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Ausgeträumt?

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von Serenade, 9. Oktober 2018.

  1. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    18. März 2007
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    Ausgeträumt und leer. Keine Träume, keine Pläne mehr. Am Alter ist nichts Schönes dran, vor allem, wenn du krank bist oder dir abwechselnd die Knochen oder Muskeln oder irgendwas anderes weh tut. Du hast das Leben nicht mehr vor dir, sondern hinter dir.

    Quatsch, alles Unsinn und vor allem grausiges Selbstmitleid. Natürlich ist alt werden nicht schön. Man bekommt mit wie alles den Bach runter läuft und nicht mehr aufzuhalten ist. Man schüttelt den Kopf über die stürmischen Jungen, aber man vergisst nicht (wirklich nicht!), dass man selbst auch mal so war. Wir leben alle dieselben Lebensphasen durch – der eine intensiver und der anderen weniger intensiv. Wie man halt energetisch geschaffen ist.

    Keine Pläne mehr. Das ist gut, sogar sehr gut, denn willst du Gott (zu dem komme ich gleich) zum lachen bringen, mach Pläne. Ist doch herrlich, den Tag planlos zu beginnen. Lass dich überraschen, welcher Felsen dir heute auf den Kopf fällt. Neugierig ein Leben lang, wie es in einer Werbung für Katzenfutter heißt. Aber sind Katzen wirklich ein Leben lang neugierig? Es schaut halt so aus, wie man nun mal gerne Menschliches in Tiere hinein interpretiert.

    Aber bleiben wir beim Alter, bei den lieben, ach so weisen, alten Menschen, denen man Respekt zollen sollte, weil man ja selbst mal alt wird und dann auch lieb behandelt werden möchte. Du gehst nicht mehr so schnell und bist deshalb, wenn du die Straßen überquerst, den Autofahrern lästig. Und nicht nur den Autofahrern, sogar den Radfahrern und das wirklich Üble, auch den Fußgängern, die dich anrempeln und beiseite stoßen oder dir den Gehstock mit dem Fuß wegziehen, damit du stürzt und sie was zu lachen haben. Keinen Respekt haben sie mehr vor den alten Menschen. Sogar die alten Menschen schimpfen über die alten Menschen.

    Und von wegen weise! Immer blöder wird man, vergesslicher und ja, leider auch grantiger, wenn mal was nicht so geht wie man gerne möchte. Zornig wie die kleinen Kinder. Man wird wieder jung! Ganz jung! Und werdet ihr nicht wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Gott wartet schon auf dich. Und wenn es so weit ist, erkennst du, dass das Licht am Ende des Tunnels tatsächlich die Lichter eines Zugs sind und nicht der liebe Gott und seine Engelein. Aber jedem das seine. Ich glaube nicht, dass der Mensch so wichtig ist, dass es eigens für ihn einen Gott gibt. Und auch nicht, dass der Mensch das einzige Lebewesen auf Erden ist, der Bewusstsein entwickelt hat und demnach imstande ist, so was wie göttlich zu werden oder gar zu sein. Wenn, dann betrifft es alle Lebewesen. Glaube ich. Aber was ist schon Glaube? Wer nichts weiß, muss alles glauben. Oder so. Man weiß nicht wirklich etwas. Weder als junger noch als alter. Das wage ich zu sagen. Es sind alles Annahmen, Interpretationen und vielleicht doch ein bisschen Glaube. Phantasie wäre auch gut. Das wäre ohnehin das allerbeste. Wenn die Menschenwelt mehr aus Phantasie bestehen würde, wäre sie lebenswerter und vor allem liebenswerter.

    Aber bleiben wir noch beim Alter. Wie gesagt, es ist nicht lustig, alt zu sein – vor allem dann, wenn man krank ist. Das heißt aber nicht, dass man das Leben dann nicht mehr vor sich hätte. Niemand kann sagen, ob ein 20jähriger oder eine 80jährige morgen sterben wird. Es kann beide zugleich oder nur den Jungen, wie auch die Alte treffen. Das Leben hat man immer vor sich, egal wie alt und wie krank man ist. Obwohl ich mal wo gehört oder gelesen habe, dass die Vergangenheit stets sichtbar vor einem liegt und es die ungewisse Zukunft ist, die hinter einem lauert und von der man ja nicht weiß, was sie bringt. So gesehen liegt das Leben, die nahe Zukunft immer hinter uns und schleicht sich Tag für Tag grinsend an uns vorbei. Genau! Grinsend! Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

    Natürlich kann man nicht immer lachen, aber wenn mal wieder was weh tut, egal wo, dann ist lachen die beste Medizin. Kann nicht jeder, ich weiß, aber einen Versuch ist es doch wert.

    Man hat als alter Mensch viel Zeit zum Nachdenken, vorausgesetzt das alte Gehirn macht mit. Tut es das nicht, ist es ein leidvolles Dahinsiechen, das nichts Menschliches mehr an sich hat. Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss. Menschen lässt man leiden bis zum letzten Atemzug. Ich bin für Sterbehilfe. Offen und ehrlich. Wenn jemand abtreten will, sollte ihm das gewährt werden. Das täte auch denen gut, die daneben stehen und ebenso, wenn nicht mehr, leiden. Erlösung. Nichts anderes.

    Aber wenn es noch geht, dann ist wirklich lachen die beste Medizin, auch wenn man darüber nachdenkt, wie dämlich die Menschheit ist und sich ein Leben wie dieses antut. Es ist vor allem die weiße Rasse. Immer wieder frage ich mich, warum es die Weißen sind, die in andere Kontinente eingebrochen sind und die Ureinwohner ausgerottet haben. Kein Indianer, kein Aborigine, kein Buschmann wäre je auf die Idee gekommen, über den Ozean zu schiffen und weiteres Land zu erobern. Der weiße Mann rühmte sich über seinen Entwicklungsstand und blickte auf jene Naturvölker hinab, von denen er mehr lernen hätte können, um ein so genanntes artgerechtes Menschenleben zu führen. Aber okay, wir Weißen haben das Kreuz auf uns genommen und verdienen im Schweiße unseres Angesichts unser Brot. Warum? Ganz einfach, weil wir die Idioten sind und nicht jene, die wir die Wilden nannten.

    Wenn man alt ist und auf sein Leben schaut, wird einem so vieles bewusst, was man vielleicht anders oder besser gemacht hätte. Ist ja nichts dabei, wenn man das tut, nur – es lässt sich nichts mehr ändern an dem, was war. Jetzt ist noch immer die Möglichkeit da, den Tag zu dem ganz gewissen Tag zu machen. Lassen wir uns überraschen, was alles noch kommt. Wir haben Zeit und können unser Leben jetzt gestalten, wie wir wollen, vorausgesetzt – ja, wissen wir, vorausgesetzt, es geht uns noch halbwegs gut.
     
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  2. *Eva*

    *Eva* Sehr aktives Mitglied

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    Danke für deine herrlichen Zeilen!:)
    Es gibt keinen Satz, dem ich etwas entgegenzusetzen hätte, im Gegenteil, ich pflichte dir voll und ganz bei.;)
     
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  3. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    2017 lief das Theaterstück Herold und Maud mit Erni Mangold, im Original ein Film mit Ruth Gordon. Eine sehr alte Frau und ein Teenager als Paar. Ich liebe den Film, untermalt mit den bezaubernden Songs von Cat Stevens. Im Film tut alt sein nicht weh. Die resche Ruth Gordon klaute sogar ein Motorrad und brauste mit ihrem jungen Lover damit davon. Und sie entschied selbst, wann sie dieser Welt für immer adieu sagt.

    Es gibt genug Filme mit alten Menschen, die in ihren letzten Tagen noch mal so richtig aufdrehen. Vor allem wenn sie wissen, dass es mit ihnen bald zu Ende gehen wird.

    Die Frage, warum wir denn nicht von Geburt so leben, als würden wir morgen oder vielleicht sogar noch heute sterben, ist leicht zu beantworten. Weil das nicht möglich ist – nicht für alle. Na ja, alle würden das auch nicht wollen. Sie profilieren sich lieber. Machen Karriere und Kinder, als würde das echt was bringen. Entweder das eine oder das andere. Man lässt doch seine Kinder nicht von fremden Menschen aufziehen! Das ist in unserer Gesellschaft aber der Fall. Vater und Mutter müssen arbeiten, um sich das Leben leisten zu können. Man will ja nicht nur arbeiten, sondern auch mindestens zwei mal im Jahr Urlaub haben und das womöglich am Meer oder in den Bergen oder eben anderswo. Da gibt es dann keine Zeit für die Kinder, auch wenn man sie haben will. Mag sein, dass in naher Zukunft ein eigenes Kinderdorf errichtet wird, wo es dann egal ist, welches Kind wem gehört. Das Kinderdorf als Aufzucht für den neuen Menschen. Außerdem, gehören uns die Kinder? Oder ist es nicht eher so, dass sich jeder selbst gehört? Meines Erachtens gehört uns gar nichts, nicht mal wir uns selbst.

    Die Menschenwelt ist nicht artgerecht. Schon lange nicht mehr. Und ich befürchte, es wird immer schlimmer. Da ist es doch von Vorteil, wenn man alt ist und nicht mehr so lange in dieser Welt leben muss. Aber was hätte man besser machen können? Diese Frage lohnt sich, denn vielleicht sind die Menschen noch zu retten. Alles andere rettet sich selbst. Die Natur lässt sich nicht unterkriegen und regeneriert sich immer wieder neu, auch wenn der Mensch alles unternimmt, um sie auszulöschen und dabei nicht bemerken will, dass er sich damit nur selbst auslöscht.

    Ja, was tun? Zuerst sollte mal jeder für sich selbst Verantwortung übernehmen und nicht immer alles auf die anderen, vor allem auf die Politiker und Wirtschaftsbosse schieben. Könnten wir es besser? Könnte es einer von uns besser, wenn er plötzlich am Topf voll Gold sitzt und sich bedienen darf so viel er will? Geht es uns dann auch noch um das Volk und nicht mehr um uns selbst? Nein, nein, das hat nichts mit Eigenverantwortung zu tun, wenn es als Politiker um uns selbst und nicht fürs Volk geht. Brauchen wir denn Politiker? Brauchen wir Wirtschaft? Was wir brauchen ist Nahrung und ein Dach über den Köpfen. Definitiv. Und? Genügt uns das?

    In einem Buch, das ich vor kurzem las, ging es um Menschen, die auf einer Insel leben, in der die Liebe das Sagen hat. Es geht gar nicht so sehr um Paare, auch wenn das das Hauptthema in „Die Insel der Linkshänder“ von Alexandre Jardin ist, sondern um ein artgerechtes menschliches Leben, in dem die Umgebung nicht verschmutzt und die Luft nicht verunreinigt wird. Autos sind verboten und alle anderen Maschinen, die schlecht für Umwelt und Luft sind, ebenso. Arbeit ist Nebensache. Hauptsache ist der Umgang miteinander. Wie gesagt, es geht nicht nur um Paare, denn auch einzelne Menschen sind glücklich auf dieser Insel und leben endlich so richtig auf. Man hat Zeit für das, was man gerne tut. Und seltsam, auf einmal wird kaum jemand krank. Klar, es ist nur ein Buch, wie oben genannte Filme auch nur Filme sind und dies nicht das echte Leben ist. Aber einen Versuch wäre es trotzdem wert. Es könnte sogar klappen. Oder sind die Menschen noch lange nicht bereit?
     
  4. Alaera

    Alaera Neues Mitglied

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    @Serenade

    du hast es absolut auf den Punkt gebracht.
    Deine Worte gefallen mir.
     
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  5. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    Viele von uns träumen von einem anderen Leben, davon alles besser gemacht und viel mehr riskiert zu haben. Die Vergangenheit lässt sich jedoch nicht mehr ändern, auch wenn wir an eventuelle Parallelwelten glauben mögen, in denen unsere Leben ganz anders ablaufen. Stehe ich an einer Kreuzung mit vier Abzweigungen, kann ich nur in eine Richtung gehen, obwohl ich die Möglichkeit habe, auch in die anderen drei zu gehen. Eben diese Möglichkeiten spielen sich in den Parallelwelten ab. Humbug? Quatsch? Kann sein, aber da wird doch immer über Quantenphysik und all diesen Möglichkeiten geschrieben und gesprochen, wo man nicht so recht weiß, wo sich ein Teilchen wirklich befindet, da es an verschiedenen Orten zugleich sein kann. Na ja, das betrifft die Mikro- und nicht unsere Makrowelt. Aber so ganz ausschließen kann man das mit den Parallelwelten auch nicht.

    Ich denke auch oft zurück, was denn gewesen wäre, wie sich mein Leben gestaltet hätte, wenn... Aber dieses Wenn gibt es nicht. Nicht jetzt! Und so schlecht ist es nicht verlaufen, mein Leben, auch wenn ich mit dem heutigen Wissen einiges anders gemacht hätte. Aber dieses heutige Wissen hatte ich nicht, also vergessen wir das ganze.

    Viel mehr beschäftigt mich diese Insel, über die Alexandre Jardin geschrieben hat und die Möglichkeit, dies in unserer Welt umzusetzen. Es ist nicht viel nötig dazu. Man muss keine Bomben auf das Parlament werfen, auch wenn man das ab und zu gerne tun würde, ohne jedoch an die Konsequenzen zu denken. Als Terrorist verhaftet zu werden, ginge ja noch, aber sich dann bewusst zu werden, welches Leid man angerichtet hat, wäre noch schlimmer. Menschen weh zu tun, egal wie, ändert nichts. Es schadet nur und am meisten dem eigenen Seelenleben. Hasstiraden bringen nichts und noch weniger der Fingerzeig auf andere, obwohl man selbst auch nicht viel besser ist.

    Liebe ist das Zauberwort, aber eine Liebe, die den oder die andere so sein lässt wie er oder sie ist. Leider wissen die meisten Menschen heutzutage nicht mehr, wie sie sind, weil Stress und zu viele falsche Informationen sie vollkommen durcheinander bringen.

    Einige male habe ich erlebt, wie liebevolle Aufmerksamkeit die Menschen erstaunt und schließlich glücklich macht. Sogar letztens, als ich alte Frau eine andere alte Frau mit dem Fahrrad hantieren sah, wie sie sehr umständlich ihre volle Einkaufstasche in den Fahrradkorb zwängte. „Kann ich helfen?“ fragte ich und sie schaute mich mit großen Augen an. „Dass es so was heute noch gibt“, meinte sie dann glücklich lächelnd, nachdem wir zusammen die Tasche verstaut hatten. Oder als ich, noch etwas jünger, eine alte Frau auf der Parkbank sitzen sah. Links und rechts von ihr standen am Boden volle Einkaufstaschen. „Kann ich helfen?“ fragte ich und erntete zuerst einen misstrauischen Blick. Schließlich trug ich der alten Frau die beiden Taschen bis vor ihre Haustüre und ging schnell wieder von dannen, weil sie in einer ihrer Taschen die Geldbörse suchte, um mir etwas zu geben. Ich möchte eine bessere Menschenwelt und keinen Lohn dafür, sie zu gestalten. Nur Politiker und Wirtschaftler sind anscheinend auf Profit aus und die wollen wir ja nicht mehr. Es braucht also nicht viel. Aufmerksamkeit, sich umsehen, wie es den Menschen um sich herum geht und ihnen beistehen, wenn sie Hilfe brauchen und sie auch wollen. In Dörfern oder kleinen Städten, wie hier, ist es relativ einfach, weil man zum Großteil einander kennt. In Großstädten ist es schon schwieriger, weil es da auch viele misstrauische Menschen gibt, die schon aus Erfahrung misstrauisch sind.

    Aber wie wird man aufmerksam und schließlich so hilfsbereit, ohne sich einen Lohn zu erwarten? Ich kann in unserer kleinen Stadt nicht klagen. Nachbarschaftshilfe klappt bei uns prima. Natürlich gibt es immer und überall so genannte Arschlöcher, wie die beiden Nachbarn über mir. Das sind echte Giftspritzen, wie man so sagt. Es passt ihnen nie etwas und immer sind sie dagegen, wenn die Gemeinschaft dafür ist. Da hilft auch gutes Zureden nichts. „Du hast es ja leicht!“ heißt es und dann wird aufgezählt, wie schwer sie es in ihrem Leben und wie leicht wir es in unserem hatten. Alle anderen sind bevorzugt vom Schicksal nur sie nicht, weswegen sie allen anderen alles neiden.

    Alexandre Jardin schrieb über eine geheime Insel, auf der nur jene aufgenommen werden, die Linkshänder sind. Es waren aber nicht alle Linkshänder. Es waren auch einige Rechtshänder dabei, die aber auf der Insel zu Linkshänder wurden. Es wurden aber auch Linkshänder zu echten Linkshänder, denn gefeit von der Menschenwelt, aus der sie kamen, war niemand, auch wenn er sich noch so „anders als alle anderen“ nannte. Es gab also genug zu lernen auf dieser Insel und das würde doch teilweise beantworten, wie man aufmerksam und schließlich so hilfsbereit wird, ohne sich einen Lohn zu erwarten.
     
  6. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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  7. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    1568 wurde die Insel vom spanischen Seefahrer Mendana de Neira entdeckt. Er war also der Erste auf der Insel der Linkshänder, wie Alexandre Jardin die wichtigsten historischen Ereignisse auflistet.

    1874 erleidet der Gründer der „Insel der Linkshänder“, Kapitän Renard, Schiffbruch und entdeckt auf diese Weise durch Zufall die Insel ein zweites Mal, da sie vorher in Vergessenheit geriet.

    1885 Gründung von Port-Esperance durch die Geographische Gesellschaft der Linkshänder. Die von Kapitän formulierten Grundsätze gehen der Gründung dieser einzigartigen Kolonie voraus. Beginn des Zusammenlebens der Linkshänder.

    Jahre später werden die Insel des Schweigens und die Insel aller Wahrheiten gegründet. Man stelle sich vor, in der heutigen Zeit Paare auf eine Insel zu bringen, auf der kein einziges Wort gesprochen werden darf. Man kommuniziert durch Blicke und Gesten und nichts anderem. Wie viele Paare haben sich auf diese Art noch etwas zu sagen oder haben genug Phantasie, um sich die Tage und Nächte des Schweigens liebevoll zu gestalten?

    Worte lösen so viele Missverständnisse aus, egal ob geschrieben oder gesprochen. Werden sie geschrieben, kann ich noch einiges überdenken, wie der Leser oder die Leserin sie auffasst und auch so versteht, wie ich das aussagen will. Wie oft sage ich etwas, was ich gar nicht so meine und schon gar nicht überdenke, wie mein Gesprächspartner meine Worte auffassen könnte? Wie oft gehe ich gar nicht auf meinen Gesprächspartner ein? Wäre es da nicht besser, zuerst einmal auf die Körpersignale des Partners oder der Partnerin einzugehen? Eine Insel des Schweigens wäre dazu bestens geeignet.

    Die Insel aller Wahrheiten wäre nur etwas für Fortgeschrittene, für Menschen, die ein liebevolles Herz haben. Aber es kann durchaus auch gut tun, mal dem Partner oder der Partnerin alles, was sich in einem aufgestaut hat, hinaus zu schreien und somit los zu werden. Sich gegenseitig alles von der Seele zu reden, tut immer gut. Aber man muss auch lernen zuzuhören. Man will ja den Partner so erkennen, wie er wirklich ist und nicht, wie das System vorschreibt, wie man zu sein hat.

    Das beginnt bereits in der Schule. Jetzt will man auch noch das Alter herunter schrauben und die armen Kleinen im zarten Alter von vier Jahren all diesen Schwachsinn bereits im Kindergarten eintrichtern. Auf der Insel der Linkshänder hingegen lernen sie, wie man menschlich miteinander umgeht, wie man Gemüse und Obst anbaut und wie man Häuser baut. Handwerkliches ist gefragt!

    Apropos wie man Häuser baut! Auf der Insel ist der Mann dazu verpflichtet (es könnte auch die Frau sein) nach (kann auch vor) der Hochzeit für seine Liebste ein Haus zu bauen, das genau zu ihr passt. Ich kann mir vorstellen, dass der Mann (oder die Frau) auch für sich selbst ein bisschen mit einbaut, denn man lebt ja zusammen in diesem Haus. Aber die Idee, sich zu überlegen, wie die Räume aufgeteilt und wie sie eingerichtet werden, um sich darin wohl zu fühlen, ist wunderbar.

    Was geschieht heute? Gemeindebauten, Hochhäuser, zusammen gepfercht, wie die armen Nutztiere in den Ställen. Klar, solange die Tiere nicht artgerecht leben dürften, darf es der Mensch wohl auch nicht. Arme können sich Luxusvillen, in denen sie sich wohl fühlen würden, sicher nicht leisten. Warum sind sie arm? Warum werden reiche immer reicher und arme immer ärmer?

    Genauso gut könnte ich mich fragen, warum habe ich mir in meinem langen Leben nie ernsthaft diese Fragen gestellt? Hätte ich überhaupt etwas tun können? Ja, für mich selbst schon, was ich meistens auch tat, denn ich lebte so gut ich eben konnte. Aber hätte ich das System stürzen können, und alle Menschen zu einem artgerechteren Leben auffordern? Und wieder die Frage, - wären sie bereit gewesen? Sind sie bereit? Sagen wir, sie sind und spinnen wir uns eine neue Welt voll Friede Freude Eierkuchen zusammen!

    Eine Welt zusammen spinnen ist doch dasselbe wie von einem besseren Leben träumen. Andererseits, die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo, wie ein österreichischer Poet einst so schön gesagt hat.

    Fassen wir mal zusammen. Menschen leben definitiv nicht artgerecht, auch wenn viele glauben, ohne Arbeit nicht leben zu können und vor Langeweile sterben zu müssen. Wiederum definitiv brauchen Menschen nicht mehr als Nahrung und ein Dach über den Kopf, was das Materielle betrifft. Geistig hingegen sind sie ausgehungert, weshalb sie ohne Arbeit Langeweile empfinden und mit sich selbst und ihrer angeborenen Kreativität nichts anzufangen wissen.

    Es werden also gar keine Luxusvillen gebraucht, um bei den Armen Neid zu erzeugen. Natürlich lebt das menschliche Auge von Schönheit und Harmonie. Aber auch eine alte Holzhütte kann schön und harmonisch wirken, auch wenn bereits einige Dachbalken fehlen und es kein Fensterglas gibt.

    Übrigens, die letzte Eintragung der wichtigsten historischen Ereignisse auf der Insel der Linkshänder stammt vom Jahr 1994. Die Insel war lange Zeit von den weltlichen Landkarten verschwunden, da man sich vor Touristen und anderen Idioten (ich weiß, das war jetzt nicht sehr liebevoll, obwohl ich mir vorgenommen habe, immer liebevoll zu sein) schützen wollte. Brisant wurde es für die Inselbewohner während des zweiten Weltkrieges und als die Amis Japan mit Atombomben auslöschen wollten. Es wäre also gut möglich gewesen, dass so eine Atombombe auch die Insel der Linkshänder auslöschen könnte, also hat man sich dazu entschieden, unter dem Schutz der Franzosen, wieder auf der Landkarte zu erscheinen.

    Apropos Idioten! Eigentlich sollten sie einem leid tun. Man sollte Mitgefühl haben. Selbst mit jenen, die man am liebsten am großen Zeh aufhängen und alles mögliche an Folter ausprobieren möchte. Ich werde fast rasend, wenn ich von Tierquälereien lese oder höre. Eine meiner Nachbarinnen hat drei Hunde aus Rumänien aufgenommen. Es ist keine Nachbarin von unserem Wohnviertel. Sie lebt gegenüber in einem schönen großen Haus, mit schönem großen Garten, in dem es ein Biotop gibt, in dem im Sommer die Frösche quaken. Einer dieser drei Hunde ist blind. Man hat ihm die Augen ausgestochen, ein Bein und mehrmals den Kiefer gebrochen. Der arme Kerl wurde schon zweimal am Kiefer operiert. Jetzt scheint alles okay zu sein. Aber was geht in Menschen vor, die so was tun? Die es fertig bringen, einem kleinen wolligen Hund bei lebendigem Leib die Augen auszustechen und derart zu quälen? Schwierige Kindheit? Armut? Hin im Schädel? Ich glaube, ich könnte mich nicht einkriegen, würde ich so einen Menschen gegenüber stehen. Mitgefühl zeigen? Hat er Mitgefühl gezeigt, als der kleine Kerl vor Schmerzen laut jaulte? Hier würde sich aber wahre menschliche Stärke zeigen, wenn man so einen Menschen ganz ruhig fragt, was denn mit ihm passiert ist, dass er zu so etwas fähig ist, wie viel Schmerz sich in seinem Herzen angesammelt hat, wie viel Ignoranz und wie vieles mehr, was absolut nicht menschlich sein darf. Könnte ich das? Menschen zu lieben ist manchmal schwer. Sehr schwer. Aber da sollte man durch, sonst wird es noch kälter auf der Menschenwelt.

    Aber legen wir mal die Insel und die Idioten beiseite und fassen wir weiter zusammen. Es sind Kleinigkeiten, um eine bessere Welt zu schaffen. Lächeln, aufmerksam durch die Gegend spazieren und Hilfe anbieten, wo man sie geben kann und vor allem, wo sie auch erwünscht ist. Aber das Wichtigste habe ich vergessen! Um Hilfe bitten! Um Hilfe ansuchen! Warum tun das so wenige Menschen? Keine Frage, weil sie Angst haben, abgelehnt zu werden, weil es so kalt in dieser Welt geworden ist. Ich kann nicht klagen in meiner kleinen Stadt, aber selbst hier gibt es genug Menschen, die an der Armutsgrenze leben und einiges auf der Seele haben und nicht damit rausrücken können oder wollen.
     
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  8. Tolkien

    Tolkien Sehr aktives Mitglied

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    Hallo @Serenade ,

    schön, dass Du Deinen Stift wieder so super gut gelungen ausgepackt hast! :) Und dazu noch in einem so schönen neuen BB-Kleid.:)

    Ich spendiere mal zum wieder Welcome ein Leckerli.... [​IMG]
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2018
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  9. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    Danke, lieber Tolkien!
     
  10. Serenade

    Serenade Sehr aktives Mitglied

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    Vielleicht entwickelt sich die Menschheit doch noch weiter und erkennt, dass das Leben zu kostbar ist, um es durch Profitgier und Kriege zu versauen. Womöglich entwickelt sie sich auch körperlich weiter, wird feinstofflicher, wie ich es in einem meiner Geschichten, die ich allesamt mein „Lebenswerk“ nenne, beschrieben habe. Die Leuchtende Welt, die Weiterentwicklung der Erde und der Menschheit, wie ich sie vor etwa 20 Jahren im Buch „Kim 12“ beschrieben habe:



    Die Farbe des weichen Bodens hat ein Spektrum vom hellen Gelb bis zum dunklen Rotviolett. Aus diesem Boden ragen spitze, schroffe Felsen, von denen manche gute 1000 Meter hoch sind. Die kleinen Felsen, ungefähr 1 - 2 Meter hoch, senden sanfte Klänge aus, wenn man sie berührt.

    Der Boden ist nicht ganz flach, sondern leicht hügelig, wobei die Erhebungen ein sattes, grelles Gelb aufweisen. Der Horizont ist fast schwarz, aber der Himmel direkt über mir, leuchtend rot. Das Rot am Himmel flimmert und bringt ein fast geisterhaftes Licht auf diesen Planeten, der Weiterentwicklung der Erde.

    Die Wesen hier sind friedlich. Sehr oft höre ich ihr helles, kindliches Lachen in mir. Es sind Kinder, wie sie auf der Erde lebten, aber ohne Bosheit und ohne Gewalt. Manchmal vergleiche ich sie auch mit den Menschen, die man auf der Erde in gewissen Anstalten gesperrt hat, - genannt Irrenhäuser, - aber auch das ohne Feindseligkeiten und ohne Gewalt. Es sind gewissermaßen Engel, die man einfach lieben muss.

    Wir alle sind eine große Familie, die immer zusammen hält. So groß dieser Planet auch ist, wenn man sich sieht, begrüßt man sich wie alte Freunde, obwohl man sich noch nie begegnet ist. Hier ist überall das Zuhause. Niemandem gehört ein bestimmter Platz. Dieser Planet ist für alle da. An jeder Stelle dieses weichen Bodens kann man sich niederlassen, sich ausruhen und in heiliger Stille in sich kehren. Leuchtende Wesen kehren sehr oft in sich und hocken stundenlang an einem Platz. Sie können dann so ruhig sein, dass man glauben könnte, es gibt kein Leben mehr in ihnen. Aber im nächsten Moment können sie sich in wahre Temperamentsausbrüche stürzen, und dann höre ich immer ihr ausgelassenes, glasklares Lachen tief in meinem Herzen. Sie tollen herum wie Kinder und machen Späße, denen sich niemand entziehen kann.

    Es sind künstlerisch veranlagte Wesen, die mit ihren strahlenden, zarten Händen aus dem weichen Boden phantastische Skulpturen zaubern, Bilder in den Boden malen, wobei gelbe bis rotviolette Farbe aus ihren Fingern quillt. Oder sie bringen die kleinen Felsen durch ihre feinfühligen Berührungen zum Singen und erzeugen eine Musik, wie ich sie noch nie gehört habe. Einige dieser besonders schönen Wesen schreiben mit ihren Fingern auf Blätter, die dem Papier auf unserer Erde sehr ähnlich sind. Sie schreiben Gedichte, phantasievolle Geschichten, wie sie kaum ein Poet auf unserer Erde hätte schreiben können.

    Gefühle voller Liebe und Frieden herrschen auf der Leuchtende Welt. Sensibilität steht für diese Wesen, wobei Sensibilität nicht für sich selbst steht, was man ja leicht als menschlichen Egoismus auslegen könnte, sondern für andere Wesen, um sich in sie hinein zu versetzen und ihnen die Liebe geben zu können, die sie brauchen. Ihre Herzen sind zwar leicht verletzbar, aber sie kennen nur Liebe und würden sich niemals gegenseitig Leid zufügen, sodass sie ihre Verletzbarkeit nie kennen lernen werden.



    Kein Leuchtendes Wesen würde in einer Welt wie der unsrigen überleben können. Sein Herz würde vor Kälte zerbrechen. Wie oft schon habe ich gedacht, wie man nur für einen Moment fröhlich sein und lachen kann, wenn einem bewusst ist, dass irgendwo andere Menschen leiden und weinen.

    Aber genug davon. Immerhin stirbt die Hoffnung immer zuletzt und vielleicht gehen Träume ja doch in Erfüllung und mein Traum noch lange nicht ausgeträumt.


    p.s. Vielleicht habt ihr Lust, eure Traumwelt zu beschreiben? Oder wie ihr euch vorstellt, wie die Menschheit mal aus ihrem Dämmerschlaf erwacht. Könnte sich ja auch um Gruselwelten handeln. Platz ist hier genug für eure Phantasien - und wer weiß? - vielleicht erfüllen sie sich, denn wie heißt es: Der Geist schafft die Materie! Oder war es das Huhn? Das Ei? Irgendwas wird's schon gewesen sein...
     

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