Psychiatrie für alle - Artikel in der taz

Es ist ein Merkmal von schweren Depressiponen, dass die betroffenen Menschen ohne Medikation oftmals therapieresistent sind. Die Mittel machen sie erst empfänglich für eine Psychotherapie o.ä.
@Joey -

Entschuldige, aber wir reden hier echt aneinander vorbei.
Gerade bei sehr schweren Depressionen beträgt der Unterschied auf der Hamilton-Skala so oder so nicht mehr als etwa zwei Punkte. Wenn man außerdem die sogenannte Durchbrechung der Doppelblind-Studien sowie den „Wash-out“-Effekt berücksichtigt, ist das Ganze im Grunde für die Katz.


Die Macht des Placebos – mehr ist da nicht zu finden.
Da wirken sie alle, klar.. Was die Medikamente am Ende genau machen, ist eine Blackbox; die Serotonin-Hypothese gehört ohnehin der Geschichte an.
Und dazu gibt es eine sehr schöne Pointe in diesem Artikel – die Stelle überlasse ich dir selbst zu finden. LG.
 
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@Joey -

Entschuldige, aber wir reden hier echt aneinander vorbei.

Nein, Du reitest auf Punkten rum, die zwar auch in dem von Dir verlinkten Artikel vorkommen, aber vom Autor nicht derart stark interpretiert werden, wie Du es Dir wünschst.

Gerade bei sehr schweren Depressionen beträgt der Unterschied auf der Hamilton-Skala so oder so nicht mehr als etwa zwei Punkte.

Was ein Durchschnittswert ist. Das bedeutet nicht, dass bei allen betroffenen Patienten der Nutzen nur so klein wäre. Darüber hinaus ist auch ein kleiner Nutzen durchaus ein Nutzen.

Wenn man außerdem die sogenannte Durchbrechung der Doppelblind-Studien sowie den „Wash-out“-Effekt berücksichtigt, ist das Ganze im Grunde für die Katz.

Tja, Irving Kirsch schlussfolgert aber nicht, dass die Wirkung deswegen gesichert für die Katz wäre, sondern, dass der Nutzen aus seiner Sicher noch offen und ungeklärt ist. Diese Ansicht kann er vertreten und begründet sie ja, aber er ist nicht der einzige Psychiater mit Ahnung etc., als dass das jetzt ganz alleine gültig wäre.

Auch er schlussfolgert nunmal explizit NICHT, dass die Medikation mit Antidepressive a priori und für alle Patienten mehr schädlich als nützlich wäre.
 
Auch er schlussfolgert nunmal explizit NICHT, dass die Medikation mit Antidepressive a priori und für alle Patienten mehr schädlich als nützlich wäre.
Ja, er sagt es indirekt – das stimmt.


Denn sie heilen nichts, können aber im besten Fall die Symptomatik dämpfen.


Doch zu welchem Preis? Das wäre die andere Frage.


Es ist jedoch sinnlos, sich immer weiter darüber auszulassen.


In dem von mir hier schon verlinkten Buch von Johann Hari beschreibt der Autor, wie er diese Mittel sehr lange einnahm – und es ihm immer schlechter ging.


Dann führte er eine gründliche wissenschaftliche Recherche durch und kam zu dem Fazit, dass sie eher schädlich sind.


So wie auch die ganze Serotonin-Hypothese.


Klar, du sprichst nicht persönlich angreifend und sehr ausgewogen – das gefällt mir sehr.


Liebe Grüße, ich akzeptiere, wie du es siehst.


Was ich jedoch nicht akzeptiere, ist, wenn jemand sagt: „Du benutzt KI, du verstehst absolut nichts“ usw.


🙏
 
Ja, er sagt es indirekt – das stimmt

Nicht nur indirekt. Er formuliert explizit, dass schwerst-depressive Menschen Medikation bekommen können/sollen. Er lehnt die Mefikation nicht komplett ab.

Denn sie heilen nichts, können aber im besten Fall die Symptomatik dämpfen.

Was schon sehr viel Wert ist. Zum Beispiel, wenn dadurch dann ein zeitnaher Suizid verhindert wird.

Doch zu welchem Preis? Das wäre die andere Frage.

Es ist immer eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Und der Nutzen, dass dich der Betroffene Mensch nicht suizidiert und auf eine Therapue überhaupt ansprechen kann, ist schon sehr hoch.

Es ist jedoch sinnlos, sich immer weiter darüber auszulassen. (...)

So, wie Du es offensichtlich für sinnvoll hältst, vor Psychopharmaka zu warnen, halte ich es für sinnvoll, diese Warnungen zu differenzieren.
 
Der Haken bei der ganzen Sache liegt darin, dass diese Medikamente nur bei sehr schweren Depressionen eingesetzt werden sollten, wenn alle anderen Methoden bereits versagt haben. Ihr Ziel ist es lediglich, die Symptome für einige Monate zu lindern – niemals für viele Jahre oder das ganze Leben.


Was sieht man in der Realität? Jemand geht zu einem Psychiater und erzählt zum Beispiel: „Ich wurde gefeuert, meine Frau hat mich verlassen, ich werde sterben, --ich habe Krebs“ usw.

All das sind normale menschliche Emotionen. Diese mit Psychopharmaka behandeln zu wollen, ist nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich.


Früher galt das nicht =keine!- Depression. Das heutige Konzept der Depression ist im Wesentlichen ein Schema der modernen Medizin, um Geld zu verdienen. Als diese Medikamente auf den Markt kamen, wurden quasi auch Depressionen oder ADHS „erfunden“. Wer die Geschichte der Psychopharmakologie liest, versteht das sehr gut – mehr nicht.
 
Der Haken bei der ganzen Sache liegt darin, dass diese Medikamente nur bei sehr schweren Depressionen eingesetzt werden sollten, wenn alle anderen Methoden bereits versagt haben. Ihr Ziel ist es lediglich, die Symptome für einige Monate zu lindern – niemals für viele Jahre oder das ganze Leben.

Genauer: Wenn erkennbar ist, dass keine andere Methode zum Ziel führen wird.

Was sieht man in der Realität? Jemand geht zu einem Psychiater und erzählt zum Beispiel: „Ich wurde gefeuert, meine Frau hat mich verlassen, ich werde sterben, --ich habe Krebs“ usw.

All das sind normale menschliche Emotionen. Diese mit Psychopharmaka behandeln zu wollen, ist nicht nur sinnlos, sondern auch schädlich.

Mir ist noch nicht untergekommen, dass jemand Psychopharmaka verschrieben bekam, nur weil er gefeuert wurde.

Und wenn jemand Krebs hat und nur noch wenige Monate zu leben, so würde ich es ihm zubilligen und gönnen, die Trauersymptome - falls er es wünscht - mit Psychopharmaka zu dämpfen und ihn nicht zu einer Therapie o.ä. drängen. Dieser Mensch soll selbst entscheiden, wie er seine letzten Monate verbringen will.

Früher galt das nicht =keine!- Depression. Das heutige Konzept der Depression ist im Wesentlichen ein Schema der modernen Medizin, um Geld zu verdienen.

Nein. Gerade auch in der Diagnose der Depression wird im Allgemeinen auch strickt Unterschieden, ob Depression oder eben normale depressive Verstimmung.

Als diese Medikamente auf den Markt kamen, wurden quasi auch Depressionen oder ADHS „erfunden“.

Es wurde entdeckt. Früher wurden die betroffenen Menschen mit und in ihrer Not allein gelassen. Depression ist eben deutlich mehr als Melancholie oder traurige Verstimmung, und ADHS ist deutlich mehr als etwas zappellig zu sein.
 
wenn alle anderen Methoden bereits versagt haben. Ihr Ziel ist es lediglich, die Symptome für einige Monate zu lindern – niemals für viele Jahre oder das ganze Leben.
der Haken ist dabei-
die anderen methoden dauern normalerweise Jahre,
und die meisten depressiven sind nur mit Medikation in der Lage zu solcher zusätzlichen Behandlung,
um sie durchzuhalten.

Wer zB eine depressive Anlage hat und in die starke depression gerutscht ist kann diese möglicherweise therapieren,


und doch wenn die therapie plus Medikation erfolgreich war , ist derjenige nicht von der Anlage geheilt, somit ist derjenige im Normalfall bei erneuten Problemen nur in der Lage nicht wieder eine Depression zu bekommen wenn er die entsprechend Leitlinien, die er geübt hat anwendet.

obwohl psychische Krankheiten selten wirklich geheilt werden können,
 
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Nein. Gerade auch in der Diagnose der Depression wird im Allgemeinen auch strickt Unterschieden, ob Depression oder eben normale depressive Verstimmung.
Weiß nicht, siehe hier, das sind die Fakten, oder?

"Die 2004 im “Manifest führender Hirnforscher” versprochenen besseren Therapien gibt es immer noch nicht. Auch alle von Thomas Insel 2010 für das Jahr 2020 versprochenen Fortschritte der biologischen Psychiatriedarunter diagnostische Biomarker, bessere Therapien und sogar Impfungen gegen psychologisch-psychiatrische Störungen – fehlen bis heute. Eine Dekade, nachdem er seinen milliardenschweren Direktorenstuhl am NIMH räumte, erklärte Insel die Sache mit den “kaputten Gehirnschaltkreisen” als Metapher. Man wisse noch gar nicht genug übers Gehirn. Ach so.


Mit Leshner könnte man sagen: “Es funktionierte wirklich.” In seinem neuen Buch Healing: Our Path from Mental Illness to Mental Health erklärte Insel, zur Lösung der Krise der psychischen Gesundheit müsse man vielleicht doch sozial-institutionelle Probleme lösen. Ach so. Darauf hat die biologische Psychiatrie, die vor allem Moleküle herumschubsen will, keine Antwort."
Also, um es klarzustellen: Es gibt keinen eindeutigen biologischen Marker für Depressionen – ebenso wenig für andere psychische Störungen. Alle Diagnosen sind eher willkürlich, zum Beispiel nach den DSM-Kriterien. Genau darum geht es in diesem ganzen Faden von Anfang an.

Aha:

"Die heute anhaltende Welle der biologischen Psychiatrie kam in den 1980ern auf. Damals begann die Zeit von “Neuro” und “Gen”. Thomas Insels Vor-vor-vor-vor-Vorgänger als Direktor am NIMH, Alan Leshner, erklärte vielleicht im Altersleichtsinn, wie das funktionierte: “Experten für psychische Gesundheit begannen, Schizophrenie als ‘Gehirnkrankheit’ zu bezeichnen und Kongressabgeordneten Gehirnscans zu zeigen, um sie zu mehr Forschungsgeldern zu bewegen. Es funktionierte wirklich” (zit. n. Satel & Lilienfeld, 2014, S. 4; dt. Übers.).


Leshner war von 1990 bis 1992, also gerade am Anfang der “Dekade des Gehirns”, kommissarisch im Amt – ausnahmsweise als Neuropsychologe, nicht als biologischer Psychiater. Heute, 30 Jahre später, wollen Psychiater die Diagnose “Schizophrenie” übrigens aufgeben, unter anderem weil sie bei Patienten mehr Leid verursachen kann als dass sie hilft."



Und was er am Ende sagt, ist ein vollkommenes Armutszeugnis. Es hat sich absolut nicht bewahrheitet – nur die enormen Kosten, rein finanziell, die Zunahme der Verschreibungen dieser Medikamente und vor allem das Leid der kranken Menschen haben zugenommen.


Da stellt sich die Frage: Wenn all diese Medikamente wirklich helfen würden, warum steigen die Zahlen dann ständig an?


Wer hat ein Interesse daran?


Nur diejenigen, die diese Pillen produzieren. Die Patienten leiden enorm, oft ein Leben lang. Die meisten schlucken die Medikamente weiter, was zu höheren Dosierungen und zusätzlichen Substanzen führt.


Das ist eine Sackgasse, ein Weg in den Abgrund. Gerade deshalb lehnen viele wirklich ehrliche Psychiater diese Medikationsstrategie vehement ab.


Dem kann ich nur zustimmen.


 
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