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Askese oder Agieren

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von diabolo, 13. Mai 2005.

  1. diabolo

    diabolo Neues Mitglied

    Registriert seit:
    15. Januar 2005
    Beiträge:
    372
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    > Das Wort GOTT ist also ein Urlaut. So wie wir Ohh ! machen (beim Orgasmus)
    > und Ach ! (wenn wir ploetzlich mit einem Todfeind konfrontiert werden. Das
    > Ploetzlich ist auch das wesentliche an der Erleuchtung, die den Mystiker
    > ploetzlich (exaiphnes) vertummen laesst. Ueberraschung !

    Da wäre die Frage ob sich die Psychoanalyse und die Psychoanalytiker im
    Laufe der Zeit hinanalysieren werden zur Erleuchtung,
    zum Urlaut und zum Verstummen. Wenn die Psychoanalyse einmal verstummt, ob
    sie dann erleuchtet sein wird?

    In der Psychoanalyse gibt es zwei Richtungen, die eine soll mit Ferenczi
    begonnen haben und beruht im Gegensatz zur klassisch Freudschen Analyse auf
    der Wiederholung der Wiederholungen und der korrigierenden emotionalen
    Erfahrung. Hier ist also das Agieren und kathartische Entladung gefragt und
    die von früheren Erfahrungen abweichende Reaktion der Umgebung die
    psychische Veränderungen ermöglichen soll. Eine solche Therapie lebt die
    Emotionen mehr aus als sie zu analysieren und das Schwergewicht liegt eben
    auf der veränderten Reaktion, ist also normalem Verhalten noch sehr nahe,
    nur daß dort eben Agieren und Reaktion gleich bleibt und es nicht um
    Korrektur geht, obwohl die natürlich auch im normalen Leben, etwa bei
    Partnerwechsel spontan abläuft.

    Die andere Richtung versucht nun ein asketisches Prinzip zur Geltung zu
    bringen, indem sie versucht das Agieren der Wiederholung zu hemmen, zu
    unterlassen und die mit dem drängenden Wiederholungsimpuls verbunden Affekte
    und Vorstellungen analysiert, also etwa auf infantile libidinöse
    Zusammenhänge hin untersucht um diesen infantilen Hintergrund bewußt zu
    machen. Nun wird behauptet der Primärprozeß funktioniere ganz nach dem
    Lustprinzip und der Sekundärprozeß bringe erst diese hemmende und Unlust in
    Kauf nehmende asketische Leistung zustande. Es stellt sich hier die Frage ob
    das ES und das Kleinkind wirklich einem solch puristischen Lustmodell folgt
    oder ob hier diskriminierende Projektion auf das ES und auf das Kind eine
    Rolle spielen, die letztlich auch nur der Seelen- und Triebabwehr dienlich
    ist. Ist das ES wirklich so ein reiner Lustmolch und Unlustvermeider oder
    sehen wir vernünftigen Großkotze dies nur in das ES hinein?

    Teilweise wurde in den frühen Analysen sexuelle Abstinenz verlangt, sodaß
    wohl keiner ernstlich wiedersprechen kann, in der Analyse würde Askese eine
    Rolle spielen. Wenn ich sexuellen Impulsen nicht folge, betreibe ich schon
    ein Stückchen Askese. Da die meisten von uns sexuell mehr oder minder
    beschränkt oder eingeschränkt sind sind wir auch alle mehr oder weniger
    Asketen obwohl wir davon ja nicht viel halten und daß Wort in der
    Psychoanalyse wohl auch nicht verwenden. Ein zweite Säule asketischer
    Bemühungen ist der Nahrungsverzicht, auch dies ist Triebverzicht und ich
    habe den Eindruck, daß der für die meisten Deutschen wesentlich angstvoller
    besetzt ist, als der sexuelle Triebverzicht den schon die alltägliche Arbeit
    uns abverlangt.

    Wenn man nun in der Psychoanalyse etwa sexuelle Wiederholungen hemmt um sie
    besser analysieren, den Übertragungscharakter bloslegen, usw. zu können, so
    müßte einem doch gleich einleuchten, daß eine Psychoanalyse wesentlich
    effektiver würde, wenn man nun insgesamt eine asketische Haltung als
    Grundlage der Analyse einüben würde. Verzicht als Prinzip einüben. Dies ist
    viel einfacher als die Meisten von Verhungerungsängsten Geplagten sich dies
    vorstellen können. Am optimalsten lernt man dies natürlich in Fastenperioden
    die man (besser unter Anleitung) bis zu 6 Wochen durchführen kann, aber als
    Dauerlösung bietet sich eine vegetarische Ernährung an, die als Grundlage
    einer asketisch bejahenden Lebensführung hervorragend geeignet ist.

    Im Grunde ist es ein ziemlicher Masochismus etwa sexuelle Verhaltensweisen
    analysieren zu wollen und gleichzeitig Fleisch zu essen. Fleisch ist ein
    ziemliches
    Aphrodiasikum (Ein Stück Lebenskraft), macht geiler und verstärkt den
    triebhaften
    Aspekt der Begierden und dieses aufgegeilte Triebleben soll und will man
    dann analysieren.
    So wird Psychoanalyse nur erschwert und schwerer gemacht weil das
    Ernährungsverhalten
    dem Willen zu analysieren geradezu zuwieder läuft. Man muß etwas bremsen und
    analysieren
    und gleichzeitig geilt man diese Kräfte noch auf, sodaß alles viel
    schwieriger wird zu bearbeiten.

    Vermutlich liegt es an diesen gegensinnigen Kräften, daß die Psychoanalyse
    zwar Affekte, Triebe, sexuelle Impulse analysiert,
    aber ich habe noch nie gehört, daß sie mal über diese an sich niedere Sphäre
    des Seelenlebens mal hinausgekommen wäre, denn man kann auch das Denken
    selber zum Gegenstand der Analyse machen und der Beobachter des eigenen
    Denkens werden, wobei auch hier wieder das asketische Prinzip wirksam werden
    muß. Auch hier muß man einen gewissen Triebverzicht leisten, denn auch das
    Denken wird getrieben von innen her und dieses Denken wiederum beobachten
    analysieren und hinterfragen.

    Bei Rudolf Steiner kann man über diese Beobachtung des eigenen Denkens
    etliches lesen und der konnte dies auch nur schreiben weil er als Vegetarier
    in diese höhere Sphäre des Seelenlebens wachsen und dort tätig werden
    konnte. Mit solchen Denkmethoden bzgl. des Denkens kann man dann schon mal
    in die höheren Einsichten gelangen, was denn der Todestrieb eigentlich ist
    und warum Askese als eigenständiges Lebensprinzip von wesentlichster
    Bedeutung ist. Der Todestrieb entpuppt sich dort als Bewußtwerdungstrieb
    und wenn man dies versteht, ist auch gleichzeitig klar, warum Psychoanalyse,
    die ja bewußt machen will, natürlich partiell im Dienste eines so
    verstandenen Todestriebes steht.

    Der Todestrieb steht wie ein eigenständigs Prinzip (yin) dem Lebenstrieb
    (yang) gegenüber. Wir haben in den Therapien und in der Psychoanalyse die
    beiden großen Richtungen , die asketische Richtung will bewußtmachen und
    analysieren, das ist die klassische Psychoanalyse und dem gegenüber steht
    die ausagierende Seite die logischerweise korrigieren will, psychodynamisch
    wirksame korrigierende emotionale Erfahrungen machen möchte. Das ist alles
    legitim.

    Warum aber hat die klassische Psychoanalyse das asketische Prinzip aber nur
    so partiell und halbherzig durchgeführt? Sie behauptet von dem ES es sei
    puristisch lustorientiert, die Aufgabe des ICH der Sekundärprozesse, bestehe
    nun darin, das Gegenteil, nämlich Unlustereignisse zu realisieren und zu
    ertragen um an den realen Bedingungen sich anzupassen und dadurch
    schließlich noch mehr Lust zu erlangen. Die das am besten können, kriegen
    dann einen der zuletzt genannten Stühle, heilige Stühle, Lehrstühle,
    Therapeutenstühle, es gibt natürlich noch viel mehr Stühle!"

    Nun die These wäre, daß das Ich hier zwar seine überhebliche
    Eigenständigkeit wahren möchte und das ES der puristischen Lustorientierung
    beschuldigt, um sich selber gegenüber dem ES zu erhöhen, daß aber dieses Ich
    in Wirklichkeit ein Sklave genau jenes Lustprinzips bleibt, welches es dem
    ES zu Recht oder auch zu Unrecht unterstellt. Das Ich ist nur schlau genug,
    daß es gewissen Unlustereignisse in Kauf nehmen muß es bleibt aber dem Trieb
    völlig verhaftet und es stellt sich mir für die Zukunft die Frage ob die
    diskriminierende Ansicht über das ES wirklich aufrecht zu erhalten ist.

    Warum macht es sich die Psychoanalyse also nicht einfach und kultiviert das
    asketische Prinzip um schneller und leichter zu umfassenderer Bewußtwerdung
    zu gelangen um neben den psychodynamischen Aspekten, Emotion und Sexualität
    auch die geistige und spirituelle Bewußtseinsspäre zu erforschen, die latent
    sowieso in jedem Menschen vorhanden ist. Freilich es würde sich
    herausstellen, daß der Oedipuskomplex, verfestigt in Theorien, selber nur
    ein Traum ist, den man deuten und viel grundlegender verstehn kann, es
    würden sich andere und tiefere Sichtweisen hinsichtlich der kindlichen
    Libido, der kindlichen Sexualität ergeben,
    es könnte vertieftes Verständnis erlangt werden über das was hinter dem
    ozeanischen Gefühl wirkt usw usw.


    Diabolo
     
  2. QIA S.O.L

    QIA S.O.L Sehr aktives Mitglied

    Registriert seit:
    13. Februar 2005
    Beiträge:
    5.406
    Ort:
    Wien
    ...ist auch eine Handlung!

    Liebe Grüße
    Qia
     
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