Wenn ich Gott das Böse als Qualität zuordne, legitimiere ich damit natürlich alles Böse als göttlich, gottgewollt. In mir und im Außen.
Nein, die Zuordnung von Gut und Böse als Qualitäten Gottes ist falsch. Gott ist jenseits aller Qualitäten und Zuschreibungen- ER ist weder gut noch böse.
Seine Schöpfung aber, die ist polar. Ohne diese Polarität kann sie nicht existieren. Gelänge es dem Guten, das Böse auszumerzen, würde die Schöpfung augenblicklich aufhören, zu existieren.
Faydit schrieb:
Demnach wäre Hitlers Handeln auch gottgewollt und göttlich, oder eine Hinrichtung der Taliban, oder der Irak-Krieg.
Nein. Hitlers Handeln ist Hitler-gewollt- nix anderes.
Gottes Wille ist es, dass der Mensch sich über die Zweiheit erhebt, dass er eintritt in das Reich Gottes- die Einheit, die jenseits von Gut und Böse ist. Hitler ist das offensichtlich nicht gelungen, er blieb auf seiner Seite, der Seite des Bösen, gefangen. Aber! Ein Anti-Faschist, der sich auf der Seite des Guten befand, und der deshalb Hitler bekämpfte, auch dem ist es nicht gelungen, die Zweiheit hinter sich zu lassen und in die Einheit zu treten. Verstehst du, Faydit? Beide haben die Aufgabe, ihre jeweilige Seite zu überwinden.
Faydit schrieb:
Was natürlich nicht heißt, dass es theoretisch nicht so sein könte. Aber dann hätten wir wirklich keine Wahl, wären also in einer Art göttlichem PC-Game lediglich Statisten mit festgelegten Rollen. Wäre wohl, als letzte Wahrheit nicht so toll.
Denn dann wäre jeder Versuch, etwas zu "verändern" oder gar zu "verbessern" a priori zum Scheitern verurteilt.
Exakt! Das zu sehen, das zu erkennen, in seiner ganzen Tragweite, nicht theoretisch, sondern tatsächlich, bedeutet Befreiung! Es gibt nichts zu tun, zu verändern, zu verbessern- das ist gar nicht möglich! Aber das Leiden daran, die Hilflosigkeit angesichts der Tatsachen erzeugt eine solche Intensität, die die innere Tür ins Himmelreich öffnet.