Und solche Aussage sind reine Vorurteile, warum ist es unnatürlich oder gar eine Störung, wenn man sich bewusst entscheidet ohne Partner durch Leben zu gehen?
Ich habe es so verstanden, dass es hier primär um unfreiwillige Singles geht.
Ein Leben ist heutzutage recht lang und die meisten Menschen durchleben – wie schon gesagt - verschieden Phasen, von verheiratet sein, alleine durch Leben gehen und gebunden sein, ohne feste Verpflichtungen, ja nicht mal zusammen leben.
Das bringt mich dazu, eine soziologische Perspektive reinzubringen. Die Anzahl der Alleinstehenden war vor einigen Jahrzehnten viel geringer. Man hat mit Mitte 20 geheiratet, ganz gleich was für ein komischer Kauz man war oder welche psychologischen Prägungen vorhanden waren - darin eingeschlossen die astrologischen Konstellationen.
Während ich das schreibe, habe ich hauptsächlich die Kriegsjahrgänge und unmittelbaren Folgejahrgänge im Kopf - und da sind unzweifelhaft viele massiv psychisch geschädigt worden. Von Geborgenheit und verlässlicher, liebevoller elterlicher Fürsorge kann selten die Rede sein.
Man hat also meist um Mitte 20 geheiratet und eine Familie gegründet. Die gesellschaftlichen Konventionen waren andere. Wie du sagst, ist das Menschenleben heutzutage viel länger. Aber auch die Vorgaben, wie man zu leben hat, sind nicht mehr so stringent und verengt.
Wir leben ebenfalls in einer Zeit, in der das Erreichen des Optimums ein Sport geworden ist - höher, schneller, besser, weiter - bei sich selbst und beim Gegenüber. Vielleicht gibt es ja irgendwo noch etwas / jemand Besseres? Ich halte das für den eklatantesten Gegensatz zu damals - da hat man den/die geheiratet, der/die im üblichen Alter halt zugegen war. Ob das besser war, sei dahin gestellt. Es geht mir um die Sachebene, nicht die Wertebene.
Noch dazu ist die heutige Gesellschaft von einer mangelnden Bereitschaft an Verzicht geprägt - alles und möglichst viel mitnehmen. Ein Urlaub am Starnberger See reicht nicht mehr aus, mindestens Australien muss es gewesen sein und danach noch Südostasien.
Vor diesem Hintergrund - der natürlich stark Schwarz-Weiß gezeichnet ist - stelle ich mir die Frage, ob es Menschen gibt, die sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten einfach geschmeidiger, gleitender anpassen - und andere, die das nicht können oder wollen. Ich gelte heutzutage wohl eher als Spießer. Ich mag Monogamie und muss nicht alles mitnehmen, was mir über den Weg läuft, weder menschlich noch materiell.
In weiterer Folge stellt sich mir die Frage, ob sich diese Dichotomie von Gesellschaft und Individuum im Horoskop wiederfindet.
Ich würde mal behaupten, dass sich die hier augenscheinlich objektiv und valide gesammelten Daten auch in Horoskopen von älteren Jahrgängen wiederfinden lassen, die nun einmal nicht annähernd so viel Singledasein erlebt haben wie wir heute.