Gedankenkonstrukte und ihre Folgen

Dass es bei der menschlichen Kommunikation zu Missverständnisse kommt, ist normal. Gut wäre es dann wenn Regelkreise eingebaut würden. Funktionieren diese nicht, ist weitere Kommunikation zwecklos.

Wie stellst Du dir Regelkreise vor? Mediation?

"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" ist ein Totschlagargument

das ist ein interessanter Satz, den ich mir jetzt gedanklich vornehmen werde.
Im grunde genommen finden wir auf jeder Ebene ein Totschlagargument, weil homo sapiens als Sender und Empfänger in seltenen Fällen kompartibel denken, ganz im Gegensatz zum technischen Entsprechen dieses Gedankens, da ist es nicht möglich, in Dissonanz miteinander zu kooperieren.
 
Werbung:
Liebe Syndra!

Ich hab mir überlegt... soll ich nochmal... ich folge dem Impuls, dass ich will... ;-) auch im Wissen, missverstanden zu werden, Deine Impulse aufzugreifen und weiterzuspinnen. Ich erinnere mich an ein Seminar mit Steve de Shazer, das er mit den Worten begonnen hatte: "Ich bin zuversichtlich, dass unsere Missverständnisse nützlich sein werden!"

Hast Du nicht gesehen, was passiert ist? Du willst dogmatische Äußerungen und ihre Wirkungen untersuchen, wählst ein Zitat, das oberflächlich betrachtet passend ist und sprichst sozusagen Dein Urteil über das Zitat.
Ich habe nicht dogmatische Äußerungen generell untersucht, sondern speziell diese eine, wonach Gott es Menschen, die dazu in die Lage gekommen sind, zeigen würde, wen er bei der Einteilung in Gute und Böse wohin verfrachtet hätte. Und dann habe ich Mutmaßungen über mögliche (!) Formen des Missbrauchs dieses spezifischen Konstruktes formuliert - freilich steckt im Wort "Missbrauch" eine moralische Wertung, ein Urteil, und dazu stehe ich auch. Ohne Berufung auf eine höhere Instanz. Ich habe aber - hoffe und meine ich - nicht einmal angedeutet, dass irgendwer hier konkret diesen Missbrauch begangen hätte oder es tun wollte.
Das wird aber missverstanden und als Ermutigung betrachtet, das beliebte Spiel Zehn gegen Simi auf einer neuen, reichlich unfairen Ebene anzugehen.
Das habe ich wahrgenommen und mich durchaus darüber geärgert, weil ich genau das nicht wollte ... dann aber meinen Ärger auch rasch wieder zurückgenommen, weil das Reaktionen sind, die nicht von mir zu beeinflussen sind. Hab ich sie in Kauf genommen? Habe ich. Mir ist das Thema wichtig genug, um Simi diesen "Kollateralschaden" zuzumuten. Den sie, wie sich gezeigt hat, ja nicht einmal als Schaden empfinden dürfte. Wir sind beide engagiert unterschiedlicher Meinung bei - davon gehe ich aus - gleichzeitiger persönlicher Achtung, da halte ich solche Nebenwirkungen für zumutbar.
Dann sagst Du, dass der Empfänger die Botschaft bestimmt. Das ist richtig. Aber wenn Du wünscht, dass man bereit sein muss, über die Folgen seiner Worte nachzudenken und die Verantwortung zu übernehmen, dann sieh Dir an, was aus Deinen Worten wurde. Und nicht nur den Teil, der Deinem Ziel des neutralen Diskutierens entspricht. Willst Du dafür auch die Verantwortung übernehmen?
Nein, übernehme ich nicht. Du bringst da eine völlig neue Komponente ins Spiel. Es ist überhaupt nicht das Thema, hier Verantwortlichkeiten zuzuweisen. Ich bin nicht so hirnverbrannt, dass ich einen Satz aus einem Diskussionsforum verantwortlich mache dafür, was in der Welt geschieht. Was mein Anliegen ist, und damit bin ich wieder ganz dicht an der Astrologie: Ich versuche, analoge Strukturen zu beobachten. Ich teile im konkreten Anlassfall meine Beobachtung mit, dass ein hier formulierter Satz nach meinem Dafürhalten eine innere Struktur aufweist, wie sie auch in der Instrumentalisierung von Glaubenshaltungen für totalitäre Gräuel ganz ähnlich auftritt. Und es ist mein persönliches Anliegen, das ich in meiner Antwort an Stefan ja auch kurz umrissen habe, bei solchen Sprachfiguren auf ihre möglichen Implikationen hinzuweisen ... was Faschismus, Totalitarismus & Co. angeht, bewege ich mich an der Nulltoleranz. Und noch einmal: Ich sage nicht, hier ist Faschismus etc. der Fall oder es würde totalitärem Handeln Vorschub geleistet... ich sage ausschließlich, dass ich hier strukturelle Parallelen, Analogien (und keine Identitäten!) im Denken, in der mentalen Haltung, sehe.

Wie könnte ich sicherstellen, dass meine Beobachtungen und Mutmaßungen nicht missverstanden und anders verwendet werden, als ich es gern verstanden und verwendet hätte? Ich meine, gar nicht.

Und ich seh mir gern an, "was aus meinen Worten wurde" ... ein vielfältiger Strauß an Meinungen und Beiträgen, und das finde ich super. Das verantworte ich gern.

Zu dieser Vielfalt gehören auch Deine kritischen Einwürfe, deren Herausforderung mir gut tut. Danke Dir dafür :-)

LG, Jake
 
Hallo

ich finde, jeder der den Anfängen wehren will, der soll, darf, kann es tun. Es ist ja seine Sache.

Ich spreche auch nur für meine Person , Vielfalt belebt, bestenfalls.
Wenn ich darüber nachdenke, über das "Wehret den Anfängen":

Ich habe ziemlich viele Fälle davon in Erinnerung, weil ich selbst früher nie zuschauen konnte, und fast immer einschritt. In einem Zug wurde ein Kind geschlagen, ich stellte die Eltern zur Rede. Was brachte es? Gar nichts. Die Eltern waren eingeschüchtert und werden mich sicher nicht als ihren Therapeuten begriffen haben und vielleicht sogar ihren Frust nachträglich noch mal ablassen. Eine andere Person im Zug sagte dazu, "warum mischen sie sich denn da ein?" Und dahinter erkannte ich eben diese Gedanken, was es bringen sollte?

Stirbt die Sensibilisierung irgendwann für solche Dinge?
Vielleicht kommt es ganz drauf an, für was man sensibilisiert ist.
Ich schaue dabei auch auf die relative Schwierigkeit, die sich ergibt, die Situation zu verbessern. Oft ist es eine allgemeine "Verschlimmbesserung".
Ich hab manchmal den seichten vagen Eindruck, dass es auch sein kann, wie man jemanden noch mehr in die Verunsicherung über "Angstplaneten" stürzt, weil man diese in der Diskussion so in den Fokus rückt.

Da ist jeder Mensch anders, und betrachtet seine Maximen als eine Sache der Wichtigkeit. Wichtig ist für mich zB in diesen Fragen, wenn eine Deutung in meinen Augen irgendwie unzureichend ist, dass ich es nicht darauf anlege, diese verbessern zu wollen, sondern mein Stil läuft eher in die Richtung, es nach meinem Vermögen nach besser zu machen mit einer Deutung.- Wenn ich das nicht kann, lasse ich es. Dazu kommt: Wie kann ich Kritik üben, ohne was von der Sache zu verstehen?
Ich sollte zumindest nicht nur sagen: Diese Deutung ist schlecht. Sondern sollte auch was anbieten. Nun, ich habe da auch einen hohen Anspruch an mich selbst, und kann mir vorstellen, dass das nicht die ultimative Maxime für jedermann sein muss. Und man bringt sicher hier und dort auch alternative Deutungen (habe ich bereits gesehen und will ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen)--

Jedenfalls allgemein: es entsteht auch leicht ein Automatismus dabei, irgendwo einzuschreiten.

LG
Stefan
 
Hallo Dilbert :)

"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" ist ein Totschlagargument

Vielleicht hilft die Unterscheidung in "Nachricht" und "Botschaft". Schulz von Thun hat ein Modell entwickelt, in dem Nachrichten 4 Aspekte haben. Jeder "Empfänger" hat "vier Ohren", mit denen er hört und jeder "Sender" 4 Schnäbel, mit denen er spricht.

Eine kurze Übersicht ist hier zu finden: http://www.stangl-taller.at/STANGL/CLAUDIA/BERUF/PSYCHOLOGIE/kommunikationspsychologie.html

Liebe Grüße
Rita
 
Hi Dilbert!
"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" ist ein Totschlagargument und gleichzeitig können sich mit diesem Postulat Missionare jeglicher Art einen Freibrief für ihre pentranten Übergriffe erstellen!
Ich seh das nicht so... zunächst einmal ist das ja kein Argument, sondern einfach eine Beobachtung. Es gibt keine Möglichkeit, jemand dazu zu bringen, etwas so zu empfinden und/oder zu verstehen, wie es ein Anderer empfunden oder verstanden haben möchte ... wobei ich von einem komplexen Begriff des Verstehens ausgehe, wie er etwa in den hypnosystemischen Ansätzen Gunther Schmidts beschrieben ist. Und gerade im Potenzial, eine Botschaft, die mich erreicht, auf meine Weise (miss)zu verstehen, sehe ich auch die Chance, den Übergriffen von Missionaren zu entgehen.

Selbstverständlich sehe ich auch die Herausforderung an den Sender, sich so zu artikulieren, dass er seine Botschaft mit optimierten Transmissionsverlusten rüberbringt. Das hat dann zum Beispiel auch mit Zielgruppen und Sprachkompatibilitäten zu tun. Und mit den Kontexten von Kommunikation ... die Einigung auf eine gültige mathematische Formel dürfte leichter gelingen als eine Mediation in einer Ehekrise (es sei denn, es kommen die Eitelkeiten der beteiligten Mathematiker oder der Kampf um Forschungsgelder ins Spiel...).

LG, Jake
 
Danke, liebe Rita... das trifft sich mit dem, was ich als Komplexität der Botschaft meinte. Davon die Nachricht zu unterscheiden bringt einen Unterschied, der einen Unterschied macht!

Alles Liebe,
Jake

sage diesen Satz der Masse ;-)

Nach Gregory Bateson steckt in der Information ein Unterschied. Ich kann einen Hund streicheln oder ihm einen Tritt geben. Dieser Unterschied macht einen weiteren Unterschied, nämlich im Verhalten des Hundes.

Bateson beispielte diesen Satz folgendermaßen:

Man kann einem Hund einen Tritt geben, dass der Hund wegfliegt, oder man kann ihm einen Tritt geben, dass er wegrennt. Im ersten Fall gibt man die Energie, die den Hund bewegt, im zweiten Fall leistet der Hund seine Bewegung selbst, das heisst, man hat ihm nur Information gegeben, die bewirkt, dass er seine eigene Energie verwendet. Im ersten Fall muss der Hund nichts verstehen, im zweiten Fall muss er verstehen, was ich meine. Er muss also nicht nur seine eigene Energie aufwenden, sondern auch noch interpretieren, wie er das tun soll.

http://www.hyperkommunikation.ch/bi...rashkurs_kommunikation/ck_kommunikation16.htm
 
Hallo Gabi, flimm und alle, :)

Stirbt die Sensibilisierung irgendwann für solche Dinge?

Ich denke schon, dass sie stirbt. In einem Forum lesen wir Statements, es ist naheliegend, sich auf den Inhalt zu stürzen, weil wir sonst nichts haben, was wir als "greifbar" bezeichnen können. Wenn wir dabei den Bezug zu der Person, die schreibt abkoppeln, dann ist alles möglich, dann kann alles unzensiert gesagt werden. Dann hieße das, dass wir hier, die schreiben, keine Menschen mehr sind, sondern Maschinen. Wir "dürfen" quasi nichts mehr persönlich nehmen. Dann brauchen wir auch keine Emotionen in das was wir schreiben hineinzulegen. Der Empfänger wird sich abgrenzen und nur den Inhalt begucken und im Grunde sowohl an der Liebe aber auch an dem Gift, die/das in einem Statement enthalten sein kann, vorbeilesen und rein den Inhalt als solches wahrnehmen und rein vom Kopf her analysieren und rationalisieren.

Das ist es auch, was hier mehr und mehr verloren geht. Aus Freunden werden Feinde, aus der Gemeinschaft werden konkurrierende Parteien.
Ja, die Sensibilität für den Menschen dahinter geht dabei komplett verloren und rein dem Wort folgend, ergibt es sich, dass bestimmte Strömungen, nicht mehr realitätsnah erkannt werden und der ein oder andere sich in den weiten Irrgärten seines Gehirns verliert und gar nicht mehr weiß, dass er selbst beim Forenschreiben noch atmet, sprich Mensch ist, der eine eindeutige Meinung haben darf, ein Mensch ist, der sich betroffen, getroffen oder geliebt fühlen darf.

Ich weiß das für mich zu verhindern. Das Zuhause des Menschen ist nicht das Gedankenkonstrukt, sondern das, was im Herzen ankommt. Und von Zeit zu Zeit bedarf es der Reinigung, um zu erkennen, wie peinlich bequem und angepasst man geduldet hat, wie sich ein Umgangston, eine Sitte oder eine Mischung aus Gift und Galle eingenistet hat. Und dann gilt es aufzustehen und die Dinge beim Namen zu nennen und nicht weiter in der Theorie zu verweilen und sie in alle Himmelsrichtungen durchzudiskutieren und damit gleichzeitig alles beim Alten zu belassen.

Wenn alle reden aber keiner was sagt, dann ändert sich nichts. :)

Liebe Grüße
Martina
 
Wenn alle reden aber keiner was sagt, dann ändert sich nichts. :)

Hi,

Pyrrhussieg bringt auch nicht weiter. Ich versuche für mich zu unterscheiden, was ist wichtig, was belanglos, was keine Priorität nötig hat. Subjektiv-objektiv. That`s life. Che Guevarras, Heiliger Franziskus, Mutter Theresa - sie haben keine Zeit und Muße im Esoforum zu diskutieren - sie handeln.
 
Werbung:
Hallo Gabi, flimm und alle, :)



Ich denke schon, dass sie stirbt. In einem Forum lesen wir Statements, es ist naheliegend, sich auf den Inhalt zu stürzen, weil wir sonst nichts haben, was wir als "greifbar" bezeichnen können. Wenn wir dabei den Bezug zu der Person, die schreibt abkoppeln, dann ist alles möglich, dann kann alles unzensiert gesagt werden. Dann hieße das, dass wir hier, die schreiben, keine Menschen mehr sind, sondern Maschinen. Wir "dürfen" quasi nichts mehr persönlich nehmen. Dann brauchen wir auch keine Emotionen in das was wir schreiben hineinzulegen. Der Empfänger wird sich abgrenzen und nur den Inhalt begucken und im Grunde sowohl an der Liebe aber auch an dem Gift, die/das in einem Statement enthalten sein kann, vorbeilesen und rein den Inhalt als solches wahrnehmen und rein vom Kopf her analysieren und rationalisieren.

Das ist es auch, was hier mehr und mehr verloren geht. Aus Freunden werden Feinde, aus der Gemeinschaft werden konkurrierende Parteien.
Ja, die Sensibilität für den Menschen dahinter geht dabei komplett verloren und rein dem Wort folgend, ergibt es sich, dass bestimmte Strömungen, nicht mehr realitätsnah erkannt werden und der ein oder andere sich in den weiten Irrgärten seines Gehirns verliert und gar nicht mehr weiß, dass er selbst beim Forenschreiben noch atmet, sprich Mensch ist, der eine eindeutige Meinung haben darf, ein Mensch ist, der sich betroffen, getroffen oder geliebt fühlen darf.

Ich weiß das für mich zu verhindern. Das Zuhause des Menschen ist nicht das Gedankenkonstrukt, sondern das, was im Herzen ankommt. Und von Zeit zu Zeit bedarf es der Reinigung, um zu erkennen, wie peinlich bequem und angepasst man geduldet hat, wie sich ein Umgangston, eine Sitte oder eine Mischung aus Gift und Galle eingenistet hat. Und dann gilt es aufzustehen und die Dinge beim Namen zu nennen und nicht weiter in der Theorie zu verweilen und sie in alle Himmelsrichtungen durchzudiskutieren und damit gleichzeitig alles beim Alten zu belassen.

Wenn alle reden aber keiner was sagt, dann ändert sich nichts. :)

Liebe Grüße
Martina


Hallo Martina, :)

Hammerbeitrag :thumbup:

Ich habe schon mehrfach Anlauf genommen zu antworten,
aber in Deinem Beitrag steckt inhaltlich soviel drin und spricht mich so viel (auch emotional) an,
dass ich es lieber erstmal für mich selbst verarbeite.:)

Ganz herzlichen Dank für deine tollen Überlegungen, die in mir viel ausgelöst haben. :danke:

lieben Gruß
Birgit :umarmen:


@ Xchen:

Natürlich haben sie keine Zeit hier zu schreiben.
Aber nicht weil sie nicht wollen, sondern weil alle drei bereits verstorben sind,
und es zu ihrer Zeit kein Esoforum gab. :)

Und ist Schreiben nicht auch ein Handeln?

Che Guevarras, Heiliger Franziskus, Mutter Theresa - sie haben keine Zeit und Muße im Esoforum zu diskutieren - sie handeln.

lieben Gruß
Birgit
 
Zurück
Oben