Hallo in die Runde!
Zu den immer wieder entrüsteten Stimmen, dass man weibliche nicht mit männlicher Beschneidung vergleich kann, traue ich mich auch mal etwas sagen: Ich als Frau behaupte sehr wohl dass manche weibliche Beschneidung mit einer männlichen Beschneidung vergleichbar ist.
Wer sich im Pflegewiki angesehen hat, wie eine Vorhautenfernung durchgeführt wird, wird da an Invasivität und Brutalität nicht viel Unterschied zu einer FGM finden.
Um es erst einmal klarzustellen: Bei der FGM gibt es nicht nur die Pharaonische Beschneidung, obwohl das gern so dargestellt wird. Und nicht bei jeder Form der weiblichen rituellen Beschneidung wird die Klitoris abgeschnitten, oft ist es die Klitorisvorhaut und/oder die kleinen Schamlippen. Und selbst wenn der herausstehende sichtbare Teil der Klitoris abgeschnitten wird, so bleibt der innere große Teil der Klitoris erhalten. Es bleiben orgastische Manschette und der (unbewiesene?) G-Punkt sowie andere Stellen in der Vagina... Es gibt Frauen, die nach der Entfernung der Klitoris sehr wohl noch orgasmusfähig sind und die gerne Sex haben.
Natürlich würde ich als Frau aber lieber meine Klitorisvorhaut opfern als die Klitorisspitze selbst, das ist klar. Aber mir wäre auch bewusst dass mir dann eine große Bandbreite in meinem Lustempfinden fehlt. Ich kann allein durch leichte Stimulierung meiner Klitorisvorhaut einen Orgasmus erreichen, genauso geht das mit der Vorhaut bei unbeschnittenen Männern.. die Reibung an der Eichel selbst ist dabei nicht entscheidend. Das ist für mich als Frau eine aufregende Erfahrung, diese Ähnlichkeit der Geschlechter da zu sehen *g* und hat etwas Verbindendes.
Am Leichtesten würde es mir wahrscheinlich fallen, meine kleinen Schamlippen zu opfern. Dies entspräche wohl gefühlsmäßig der Entfernung eines Teil der Schafthaut oder eines Teils des Schwellkörpers beim Penis? So in etwa? Die großen Schamlippen entsprechen beim Mann den Hoden. Nicht jeder Mann hat dort gleich gerne Berührungen.
Die Vorhaut ist postkartengroß und ist hochempfindlich, ihr innerer und äußerrer Teil hat jeweils unterschiedliche Hautqualitäten, sie besitzt 20000 Nervenenden, zum Vergleich: die weibliche Klitoris besitzt ca. 5000 (oder 8000) Nervenenden. Die Glans Penis ist als inneres Organ gedacht und ist selbst ist eher unempfindlich, sie kann nur im Zusammenspiel mit den Meissnerschen Tastkörperchen der Vorhaut richtig funktionieren, vorausgesetzt die zarte Schleimhaut bleibt erhalten und verhornt nicht wie nach einer Beschneidung. Das Zusammenspiel zwischen Vorhaut und Eichel ermöglicht eine gelungene Erregungskurve inkl. Orgasmus. Beschnittene Männer wissen oft nicht, wo ihr Orgasmus ist ("ich weiß net.. komm ich gleich? oder doch nicht? hm warte mal...") oder müssen lange und fest zustoßen oder sogar den Popo der Frau benutzen (=enger) um ihn zu erreichen.
Zum "Durchhaltevermögen": Beschnittene Männer können nicht länger, sondern sie müssen länger. Wenn ich das unbedingt brauche kann ich einem unbeschnittenen Mann (der Angst hat zu schnell zu kommen) drei Kondome überziehen und habe den selben Effekt.
Außerdem: Warum dann nicht gleich lieber einen Dildo nehmen? Nun, ein Dildo hat keine Vorhaut, mit der man schön spielen kann und die atemberaubende Gefühle erzeugen kann. Genauso wie man beim Sex ja auch mit der Klitoris der Frau bekanntlich gut spielen kann

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Beschnittene Männer spüren beim Oralsex oft nicht genug um einen Höhepunkt zu erreichen oder zumindest nahe daran kommen zu können und ich finde das sehr sehr schade. Weil ich es von mir selbst kenne, durch orale Stimulation zu kommen und mir bewusst wird, dass sein und mein Empfinden auseinanderklafft und ihm dadurch etwas sehr schönes entgeht. Oralsex bei ihm ist und bleibt somit bestenfalls Vorspiel, das hat schon etwas trennendes.
Was man der Frau zugesteht sollte auch dem Mann zugestanden werden. Ein Mann ist nicht dafür da, mit möglichst langen "Steherqualitäten" der Frau dienlich zu sein. Sondern er ist ein eigenständiges sexuelles Wesen für sich und genau das finde ich an einem Mann erotisch und anziehend.
Die weibliche Beschneidung erfolgt also, weil man die Frau zur Gebärmaschine degradieren will? Betrachten wir einmal ganz ehrlich die männliche Beschneidung: diese erfolgt aus demselben Grund. Der Mann wird zur F***maschine dadurch. Hauptsache der Schniedel steht oder?

Ob die Empfindungen des Mannes dabei richtig schön und rund sind und ob auch Varianten fernab des üblichen Befruchtungsszenarios möglich bleiben scheint zweitrangig zu sein. Bei der rituellen Beschneidung steht vermutlich sogar genau diese Absicht dahinter.
Liebe Grüße, FHag