Liebe Angie,
wie Du unschwer erkennen kannst, sind die Engel keine Hüter des Schicksals. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass es selbst im Leid und Elend ein Flämmchen des Glückes geben kann, an dem sich die Seele wärmt.
Vor wenigen Monaten ist meine betagte Mutter an Krebs verstorben, als ich sie zum letzten Mal besuchte, hatten ihre Augen vor Glück gestrahlt. Auf was soll ich nun blicken, auf den todgeweihten Körper oder auf das Leuchten in ihren Augen? Ich habe mich entschlossen, ihr Leuchten in den Augen in meinen Erinnerungen aufzubewahren.
Ja, für manchen ist der Tod das Flämmchen, um ihn aus seinem Leid und Elend zu befreien. Bedenke, dass es in der anderen Welt keine Bedürfnisse, Leid und Elend mehr geben wird. Ich vergesse nicht, dass auch mir ein ewiges Licht zum letzten Mal den Weg aus dieser Welt zeigen wird.
Gerade weil mir das bewusst ist, möchte ich jeden noch so kleinen Glücksmoment in mir aufsaugen und habe damit erfahren, was in diesem Dasein wirklich wichtig ist. Die Last der Vergangenheit ist schon groß genug, da macht es keinen Sinn, sie auch noch in den Mittelpunkt meines Denkens zu stellen. Die Vergangenheit kann man nicht gestalten, aber das Hier und Jetzt, sowie die Zukunft.
Mancher möchte die Welt verändern und verzweifelt daran, weil es einfach nicht gelingen mag. Ein Zweifel, der seine Seele zerfrisst und ihn nicht glücklich werden lässt. Soll ich nun darauf warten, bis ich die Welt verändert habe, um darin glücklich zu werden? Ist es da nicht sinnvoller in seinem eigenen kleinen Kosmos ein kleines Flämmchen zu entzünden, an dem sich auch andere wärmen können?
Wenn ich mich vom Wesen der Engel erfüllen lasse und dem Nächsten die Hand reiche, ist das mehr als der Versuch die ganze Welt zu retten. Bedenke, dass die Engel auf dieser Welt durch uns wirken und deshalb sollten wir beim vom Guten denken und reden, das Gute tun nicht vergessen. Du wirst es selbst erleben können, wie sich auf dieses Weise nicht nur deine Welt verändert, sondern auch die Menschen, denen Du begegnest.
An dieser Stelle fällt mir noch der Anfang des Verses 70 aus dem Tao Te King ein:
„Der Weise greift niemals nach dem Großen; auf diese Weise erlangt er wahre Größe.“
Merlin