Arm-Mut
Er ist schwer reich, deswegen trägt er sie mit Leichtigkeit sogleich.
Sie fühlt sich von ihm auf den Arm genommen, doch sie kostet diesen Umstand erst einmal schweigsam aus, denn sie möchte das auch alles richtig, von ihrem geschärften Beobachtungsstandpunkt aus, mitbekommen. Doch wehe dem, sie merkt, er sieht in zunehmender Weise alles immer mehr verschwommen, weil er ständig dort hinschaut, wo ein Mann nicht hinschaut, der sich da voller Anstand hätte vor ihr benommen.
Durch seinen Arm-Mut trägt er da ein schönes Stück Fleisch und im (von ihr persönlich gehandhabten) Angebot auch noch so vitaminreich.
Sie ist durch ihre geschärfte Beobachtungsgabe zu der Auffassung gekommen: „Er schaut so verbissen, doch er muss es ja wissen, denn schließlich braucht er etwas zwischen die Zähne, und bis jetzt hat er immer dort, wo er seine Trägerkräfte hernimmt, angebissen.“
Sie sagt sich: „In der geschlechtlichen Rollenverteilung ist der heilige Rotationsschein mein, wenn er mich trägt, dann will ich seine Trägerin sein.“ Wessen Trägerin? „Natürlich die vom Rotationsschein, die Welt soll ja schließlich nicht ewig so gedankenlos und träge sein, wie der, der immer alles tragen will, ohne den geringsten Schein, ja noch nicht einmal ein blasser Schimmer kann es bei ihm sein!“
Sie fühlt sich von ihm auf den Arm genommen, aber im Stillen meint sie: „Lass ihn doch erst einmal, über sein höchstes Erregungsstadium, vor mir kommen, sonst wäre nämlich alles schon so vorweggenommen. Danach kann ich ihm dann immer noch, den Rest seines Lebens, ganz beruhigt vorhalten, er hätte sich schon immer (vor allem, wenn er sich so sehr erregt) schlecht benommen.“
Sie kommt sich vor wie ein Baby in seiner ärmlichen Wiege, denn er ist sehr ausgewogen, aber ihr geht es dann doch mehr um ihre aufzählbaren Siege, unter dem Motto: „Wer mich auf den Arm nehmen will, mit dem führe ich in erbarmungsloser Weise unerbittliche Kriege!“
beziehungsWEISE