Magical Jukebox: People Are Strange

  • Ersteller Ersteller Tandava
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Hallo Tandava,

Zitat:

Wu-Di fragte Bodhidharma:
"Was ist der höchste Sinn der heiligen Wahrheit?"
Bhodidharma antwortete:
"Offene Weite-nichts von heilig"

-----
Dunkel ist der Rede Sinn.

Höchster Sinn, niedrigster Sinn.........., gibt's beides nicht. Entweder Sinn oder Unsinn.
Heilig?........ Was ist das eigentlich?

Und "heilige Wahrheit"...., was soll das denn sein?

Jetzt wird's aber ganz besonders schön: "Offene Weite-nichts von heilig" ... Au weih, was kann das wohl sein?

Bitte erleuchte mich!!
L.G.
Alamerrot



Und die heilige Wahrheit? Was ist das nun wider? gib's auch die unheilige Whrheit?
Na, und ich dachte immer, ich würde mich auf Begrifflichkeiten versteifen....:D

Ich versuch mal kurz darauf einzugehen, so wie ich es verstehe.
Zuerst einmal ist es meiner Ansicht nach so gut wie unmöglich, ein sprachliches Symbolsystem eins zu eins in ein anderes zu übersetzen, dabei tritt ein Phänomen auf, das in der Physik als "Rauschen" bezeichnet wird, es treten "Störungen" auf.
Um das zu verdeutlichen stelle ich hier mal eine gängige englische Übersetzung des Zitates ein, die vielleicht ein wenig besser die von dir erfragten symbolischen Begrifflichkeiten erhellen kann:
The Emperor asked Bodhidharma about the supreme truth of the Dharma.
"Vast emptiness; nothing holy," replied Bodhidharma.


Vielleicht könnte man die Frage Wu-Dis so formulieren:
"Was ist die Eigenschaft, die Essenz, die Wirklichkeit, die "Wahrheit" des "Göttlichen"?
In seiner Antwort weist Bhodidharma auf den spekulativen Charakter der Frage hin, der sich bereits auf ein Bild, eine symbolische Vor-Stellung, die Wu-Di sich -bewusst oder unbewusst-von diesem "Göttlichen" macht, hinweist.
Wu-Di fragt also eigentlich nach seinen eigenen Vor-Stellungen, nach dem mentalen Käfig, den er für "Gott" gebaut hat.
Die "offene Weite" weist nun darauf hin, das dieses "Göttliche" jenseits jeder Vorstellung, jedes Bildes ist, das es keine "festen" Eigenschaften hat, und sich jeder Zu-Schreibung entzieht, so z.B. auch jener der "Heiligkeit", welche ja eine Distanz eines Gegenstandes, eines Prinzips oder einer Prämisse als "abgesondert" vom "Weltlichen", hier verstanden als etwas "Un-Heiliges", postuliert.
Im Grunde genommen deutet Bodhidharma hier an:
"Hör auf dir Vorstellungen vom "Göttlichen" zu machen und steig einfach in den Fluss."

Eine andere Aussage ausm Zen bringt es so zum Ausdruck:
"Wenn du verstehst, sind die Dinge einfach, wie sie sind."
"Wenn du nicht verstehst, sind die Dinge einfach, wie sie sind."


Ich will damit jetzt hier aber keine irgendwie geartete "Wahrheit" verkünden, sondern lediglich mein beschränktes "Verständnis" davon, was meine Signatur zum Ausdruck bringen möchte.

P.S.
Das Zitat geht eigentlich noch weiter und endet so:
Finally, the Emperor asked, "Who are you?"
"I know not," said Bodhidharma.

;)
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo Tandava,
Zitat:
Vast emptiness; nothing holy

Damit hast Du mir alles erklärt. Vielen Dank. Der Begriff ist mir gut bekannt. Ich würde allerdings übersetzen: Weite Leere. Nichts Heiliges.
Ich beschäftige mich seit Jahrzehten mit dem Buddhismus und kenne deshalb natürlich den Ausdruck “Leere” wie ihn der Mahayana versteht. Ich beanstande dabei nur eines: Leere hat zum Gegenteil die Fülle. Der Mahayana will das so nicht sehen und gibt der “Leere” die Bedeutung des Letzten(oderErsten),Ursprünglichen, obwohl der tibetanische Buddhismus an diese Stelle das Wort “es” setzt, weil es überhaupt keine Eigenschaft beinhaltet, auch nicht die des Leeren.

Wenn Du Lust hast, dann siehe einmal bei Google nach, was Dionysios, der Areopagit über den “Ursprung der Dinge” meint. Das trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf.

L.G.
Alamerrot
 
Wenn Du Lust hast, dann siehe einmal bei Google nach, was Dionysios, der Areopagit über den “Ursprung der Dinge” meint. Das trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf.

L.G.
Alamerrot
Mach ich die Tage bestimmt.

Jetzt werd ich erstmal nach längerer Verletzungspause endlich mal wieder unseren Slam betreuen, da bin ich erstmal bis heute Nacht beschäftigt.
Ich freu mich ziemlich drauf, da ich unseren heutigen "featured Artist" sowohl inhaltlich, stilistisch als auch menschlich sehr schätze...
:D

 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo Tandava,
Ich habe Dir ein Stückchen Arbeit abgenommen und für Dich herausgesucht, was Dionysios der Areopagita zum Ursprung der Dinge meint:



Noch höher aufsteigend sagen wir von ihr (der Allursache) aus, daß sie weder Seele ist noch Geist; ihr ist auch weder Einbildungskraft, Meinung, Vernunft oder Denken zuzuschreiben, noch ist sie mit Vernunft und Denken gleichzusetzen, noch wird sie ausgesagt, noch gedacht. Sie ist weder Zahl noch Ordnung, weder Größe noch Kleinheit, weder Gleichheit noch Ungleichheit, weder Ähnlichkeit noch Unähnlichkeit. Sie hat weder einen festen Stand, noch bewegt sie sich, noch rastet sie. Ihr ist auch weder Kraft zuzuschreiben, noch ist sie mit Kraft identisch, noch mit Licht. Sie ist weder lebendig noch mit Leben identisch. Auch ist sie nicht Sein, nicht Ewigkeit, nicht Zeit. Sie kann aber auch nicht gedanklich erfaßt, noch gewußt werden. Auch ist sie weder mit Wahrheit, noch mit Herrschaft oder Weisheit gleichzusetzen. Sie ist weder eines noch Einheit, weder Gottheit noch Güte. Sie ist auch nicht Geist in dem Sinne, wie wir diesen Ausdruck verstehen, noch mit Sohnschaft oder Vaterschaft gleichzusetzen oder mit irgend etwas anderem, von dem wir oder irgendein anderes Wesen Kenntnis besäßen. Sie gehört weder dem Bereich des Nichtseienden noch dem des Seienden an. Auch erkennt sie die Dinge nicht so, wie sie (tatsächlich) sind, noch erkennt sie die Dinge in ihrem tatsächlichen (begrenzten bzw. zusammengesetzten) Sein. Sie entzieht sich jeder (Wesens-) Bestimmung, Benennung und Erkenntnis. Sie ist weder mit Finsternis noch mit Licht gleichzusetzen, weder mit Irrtum noch mit Wahrheit. Man kann ihr überhaupt weder etwas zusprechen noch absprechen. Wenn wir vielmehr bezüglich dessen, was ihr nachgeordnet ist, bejahende oder verneinende Aussagen machen, dann ist es nicht etwa sie selbst, die wir bejahen oder verneinen. Denn sie, die allvollendende, einzige Ursache aller Dinge, ist ebenso jeder Bejahung überlegen, wie keine Verneinung an sie heranreicht, sie, die jeder Begrenzung schlechthin enthoben ist und alles übersteigt.

S.74ff.
Aus: Pseudo-Dionysius Areopagita, Über die mystische Theologie und Briefe Eingeleitet, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Adolf Martin Ritter
© 1993 Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart (Bibliothek der griechischen Literatur, Band 40)
Auszugsweise Veröffentlichung auf Philos-Website mit freundlicher Genehmigung des Anton Hiersemann Verlages, Stuttgart

Vielleicht gefällt Dir das. Für mich ist es das A und O.

L.G.
Alamerrot
 
Danke erstmal.
Bis jetzt kann ich mir ehrlich gesagt noch keine Meinung bilden, werd mich da aber bei Muße und Lust mal n bisschen tiefer einlesen.
Die angewandte Technik läuft unter dem Begriff "negative Theologie", oder?

--------
:D
 
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