Ich finde es ja immer faszinierend, wie schnell sich linke Gewissheiten in moralische Wellnessprodukte verwandeln. Anti-ICE-Protest? Zack, fertig ist der Heiligenschein. Minneapolis? Symbolstadt. Wer dort demonstriert, kann per Definition nichts falsch machen, weil falsches Verhalten ja immer nur beim Staat existiert. Der Staat ist der Bösewicht, Ende der Analyse, bitte Applaus.
Dass parallel Bundesermittlungen laufen, die nicht aus purer Abschiebelust entstanden sind, sondern aus jahrelangen Betrugsverfahren, bei denen Millionen an Steuergeldern verschwunden sind, stört diese Erzählung enorm. Also wird’s ignoriert oder relativiert. „Das sind doch nur Einzelfälle“ – was lustig ist, weil sonst jede Polizeigewalt sofort strukturell gelesen wird, aber bei Wirtschaftskriminalität plötzlich wieder Individualethik gilt. Selektiver Materialismus.
Und dann diese Protestromantik. Als wäre jede Blockade automatisch ziviler Ungehorsam im Sinne von Rosa Parks. Dass dabei Ermittlungen aktiv behindert wurden, dass es organisierte Obstruktionsversuche gab, dass Fahrzeuge gezielt auf ICE-Agenten zugerollt sind – das passt halt schlecht ins Instagram-Narrativ vom reinen Widerstand. Also nennt man es „Eskalation durch den Staat“ und hofft, dass niemand genauer hinschaut.
Was mich daran nervt, ist nicht die Kritik an ICE. Die ist berechtigt. Mich nervt die Verweigerung von Ambivalenz. Dass man gleichzeitig sagen könnte: Abschiebepolitik ist brutal und Gewalt gegen Ermittler ist nicht plötzlich okay, nur weil sie die falsche Uniform tragen. Dass marginalisierte Communities reale Schutzbedürfnisse haben und dass Korruption ihnen am Ende selbst schadet.
Linke Politik, die sich nur noch über moralische Reflexe definiert, verliert genau das, was sie behauptet zu verteidigen: Glaubwürdigkeit. Wer jede unbequeme Tatsache als „rechte Talking Points“ wegwischt, macht sich nicht radikal, sondern bequem. Und Bequemlichkeit war noch nie revolutionär.
Dass parallel Bundesermittlungen laufen, die nicht aus purer Abschiebelust entstanden sind, sondern aus jahrelangen Betrugsverfahren, bei denen Millionen an Steuergeldern verschwunden sind, stört diese Erzählung enorm. Also wird’s ignoriert oder relativiert. „Das sind doch nur Einzelfälle“ – was lustig ist, weil sonst jede Polizeigewalt sofort strukturell gelesen wird, aber bei Wirtschaftskriminalität plötzlich wieder Individualethik gilt. Selektiver Materialismus.
Und dann diese Protestromantik. Als wäre jede Blockade automatisch ziviler Ungehorsam im Sinne von Rosa Parks. Dass dabei Ermittlungen aktiv behindert wurden, dass es organisierte Obstruktionsversuche gab, dass Fahrzeuge gezielt auf ICE-Agenten zugerollt sind – das passt halt schlecht ins Instagram-Narrativ vom reinen Widerstand. Also nennt man es „Eskalation durch den Staat“ und hofft, dass niemand genauer hinschaut.
Was mich daran nervt, ist nicht die Kritik an ICE. Die ist berechtigt. Mich nervt die Verweigerung von Ambivalenz. Dass man gleichzeitig sagen könnte: Abschiebepolitik ist brutal und Gewalt gegen Ermittler ist nicht plötzlich okay, nur weil sie die falsche Uniform tragen. Dass marginalisierte Communities reale Schutzbedürfnisse haben und dass Korruption ihnen am Ende selbst schadet.
Linke Politik, die sich nur noch über moralische Reflexe definiert, verliert genau das, was sie behauptet zu verteidigen: Glaubwürdigkeit. Wer jede unbequeme Tatsache als „rechte Talking Points“ wegwischt, macht sich nicht radikal, sondern bequem. Und Bequemlichkeit war noch nie revolutionär.