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Von der Einsamkeit zum Alleinsein. Über Egoverlust und Liebe.

Dieses Thema im Forum "Aufgeschrieben" wurde erstellt von levi, 3. September 2005.

  1. levi

    levi Neues Mitglied

    Registriert seit:
    31. Mai 2005
    Beiträge:
    2
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    Von der Einsamkeit zum Alleinsein

    Über Egoverlust und Liebe


    Levi Buchmayr



    Was bleibt von der Liebe, wenn man versucht, sich dem buddhistischen Ziel der Aufgabe des Ego zu nähern. „Ich liebe dich.“ Wer liebt da wen? Gibt es noch ein Subjekt, das lieben könnte? Ein Objekt als Gegenüber? Wo ist die schöne Vorstellung des mit seinem fehlenden Teil nach unendlicher Suche nun wieder zu einem heilen Ganzen verschmelzenden Kugelmenschen? Oder müssen wir uns Rilkes pessimistischer Liebessicht aus den Duineser Elegien anschließen, wo es heißt:

    O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
    uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
    sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
    mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
    Ach, sie verdecken sich nur miteinander ihr Los.

    Wo bleibt das Besondere der Zweierbeziehung, wenn das ersehnte tantrische Ziel doch die Begegnung jenseits jeder Personalität ist? Ist die Paarbeziehung damit obsolet? Der Partner austauschbar? Rutscht das ganze diesseitige Leben damit in die Beliebigkeit und damit in die Bedeutungslosigkeit.

    Die Angst vor dem Zurückgestoßensein in die Einsamkeit ist groß. Und es kommt der frustrierende Gedanke hoch, ob die Zweierbeziehung, nicht eben genau das war: Das Verdecken der existenzialistischen Grundangst des Hinausragens ins Nichts. Das Davonlaufen von der erschreckenden Realität des spirituellen Zurückgeworfenseins auf das Selbst. Wohlbekannte Gespenster tauchen auf: Selbstbetrug, Täuschung, das Gefühl der Sinnlosigkeit, Angst.

    Und doch: Sie sind ja da, diese neuen Erlebnisse und Erfahrungen, die sich so richtig, so einfach, klar und schön anspüren. Die Momente, in denen jeder Zweifel sich auflöst, und sich das tiefe Wissen einstellt: Ja, so ist es gemeint. Wo es nicht wichtig ist, in welcher Manifestation mir Shakti gegenübersitzt. Wo ich wirklich hinter die persona schauen kann. Und auch hinter meine persona schauen lasse. Und eine Stunde später wieder der bange Blick: Kann die Wahrheit so einfach sein? Oder müssen wir jetzt wieder in Beziehungsspielchen eintauchen, die keiner von uns mehr wirklich haben will. Die wir aber aus unerfindlichen Gründen doch immer wieder hervorkramen wie ein liebgewonnenes Spielzeug, das schon furchtbar schäbig und überhaupt nicht mehr zu brauchen ist. Aber das wir trotzdem nicht wegwerfen können, weil irgendetwas in uns ganz furchtbar daran anklammert.

    Woher kommt meine Angst, die leise im Hintergrund lauert, wenn ich über diese Themen nachdenke? Wahrscheinlich daher, dass ich naturgemäß immer versuche, neue Erfahrungen auf Altbekanntes zurückzuführen und mit meinen alten Lebensmodellen zu erklären.

    OK, dann los: Versuchen wir diesen Gedankenmustern auf die Schliche zu kommen. Die Erfahrung der Einsamkeit ist mir deshalb in schlimmer Erinnerung, weil sie eine Erfahrung des Mangels ist. „Ich möchte gerne eine Freundin / Geliebte / Frau haben. Ich leide darunter, wenn es nicht so ist.“ „Ich möchte dazugehören – zu den Liebenden, den Geliebten, den Glücklichen, ...“ Der Mangel zeigt sich dort, wo eine Grenze gezogen ist, die ich überschreiten möchte, es aber aus irgendwelchen Gründen nicht kann. Und diese Gründe suche ich bequemerweise im Außen. Ich selbst kann’s ja wohl nicht sein, der seinem eigenen Glück im Wege steht! Was das alles als Ausrede herhalten muss: Es gibt halt keine, die für mich geeignet ist. Entweder weil ich – in meiner Vorstellung - nicht entspreche, oder weil ich mit Erwartungen und Vorstellungen an die Sache herangehe, die erfüllt werden müssen, und wenn nicht, na dann halt nicht... (Uff, geschafft, wieder ein bequemes Wochenende in angenehmen Raunzen verbringen können, statt sich konfrontieren zu müssen, sich womöglich gar zu zeigen, sich in einem gemeinsamen Rahmen in Position bringen zu müssen.)

    Aktionen aus dem Gefühl des Mangels sind mit einem recht starken Sicherheitsgefühl verknüpft. Das kenn ich ja schon, da geht’s mir zwar nicht so besonders toll, aber ich habe festen Boden unter den Füssen und ich brauche mich nicht aufs Glatteis des Unbekannten begeben, das eine Liebesbeziehung eben auch ist.

    Und irgendwann ist es dann doch so weit. Das Wunder passiert. Es existiert auf einmal etwas, was vorher nicht da war. Eine Beziehung ist entstanden. So wie es Tausende Male tagtäglich passiert – und doch einmalig, unvergleichlich, unbeschreiblich. Und in diese Beziehung hat jetzt alles auszugleichen, was an Defiziten da ist. Die Hungergefühle nach dem, was man aus der Kindheit an fehlender Zuwendung mitgebracht hat. Denn egal, wie viel Liebe man bekommen hat – in der Selbstkonstruktion der eigenen Biografie ist es doch immer zu wenig gewesen. All den Frust der Partnersuche in den ersten ungeschickten Pubertätsjahren. Die Verletzungen, die das Erwachsenwerden, die Ablösung von den Eltern mit sich bringt.

    Wie kann die Beziehung das tragen? Wie soll der Partner, der ja mit ähnlichen Problemen in die Partnerschaft hereingesegelt kommt, das erfüllen können, was ich von ihm jetzt alles brauchen würde. Und so wird das Zusammenkommen zweier verletzter, suchender Herzen zu einem Ereignis von kosmischer Tragweite hochstilisiert. Und dieses hohe romantisierende Ideal der perfekten Liebesbeziehung hat ja auch durchaus eine heilende und wichtige Funktion. Der Hunger wird gestillt, der Mangel weicht einem euphorischen Glücksgefühl und endlich, endlich können sie alle zur Ruhe kommen: Das Baby mit den Sehnsüchten nach der Wärme der Mutter. Das Kind, das mitspielen und dabei sein will. Der Jugendliche, der seine Sexualität endlich ausleben will.

    Und wie kommt es, dass man an dieser Stelle nicht endlich Ruhe gibt? Es gibt da eine Stimme, die mich weitertreibt. Und es wäre zu billig, diesen Drang nur mit der immerwährenden Suche nach Neuem erklären zu wollen. Wie kommt es, dass da eine Liebe ist, die neben der wunderbar funktionierenden Paarbeziehung noch immer Platz hat. Darf die denn sein? Nehm ich da meiner Liebsten jetzt etwas weg? Geht mein Glück jetzt auf Kosten eines anderen Glücks? Und dann diese seltsamen Erfahrungen in tantrischen Übungen – und dann und wann auch in der freien Wildbahn – wo die Liebe gar nicht mehr fragt, wer und was und wann und wo. Sondern sich einfach einstellt und da ist. Und nichts anderes kleiner macht. Im Gegenteil: wo alles blüht, sich gegenseitig befruchtet, wächst. Wo sich alle gegenseitig nähren und heilen.

    Ja, was frag ich denn da noch immer meinen Kopf, wenn Herz und Körper so unüberhörbar ja sagen. Und wenn dann in der Partnerschaft trotz aller Ängste und Bedenken ein gemeinsames Bejahen dieser neuen Erfahrungen da ist, gewinnt auch die Partnerschaft eine Qualität, die es vorher nicht gegeben hat. Es entsteht eine Freiheit, die die Begegnung aus der Fülle ermöglicht. Das „ich brauche“ tritt in den Hintergrund und wird ersetzt durch ein einfaches Genießen des Augenblicks ohne Bedingungen der eigenen Geschichte und ohne Forderungen an das, was vielleicht einmal kommen mag.

    Was das Ganze mit dem Buddhismus zu tun hat? Für mich ist diese Entwicklung ein Schritt. Ich bin nicht mehr so vermessen, zu glauben, dass ich jetzt die letzte Einsicht gewonnen habe, und das ist es jetzt. Aber ich spüre, dass ein kleines Stückchen Ego sich verbröselt hat, seit ich es zulassen kann, dass meine Liebe sich nicht ausschließlich auf ein Gegenüber fokussieren muss, sondern sich mehrt und mehrt und sich ausbreitet und blüht. Und wie ist das nun mit der Paarbeziehung? Ist sie ein überflüssiges Relikt. Ein Bequemlichkeitsszenario? Ein Sicherheitsnetz?

    Im Nachdenken über diese Problematik taucht ein Bild vor mir auf, das mir im Moment sehr viel Ruhe und sehr viel Sicherheit schenkt. Wenn ich das Fortschreiten auf dem spirituellen Weg mit dem Durchgehen durch Türen vergleiche, dann ist meine Liebste für mich eine Tür. Eine Pforte auf dem Weg zur universellen Liebe, zur unio mystica, zum Mahamudra oder welche Begriffe man eben für das unnennbare Ziel verwenden möchte. Und ich darf ihre Pforte sein. Und in diesem Pforte sein sind wir einander einzigartig. Unverzichtbar. Wichtig. Nicht austauschbar. Die Überwindung der Dualität führt nicht dazu, dass wir einander verlieren. Die Einheit ist eine größere als die scheinbare Einheit, die dadurch entstehen würde, wenn wir uns in Ausschließlichkeit wieder in eine duale Position begeben würden, die dann halt nicht Ich – Du, sondern wir zwei und die anderen heißen würde. Und in dieser Einheit macht die Frage nach einem Verbleib der Partnerschaft keinen Sinn mehr. Aber solange wir das Ego nicht vollständig aufgelöst haben – und das wird wohl erst in der Transformation aus dieser Existenzform heraus der Fall sein – wird uns Partnerschaft in einem weiten und freien Sinn eine Kraftquelle sein, die den Weg, den wir beschreiten, gangbar macht. Und genussvoll.

    „Jeder Mann, jede Frau ist ein Stern.“ lautet einer der zentralen Sätze des Altmeisters der modernen Magie Aleister Crowley. Sterne leuchten für sich. Und wenn sie sich in Freiheit begegnen, ohne Mangel, ohne Brauchen, dann ist ihr Leuchten ein ganz besonderes. Und in diesem Leuchten liegt eine Möglichkeit des Weges von der Einsamkeit zum All-ein-sein.


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    Levi Buchmayr

    www.seelenzeit.at
    levi@seelenzeit.at
     
  2. kamikaze

    kamikaze Neues Mitglied

    Registriert seit:
    5. Februar 2010
    Beiträge:
    1
    Hi, kennt jemand vielleicht das Buch "Das Gesetz der Anziehung und das Ego" von Ruth Willis? Ich interessiere mich sowohl für das Thema "Gesetz der Anziehung" als auch für das Thema "Ego". Kann jemand das Buch empfehlen?
    Danke schon mal im voraus :)
     
  3. PsiSnake

    PsiSnake Sehr aktives Mitglied

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    5. August 2007
    Beiträge:
    16.224
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    Ein ansprechender Text, gerade auch weil ich gestern über genau das Thema
    nachgedacht habe (wenn ich auch nichts in diesem Umfang geschrieben habe)
    http://www.esoterikforum.at/forum/showpost.php?p=2502697&postcount=94

    P.S:Wahrscheinlich gar nicht so überraschend, dass man ähnliche Gedanken hat (weil meine erotische Telepathie sicher nicht tantraunähnlich ist, bloß ohne was körperliches).
    Schade dass der Ersteller nur 2 Beiträge geschrieben hat.
     

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