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die wahrheit in einer geschichte

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von HamsterofDeath, 2. April 2009.

  1. HamsterofDeath

    HamsterofDeath Mitglied

    Registriert seit:
    1. November 2006
    Beiträge:
    911
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    Seltsam!« sagte der Polizeibeamte, »Es wäre doch so natürlich
    gewesen. Sie mußten wissen, daß Ihre Angelegenheit einen sehr
    mißlichen Charakter für Sie hatte. Soweit ich die Sache bis jetzt
    kenne und zu beurteilen vermag, Mademoiselle, gehört der Hammer in
    der Tat als Pertinenzstück zur Rheider Burg, das heißt, er gehörte
    dem Grafen. Und dieser brauchte Geld, viel Geld, denn er war ein wenig
    Lebemann, der arme Graf. Er kündigte Ihnen an, daß er gesonnen sei,
    sein Recht gegen Sie auszubeuten. Sie, die Sie gewohnt sind, Ihren
    kranken Vater in dessen Geschäften zu vertreten, begeben sich zu der
    Burg hinauf, Sie haben eine längere Unterredung mit Epaville – und
    dennoch versichern Sie mich, daß Sie nicht von der Angelegenheit, die
    Ihnen doch sehr dringend am Herzen liegen mußte, mit ihm reden
    wollten ...«»Zweifeln Sie an meinen Worten?«»Nicht im geringsten,
    Mademoiselle Ritterhausen, ich erstaune nur. Aber ich lasse auf Ihr
    bloßes Wort hin sogleich meine ganze Ueberzeugung fallen.«»Und
    diese Überzeugung war?«»Daß der Graf Ihre Vergleichsvorschläge
    zurückgewiesen, daß er Ihnen seinen festen Willen erklärt hat, sein
    Recht zu verfolgen.«»O nein, mein Herr – es war durchaus
    umgekehrt,« versetzte Sibylle mit einem bittern und verächtlichen
    Lächeln, »der Graf war voll zuvorkommender Anträge zu jedem
    möglichen Vergleich; er machte aus seiner Freundschaft eine sehr
    wohlfeile Ware ...«Der Polizeibeamte warf einen seiner scharfen
    Blicke auf Sibylle.»Sie haben also doch von Ihrer Angelegenheit mit
    ihm geredet,« sagte er. »Soeben verneinten Sie es,«»Ich verneinte,
    daß ich ihn aufgesucht; nicht daß, als der Zufall mich ihm in den
    Weg geführt, er nicht sofort von der Sache begonnen und der
    Unterredung eine Wendung gegeben, die mich veranlassen mußte, sie so
    bald abzubrechen, wie es immer möglich war.«»Aha, ich verstehe
    alles,« erwiderte Monsieur Ermanns mit boshaftem Lächeln, »Nun
    haben wir denn doch ganz dasselbe, was ich vorhin als Tatsache
    feststellen wollte: Sie haben eine Kriegserklärung von dem Grafen
    erhalten und als Sie darauf eine zufällige Unterredung mit demselben
    hatten, begriffen Sie, daß ein Friedensschluß mit ihm nur auf
    Bedingungen hin zustande kommen könne, welche Sie unter keinen
    Umständen, nie und nimmer, eingehen würden!«»Darf ich Sie bitten,
    mein Herr, mir zu sagen, wozu Sie mich über diese Angelegenheit
    verhören, denn die freundschaftliche Unterredung, um welche Sie mich
    baten, hat gar sehr den Charakter eines Verhörs angenommen.«»Hat
    sie das in der Tat, Mademoiselle? Nun, es mag sein. Aber ich würde
    untröstlich darüber sein, wenn etwas in meinem Tone und in meinen
    Fragen läge, das Sie persönlich verletzen könnte. Niemals in meinem
    Leben möchte ich weniger als Beamter und mehr als ein teilnehmender,
    wirklich ergebener Freund erscheinen!«»Dann würde ich es als einen
    Freundesdienst betrachten, wenn Sie mir ohne weitere Einleitung sagen
    wollten, wozu –«»Ohne Einleitung bringe ich das nun eben nicht
    übers Herz, Mademoiselle Ritterhausen, und deshalb bitte ich Sie,
    spannen Sie mein herzliches Mitleiden mit Ihrer Lage nicht dermaßen
    auf die Folter ...«»Herzliches Mitleiden ... ich bin Ihnen sehr
    dankbar dafür, mein Herr, aber ich muß Ihnen gestehen, daß ich es
    überaus überflüssig finde,« fiel Sibylle erbleichend
    ein.»Mademoiselle, ich will die Tatsachen vor Ihnen reden lassen –
    Sie sollen dann selber die Schlüsse ziehen. Nachher erst werden wir
    auf diesen Punkt zurückkommen. Sehen Sie, was sich ereignet hat, ist
    dieses: Im Jahre 1799 gewinnt der Baron Huckarde einen Prozeß wider
    den Hammerbesitzer Ritterhausen, dahin, daß der Rheider Hammer,
    welchen der letztere längst als sein Eigentum betrachtete, den er
    geschaffen, verbessert, vergrößert hat, der ihn reich oder doch
    wohlhabend machte, der seine kleine Welt, sein ein und sein alles ist,
    auf dem er geboren und auf welchem er zu sterben gehofft hat, daß
    dieser Hammer nicht ihm, sondern dem Baron Huckarde gehöre.»Der
    Baron hat beschlossen, ihn von dem Hammer zu entfernen.»Um dem
    zuvorzukommen, kauft Ritterhausen Förderungen, welche dritte Personen
    an Huckarde haben, Schuldverschreibungen des Barons an sich. Er
    eröffnet dem gestrengen Herrn dies. Er droht ihm: brauchst du dein
    Recht, so gebrauche ich das meine. Treibst du mich von dem Hammer
    fort, so treibe ich unerbittlich meine Forderungen ein, lasse deine
    Burg, oder wenn das nicht möglich, da sie Lehngut, alle deine
    fahrende Habe mit Beschlag belegen und versteigern.«Wie wissen Sie
    das, mein Herr?« fragte Sibylle in hohem Grade verwundert.»Von dem
    Herrn Ritterhausen selbst. Er war vorhin in einer vertraulichen
    Unterredung so freundlich, es mir mitzuteilen.«»Mein Vater selbst
    sagte Ihnen ...?«»Gehen wir weiter,« versetzte Monsieur Ermanns;
    »also der Hammerbesitzer bedroht den Burgherrn; der Burgherr aber
    entgegnet, daß er diese Bedrohung nicht beachten werde, daß er sein
    Wort gegeben, seine Ehre verpfändet, den Herrn Ritterhausen von
    seinem Grund und Boden auszutreiben, und daß er ihn deshalb
    austreiben werde.

    »Herr Ritterhausen sieht ein, daß er mit dem alten vorurteilsvollen
    Manne nicht werde zu einer Verständigung kommen können. Er muß sich
    sagen, daß der Tag naht, wo er zur Schadenfreude seiner Neider und
    Feinde den Hammer werde räumen und in die Welt hinausziehen müssen.
    Sie trennen sich im Zorn, die beiden Männer. Der alte Huckarde geht
    spät abends noch aus, zu einer Stunde, in welcher auch Ritterhausen
    ganz gegen seine Gewohnheit außer seiner Wohnung ist – am andern
    Morgen findet man plötzlich den alten eigensinnigen Baron mit einer
    Wunde am Hinterkopf tot in der Wupper!

    »Erste Tatsache. Gehen wir über zur zweiten.«»Der Hammerbesitzer
    Ritterhausen bleibt nun unangefochten auf seinem Hofe. Jahre vergehen.
    Wir schreiben 1807. Die Rheider Burg wird Eigentum eines neuen Herrn,
    eines Mannes, dessen Privatverhältnisse ihn zwingen, die Zitronen,
    welche man ihm schenkt, nicht unausgepreßt zu lassen. Dieser Herr
    erklärt denn auch sofort dem Hammerbesitzer: du sitzest auf meinem
    Eigentum; ich fordere es zurück von dir, du sollst mein Pächter
    werden, mein Heuerling, oder sofort den Herd, an dem du dich
    unrechtmäßigerweise breit gemacht hast, verlassen.«»Der
    Hammerbesitzer sendet seine Tochter zu dem neuen, so schlimm
    auftretenden Herrn, um mit ihm zu verhandeln. Aber diese Botschaft
    bleibt fruchtlos. Sie hat nur ein noch mehr erbitterndes Ergebnis,
    denn der neue Burgherr führt der Tochter des Hammerbesitzers
    gegenüber eine Sprache, welche ihre jungfräulichen Gefühle verletzt
    und ihren Zorn erregt. Herr Ritterhausen also muß sich einmal wieder
    sagen: es gibt hier keine Rettung für dich, du wirst deinen alten
    Besitz mit dem Rucken ansehen müssen. Da, in der nächsten Nacht,
    findet man den neuen Burgherrn mit einer tiefen Wunde in der Brust tot
    auf seinem Bette.»Habe ich die Tatsachen einfach, wie sie sind,
    richtig und wahrheitsgetreu vorgetragen?«»In Ihrer eigenen Färbung!
    Aber, um Jesus und aller Heiligen willen, was folgern Sie daraus,«
    rief Sibylle, die bis dahin mit immer größer werdenden Augen, immer
    bleicher werdenden Zügen der Rede des Polizeibeamten zugehört
    hatte.»Was ich daraus folgere? Brauche ich das zu sagen? Folgern Sie
    selber: die Moral der Geschichte scheint mir nicht schwer zu
    finden!«»Sie werden doch nicht andeuten wollen,« rief Sibylle,
    plötzlich über und über dunkelerrötend und mit vor Zorn bebender
    Lippe, »Sie werden doch nicht die Verwegenheit haben, anzudeuten,
    daß mein Vater mit diesen Mordtaten oder was es sein mag, irgendeine
    Verbindung habe!«»Beruhigen Sie sich, Demoiselle Ritterhausen;
    nehmen wir die Dinge wie sie sind; ich habe Sie meiner Ergebenheit und
    Dienstbeflissenheit hinreichend versichert; ich will nichts andeuten,
    nichts behaupten, ich will nur mit Ihnen überlegen, auf welche Weise
    ...«»Mein Herr,« fuhr Sibylle entrüstet dazwischen, indem sie
    aufstand, »ich danke Ihnen für eine Freundschaft und Ergebenheit,
    welche sich darin zeigt, daß Sie mir Unverschämtheiten sagen. Haben
    Sie die Güte, mich zu verlassen, oder ich ...«

    »Sacht, sacht, meine teure Demoiselle,« fiel hier Monsieur Ermanns
    ein, »stoßen Sie meine wohlwollende Teilnahme nicht von sich, denn
    Sie würden dann sehr unglücklich werden. Ich bin in der Tat nicht so
    unverschämt und verwegen, wie Sie sagen. Wenn ich aus der Lage der
    Dinge den Schluß gezogen habe, daß Herr Ritterhausen der
    intellektuelle Urheber, wie die Juristen sich ausdrücken, dieses
    Mordes an dem Grafen von Epaville ist, so habe ich noch eine ganz
    bestimmte Tatsache, welche die Folgerungen meiner Vernunft
    unterstützt.«»Ich glaube, ich habe schon mehr, als es sich für
    eine Tochter ziemt, von Ihren Folgerungen angehört, und deshalb
    ...«»Nur noch einen Augenblick,« fiel der Polizeibeamte, immer in
    seinem ruhigen, freundlichen, halb demütigen, halb ironischen Tone
    bleibend, fort. »Sagen Sie mir, was hat der Deserteur zu bedeuten,
    welchen man seit den letzten Tagen in der Rheider Burg versteckt
    gehalten hat und nach dessen Befinden Sie vor kurzer Zeit sich so
    teilnehmend erkundigt haben – Sie, Mademoiselle Ritterhausen!«»O,
    mein Gott!« rief Sibylle aufs neue totenbleich werdend aus und fiel
    halb ohnmächtig auf ihren Stuhl zurück.Monsieur Ermanns schien der
    furchtbaren Erschütterung des jungen Mädchens, ihrem
    ohnmachtähnlichen Zustande durchaus keine Bedeutung beizulegen. Er
    fuhr zu reden fort, nur daß jetzt seine Stimme einen strengen Ernst
    annahm und seine Blicke stechend über seine Brille fortschossen.

    »Ich muß hiernach annehmen,« sagte er, »daß Sie in das, was
    geschehen ist, vollständig eingeweiht sind. Der Deserteur, der Ihre
    Teilnahme in Anspruch genommen hat, ist das Werkzeug gewesen, dessen
    Ihr Vater sich bedient hat, und Sie, Demoiselle Ritterhausen, kennen
    dieses Werkzeug und sind in Sorge darum, ob der Mörder sich früh
    genug vom Schauplatz seines Verbrechens gerettet hat, ob er nicht in
    die Hände der Gerechtigkeit gefallen ist! Sie gestehen mir das ein,
    Mademoiselle?«Sibylle bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen, durch
    deren Finger sich jetzt die hellen Tränen drängten.»Nicht wahr, Sie
    gestehen das ein?«Sibylle antwortete nicht. Aber für sich sagte sie:
    »O diese Strafe ist fürchterlich – aber sie ist gerecht,
    gerecht!« »Die Strafen der Verbrechen sind immer gerecht,« fiel der
    Polizeibeamte, dessen scharfes Ohr ihre geflüsterten Worte vernommen
    hatte, ein; »und doch treffen sie den einen weit härter als den
    andern, je nach seinem Charakter, seiner Erziehung, der Stellung,
    welche er im Leben einnimmt. Für den Ehrgeizigen, den Gebildeten,
    einst angesehenen Mann, den die Leidenschaft zum Verbrechen verführt,
    ist die öffentliche Bestrafung, zum Beispiel die Ausstellung, etwas,
    worin für ihn eine Hölle liegt, während der in Ruchlosigkeit
    aufgewachsene, verkommene Mensch sich gar wenig daraus macht. Dennoch
    ereilt diese Strafe beide für dasselbe Verbrechen. Freilich ist der
    eine strafbarer als es der andere ist: ob aber in dem Maße, wie ihn
    die Strafe grausamer trifft – wer kann das bestimmen! Wir sind alle
    Sklaven unserer Leidenschaften und moralische Blindheit läßt uns in
    Verbrechen fallen, wie physische Blindheit in Abgründe. Der Mensch
    ist eben wie er von der Natur gebildet worden, und wenn er seinem
    Nachbar das Haus anzündet, wer weiß, wo da der erste Funke zu dem
    verderblichen Feuer eigentlich steckte und aufglomm – ob nicht
    vielleicht in einem ungesunden Blut, das in seinen Adern stockte und
    mit andern Säften in feindliche Reibung geriet und gor, und ihn in
    einen Zustand versetzte, worin er der bedauernswürdige Sklave eines
    Triebes und Dranges wurde, der ihn zu dem führte, was wir dann
    Verbrechen nennen und das wir dann unnachsichtlich bestrafen. Das
    letztere ist freilich auch nicht zu umgehen. Was soll man da machen!
    Aber aus dieser meiner Ansicht von den Dingen sehen Sie, Mademoiselle,
    daß ich nicht der Mann bin, über solche Tatsachen, wie sie hier in
    Frage sind, in eine unerbittliche moralische Entrüstung zu geraten.
    Die aufrichtige Teilnahme, von der ich Ihnen vorhin sprach, bleibt
    Ihnen dennoch in ungeschmälertem Maße, und ich will jetzt dazu
    übergehen, sie Ihnen durch die Tat zu beweisen. Sagen Sie mir, kennen
    Sie unser französisches öffentliches Gerichtsverfahren, unsere
    Assisenhöfe, Demoiselle Ritterhausen?«
     
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