Ach, ich glaub schon, dass ich dich verstanden habe (und sorry, falls ich heute etwas unfreundlich bin, bin grad etwas mieser Laune).Umpf. Ich glaub, du hast da was in die falsche Kehle gekriegt. Täte mir Leid, weil war nicht ganz so gemeint, wie aufgefaßt. Kann aber natürlich im Schriftverkehr passieren.
Also neuerlicher Versuch. Der Phra Acharn ist leider nicht mein Lehrer, ich hab ihn nur kennengelernt und vermute aufgrund dessen, was ich gesehen und erlebt habe, da ist Buddhabewußtsein dahinter beziehungsweise nicht dahinter sondern total präsent. Und dieses kommt natürlich nicht von heute auf morgen, sondern von einem ganzen Leben in Meditation. Dieser Abt lebt - das ist das Besondere an ihm - der Natur und den Tieren total nahe und verbunden mit all seinen Mönchen. Die ganze Klosteranlage wirkt wie ein Reines Land, wenn du verstehst, was ich meine, ein Ort, wo sich alle Wesen mit Respekt und Achtung und Liebe begegnen. Wo die verschiedensten Arten von Tieren friedlich nebeneinander herleben. Inklusive Tiger. Der Abt sagt von sich selbst, daß er wohl einen besonderen Bezug zu allen Tieren und zur Natur hat. Hängt wohl damit zusammen, daß er durch jahrelanges Meditieren in der Natur seine Leukämie aus sich hinausbefördert hat, anstatt an ihr zu sterben.
Und da war ich wohl zu unpräzise, da hast du recht. Was ich meinte, war, daß so manche alte Bauersfrau genau diesen tiefen Bezug zur Natur und zu Tieren und zu allen Vorgängen in der Natur in sich trägt, weil sie ein Leben lang in stiller Beobachtung mit der Natur gelebt hat. Da findest du dann auch diese Ruhe, die aus dem Innersten kommt, auch wenn sie dir das jetzt nicht so lehren kann wie der Abt... aber sie hat diese Ruhe in sich, trotzdem. Vielleicht weil sie ein zufriedenes Leben gelebt hat, im Einklang mit allem, was sie umgeben hat.
Hab ich mich jetzt klarer ausgedrückt?![]()
Du siehst: Ich nehme den genannten Mönch genauso ernst wie du. Und ich stelle, ebenso wie du, fest, dass da "etwas" vorhanden ist - meinetwegen auch bei der Bäuerin, das ist völlig Wurscht, bei wem.
Und dieses Etwas macht einen Unterschied. Darauf will ich hinaus. Dieser Unterschied ist vorhanden, er ist spürbar, diese Menschen haben etwas, was ich nicht habe. Wir sind nicht einfach vollkommen gleich, sondern jene haben etwas Wundervolles, das zwar vielleicht in mir angelegt ist, aber nicht so sehr entwickelt ist, wie bei ihnen.
Und das ist es, was eine "Hierarchie" schafft. Da, an ebendiesem Punkt, sind wir nicht mehr alle gleich. Da gibt es eben durchaus Unterschiede. Dieses Faktum wurde in den alten Schulen dann in diese Stufenmodelle gepresst, damit man's schön übersichtlich dargestellt hat. Was die Bäuerin oder der Mönch haben, sind Dinge, die sie entwickelt haben, über lange Zeit hinweg. Eine innere Tiefgründigkeit und Weisheit, die nicht einfach nur angelesen ist, sondern aus Erfahrung stammt. Und diese Entwicklung hat gewisse Regelmässigkeiten - nichts anderes sagen die Stufenmodelle aus.
Es ist eben nicht nur einfach ein Unterschied zwischen ihnen und mir, sondern es ist ein Entwicklungsunterschied. Jeder kann das entwickeln, was sie haben, aber nicht jeder hat das entwickelt, was sie haben.
Ich find's daher eigentlich gar nicht so sehr lustig, über diese Stufen zu lesen, sondern ich find's eher aufschlussreich, denn es handelt sich um nichts weniger als um eine Beschreibung des Vorganges des Entwickeln dessen, was sowohl die Bäuerin als auch der Mönch haben! Es ist eine Art Landkarte, die entwickelt wurde, eine Zeichnung des Terrains, das einer durchschreitet, wenn er auf dem Weg ist, eben dies zu entwickeln, was der Mönch oder die Bäuerin haben. Mit anderen Worten: Diese Stufenmodelle mögen zwar etwas altmodisch und ungenau sein - und insbesondere nehmen sie es niemandem ab, tatsächlich selbst den Weg zu gehen, aber sie sind überaus wertvoll.
Eben das ist somit falsch. Buddhaschaft ist nicht einfach ein Zufallsprodukt, das manchen zufällt, anderen nicht. Was wäre das auch für ein unfaires Universum? Buddhaschaft erlangen, heisst: Den inneren Weg gegangen zu sein bis zu dem Punkt, an dem die Karte sagt: "Sie betreten jetzt das Land der Buddhaschaft."Wann wo wer und wie Buddhaschaft erlangt, das läßt sich erfreulicherweise nicht katalogisieren.
Manche, die Buddhaschaft erlangt haben, werden voll Mitgefühl sein, andere werden voller Zorn die falschen Ansichten der Menschen zerstören, wieder andere werden einfach in einem Stuhl sitzen und nichts tun. Noch andere werden die Welt reformieren, grosse Gelehrte oder Tantriker sein. Manche werden ein normales Leben führen, andere sich völlig verrückt benehmen - DAS lässt sich tatsächlich nicht katalogisieren und auch nicht kategorisieren. Aber ihnen allen wird eben eines gemein sein: Dass sie die Buddhaschaft erlangt haben.
Bei allem Blicken auf das Gemeinsame sollten die Unterschiede nicht vergessen werden.