Weltalter

Im Hinduismus gibt es die vier Welt- und Zeitalter, denen sich alles Geschehen auf der Erde anpassen muss:

1. Satya Yuga = goldenes Zeitalter
2. Treta Yuga = silbernes Zeitalter
3. Dvarpa Yuga = brozernes Zeitalter
4. Kali Yuga = eisernes/dunkles Zeitalter

Eine Beschreibung dieser Weltalter findet man interessanterweise auch bei vielen griechischen Philosophen, wie z.B. Ovid (1 n. Chr.):

Ovid schrieb:
Erst entsproßte das goldne Geschlecht, das, von keinem gezüchtigt,
Ohne Gesetz freiwillig der Treu und Gerechtigkeit wahrnahm.
Furcht und Strafe war fern.
Nicht lasen sie drohende Worte
Auf dem gehefteten Erz; nicht bang vor des Richtenden Antlitz
Stand ein flehender Schwarm: ungezüchtiget waren sie sicher.
[...]
Das "goldne Geschlecht" wie Ovid es nannte, waren die Menschen des goldenen Zeitalters. In dieser Zeit bestand keine Notwendigkeit nach Gesetz und Züchtigung. Die Menschen waren sicher und lebten ohne Furcht.

Ovid schrieb:
Außer dem ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade.
Noch umgürteten nicht abschüssige Graben die Städte.
Nicht die grade Drommete von Erz, noch gewundene Hörner,
Auch nicht Helm war jetzo, noch Schwert: und der Söldner entbehrend,
Lebeten nun sorglos in behaglicher Ruhe die Völker.
Die Leute lebten abgeschieden und es gab weder einen Austausch der Kulturen noch Befestigungen der Dorfer & Städte. Waffen existierten genausowenig wie eine Rüstungsindustrie.

Ovid schrieb:
Selbst annoch, unbeschatzt, und dem Karst nie pflichtig, noch jemals
Wund vom schneidenden Pflug, gab freudiger alles die Erde;
Und mit den Speisen vergnügt, die sonder Zwang sich erhuben,
Pflückten sie Arbutusfrucht, und des Bergtals würzige Erdbeern,
Auch des rauhen Geranks Brombeer, und die rote Kornelle,
Und vom gebreiteten Baume des Jupiter fallende Eicheln.
Ewig waltete Lenz, und sanft mit lauem Gesäusel
Fächelten Zephyrus Hauche die saatlos keimenden Blumen.
Bald auch gebar Feldfrüchte der ungeackerte Boden,
Ohn' Auffrischung ergraute die Flur von belasteter Ähre.
Rings nun Bäche von Milch, rings walleten Bäche von Nektar;
Rings auch tröpfelte gelb aus grünender Eiche der Honig.
Die Menschen lebten vom reichen Angebot welches die Erde hergab (Früchte, wildes Getreide). Ackerbau wurde nicht betrieben. Es war das Zeitalter der Regentschaft von Saturn. Nach ihm folgte Jupiter mit dem silberenen Zeitalter:

Ovid schrieb:
Als Saturnus versank in des Tartarus Dunkel, und herrschend
Jupiter lenkte die Welt; da erwuchs die silberne Zeugung,
Weniger köstlich denn Gold, doch mehr als rötliches Erz noch.
Jupiter engte nunmehr der Urwelt ewigen Frühling,
Sonderte Winter, und Gluten, und herbstliche Ungewitter
Vom kurzblühenden Lenz, und schuf vier Räume des Jahres,
Jetzo geschah, daß die Lüfte, von trockener Schwüle gesenget,
Glüheten, und vor dem Winde das Eis hartstarrend herabhing.
Jetzo suchten sie Häuser zum Schirm: ihr Haus war die Höhle,
Oder ein dichtes Gestaud', und mit Bast verbundene Reiser.
Jetzt ward Samen der Ceres in langgezogenen Furchen
Untergescharrt, und es seufzt' im drängenden Joche der Pflugstier.
Während es im goldenen Zeitalter ein relativ konstantes Klima in den bewohnten Erdteilen gegeben haben dürfte, so änderte sich das mit dem silbernen Zeitalter. Die 4 Jahreszeiten entstanden. Winterfeste Behausungen waren notwendig. Ackerbau wurde betrieben (damit man durch den Winter kommt) und Tiere wurden als Arbeitstiere auf dem Acker eingesetzt.

Relativ wenig erfahren wir über das dritte Zeitalter:

Ovid schrieb:
Hierauf folgte das dritte Geschlecht, von eherner Zeugung,
Wütender schon von Natur, und gewandt zu schrecklichen Waffen;
Doch unsündig annoch. Darin schloß die eiserne Abart.

Die Menschen werden immer aggressiver und beginnen Waffen herzustellen ... vielleicht auch, um sich zu schützen ... aber offenbar alles noch ohne ein großes Gemetzel. Das wird sich im nächsten Zeitalter ändern:

Ovid schrieb:
Stracks nun stürmte daher in die Zeit der schlechteren Ader
Jeglicher Greu'l: es entflohen die Scham, und die Treu', und die Wahrheit;
Deren Stell' einnahmen der laurende Trug und die Arglist,
Heimliche Tück', und Gewalt, und die frevelnde Sucht zu gewinnen.
Unschwer zu erkennen, in welchem Zeitalter wir gerade leben. Es kommt immer wieder zu schweren Verstöße gegen die universellen Prinzipien der Demut (Bescheidenheit), Treue und Wahrheit. Die Leute täuschen andere, um einen persönlichen Vorteil zu erlangen und scheuen auch vor Gewalt nicht zurück. "Die Sucht zu gewinnen" ist das Streben nach materiellem, persönlichen Reichtum ... ganz gleich, wenn er auch auf der Ausbeutung anderer Lebewesen basieren sollte. Die Maximierung des eigenen Wohls und der Sinnesfreuden steht über allem.

Ovid schrieb:
Unbekannteren Winden entfaltete Segel der Schiffer;
Und da sie lang' untätig auf luftigen Bergen gestanden,
Wagten die Kiele den Sprung durch nie erkundete Wasser.
Auch die Erde, zuvor wie Luft und Sonne gemeinsam,
Zeichnete jetzt vorsichtig mit langer Grenze der Messer.
Was macht man, um Reichtum zu erlangen? Man erkundet unbekannte Gebiete um dort nach Reichtum zu suchen. Und was vorher ALLEN gehört hat ... insbesondere das Land ... wird jetzt zum Privatbesitz und nach außen abgegrenzt.

Ovid schrieb:
Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefen der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen.
Die Menschen beschränkten sich nicht mehr darauf pflanzliche Kost zu sich zu nehmen (Saaten), sondern begannen auch "schuldige Nahrung" zu vertilgen, also Tierkörper ... was einem Tabubruch gleich kommt und schwere Schuld (Karma) erzeugt. Und aus den Tiefen der Erde holte man Edelmetalle und -steine hervor ... die Begehrlichkeiten weckten und Grundlage für Verbrechen darstellen ... aber auch für Kriege.

Ovid schrieb:
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.

Nun lebt alles vom Raub, kein Gastfreund schonet den Gastfreund,
Noch der Eidam den Schwäher; auch liebende Brüder sind selten.
Meuchlerisch stellet das Weib dem Gemahl nach, dieser der Gattin;
Und Stiefmütter bereiten aus falbem Kraute den Gifttrank;
Selber auch späht voreilend der Sohn nach den Jahren des Vaters.
Frömmigkeit sank vor Gewalt; Asträa selber, die Jungfrau,
Floh, der Himmlischen letzte, die blutgefeuchteten Länder.
Da stehen wir also. Es gibt Kriege und Waffengefechte um materiellen Reichtum und um Macht. Mißbrauch & Korruption stehen an der Tagesordnung. Wer die Chance hat unentdeckt zu betrügen bereichert sich zu seinem eigenen Vorteil ... auf Kosten der Allgemeinheit. Und selbst innerhalb der Familie gibt es Tragödien. Es ist ein hohes Potential an Gewalt & Aggressionen vorhanden ... vielleicht auch das illusorische Gefühl noch MEHR (Sinneslust) für sich selbst herausholen zu können. Das dunkle, eiserne Zeitalter hat die Menschen noch voll im Griff.

Dennoch kann jedes einzelne Individuum für sich selbst entscheiden, da nicht mitzumachen!!! :)
- nicht verletzen (in Taten aber auch Worten und sogar Gedanken!!! Andere nicht verurteilen!)
- nicht lügen (um sich einen Vorteil zu verschaffen)
- nicht betrügen (nicht mal den Staat ;-) ... auch nicht die Firma, indem man Büromaterial privat nutzt)
- Reinheit anstreben (in Gedanken, Worten und Taten ... das schwierige Thema Sexualität & Lust ... Lust durch immer mehr Herz & Liebe ersetzen
- Bescheidenheit & Demut (eigene Leistungen nicht betonen! Eigenes Wissen nicht betonen! Alles als Geschenk erkennen; wir haben an allem nur das Nutzungsrecht für eine begrenzte Zeit; alles gehört letztlich Gott; eigenen Reichtum nicht zur Schau stellen ... und andere aus diesen Gründen nicht geringer achten)
- keine Tiere essen

Wir haben permanent Verfehlungen in diesen Prinzipien, 24 Stunden am Tag. Gerade Menschen die glauben sie wären davon nicht betroffen unterliegen einem großen Irrtum. Viele dieser Dinge laufen unbewusst ab. Ändern kann man es nur, wenn man sich auf einer täglichen Basis selbst analysiert und Buch führt. Der Gedankenapparat kennt keine Pausen und mit der Zeit sieht man, wie viele Fehler wir machen. Es ist beschämend ... und deswegen heißt es berechtigter Weise, dass die Demut zu 99 % bei den Heiligen liegt. Wir selbst sind sehr sehr schwach und ein Spielball der 5 Diebe: Lust, Ärger, Gier, Verhaftung und Ego ... die uns offenbar im Kali-Yuga untergejubelt wurden.

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TopperHarley
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