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Hazrat Inayat Khan über Religion

Dieses Thema im Forum "Religion & Spiritualität" wurde erstellt von Aennchen, 29. November 2010.

  1. Aennchen

    Aennchen Mitglied

    Registriert seit:
    21. Oktober 2010
    Beiträge:
    298
    Ort:
    Ruhrpott
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    Hazrat Inayat Khan:
    Jemand mag der besten Religion der Welt angehören; aber vielleicht lebt er sie nicht wirklich, sondern ist nur ein blosser Anhänger einer Religion. Er sagt dann, er sei ein Muslim oder ein Christ oder ein Jude. Er ist überzeugt, dass seine Religion die beste von allen ist, gleichzeitig versäumt er aber, sie für sich mit Leben zu erfüllen. Er gehört ihr einfach nur an und hält es für völlig ausreichend, Anhänger einer bestimmten anerkannten Religion zu sein. Diese Vorstellung ist in all den verschiedenen Religionen aus Enthusiasmus und Sendungsbewusstsein immer wieder bestärkt worden. Den Anhängern einer bestimmte Religion wurde als besondere Vergünstigung versprochen, dass schon die blosse Zugehörigkeit zu dieser Religion am Tag des Jüngsten Gerichtes die Rettung herbeiführe, während alle anderen trotz ihrer guten Werke nicht gerettet würden, eben weil sie diesem bestimmten Glauben nicht angehören.
    Diese Vorstellung stammt von Menschen, nicht von Gott. Gott ist nicht der Vater einer einzigen Religionsgemeinschaft. Gott ist der Vater der ganzen Welt, und alle Menschen, würdig oder unwürdig, haben das Anrecht, seine Kinder genannt zu werden. In Wirklichkeit ist es die Haltung des Menschen zu Gott und zur Wahrheit, die ihn näher zu Gott, dem Ideal jeder Seele, bringen kann. Derjenige, dessen Haltung aber unreif geblieben ist, hat versäumt, seine Religion, welche auch immer es ist, mit Leben zu erfüllen. Deshalb ist es wichtig im Leben, die Religion, der man angehört oder die man hochschätzt oder die man als die eigene betrachtet, wirklich auszukosten und zu leben. (1)
    Für einen nachdenklichen Menschen ist es höchst befremdend, dass von heiligen und gottgeweihten Kriegen gesprochen wurde. Auch im Zeitalter des Materialismus besteht diese Neigung weiter, einander wegen Glaubensfragen zu bekämpfen und Nationen deshalb in Kriege zu stürzen. Die Abgrenzungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen und Überzeugungen sind geblieben; Vorurteile, Differenzen und Fanatismus trennen die Völker weiterhin in mehr oder weniger hohem Masse. Dies zeigt uns, dass die meisten Menschen den Sinn der wahren Religion noch nicht begriffen haben. Jene besondere Aufgabe, die der Religion auf der Ebene der menschlichen Beziehungen aufgetragen worden ist, muss noch erfüllt werden.

    (1) Die Einheit der religiösen Ideale S. 21 f.
     
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