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Es war einmal eine Wildgansfamilie

Dieses Thema im Forum "Natur und Spiritualität" wurde erstellt von Alicebergamo, 28. Mai 2011.

  1. Alicebergamo

    Alicebergamo Guest

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    Während die meisten Enten nach
    dem Flügge werden keine Beziehungen zu ihren Eltern mehr aufrechterhalten
    bleiben die Gänse in engstem Familienzusammenhalt und
    nehmen aktiv an jeder Auseinandersetzung der Eltern mit anderen
    Gänsefamilien teil...
    Hier geht ein knapp sieben Monate alter Ganter...
    ein Sohn der berühmten Alma... drohend an der Spitze der Familie gegen ihre Feinde vor!

    "Das Jahr der Graugans"
    Konrad Lorenz






    Es war einmal eine Wildgansfamilie, die hoch oben im Norden Schwedens wohnte. Sie hatten ein herrliches ungebundenes Leben, genossen ihre Freiheit und lehrten ihre Jungen, die Dinge aus einer höheren Sichtwarte zu sehen.
    Im Herbst, wenn die Tage kürzer wurden und der Himmel den Winter ankündigte, dann sammelten sie sich und flogen gen Süden.
    Sie flogen den ganzen Tag, ihre jungen Wildgänse dicht neben ihnen. Sie zeigten ihnen die Welt. Da gab es Kirchtürme und Dörfer, Hochmoore, Bauernhöfe. Da gab es große Stätte und Eisenbahnen und Autobahnen und wieder Felder und Wiesen und hohe Berge.
    Sie flogen in der Nacht und orientierten sich nach den Sterne, denn sie wussten ihren Weg.
    Es war wie eine heilige Verpflichtung, die ihnen auf diese Weise ihr Überleben sicherte.
    Ihr Flug führte über die Windmühlen der La Mancha in Spanien und über die Sahara Wüste.
    Über die Dattelpalmenwälder Ägyptens und die Pyramiden und sie flogen oben am Blauen Himmel, waren der Sonne nah und lehrten ihre Kinder die Geheimnisse der Erde.
    Das Wildgänsepaar erzählte von den wunderbaren Dingen des Lebens, von Freundschaft, gegenseitiger Achtung und der Vielseitigkeit in der Welt.
    Gemeinsam flogen sie viele Tage und Nächte und erreichten zusammen mit den anderen Wildgänsen ihr Überwinterungsziel im Süden Afrikas.
    Nach ihrer Rückkehr in Schweden, passierte es. Die Wildganstochter lernte einen Gänserich auf einem Bauernhof kennen und verliebte sich in ihn. Der Sommer verging und die Herbstürme kündigten die Tage der Dunkelheit an.
    Die Wildgänse begannen sich wie jedes Jahr zu sammeln und wollten aufbrechen, aber der Gänserich vom nahen Bauernhof konnte nicht fliegen und so blieb die Wildganstochter mit ihm und überwinterte bei ihm auf dem Bauernhof.
    Sie lernte dort bei ihm ganz andere Dinge. Lernte alles aus einer sehr erdnahen Perspektive zu sehen. Die Gänse auf dem Bauernhof bedeuteten ihr, dass sie, die zahmen Gänse, besser seien als die Wildgänse. Sie seien veredelt und außerdem lebenspraktischer, erklärten sie und marschierten im stolzen Gänsemarsch um sie herum.
    Deine Eltern sind Nichtsnutze, höhnten sie. Was wissen die denn schon großartiges?
    Sie leben einfach ins Blaue hinein und sorgen sich um nichts.
    Die Wildgänsetochter war hin und hergerissen, was sie wirklich glauben sollte, aber letztendlich sah sie es doch mit eigenen Augen, wie es den Gänsen auf dem Bauernhof gut ging.
    Sie hätten das beste Futter, meinten die zahmen Gänse und wären gut versorgt. Hier herrsche eine vernünftige Einstellung dem Leben gegenüber. Wozu die Welt sehen? Das ist so, wie wenn man über seine Verhältnisse lebt und dann noch das ganze Gerede über Edelmut, sie schüttelten nur den Kopf und schnatterten aufgebracht.
    Als die Wildgänse im Frühling wieder zurückkamen, war ihre Tochter distanziert zu ihrem Elternpaar und betrachtete sie mit kritischem Blick. Die Gänse vom Bauernhof hatten blütenweißes Gefieder, ihre Eltern dagegen waren grau und sie begann sich sogar ein wenig zu schämen.
    Nun trug es sich zu, dass der Wildgänserichvater in diesem Spätsommer schwer erkrankte und so im Herbst nicht mit den anderen Wildgänsen mitfliegen konnte.
    Die Wildgansmutter wollte auch nicht und bleib ihrem Gatten. Sie fanden eine alte verlassene Scheune, dort richteten sie sich ein um zu überwintern. Die Kälte und der Schnee kamen. In der Scheune fanden sich noch Reste vom Korn der umliegenden Felder, welches hier gelagert war und so lebten sie sparsamst um über den Winter zu kommen.
    Der Winter war aber lang und wollte nicht zu Ende gehen. Da machte sich die Wildgansmutter zu jenem Bauernhof auf, wo ihre Tochter mit dem Gänserich lebte.
    Die Tochter war inzwischen verheiratet und gut versorgt. Sie half ihrer Mutter, mit der Bedingung, dass sie das geborgte Futter baldmöglichst zurückbrächte.
    Die Wochen vergingen, das Wildgänsepaar hatte zu essen. Der Frühling kam, aber dem Wildgänserich ging es noch nicht so gut, so konnte er sich noch nicht auf Nahrungssuche begeben und seine Frau musste sich allein Futter herbeischaffen.
    Die Tochter hörte nichts mehr von ihren Eltern und machte sich zusammen mit ihrem Mann, dem Gänserich vom Bauernhof und den ganzen anderen zänkischen Gänsen auf den Weg.
    Im Gänsemarsch marschierten sie bis zu jener verlassenen Scheune und schnatterten, fauchten und zischten ihren ganzen Ärger heraus.
    Die Tochter schnatterte besonders aufgeregt, fragte ihre Eltern, ob sie die Kirchtürme, die sie auf ihren Flügen gesehen hätten, essen könnten....“ und außerdem seid Ihr Schuld, dass ich graues Gefieder habe und darunter seit Monaten leide.
    Die Wildgansmutter kam aus der Scheune heraus und wollte vermitteln. Sie gab ihrer Tochter zu verstehen, dass man nicht auf das schauen solle, was man nicht hat, sondern auf das, was man hat und dafür dankbar sein könne. Da wurde die Tochter besonders aufgebracht. Komm mir doch nicht mit Deinen Lebensweisheiten, fauchte sie, bringe mir lieber das geliehene Futter zurück.
    Der Sommer kam und dem Wildgänserich ging es wieder gut, zusammen mit seiner Gattin machte er lange Spaziergänge und Flugübungen, bis er wieder fliegen konnte und sie sich im Herbst den übrigen Wildgänsen anschließen konnten.
    Sie flogen wieder. Hoch oben in den Lüften, viele Tage, viele Nächte, bis sie ihr Ziel erreichten, wo sie überwinterten. Dann, zum Frühling, begaben sie sich so wie jedes Jahr auf den Rückweg und erreichten ihre Heimat, als der Schnee bereits geschmolzen war.
    Einige der befreundeten Wildgänse kannten die traurige Familiengeschichte der undankbaren Tochter.
    So erfuhren sie auch bald die Neuigkeit, dass wenig Wochen vor Weihnachten, die Hälfte der zahmen Gänse vom Bauernhof geschlachtet worden seien und man sie, bereits tot und gerupft, in einem Lieferwagen abgeholt hätte.
    Auch der Ehemann der Tochter musste daran glauben und es herrschte Schrecken und Wehklagen, allerdings nicht lange, denn bald hatten sie alles vergessen, was geschah und lebten zufrieden weiter.
    Die Wildganstochter aber vergaß nichts. Auch wurde sie von den zahmen Gänsen bald als Außenseiterin vom Hof gejagt.
    So musste sie wieder zu den Wildgänsen und bat um Aufnahme. Und flog wieder Jahr um Jahr hoch oben im unendlichem Blau des Himmels, über die Welt, wo die Menschen und die Tiere und die zahmen Gänse so klein und unwichtig schienen... und sie dachte nach über das Leben. Zeit hatte sie auf den langen Reisen genügend. Sie dachte daran, dass man nichts horten und nicht alles im Leben vorausplanen kann... es war nachts, sie flogen gerade über die Wüste und sie schaute hinauf zu den Sternen, die so nah funkelten. Und sie dachte daran dass es ihr an nichts fehlte und sie war glücklich.

    von Ali 2003



    LG Ali:umarmen:
     
  2. Asaliah40

    Asaliah40 Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    15. Januar 2011
    Beiträge:
    34.687
    Ort:
    Kärnten
    "Gänsehautgeschichte ":danke::)Ali!:umarmen:

    Ja, Konrad Lorenz und seine Gänse waren auch ein Begriff für mich und ich mochte die Dokus darüber.;)

    LG Asaliah
     
  3. noiona

    noiona Guest

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    ging mir voll unter die haut...so ist es mit geschichten,
    in denen ich mich wieder finde ,...:zauberer1

    danke meine liebe:kuesse::umarmen:

    noiona
     

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