Noch mehr Kabir ...

1 I. 13. mo ko kahân dhûnro bande
OH DIENER, wo suchst Du mich? Hier! Ich sitze neben Dir.
Ich bin weder in einem Tempel zu finden, noch in einer Moschee:
Ich bin nicht in der Kaaba zu finden, noch im Berg Kailash:
Nicht in Riten oder Zeremonien, nicht im Yoga und nicht im Verzicht.
Wenn Du mich wirklich suchst, dann kannst Du mich immer sehen:
Du findest mich in dem kleinsten Haus der Zeit.
Kabîr sagt: "Oh Sadhu, Gott ist der Atem allen Atems."

2 I. 16. Santan jât na pûcho nirguniyân
ES ist unnötig einen Heiligen zu fragen welcher Kaste er angehört.
Der Priester, der Krieger, der Kaufmann und alle sechsunddreißig Kasten suchen in gleicher Weise nach Gott.
Aber es ist eine Torheit zu fragen von welcher Kaste ein Heiliger sei;
Der Barbier hat Gott gesucht, die Waschfrau und der Zimmermann.
Sogar Raidas war ein Gottsucher.
Der Rishi Swapacha war ein 'Unberührbarer' Tanner.
Hindus und Moslems haben in gleicher Weise das Ende erreicht, wo kein Zeichen eines Unterschiedes mehr bleibt.

3 I. 57. sâdho bhâî, jîval hî karo âs'â
OH mein Freund! Schau nach Ihm aus noch während Du lebst, erkenne während Du lebst,
Verstehe während Du lebst: um im Leben die erlösende Befreiung zu ertragen.

Wenn Deine Bindungen nicht gebrochen werden, während Du lebst, welche Aussicht auf eine erlösende Befreiung hast Du im Tode?
Es ist nur ein leerer Traum, daß die Seele sich mit Ihm vereinigen wird, weil sie dem Körper entkommen ist:
Wenn Er jetzt gefunden werden kann, dann kann Er auch dann gefunden werden.
Wenn nicht, dann gehen wir fort, um in der Stadt des Todes zu wohnen.
Wenn Du die Vereinigung jetzt hast, dann hast Du sie auch danach.
Bade in der Wahrheit, wisse den wahren Lehrer, habe Vertrauen in den wahren Namen!
Kabîr sagt: "Es ist die Laune der Suche, welche hilft;
Ich bin der Sklave dieser Laune der Suche."

4 I. 58. bâgo nâ jâ re nâ jâ
GEH' nicht in den Garten der Blumen!
Lieber Freund! Gehe nicht dorthin. In Deinem Körper ist ein Garten der Blumen.
Nimm Platz auf den tausend Blättern des Lotus und dort betrachte seine unendliche Schönheit.

5 I. 63. avadhû, mâyâ tajî na jây
SAG mir Bruder, wie kann ich mich lossagen von der Illusion?
Wenn ich mich löse von den Stirnbändern, so binde ich immer noch mein Kleid an mich:
Wenn ich mich löse von meinem Kleid, so habe ich immer noch meinen Körper mit seinen Falten bedeckt.
Und wenn ich mich von der Leidenschaft löse, so sehe ich, daß Zorn verbleibt.
Und wenn ich mich vom Zorn lossage, ist Habgier immer noch in mir;
Und wenn die Habgier überwunden ist, verbleibt Stolz und Aufgeblasenheit;
Wenn der Verstand gleichgültig ist und die Illusion verwirft, klammert er sich immer noch an die Buchstaben.
Kabîr sagt: "Höre mir zu, lieber Sadhu! Der wahre Weg wird selten gefunden."

6 I. 83. candâ jhalkai yahi ghat mâhîn
In meinem Körper ist ein Mond, aber sehen kann ich ihn nicht! Ein Mond und eine Sonne.
Eine Trommel schlägt, von keiner Hand berührt, aber hören kann ich sie nicht!
Solange der Mensch sich darüber sorgt, daß er stirbt und was er besitzt, das seines ist, sind alle seine Mühen umsonst.
Wenn der Stolz des Ich's gestorben, samt dem was es besitzt, ist des Lehrers Arbeit zu Ende.
Der Zweck der Arbeit ist zu lernen; wenn Du erkannt hast, ist die Arbeit getan.
Die Apfelblüte hat ihr Sein um die Frucht zu schaffen; wenn sie da ist, fällt das Blütenblatt.
Der Moschus ist im Hirsch, aber der Hirsch beachtet es nicht: er wandert umher, um Gras zu suchen.

WENN Er selbst sich offenbart, bringt Brahma das in die äußere Erscheinung, welches niemals gesehen werden kann.
Wie der Same in der Pflanze ist, wie das Dunkle im Baume ist,
Wie die Leere im Himmel ist, wie unendliche Formen in der Leere sind -
So kommt das Unendliche von jenseits des Unendlichen und vom Unendlichen dehnt sich das Endliche aus.
Das Wesen ist Brahma und Brahma ist in dem Wesen: Sie sind immer getrennt, doch immer vereint.
Er selbst ist der Baum, der Same der Ursprung.
Er selbst ist die Blume, die Frucht und das Dunkle.
Er selbst ist die Sonne, das Licht und das Beleuchtete.
Er selbst ist Brahma, Wesen und Illusion.
Er selbst ist die mannigfaltige Form, der unendliche Raum;
Er ist der Atem, das Wort, der Sinn.
Er selbst ist die Grenze und das Grenzenlose:
Und jenseits beidem, dem Begrenzten und dem Grenzenlosen ist Er, das pure Sein.
Er ist die innewohnende Seele in Brahma und im Wesen.
Die höchste Seele ist im Inneren der Seele zu sehen.
Das Ziel ist im Inneren der höchsten Seele zu sehen und im Inneren des Zieles ist die Widerspiegelung abermals zu sehen.
Kabîr ist glücklich, weil er diese höchste Sicht hatte!

. . .

9 I. 104. aisâ lo nahîn taisâ lo
OH, wie könnte ich jemals ausdrücken, was die verborgene Welt ist?
Oh, wie kann ich sagen, Er ist nicht so oder Er ist so?
Wenn ich sage, daß Er in meinem Inneren ist, ist das Universum beschämt:
Wenn ich sage, daß Er außen von mir ist, ist es die Unwahrheit.
Er fügt die inneren Welten und die äußeren Welten in eine unteilbare Welt zusammen;
Das Bewußte und das Unbewußte, beide sind Seine Fußbänke.
Er ist weder offenkundig noch verborgen, Er ist weder offenbar noch nicht offenbar:
Es gibt keine Worte die das sagen, was Er ist.

10 I. 121. tohi mori lagan lagâye re phakîr wâ
FÜR Dich, der Du meine Liebe an Dich gezogen hast, Oh Fakir!
Ich schlief in meiner Kammer und Du hast mich geweckt; erschrecktest mich mit mit Deiner Stimme, Oh Fakir!
Ich war in den Tiefen des Ozeans dieser Welt ertrunken und Du hast mich gerettet: Trugst mich mit Deinem Arm, Oh Fakir!
Nur ein Wort, kein zweites - und Du hast mich von allen meinen Bindungen gerissen, Oh Fakir!
Kabîr sagt: "Du hast Dein Herz mit meinem Herz vereint, Oh Fakir!"

Anmerkung: Hier spricht Kabir über seinen Meister. Im nachfolgenden Vers vergleicht Kabir die Seele mit einem Schwan, wie das ist der Mystik üblich ist:

12 II. 24. hamsâ, kaho purâtan vât
ERZÄHLE mir Oh, Schwan, Deine alte Mär.
Aus welchem Land kommst Du, Oh Schwan?
Zu welchem Ufer wirst Du fliegen?
Wo machst Du eine Ruhepause,
Oh Schwan und was suchst Du?
Gerade an diesem Morgen, Oh Schwan, erwache, steige auf, folge mir!
Da ist ein Land, wo es keinen Zweifel und auch keine Sorgen gibt: Wo es den Terror des Todes nicht gibt.
Dort blühen die Frühlingswälder und der duftende Wohlgeruch "Er ist Ich" ist geboren im Wind:
Dort ist die Biene des Herzens tief hinein getaucht und sucht keine andere Freude.

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TopperHarley
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