Bougenvailla schrieb:
Nicht das Schulsystem ist verantwortlich für die Erziehung sondern einzig und alleine die Eltern.
Dem stimme ich halb zu - halb deswegen, weil ich finde, dass ab einem gewissen Alter die Freunde und das soziale Umfeld die Eltern als den primären Erziehungsfaktor ablösen.
Um das mal mit einer anderen Antwort zu kombinieren:
Ahorn schrieb:
und genau diese Sozialen Skills lernen die Kinder kaum. Sie lernen hauptsächlich, dass sie etwas leisten müssen - aber dass es auch ein Miteinander geben kann, lernen die wenigsten Schüler. Und wenn sie es lernen, dann nur, weil sie das Glück haben, engagierte Lehrer zu haben.
Warum sagst du so etwas? Weil die Lehrer nicht ein Fach anbieten "soziale Skills"? Denkst du, das würde auch nur irgendwas bringen? Es ist nicht die Aufgabe der Lehrer, den Kindern soziale Skills beizubringen - es ist eine natürliche Begleiterscheinung des Schullebens an sich, wie vorher schon gesagt: Man verbringt viel Zeit mit Gleichaltrigen, wird aber auch mit älteren Klassen konfrontiert (soziale Unterordnung) und mit jüngeren (soziale Überordnung).
Als wir in der Abschlussklasse waren haben ich und ein paar Freunde z.B. ganz klar erkannt, dass es wir als die ältesten Schüler der Schule selbst eine gewisse Verantwortung haben, den Kindern was beizubringen - nämlich sozial. Es ist wichtig für die, Grenzen, Hierarchien, Systeme zu erkennen und so weiter. Das hat beinhaltet, sich im Bus mal mit dem typischen "Aussenseiter" der Erstklässler zusammenzusetzen und mit ihm ein wenig zu reden und ihm zu erklären, was er anders (besser) machen könnte, das beinhaltet auch, einem großmäuligen Drittklässler mal ordentlich eins auf die Fresse zu geben oder ihn im Winter kopfüber in den Schnee zu stecken, wenn er nicht begreift, dass wir Autoritätspersonen für ihn zu sein haben - solche Dinge darf ein Lehrer nicht mehr machen. Wir älteren Schüler durften das, und wir taten es - und zwar nicht aus irgendeiner Geilheit auf Autorität heraus, sondern um den Kindern soziale Gesetze beizubringen, die man IMMER im Leben braucht.
Dieser ganze "wir-ham-uns-alle-lieb"-Friede-Freude-Eierkuchen-Scheißdreck hat mit dem echten Leben nichts mehr zu tun, und das ist der Grund, warum Lehrer den Kindern keine social skills beibringen
können und
sollen - sie wissen nicht, wie es ist, in dieser Zeit ein Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener zu sein. Die Zeiten haben sich geändert. Durch die fehlende Autorität und das Blümchendenken mancher Erwachsenen haben die Kinder völlig den Bezug zu sozialen Strukturen und Hierarchien verloren: Deswegen haben in den 8 Jahren, in denen ich am Gymnasium war, auch insgesamt 4 Lehrer durchgedreht. Die Kinder haben keinen Respekt mehr - und brauchen ihn auch nicht haben. Was sollen die Lehrer ihnen tun? Bis es zu nem Schulverweis kommt, muss man sich heutzutage schon was wirklich krasses leisten - frech und deppert sein reicht da normalerweise nicht, und die Kinder wissen das und nutzen das aus. Einem unserer Lehrer ist nach mehreren Jahren Mobbing durch die Schüler die Sicherung durchgebrannt - er hat ein kleines Großmaul genommen, ihn hochgehoben und ihm das Knie mit voller Wucht in die Eier gerammt. Danach flog er. Solche Sachen müssen nicht sein - sie können ohne einen Bezug zu den Begriffen "Respekt" und "Autorität" aber nicht mehr vermieden werden.
Was ich hier schreibe, wird manchen von euch (Eltern) unter Umständen sauer aufstoßen, aber es ist so. Die Erstklässler haben uns mal bei nem Lehrer verpetzt, weil wir sie immer gewaltsam aus der letzten Reihe im Bus entfernten zu dieser Zeit, und er wollte mal wissen was da genau gespielt wird. Dann hab ich ihm seelenruhig erklärt, dass nach dem letzten Läuten der Schulglocke die Schule erst richtig losgeht - und wir den Kindern die social skills beibringen, ohne die sies später im Berufsleben (und im privaten Sozialleben!) zu nichts bringen werden. Wenn du dich im Büro nämlich nicht deinem Vorgesetzten unterordnen kannst, bist du
sehr schnell wieder draußen. Genannter Lehrer hat das akzeptiert - er hat mich auch persönlich sehr gemocht und geschätzt, muss ich dazusagen - und an diesem Nachmittag wurden die kleinen wieder aus der letzten Busreihe verdrängt und haben gelernt, dass ihren Fähigkeiten, immer das System zu ihren Gunsten auszunutzen, Grenzen gesetzt sind.
Denn wenns Probleme mit älteren gibt, dann gehen sie zu den Lehrern petzen - und wenns Probleme mit den Lehrern gibt, dann wissen sie genau, wie sie einen Lehrer psychisch kaputtmachen können, ohne sich Schwierigkeiten einzuhandeln, und wenns dann doch mal Probleme gibt, kommt Papa/Mama an die Schule und versteht die Welt nicht mehr und kann sich die Geschichten, die der Lehrer über ihren kleinen Wonneproppen erzählt, einfach nicht glauben.
Was ich hier erzähle sind Erfahrungen, die erst ein paar Jährchen alt sind und aus erster Hand kommen - wie gesagt, meine Schulzeit liegt noch nicht soo weit zurück.