Das ist ein großer Fehler, to say the least.
Der Kreml versteht Verhandlungen nämlich nicht als Gegenstück zum Krieg, sondern als Teil seiner politischen Kriegsführung. Krieg ist für Moskau nicht das Scheitern der Diplomatie, sondern deren Fortführung mit militärischen Mitteln.
Der Westen geht in Gesprächen mit Russland regelmäßig von einem grundsätzlich kompromissfähigen Gegenüber aus. Moskau dagegen behandelt Verhandlungen als Teil seiner operativen Kriegsführung. Für den Kreml stehen Diplomatie und Krieg nicht in einem unauflösbaren Spannungsverhältnis, sondern werden unter dem strategischen Primat machtpolitischer Gewalt funktional verschränkt.
Entsprechend dienen Verhandlungen aus Moskauer Sicht nicht einer auf Kompromiss ausgerichteten Konfliktlösung, sondern der Fortsetzung des Krieges bis zum Sieg. Militärische Gewalt wird dabei als Instrument politischer und diplomatischer Erpressung gegenüber der Ukraine und den europäischen Verhandlungspartnern eingesetzt.
Die russische Ablehnung eines Waffenstillstands, wie gestern zum wiederholten Male von Putin bestätigt, ein Kernstück dieser Taktik. Moskau wird solche Gespräche, mit oder ohne die Ukraine am Tisch, unter militärischem Druck auf Kyjiw, unter politischer Erpressung Europas und unter diplomatischer Selbstinszenierung als angeblicher Friedensakteur führen.
Wer diese Logik ignoriert, setzt falsche Anreize und baut auf Gesprächsformate, die Moskau nicht befrieden, sondern seiner machtpolitischen Instrumentalisierung dienen. Europäische Gespräche mit Russland wären - wenn überhaupt - nur dann sinnvoll, wenn sie nicht auf falschen Grundannahme beruhen und einen zwingend überwachten Waffenstillstand vor Beginn der Gespräche vorsehen würden.