Ölfirmen schränken Handel mit Banken ein
Die Bankenkrise wächst sich zu einer massiven Vertrauenskrise aus. Nach der Pleite von Lehman Brothers scheuen selbst Ölfirmen vor Handelsgeschäften mit Banken zurück. Beunruhigend ist vor allem die ungewisse Zukunft von Morgan Stanley, einem der größten Player auf dem Ölmarkt.
Auf dem Ölmarkt finden die meisten Transaktionen außerbörslich statt. Dabei sind Banken für Ölfirmen häufig Gegenpartei - nicht nur bei Derivategeschäften, sondern auch beim An- und Verkauf physischen Öls. Seit der Pleite von Lehman Brothers hat sich das geändert, der Vertrauensverlust der Finanzbranche ist enorm.
Ölunternehmen scheuten davor zurück, überhaupt noch mit Finanzinstituten zu handeln, sagte Jorge Montepeque, Global Director of Market Pricing beim Datendienst Platts. "Das verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Wir befinden uns in einer Situation, in der Verantwortliche der Ölindustrie nicht mehr mit ihren Banken handeln möchten", sagte Montepeque auf einer Konferenz am Donnerstag.
Platts ist der führende Datendienst auf dem Ölmarkt. Das Unternehmen berechnet Indizes, die zur Abrechnung von Terminkontrakten verwendet werden. Einer der bekanntesten Futures, dessen Abrechnungspreis über einen Platts-Index bestimmt wird, ist der Brent-Future der Intercontinental Exchange. Platts erhält zur Indexbildung auch Informationen von Käufern und Verkäufern - und damit auch über deren Bereitschaft, mit anderen Handelsparteien überhaupt in Kontakt zu treten.
Einer der größten Unsicherheitsfaktoren ist Morgan Stanley: Die US-Investmentbank spielt beim außerbörslichen Handel von Energiederivaten eine herausragende Rolle. Ihre Zukunft ist aber ungewiss. Laut übereinstimmenden Medienberichten verhandelt sie über einen Verkauf an Wachovia und mit einem chinesischen Staatsfonds über einen Einstieg. Die Aktie notierte am Donnerstag rund 20 Prozent im Minus.
"Morgan Stanley ist da viel stärker engagiert als Bear Stearns oder Lehman Brothers. Deshalb wird momentan wahrscheinlich weniger gehandelt, weil alle den weiteren Verlauf abwarten wollen. Das führt dann natürlich zu großen Preisausschlägen", schrieb Olivier Jakob, Managing Director beim Analysehaus Petromatrix, in einem Researchbericht.