ das ausgibt, was vorher eingegeben wurde. „input garbage, output garbage“ heißt es. Wobei die Fähigkeit des Computers, Einzeldaten in sehr komplexen Relationen zu verknüpfen, durchaus zu einer neuen Qualität der Auswertung von Daten führen kann – nicht umsonst betreiben Wirtschaftskonzerne intensives Data-Mining, indem sie ihre gesammelten Datenbestände auf kreative Weise zueinander in Beziehung setzen. „Künstliche Intelligenz“ ist ein anderes Schlagwort, das im Zusammenhang mit Computern oft genannt wurde … so „lernt“ zum Beispiel ein vom Computer gesteuertes Spielzeugauto immer besser, auf der Straße zu bleiben, bis es immer auf der Straße bleibt und nichts mehr lernt. Weil sein von Menschen eingegebenes Programm nicht mehr an Lernpotenzial vorsieht. Ich glaube, es war Peter Hofstätter in „Gödel, Escher, Bach“, der sagte, künstliche Intelligenz wäre dann erreicht, wenn der Schachcomputer seinem Gegenspieler sagen könnte: „Ich hab jetzt keine Lust, ich entwickele lieber eine neue Theorie zum Urknall“.

    Astrologische Deutungsprogramme sind also davon abhängig, was jemand eingibt. Und einzugeben ist zweierlei – da sind zum einen die Deutungstexte, ein System von Textbausteinen, das sinnvoll miteinander verknüpft werden kann. Und da sind zum anderen die kombinatorischen Relationen, die in der Verknüpfung der Textbausteine das widerspiegeln sollen, was „in den Konstellationen des Horoskops“ steht.

    Die Textbausteine sind das geringere Problem – ich habe an mehreren Stellen schon darauf hingewiesen, dass ich Ansätze wie jene von Liz Greene oder Anita Cortesi durchaus schätze, die äußerst fundiert und sehr sensibel formulieren --- mehr unter:
    http://www.astro.com/people/greene_g.htm
    http://www.cortesi.ch

    Spannend wird es dort, wo die Software die astrologischen Positionen so kombiniert, dass aus einer Summe von Einzelaussagen eine komplexe „ganzheitlichere“ Aussage wird.

    „Sonne in Fische“, „Sonne in Haus 2“, „Aszendent Steinbock“ sind drei einzelne Elemente, und zu jedem einzelnen lassen sich ein paar zutreffende Sätze formulieren. Die Summe dieser Sätze ist aber nicht das Gleiche wie die Betrachtung einer „Fische-Sonne in Haus 2 mit Steinbock-AC“. Wenn nun noch dazukommt, dass das TKZ Fische in 2 nur eingeschlossen ist, dass aber die Spitze von 2 in Wassermann steht, dass die Sonne in ein hartes T-Quadrat eingespannt ist zwischen Uranus und Jupiter und dass der Geburtsherrscher Saturn in einer engen Konjunktion mit Mars und Pluto in 7 steht, dann kann der Computer nur noch die Einzelelemente auflisten… was als Einstieg in eine Deutung durchaus hilfreich sein kann, was für jemand, der diese Deutungsliste liest, aber kaum mehr hergibt als ein verwundertes Staunen, dass da ja „tatsächlich einiges zuzutreffen scheint“. Diese Auflistung geht auch ganz gut ohne Computer, etwa mit Reinhold Ebertins „Kombination der Gestirnseinflüsse“, ein Klassiker, erschienen im Ebertin-Verlag. Funktioniert auch am Nordpol ohne Stromanschluss. Und diese Auflistung bringt in aller Regel auch Widersprüche … wenn der Computer nun „Recht hat“, was stimmt dann? Ich bleibe dabei: die synoptische Zusammenschau der Einzelelemente und ihre (mit allen damit verbundenen Risiken) kreative Deutung ist etwas, das „Künstliche Intelligenz“ bisher nicht leisten konnte und, wie nicht nur ich meine, auch systembedingt nicht leisten wird können. Was letzen Endes die globale Vernetzung von dezentralem Content für die Entwicklung einer überpersönlichen „Intelligenz“ bedeuten mag, wär auch mal interessant, aber nicht in diesem Zusammenhang.

    Selbstverständlich „stimmt“ immer wieder das eine oder das andere in den Auflistungen, aber das, was „stimmt“, weiß ich auch ohne Horoskop, wozu brauch ich das astrologische Feedback? Jeder, der sich ein wenig tiefer mit Astrologie beschäftigt hat, kann mit ein paar verblüffenden Tricks aufwarten und Dinge feststellen, die „stimmen“. Das Gefährliche ist dann, dass viele geneigt sind, aus diesem „stimmigen“ Ersteindruck abzuleiten, dass dann auch alles andere „stimmen“ muss. Spannend wird es – und die Fragen der Menschen entstehen – dort, wo es „nicht stimmt“ und nicht die Tatsache konstatiert wird, dass etwas stimmt oder nicht, sondern wo es um Zusammenhänge geht, um Wege, um Schritte auf Wegen, um die Interpretation von „Zeichen der Zeit“, von Zeitqualität, um Wegweiser für diese Schritte zu gewinnen.

    Ich vergleiche die astrologische Analyse gern mit dem Vorgehen eines Homöopathen bei der Arzneimittelfindung – laut Samuel Hahnemann sind es nicht die gewöhnlichen, allgemein verbreiteten Symptome, die das richtige Mittel erkennen lassen, sondern die besonderen, ungewöhnlichen, individuellen. Alle haben bei Grippe Kopfschmerzen, aber wenn bei jemand zusätzlich noch der Bauchnabel nässt, dann lässt sich „seine“ Grippearznei gut bestimmen. Alle mit Sonne im Widder neigen dazu, impulsiv mit dem Kopf durch die Wand zu wollen (oder sich eine blutige Stirn zu holen), aber was hilft diese Erkenntnis? Kein Computer kann mir das Gespräch ersetzen, in dem ich mit jemand ein Detail seines Geburtsbildes herausarbeite, vielleicht ein ganz unscheinbares Quintil, das ihm zeigt, wo seine Impulsivität sich segensreich entfalten könnte.
    Der Computer kann nur die astrologischen Symbole „erkennen“ (?), die ihm eingegeben wurden. Und die Beschreibung ist so optimal und fehlerfrei, wie sie eingegeben wurde. Der Computer beschreibt überhaupt nichts. Er gibt nur Beschreibungen wieder. Und die sind in den unterschiedlichen Deutungsprogrammen – überhaupt in den gratis online angebotenen – von sehr unterschiedlicher Qualität.
    Kein Computer sagt das, was ist. Jeder Computer sagt das, was ihm eingegeben wurde :) Der Computer ist ein Gigolo, der genau das tut, was ich ihm anschaffe. Ehrlich? Nur ein Spiegel meiner selbst… aber immerhin ein interessanter Gedankengang: Der Inhalt einer Festplatte sagt über einen Menschen vermutlich ähnlich viel aus wie sein Horoskop… *joke*
    Eben. In immer gleicher Weise, aber nicht individuell. Als Ansatz für weiterführende Betrachtungen: herzlich willkommen. Als Alternative zur individuellen Interpretation???
    Welche Ansprüche? Ich lege im Gegenteil Wert auf die Aussagegrenzen meiner Deutungen und wäre froh, wenn auch die Vermarkter der Deutungsprogramme das klarer zum Ausdruck brächten. Ich weiß, dass jede Deutung ein Herausreißen eines bestimmten Betrachtungssegmentes aus seinem ganzheitlichen Zusammenhang ist, zerfleddert in Begrifflichkeiten, und insofern schon nicht den Anspruch erheben kann, dass es „stimmt“.

    Dennoch erscheint mir die Kombination von astrologischen Elementen im Angesicht und im Gesprächskontext eines Gegenübers, aufbauend auf einem (lebenslang zu vertiefenden) Verstehen dieser Elemente, das auch durch Intuition genährt wird und nicht nur auf lexikalische Datensammlungen zurückgreift, qualitativ grundsätzlich unterschieden von EDV-Kombinatorik.

    Ich lehne astrologische Prognosen grundsätzlich ab, schon wegen meines chaostheoretischen Hintergrunds, in dem das Axiom gilt, dass in komplexen, nichtlinearen Systemen Prognosen nicht möglich sind. Allenfalls lassen sich Wahrscheinlichkeiten formulieren. Es geht darum, die „Zeichen der Zeit“ zu betrachten und den Versuch zu unternehmen, sie zu verstehen, wobei mir große Demut angebracht zu sein scheint. Und ich mache auch keine Fernanalysen, ohne mein Gegenüber zu kennen… in der Art dieses „schau ma einmal, was er von mir errät, und dann seh ich ja, was er kann…“ – siehe die Tricks oben.

    Es ist für mich selbstverständlich, dass ich vor dem Einstieg in eine astrologische Beratung erst einmal abkläre, wo ich meine Aussagegrenzen sehe (wodurch schätzungsweise 80 % gleich wieder abspringen, weil sie halt doch gern wissen würden, ob der Schwiegersohn passt, ob sie an Krebs sterben oder wann sie endlich im Lotto gewinnen…). Und eine gewichtige Grenze ist mir, dass ich keine Wahrheiten zu verkünden habe und sie auch nicht aus den Konstellationen lesen kann… es sind immer nur Interpretationen.
    Da stimme ich absolut zu. Ich befasse mich selbst u.a. mit der Programmierung relationaler Datenbanksysteme und habe in Weiterführung von Wolfgang Döbereiners „Münchner Rhythmenlehre“ ein wenig Software geschrieben, die mir die fraktale Interpolation des Radix in die Entwicklung eines Lebens hinein erlaubt. Und ich bin dankbar für die zahlreichen Hilfen, die der Computer für die astrologische Arbeit bietet. Eine redliche Auseinandersetzung mit seinen Grenzen hat nichts zu tun mit der Diskreditierung von Menschen, die diese Grenzen ausweiten wollen.

    Okay, das ist nun eh schon unzumutbar lang geworden… mal sehen, wie sich der Thread entwickelt.

    Alles Liebe, Jake
     
  2. Juppi

    Juppi Guest

    Hi Jake,

    erstmal, ein guter Beitrag von Dir,

    ein paar Punkte hätt' ich da noch. Wie sieht das mit dem freien Willen des Menschen aus, das Geburtshoroskop bildet doch nur die Zeitqualität für diesen kleinen Moment ab.

    Spätestens wenn der oder die in Eigenverantwortung handelt wird es doch erst interessant. Es gibt keine Möglichkeit sich vor Entscheidungen zu drücken. Entweder -ja- oder - nein.

    Um eine annähernd richtige Deutung hinzukriegen, muß ich das Alter der Person miteinbeziehen und alle bedeutenden Transite und Direktionen, richtig ?

    Nun gibt es Menschen, die in ihren Entscheidungen absolut berechenbar sind. Dann wieder welche, die sich weiterentwickelt haben. Bei denen hat meines Wissens kein Astrologe der Welt auch nur die Chance einer richtigen Prognose.

    Dieser ganze Hick-Hack um die Astologie ist nur deshalb entstanden, weil es dem Mensch anscheinend nicht mehr genug war zu wissen, welche Anlagen durch einen optimalen Weg Verwirklichung erreichen können.

    Ich hoffe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt zu haben.

    aL Juppi, :D
     
  3. Namo

    Namo Guest

    Lieber Jake,

    wenn Du argumentierst, dass jede astrologische Deutung nicht den Anspruch erheben kann, dass sie stimmt, weil jede astrologische Deutung nur ein heraus gerissenes betrachtetes Element aus einem ganzen Zusammenhang sein soll, dann stämme keine Deutung, unabhängig davon, ob sie von einem Computerprogramm oder von einem lebenden Astrologen zustande gekommen wäre.

    Wenn es dagegen Deutungen gibt, die stimmen, dann wäre es demnach auch wurst, woher sie stämmen.
    Gut.
    Ich kann daraus nur erkennen, daß Du deinem zeitweise erhobenen Anspruch, ein Gesamtbild zu erstellen, selbst nicht gerecht wirst. Ich kann darin und auch aus den anderen Ausführungen aber nicht erkennen, warum Computerhoroskope nicht stimmen sollen.

    Lieber Gruß

    Namo
     
  4. GreenTara

    GreenTara Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    6. September 2003
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    Kassel
    Hallo Namo :)

    dieses Thema wurde schon häufig diskutiert - oft in epischer Breite, ohne zu einem Konsens zu kommen. ;)

    http://www.astrocontent.net/forum/viewtopic.php?t=5

    "Sinn und Grenzen von Computerdeutungen"


    Wie Jake schon beschrieb, ist es kaum möglich, einen Computer so zu programmieren, daß er sämtliche Verknüpfungen berücksichtigt. Je länger ich mich mit Astrologie beschäftige, desto mehr tendiere ich zu einer "von-Hand-Deutung", auch wenn die Computer-Analysen teilweise von den Texten her recht gut sind - und einen für Laien manchmal beeindruckenden Umfang haben.

    30 - 40 DIN A4-Seiten würde ich für einen Klienten nicht schreiben wollen (jedenfalls nicht für ihn speziell), das würde schlicht und ergreifend meinen zeitlichen Rahmen sprengen und auf Klientenseite die "Bezahlbarkeit".

    Computeranalysen sind nun einmal vergleichsweise günstig - und insofern vielleicht eine Art "Vorbereitung", um dann später tatsächlich das Geld in eine persönliche astrologische Beratung zu investieren.

    Ich lehne Computeranalysen weder strikt ab noch befürwortete ich sie uneingeschränkt.


    Herzliche Grüße
    Rita
     
  5. Mara

    Mara Guest

    hi rita ...

    so habe ich das auch immer gesehen ...

    ich habe mein computer-programm immer nur benutzt um mich mit meinem radix zu beschäftigen, bzw. mit dem radix anderer leute ...

    die ausdrucke sind teilstücke/aspekte, die man zusammenfügen muss. mir ist das schon so nie gelungen ... es ist mir viel zu komplex ...
    astrologische beratungen habe ich nie gemocht, weil doch immer die sichtweise des beraters einfließt, ob er das nun will oder nicht.
    ich gebe die auswertungen des compis immer wieder gerne an absolute einsteiger der astrologie, nicht so sehr wegen der auswertung, als vielmehr, wegen der beschreibung der einzelnen planeten und des radix, einfach um den leuten mal zu zeigen, dass sie ihr bildzeitung-horoskop getrost vergessen können, es sei denn sie lesen alle 12 sternzeichen ... :D

    was mich generell schon immer an der astrologie gestört hat, egal ob aus dem computer (den ja auch menschen bestückt haben) als auch in einer beratung, ist dieses problembetonte.
    aspekte werden bewertet, planeten werden bewertet. von den sternzeichen ganz zu schweigen.

    ich habe noch nie einen berater oder ein programmtexter erlebt, der die energien einfach so stehengelassen hat, wie sie nun mal sind ... immer hängen "änderungsvorschläge" hinten dran !

    wenn man aber eine fundierte astrologische beratung haben will, können die computer nicht mithalten, mE ... ich könnte mir aber vorstellen, dass viele leute lieber auf den computer zurückgreifen, weil es einfach billiger ist, als eine professionelle beratung, die viel geld kostet und von der man vorher nie weiß, was sie wohl bringen wird ...

    lg mara
     
  6. Namo

    Namo Guest

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    Hallo Rita,

    ich denke, es ist eine politische Diskussion, nicht aber eine wissenschaftliche Diskussion.

    Niemand hat nachgewiesen, daß und warum ein lebendiger Astrologe prinzipiell die Charakterstruktur eines Menschen signifikant richtiger analysieren können soll als programmierte Algorithmen mit einem Expertensystem.

    Ich empfinde den Umgang mit den Astrologen, die auch auf dem Gebiet der automatischen astrologischen Analyse arbeiten, wobei dann pauschal 'Computer-Deutungen' mit politischen Argumenten (sog. 'Meinungen') disqualifiziert werden sollen, als arrogant.

    Es ließe sich viel sagen dazu, daß bereits die 'herrschenden' Vorstellungen über die astrologischen Algorithmen, welche das Chart untersuchen, falsche sind. Man könnte sogar darüber wissenschaftlich diskutieren. Aber ich habe gelernt, daß es sinnlos ist, solange es diese politischen Ansprüche und Pauschalierungen gibt.

    Lieber Gruß

    Namo
     
  7. GreenTara

    GreenTara Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
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    Kassel
    Hallo Namo :)

    Wissenschaftlich sicher nicht - den Anspruch habe ich an mich auch nicht. Politisch - ja, vor allem ist es eine "berufspolitische" Diskussion. Dazu unten mehr.


    Mittlerweile läuft eine Studie, die beides einbezieht - Deutungen zu "Fuß" und auch Deutungen vom PC erstellt. Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt. Bislang ist die "Trefferquote" individueller (schriftlicher) Deutungen signifikant höher als erwartet (vorläufiges Ergebnis der Studie).

    Ist er in gewisser Weise auch - es ist das alte Spiel: "Meins ist besser als deins." Ich weiß von wirklichen Profis, die sich nicht scheuen, PC-Deutungen anzubieten (auch wegen des Kostenfaktors) und die auch persönlich beraten. Dann gibt es "Hardliner" in beiden "Lagern" - der eine bietet ausschließlich computergenerierte Analysen an - berät überhaupt nicht persönlich, der andere berät ausschließlich persönlich.

    Meines Erachtens eben eine berufspolitische Frage - es geht um die Verteidigung eines anzustrebenden Status (z.B. "geprüfter Astrologe DAV) sowie schlicht und ergreifend um Marktanteile. Selbst DAV-Mitglied, beobachte ich diese "Grabenkämpfe" schon eine ganze Weile eher kopfschüttelnd. Meines Erachtens geht es zum Beispiel darum, die Interessen der geprüften zu wahren und zum anderen um Abgrenzung und Abwertung derjenigen, die sich nicht der (teuren) Prüfung unterziehen und gleichfalls ihre Leistungen anbieten. Es ist auch eine Art Überlebenskampf - und der wird über viele Ebenen ausgetragen. Und da bietet sich eine solche Auseinandersetzung - unter vielen anderen - natürlich an.

    Aber selbst nicht in Verbänden Organisierte versuchen, sich erbittert gegenseitig das Wasser abzugraben. Es gelingt nur wenigen, ausschließlich von ihrer astrologischen Tätigkeit zu leben - und so wird zu sehr abwertenden Mitteln gegriffen, um den "Gegner" in ein schlechtes Licht zu bringen, seine Kompetenz in Frage zu stellen und damit die eigenen Pfründe zu sichern bzw. sich selbst aufzuwerten. (Ich bewege mich seit über 2 Jahren in unterschiedlichen Foren - und da laufen die dollsten Dinger ab, um sich gegenseitig zu diskreditieren.)

    In der Tat. Es geht - zum großen Teil - um das Geld und um eine bestimmte Sicht der Welt. Andererseits ist auch Wissenschaftliches Denken eine bestimmte Sichtweise - und aus meiner Sicht ist sie weder berechtigter noch unberechtigter als andere Sichtweisen. Unsere jeweilige Sichtweise / Wirklichkeit ist eben ein Konstrukt - und keine Wirklichkeit ist unwirklicher als eine andere.

    Herzliche Grüße
    Rita
     
  8. jake

    jake Sehr aktives Mitglied

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    Graz
    Genauso sehe ich es tatsächlich. Unter welchen Kriterien stimmt eine Deutung? Im übrigen beziehe ich das nicht nur auf die Astrologie, sondern auf das Vermögen von Sprache überhaupt, Wirklichkeit wiederzugeben oder gar erst zu erzeugen... das wäre dann eine durchaus wissenschaftliche Diskussion, und wenn es sein soll, hab ich auch einen gut gefüllten Zettelkasten dazu mit vielen Zitaten von Wittgenstein über v. Förster bis hin zu Maturana und Varela.
    Astrologie wissenschaftlich diskutieren zu wollen erscheint mir schwierig, solange die Wissenschaft selber verweigert, sich mit der Astrologie anders zu befassen als im Wege der Vernaderung. Aber das geht der Homöopathie auch nicht anders, das erleben Radiästheten und viele mehr...
    Ich hab Astrologie noch nie in dem Bemühen betrieben, die Charakterstruktur eines Menschen zu analysieren. Und ich will mich auch gar nicht in der Frontenbildung pro/contra vom Computer generierte Deutungsprogramme in irgendeinem Schützengraben verbuddeln, ich hab eh deutlich (und mit Links auf Beispiele) darauf hingeweisen, dass ich etliche Ansätze durchaus schätze, darunter beispielsweise auch das Treindl'sche Expertensystem, das mit den Liz-Greene-Texten eine spannende Kombination darstellt.

    Mir ging es um die Klarstellung von Aussagegrenzen (siehe oben), und im Zusammenhang mit Charakterstrukturen erst recht. Was ist eine Charakterstruktur, und wie objektiviere ich sie so, dass sie als Basis für vergleichende Testreihen tauglich wird? Ist ja schon schlimm genug, wie Intelligenztests missbraucht werden, um zum Beispiel die Ware Mensch auf dem Markt Arbeitskraft zu bewerten. Wenn nun auch noch ein CQ dazukommt, um die Menschen anhand des ihnen zugeschriebenen Charakters zu beurteilen... dann sind wir gefährlich nahe dran an jenen, die z.B. in faschistischer Zeit den Wert eines Menschen anhand bestimmter Abmessungen seiner Schädelknochen bestimmen wollten. Das war eine durchaus wissenschaftliche Versuchsanordnung mit politischem Hintergrund... ist ja nicht so, dass Politik und Wissenschaft einander ausschließen, eher im Gegenteil :)

    Wenn ich Astrologie betreibe, dann nicht, um Charakterstrukturen festzuschreiben, sondern um Zeitqualitäten zu interpretieren, in denen sich ein Mensch in höchst individueller Zuordnung durch sein Leben bewegt oder in denen Ereignisse stattfinden. Rahmenbedingungen beschreiben, in denen Entfaltung und Entwicklung stattfindet... und immer geht es um Interpretation. Damit ist ein Risiko von Unschärfe und Irrtum verbunden, und wann immer jemand von mir astrologische Begleitung haben möchte, weise ich sehr deutlich darauf hin, dass ich keine objektive Botschaft der Sterne zu überbringen habe, sondern lediglich etliche Hilfen anbieten kann, die Zeichen der Zeit zu deuten.

    Zum Glück kann ich mich all dem völlig frei von (standes)politischen oder kommerziellen Erwägungen widmen; ich arbeite nicht als Berufsastrologe, ich bin frei, mir ohne Erwerbsdruck auszusuchen, mit wem ich astrologisch arbeiten möchte und mit wem nicht; und wenn ich auch einiges an selbstprogrammierten Hilfen für meine astrologischen Untersuchungen nutze, so denke ich nicht daran, diese zu vermarkten. Ich fühl mich frei, die Fragen zu stellen, die mich interessieren, die Zweifel zu äußern, die mich beschleichen, und die Hypothesen anzubieten, die ich gern diskutiert hätte. That's it... Merkur in Wassermann :)

    Alles Liebe, Jake
     
  9. GreenTara

    GreenTara Sehr aktives Mitglied

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    Hallo Jake :)

    Damit hast du mir ein wunderbares Argument für meine mehr "bauchgesteuerte" Ablehnung - zumindest Ambivalenz - gegenüber Prognosen geliefert. Ich danke dir dafür sehr. :)

    Ich bin gerade mal wieder in eine Diskussion um Transite eingestiegen - und hab mir gleich wieder Entwicklungsangst unterstellen lassen dürfen... ;) Konkret ging es darum, das sich ein Teilnehmer (den ich persönlich kennenlernte) meines Erachtens in einer ernstlichen psychsichen Krise befindet, vor Jahren deswegen mehr oder weniger freiwillig in einer Klinik landete, noch immer in Behandlung ist, und dies auch öffentlich machte. Ihm wurde geraten, jeden Tag auf seine Transite zu schauen. Ob das für so jemanden wirklich hilfreich ist? Zumal derjenige den "Ausbruch" seiner psychischen Erkrankung auf einen bestimmten Transit-Aspekt zurückführt? Ich denke, eher nicht - aber gut, das ist meine ganz persönliche Ansicht. (Und ein wenig off topic.)

    So halte ich es auch - und erlebe ähnliches. Es scheint für einige fast inakzeptabel, wenn nicht ihrer Neugier bzw. einer gewissen "Sensationslüsternheit" gefrönt wird... Wer jedoch daran interessiert ist, sich auf einer anderen Ebene zu betrachten, der wird auch durch die Aussagegrenzen nicht abgehalten, sich auf eine Beratung einzulassen. Eine computergenerierte Deutung kann da durchaus eine Art "Türöffner" sein.

    Herzliche Grüße
    Rita
     
  10. GreenTara

    GreenTara Sehr aktives Mitglied

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    Hi Mara :)

    erstmal Grüße vom Krebs-Mond in 12 zu Krebs-Mond in 12 - ansonsten bin ich recht "feurig" veranlagt... :)

    Die Kritik würde ich ja nun nicht "der Astrologie" zuschreiben, sondern den Deutern. Ich mache schon einen Unterschied zwischen "gewichten" und "bewerten". Ich gewichte z. Bleistift im Sinne "Stärke" einer Konstellation bemühe mich jedoch, diese so neutral wie möglich (wertfrei geht wohl leider nicht) zu beschreiben. Was der Klient dann daraus für sich ableitet, ist dann eventuell seine "Bewertung". Das "Problembetonte" hängst sicher damit zusammen, daß Anfragen nach einer Beratung meist nicht erfolgen, wenn es jemandem rundum gut geht, sondern weil ihn aktuell etwas beschäftigt, was er so zu lösen er sich nicht im Stande sieht.

    Kommt für mich ganz darauf an. Menschen reagieren da sehr unterschiedlich, ich mag zum Beipiel auch keine "-schläge" irgendeiner Art. Erlebe es aber oft, daß mir jemand sagt: "Ja, schön beschrieben - aber was mache ich jetzt damit?" (Was in meinen Augen deshalb blödsinnig ist, weil meine Lösung nicht die des Betroffenen ist.) Auf Nachfrage sage ich schon, was ich machen würde, das war es dann aber auch.

    Ich sehe das so ähnlich wie mit den vielen Ratgebern auf dem Büchermarkt: Bis zu einem gewissen Grad sind sie nützlich und hilfreich, aber manchmal gibt es eben Situationen, in denen ein Gespräch einfach sinnvoller ist. Kriterien, um einen geeigneten Berater zu finden, gibt es schon. Jake beispielsweise weist gleich zu Beginn - wie die meisten Profis - auf seine Aussagegrenzen hin.

    Herzliche Grüße
    Rita
     
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