Deutung Paul Celan

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somavision

Guest
Paul Celan verfolge ich seit einigen Tagen und frage mich seither, wie ich einige seiner Zeilen deuten könnte.

Quelle: https://www.arts.gov/sites/default/files/joris-original.pdf

Dort heißt es:

WIR LAGEN
schon tief in der Macchia, als du
endlich herankrochst.
Doch konnten wir nicht
hinüberdunkeln zu dir:
es herrschte
Lichtzwang.

(dann folgen die Zeilen, die ich gerne einmal mit Euch zusammen deuten würde) -

TRETMINEN auf deinen linken
Monden, Saturn
Scherbenversiegelt
die Umlaufbahnen dort draußen.
Es muß jetzt der Augenblick sein
für eine gerechte Geburt.

---

Deutung:
Es geht um den gegenwärtigen Augenblick, hier und jetzt - frei und ganz unversiegelt, lichtern und strahlend in alle Richtungen ohne sich mit irgendwas Bestimmten zu identifizieren.

Nur warum wählt Paul Celan dieses Bild? Und warum genau Tretminen, dann auf "deinen linken Monden" und Saturn?
Wer kann dazu mehr sagen? Ich tappe da völlig im Dunkeln -
 
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Wer kann dazu mehr sagen? Ich tappe da völlig im Dunkeln -
Was hat dich bewegt - es unter Astrologie zu posten ?

Das hier ?
TRETMINEN auf deinen linken
Monden, Saturn
Scherbenversiegelt
die Umlaufbahnen dort draußen.
Es muß jetzt der Augenblick sein
für eine gerechte Geburt.
und wie sollte man dem astrologisch näher kommen - ohne eine Horoskop-Grafik ?

Vllt stellst du mal deine Grafik ein - mit aktuellen Transiten - da könnte man dann eher sehen- wo was gerade aktuell bei dir im Verständnis "klemmt" und dir sicher eher weiterhelfen.

Denn verstehen und verstehen ist astrologisch persönlich ja schon sehr individuell und bei jedem anders.

Ein z.B. dreifach besetzter Fische Geborener hat da z.B. sicher einen anderen Zugang dazu wie z.B. ein dreifach besetzter Stier-Geborener.
 
Zuletzt bearbeitet:
Eigentlich habe ich keine passende Kategorie gefunden... dann sah ich "Deutung" und naja... hab das Beste draus gemacht, sagen wir mal so, mit der Hoffnung ein Moderator könnte falls nötig auch noch verschieben -

Zurück zu den Zeilen von Paul Celan und wie ich darauf kam.
Es gibt einen Künstler, den ich sehr schätze und von dem ich unheimlich viel konsumiere, sei es in Bildern oder Skulpturen. Für seine Werke nutzt er eine Reihe von Zitaten aus den Gedichten von Paul Celan.
Er hat es quasi mit seinem Werk interpretiert, aber ich werde aus den Zeilen überhaupt nicht schlau.

Ich sehe ein, dass wir auf den ersten Blick vielleicht falsch gewesen sind, hier innerhalb der Astrologie.
Und was mich betrifft... sorry, aber es ging erstmal nicht um mich - da hatte ich mehr an eine allgemeine Interpretation gedacht. Aber auch hier werde ich kaum fündig... es ist echt schwer, Literaturanalysen und Deutungen dazu im Internet zu finden. Dazu frage ich mich, ob er wirklich die Planeten meint, oder bildlich spricht... macht halt irgendwie keinen Sinn.

Nun sind wir weiter bei der Interpretation/ Deutung - mit der Info, dass ich nichts persönliches deuten möchte, sondern eher die Zeilen im Allgemeinen. Vielleicht liest das auch ein Moderator und kann an die entsprechende "richtige" Kategorie verweisen, indem verschoben wird?!

Wobei, vielleicht auch ganz gut das alles hier zu lassen, weil hier Menschen lesen die in der Tat, ggf. tagtäglich "deuten"/ mit Deutungen umgehen/ zutun haben.

Liebe Grüße und vielen Dank
 
WIR LAGEN
schon tief in der Macchia, als du
endlich herankrochst.
Doch konnten wir nicht
hinüberdunkeln zu dir:
es herrschte
Lichtzwang.

Bei der Macchie handelt es sich um ein 2-4 m hohes immergrünes Hartlaubgebüsch, die vorherrschende Vegetationsform am Mittelmeer. "WIR" lagen schon tief darin... als DU endlich herankrochst...
Er wählt wohl bewusst das WIR vor dem DU? Doch das WIR konnte nicht hinüberdunkeln... als wäre WIR dunkel und das DU würde immer nur das Licht betrachten?
Lichtzwang heißt für mich Einseitigkeit, als wäre kein Schatten erlaubt (das eine ohne das andere).
Und ja es macht Sinn, wenn man bedenkt wie ICH + DU wie Licht und Schatten wären.
 
TRETMINEN auf deinen linken
Monden, Saturn
Scherbenversiegelt
die Umlaufbahnen dort draußen.
Es muß jetzt der Augenblick sein
für eine gerechte Geburt.

WIR LAGEN
schon tief in der Macchia, als du
endlich herankrochst.
Doch konnten wir nicht
hinüberdunkeln zu dir:
es herrschte
Lichtzwang.

Für mich hat es schon etwas Gänsehaut-mässiges - und auch sehr Ungewöhnlich/Aussergewöhnliches mit plutonischer Untermalung - ....hab schon mal geschaut - ob astro.com ihn von den Daten her gelistet hat - aber ist leider nicht.
 
Astrologische Bedeutung (Pluton) - Quelle: https://www.questico.de/astrologie-wissen/pluto
Im besten Sinne steht Pluto für die vollkommene Hingabe an den Augenblick und damit für höchste Intensität, für den wahren Kern einer Sache, für enorme Heilkräfte. Er weist des Weiteren auf überpersönliche Notwendigkeiten hin, denen sich der einzelne beugen muss.

Das wäre in meinem Sinne die Brücke zur Kunst, einer ungeschriebenen Zukunft.
Ich bin der Punkt und aus diesem Punkt bahnt sich die Schöpfung ihren Weg.
Wirklich davon mitbekommen tue ich nicht direkt, sondern durch den Rückblick -
Nur nach vorne schauen heißt jetzt zu sein, eine offene Zukunft.
Vielleicht wollte uns das Paul Celan auf dieser Weise sagen?
 
Astrologische Bedeutung (Pluton) - Quelle: https://www.questico.de/astrologie-wissen/pluto
Im besten Sinne steht Pluto für die vollkommene Hingabe an den Augenblick und damit für höchste Intensität, für den wahren Kern einer Sache, für enorme Heilkräfte. Er weist des Weiteren auf überpersönliche Notwendigkeiten hin, denen sich der einzelne beugen muss.

Das wäre in meinem Sinne die Brücke zur Kunst, einer ungeschriebenen Zukunft.
Ich bin der Punkt und aus diesem Punkt bahnt sich die Schöpfung ihren Weg.
Wirklich davon mitbekommen tue ich nicht direkt, sondern durch den Rückblick -
Nur nach vorne schauen heißt jetzt zu sein, eine offene Zukunft.
Vielleicht wollte uns das Paul Celan auf dieser Weise sagen?

Tut mir leid, aber dieser Questico-Link taugt echt nicht viel. Da gibt es weitaus bessere Kurzbeschreibungen von Pluto. Pluto ist ohnehin sehr komplex und erschließt sich erst mit der Zeit in seiner vollen Tiefe.

Um mal ein paar Schlagworte zu liefern: Vorstellungen, geistiges Leitbild, Fixierung, Zwänge, Vertiefung, Transformation - das "Stirb" und "Werde", Macht und Ohnmacht, Destruktion - der Pluto beherrscht den Skorpion, das ist die Jahreszeit in dem die Natur abstirbt, um dann im nächsten Frühling wieder zu Erwachen.


Plutonische Themen sind z. B. Kriminologie, die Abgründe, das Verborgene, Abhängigkeiten, Krieg, Tod, Machtstreben, Machtmissbrauch, Ohnmachtserfahrungen, toxische Beziehungen. Leider existiert von Celan wie @Green~ schon sagte keine genaue Uhrzeit, ich hatte vor Jahren schon danach gesucht. Interessant ist aber auf jeden Fall seine scharfe Pluto - Venus Opposition, die die Belastung in seinen Beziehungen zeigt.

Die Eltern von Paul Celan sind im KZ umgekommen, er selber war im Arbeitslager.
Er hat dieses Trauma nie überwunden, hatte Zeit seines Lebens eine zerrissene und gequälte Seele. Er wurde mehrmals in die Psychiatrie eingewiesen, einmal wollte er seine spätere Frau im Wahnzustand mit einem Messer töten.
Ihn verband auch eine tiefe Liebe mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die seine Genialität erkannte und ihn fördern wollte, denn nach dem Krieg wurde er bei Lesungen missverstanden, gerade mit seinem Gedicht "Todesfuge".
Auch ihr gegenüber hat er sich stark verschlossen, sie stellenweise auch grob attackiert, wie zahlreiche Briefe beweisen.
So waren sie als Paar nur begrenzt zusammen, blieben aber ihr Leben lang freundschaftlich verbunden.

Paul Celan hat sich sehr wahrscheinlich suizidiert. Seine Leiche wurde in der Seine gefunden.

Seine Gedichte sind so hermetisch, wie er es selbst war.
Eine gequälte Seele, die Schreckliches erlebt hatte und sich nie davon erholt hat.
Ich denke, diese Hintergründe sollte man kennen, wenn man in seine Gedichte eintaucht.

Falls du die Todesfuge noch nicht kennst, hier aus Copyrightgründen einen Link dazu:
Es gibt dazu auch Deutungen im Internet, aber ich glaube nicht, dass man die braucht.


 
@somavision

P.S. ich habe mit Absicht die eher negativen Aspekte des Pluto herausgeschält, weil Celan diese leider im vollen Umfang zu spüren bekommen hat, dadurch dass die Zeit und die Umstände in denen er gelebt hat, ja schon über alle Maßen plutonisch waren. Sowohl im Kollektiv, als auch für ihn individuell.
Natürlich hat Pluto auch Positives im Gepäck, was sich z. B. aus der Vertiefung ergibt.
Leider muss man sich aber oft genug durch das Negative hindurch abrackern, bevor einem das Positive zuteil wird.

Diesen Vers des Gedichtes:

"TRETMINEN auf deinen linken
Monden, Saturn
Scherbenversiegelt
die Umlaufbahnen dort draußen."

Könnte man vielleicht so verstehen, dass die Umlaufbahnen, in denen sich die Planeten sonst frei bewegen können, scherbenversiegelt sind, somit nicht betretbar.
Mond steht für das Gefühlsleben, die linke Seite ebenso.
Saturn, natürlich komplexer, für Begrenzung, Konservierung, Ernsthaftigkeit, Authentizität, Verbindlichkeit, das was bleiben darf. Beide Planeten mit Tretminen versehen, können sich auch nicht frei entfalten, gefährliches Terrain.

"Es muß jetzt der Augenblick sein
für eine gerechte Geburt."
Verstehe ich persönlich so, dass er sich mit recht um sein Leben betrogen gefühlt hat und natürlich auch wusste, dass sein Elend einer ungerechten, verbrecherischen Zeit geschuldet war.
Hier zeigt sich für mich der Wunsch nach einer Geburt zur rechten Zeit, die es ermöglicht hätte frei zu leben und zu lieben.

Das fällt mir erstmal dazu ein. Selbstverständlich ohne Anspruch auf Richtigkeit.
 
Es ist wirklich toller Input um Paul Celan vielleicht etwas tiefer zu verstehen.
Ich danke dir soweit und hoffe wir können die Unterhaltungen über diesen Ausnahmekünstler weiter führen.
 
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