COP30 und "grüner Kolonialismus"

Niflheimr

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Die Klimakonf€r€nz war/ist als Ort der Lösung gedacht. Für viele Menschen vor Ort wurde sie allerdings zum Symbol der Heuchelei...Während Regierungen über Emissionsziele verhandelten, wurden in derselben Region Land gerodet, Biotope zerschnitten und Menschenrechte übergangen. Die Proteste indigener Gemeinschaften und zivilgesellschaftlicher Gruppen "Volksgipfel“ (Cúpula dos Povos) richteten sich nicht ausschließlich gegen symbolische Auslassungen am Verhandlungstisch, denn die entscheidenden Verhandlungstische blieben weiterhin fest in der Hand von Staaten und Großorganisationen, sie richteten sich gegen konkrete Entscheidungen, die Leben, Kultur und Artenvielfalt dauerhaft zerstören.

Für die Konferenz wurde beispielweise eine neue Schnellstraße ("Avenida Liberdade“) durch Wald- und Übergangsbiotope angelegt, um Teilnehmende anzubinden. Die Rodung und Bodenveränderung eröffnen Zugänge für Siedler, illegale Aktivitäten und Krankheiten.
Durch die Baumaßnahmen wurden nicht nur Waldflächen zerstört, sondern auch speziellere Habitate wie Trockenwälder und Aufwuchsflächen beeinträchtigt, in denen lokal endemische Pflanzen und Tiere, vorkommen.
Die Erschließung erhöht das Risiko für unkontaktierte oder sehr isoliert lebende indigene Gruppen, weil neue Zugangswege das Eindringen von Außenstehenden, Krankheitserregern und wirtschaftlichen Interessen erleichtern.
Indigene Delegationen, lokale NGOs und soziale Bewegungen organisierten parallele Großveranstaltungen (z. B. Volksgipfel), Demonstrationen und direkte Proteste gegen die Konferenzpolitik und die Infrastrukturmaßnahmen.

Die Wut und der Schmerz sind persönlich... Menschen verlieren Wälder, die ihre Nahrungsquellen, Heilpflanzen, spirituellen Orte und Lebenswege bilden.
Für indigene Gemeinschaften bedeutet das, drohende kulturelle Auslöschung, Verlust von Selbstbestimmung und Verletzung von Landrechten. Für die Natur bedeutet das, unwiederbringlicher Verlust von Arten und genetischer Vielfalt, besonders bei solchen Arten, die nur an ganz bestimmten Orten gedeihen.

Indigene Gruppen fordern verbindliche Mitsprache von
indigenen Repräsentant*innen in allen Entscheidungen, die ihre Territorien betreffen.

Ein oft erwähnter und im Kontext wichtiger Punkt für dieses Forum liegt in der westlichen und esoterischen Sehnsucht nach "Naturverbundenheit“: Yoga-Retreats im Regenwald, schamanische Zeremonien für gestresste Städter*innen, "Meisterpflanzen" als Zimmerdeko oder Ayahuasca als spirituelles Erlebnis. Was als Suche nach Tiefe und Heilung beginnt, endet nicht selten in kultureller Aneignung und ökologischer Ausbeutung. Indigene Praktiken werden entkernt, kommerzialisiert und konsumiert, während die Gemeinschaften, aus denen sie stammen, gleichzeitig ihre Territorien verlieren. Die Spiritualität, die sich als achtsam und naturverbunden inszeniert, trägt so ungewollt zur Zerstörung jener Lebensräume bei, die sie romantisiert. Echtes Verbundensein beginnt mit Respekt, nicht mit Besitz.

Danke!

Quellen und weiterführende Hinweise :
1. Stellungnahmen indigener Organisationen und Koordinationen, insbesondere COIAB und lokale Vertreterinnen und Vertreter der Amazonas-Gemeinden.
2. Veröffentlichungen und Analysen von Umweltorganisationen zu Infrastrukturprojekten und Rodung im Amazonas (z. B. Greenpeace Brasilien, WWF Brasilien).
3. Wissenschaftliche Arbeiten und Monitoring-Daten zu Biodiversität, Endemismus und Habitatverlust in brasilianischen Ökosystemen (z. B. Studien brasilianischer Universitäten, INPE-Biomonitoring).

4. Internationale Schutzlisten und Artenbewertungen (IUCN Rote Liste) sowie Fachpublikationen zur Ökologie endemischer Pflanzenarten.
 
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Hier werden Großkonzerne als Räuber dargestellt, obwohl sich die Proteste in erster Linie gegen die brasilianische Regierung richten, alles hat also immer zwei Seiten. Das sind auch keine indigenen Gemeinschaften die da protestieren, sondern Menschen die sich für indigene Menschen einsetzen. Es gibt genetische Unterschiede. Ich erwähne das aber auch deshalb weil hier eine Naturspiritualität neu erfunden wurde, und auf Klischee Vorstellungen reduziert wurde, Yoga gab es nicht mal in Südamerika. Die Spiritualität indigener Völker wird hier direkt mit der Natur verbunden, weil man die Natur glorifiziert. Die Natur war sowohl im spirituellen Kontext als auch ums überleben schon immer ein Mittel zum Zweck.
Der Threadersteller hat aber auch schon bereits in anderen Beiträgen speziell europäische Traditionen als Neandertaler Praktiken bezeichnet, man scheut sich also nicht davor zurück auch den Atheismus herzuhalten, nur weil man nicht die nötige Reife für Spiritualität besitzt. Spiritualität in der Natur fängt erst damit an was sie mit einem macht, die manche für gewöhnlich zum Beispiel auch als Erdung bezeichnen.
 
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