Zwei Wege

Renate Ritter

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Es existieren ja recht verschiedene Möglichkeiten, um Menschen einzuteilen bzw. zu typisieren.
Eine davon bezieht sich auf die innerseelische Verbundenheit oder auch Unverbundenheit mit dem geistigen Ursprung, dem wir alle entspringen.

Heißt, jeder Mensch hat ein rein geistiges Höheres Selbst (Namen sind beliebig), das seiner Natur nach multidimensional ist. Dieses Gesamtbewusstsein trennt Bewusstseinsteile ab von sich, die jeweils als ein Mensch auf Erden inkarnieren.
Nach dem Tod finden diese „Teile“ dann wieder zusammen; mit ihren unterschiedlich gemachten Erfahrungen und der daraus resultierenden unterschiedlich gewonnenen Charakteristik verändern und bereichern sie ihr Höheres Selbst.

Das Wissen um seinen geistigen Ursprung bleibt dem irdischen Menschen aber verborgen. Erstmal. Hat seine Gründe, soll so sein...
Muss aber nicht, denn es ist eigentlich nur ein dünner Vorhang, der den Menschen an der Wahrnehmung seines geistigen Ursprungs hindert.

Es gibt nun aber Menschen, einige, nicht allzu viele, die für sich beschlossen haben, die eigene innerseelische Verbindung zum geistigen Ursprung komplett zu durchtrennen. Sie haben quasi „die Tür nach oben“ zugemacht.
In der Konsequenz heißt das, dass sie nach dem Tod nicht in das so genannte Jenseits kommen, nicht erfahren, wer sie sind, warum sie also Mensch existiert haben, was ihr Lebensplan war und all das, was der „geistige Mensch“ (nenne ich mal so) nach seinem Tod unmittelbar wahrnehmen kann.

Die „Natur- oder Erdenmenschen“ (nenne ich ebenfalls mal so) kehren mit dem körperlichen Tod zu ihrem Ausgangsort zurück, der sich in der Natur, in oder unter der Erde oder auch im Wasser befinden kann. Dort verharren sie in unbewusster Bewusstheit solange, bis sie erinnert werden von einem anderen Menschen, einer Mutter, die sie dann als ihr Kind erneut zur Welt bringt.

Die meisten dieser Naturmenschen leben ein einfaches, bescheidenes Leben. Sie wissen oftmals nichts von ihrem Anderssein, bemerken aber meist, dass sie irgendwie anders sind, kommen aber doch gut damit zurecht.
Wenn sie sich in die Natur begeben, was sie oft und gern tun, dann spüren sie in sich eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, ein totales Einssein mit den Pflanzen, den Tieren, der Erde, den Steinen. Eine Verbundenheit, die sie tief berührt und erfüllt.

Aber manche dieser Naturmenschen wollen ihr Getrenntsein vom Göttlichen, wie sie es verstehen, überwinden.
Sie werden zu Gottsuchern, nehme größte Anstrengungen und vor allem Entsagungen auf sich, um zu Gott zu kommen. Das deshalb, weil sie halt meinen, dass Entsagung und Kasteiung der körperlichen Begierden die Voraussetzung dafür wäre.

Man kann annehmen, dass die Mehrzahl der Würdenträger der Kirche aus diesen bemühten Gottsuchern besteht.
Denn wo anders als in der Kirche, in den Altären, den Kreuzen und dem ganzen Halleluja kann man Gott finden? Meinen sie.

In der Bibel hat sich Jesus geäußert zu diesen Menschen:
Lukas 11, 9-10
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Aufgetan!

Klopfet an - wo genau kann man denn anklopfen? An der Kirchentür wohl nicht. Das kann nicht gemeint sein.
Wo findet man (seinen) Gott? Wo ist das Göttliche, das Geistige zu finden?

Als Mensch hat man letztlich nichts als sein eigenes Bewusstsein, den eigenen Geist. Und eben dort – im eigenen Inneren – befindet sich alles, was man suchen und finden kann.

Den Gottsuchern sei gesagt: Betet nach innen, in euch hinein.

Kein Holz- oder Metallkreuz, kein Altar oder Hausaltar, keine Bilder, keine religiösen Reliquien, kein Kirchengebäude, nichts davon führt zu dem, wo wir alle herkommen als Mensch.

Bittet nach innen. Der Zugang zum Höhergeistigen, wie immer man es nennen will, befindet sich in uns, in unserem Denken und Fühlen, in unserer Selbstwahrnehmung.
 
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Hi @Renate Ritter ,

deine Gedanken über den Zugang zum „Höhergeistigen“ sind interessant, aber ich kann sie aus meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen nicht teilen.

In der Realität dieser Menschheit sehe ich zwei große Gruppen:

  • die wissenschaftlich orientierten Suchenden
  • und die spirituell orientierten Suchenden
Ich habe mich bewusst entschieden, beide Wege lebendig zu halten. Würde ich mich ausschließlich der wissenschaftlichen Erklärungswelt hingeben, würde ich mich innerlich wie ein Verräter der Schöpfung fühlen – als hätte ich den tieferen Sinn des Daseins einfach abgelegt. Aber auch die rein spirituelle Vorstellung, dass alles in uns sei und wir nur „nach innen beten“ müssten, führt nach meiner Erfahrung in ein anderes Gefängnis: das der esoterischen Selbstvergöttlichung.

Beide Wege – Wissenschaft wie Spiritualität – können also zu inneren Mauern werden, wenn man sie absolut setzt.

Was sich mir im Laufe der Jahre gezeigt hat, ist etwas anderes: Nicht das Innenbeten öffnet Türen. Nicht das Theoretisieren. Sondern das gelebte Sozialverhalten.

Die verschwenderische Art, wie ein Mensch mit Mitgefühl, Großzügigkeit und Aufmerksamkeit durch die Welt geht – dieses verschwenderisch gelebte Sozialverhalten öffnet Türen. Und genau dort zeigt sich, welche Stufe der eigenen Entwicklung man gerade erreicht hat. Nicht im Rückzug ins Innere, nicht im Dogma, sondern im lebendigen Kontakt mit anderen Menschen.

Das sind meine Gedanken zu deinen Überlegungen.
 
Hi @Renate Ritter ,

du sagst, meine Unterteilung stehe nicht im Zusammenhang zu deinem Text. Ich sehe das anders. Du suchst nach Unterscheidungsmöglichkeiten von Menschen – also betrifft deine Typologie die ganze Menschheit. Und genau dort treffen sich unsere Gedanken.

Du stellst die Behauptung auf, jeder Mensch habe ein Höheres Selbst, ein Gesamtbewusstsein, und ein Teil davon inkarnierte hier auf Erden. Nach dem Tod fänden beide wieder zusammen. Das ist eine phantasievolle Konstruktion – man kann sich so eine Welt durchaus zusammenzimmern.

Ich selbst neige eher dazu, ohne solche festen Vorstellungs-Schablonen auf die spirituelle Suche zu gehen und zu schauen, was der „Originalton der Schöpfung“ an uns Menschen richtet. Nicht das, was wir hineinprojizieren – sondern das, was sich zeigt.

In deinem Modell braucht es nur die richtige innere Bemühung, um die Schöpfung vollständig zu erkennen. Gleichzeitig zeichnest du ein Bild, wer alles nicht ins Jenseits zurückkehren könne: diejenigen, die ihre innerseelische Verbindung „selbst gekappt“ hätten. Damit erschafft sich ein Mensch nach deiner Logik eine unüberwindbare Hölle selbst.

Was mir dabei auffällt: Du umgehst damit die grundlegende Frage nach der Lebensenergie. Wer spendet das Leben überhaupt? Wer entzündet das Lebenslicht???? Und wenn dieses Lebenslicht einmal entzündet wurde – kann es dann wirklich erlöschen? Oder setzt die Schöpfung nicht alles daran, dass ein einmal geschaffenes Lebenslicht bestehen bleibt???? Dein Text richtet sich für mich vor allem an religiös Suchende. Dort drehst du nach meinem Empfinden richtig auf und bietest einen inneren Heilungsweg an: „Alles ist in dir, bete nach innen, dort findest du alles.“

Das klingt für mich so, als würden wir uns selbst das ewige Leben schenken – und uns damit auch selbst das Lebenslicht geben. Deine Ausführungen rufen förmlich danach, auch einmal polarisiert betrachtet zu werden. Das ist mein Beitrag dazu.
 
Hi @gleichmütig ,

dein Satz bringt eine interessante Perspektive ins Spiel. Wenn eine Trennung von der Quelle tatsächlich nicht möglich ist und es nur so aussieht, dann stellt sich für mich die Frage:

Wer erzeugt diesen Eindruck – und warum?

Denn dann wären ja alle Modelle, die von Abspaltung, Rückkehr oder „gekappter Verbindung“ sprechen, eher Beschreibungen unserer Wahrnehmung als der eigentlichen Wirklichkeit. Und genau das finde ich spannend: Wie viel unserer spirituellen Vorstellungen sind echte Erfahrungen – und wie viel sind Konstruktionen, die wir brauchen, um uns in dieser Welt zu orientieren?

Ich selbst neige dazu, ohne feste Vorstellungs-Schablonen zu schauen, was sich zeigt. Ob Trennung oder Nicht-Trennung – entscheidend ist für mich, wie ein Mensch lebt, fühlt und handelt. Dort zeigt sich, ob er sich der Quelle näher fühlt oder nicht.
 
Ich glaube, dass eine Trennung von der Quelle nicht möglich ist.
Es sieht nur so aus.
So ist es. Eine wirkliche Trennung geht gar nicht.
Die Natur, der Mensch, die „Quelle“, zu Beginn und letztlich ist alles Eins.

Aber wie bzw. unter welchen Umständen der Lebensweg laufen kann, da gibt es die beiden beschriebenen Möglichkeiten.
 
In deinem Modell braucht es nur die richtige innere Bemühung, um die Schöpfung vollständig zu erkennen.
Was heißt Schöpfung? Sich selbst kann man erkennen, nicht mehr und nicht weniger. Das eigene Woher, Wohin und Was und Wie und Warum.
Gleichzeitig zeichnest du ein Bild, wer alles nicht ins Jenseits zurückkehren könne: diejenigen, die ihre innerseelische Verbindung „selbst gekappt“ hätten. Damit erschafft sich ein Mensch nach deiner Logik eine unüberwindbare Hölle selbst.
Wir kehren alle zurück, so oder so, über zwei oder auch mehrere Wege.

Und wieso Hölle? Nein, es sind ja gerade die von mir so genannten Naturmenschen, die von einer Hölle nichts wissen (alle anderen auch nicht, ist eh ein unsinniger Glaube).
 
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